Bücher mit dem Tag "zivilisation"
33 Bücher
- Yuval Noah Harari
21 Lektionen für das 21. Jahrhundert
(124)Aktuelle Rezension von: Hoffe63Es ist einfach nur beneidenswert, diesen Gesamtüberblick zu haben und diese Verknüpfungen zu erstellen. Und dabei schreibt er, anders als der hochgelobte deutsche TV Neuphilosoph, völlig unaufgeregt und weitestgehend wertungsfre. Alle 3 Werke von ihm konnte ich kaum zur Seite legen und mindestens jedes schon 2x gelesen.
- Emily St. John Mandel
Das Licht der letzten Tage
(397)Aktuelle Rezension von: glamourjunkiesStation Eleven bzw. Das Licht der letzten Tage ist ein post-apokalyptischer Roman mit zwei Erzählsträngen.
In einem nicht näher bestimmten hier und jetzt folgen wir einem Schauspieler – Arthur Leander – und den Menschen in seinem Leben. An dem Tag, an dem die Pandemie ausbricht, bricht er mit einem Herzinfarkt auf der Bühne zusammen.
Innerhalb weniger Tage breitet sich die Pandemie auf der ganzen Welt aus und die Zivilisation bricht komplett zusammen.
20 Jahre später folgen wir Kirsten, die mit einer Gruppe Schauspieler*innen und Musiker*innen durch Nordamerika zieht und Shakespeare aufführt. Durch sie erfahren wir, wie sich das Leben der wenigen Überlebenden entwickelt hat.
Alles scheint sich beruhigt zu haben.Ich habe mich ehrlich gesagt über den Klappentext im deutschen geärgert, weil der für mich etwas spoilert, was gar nicht sein muss. Aber die Beschreibung im englischen finde ich sehr passend.
Das ganze ist eine wirklich schöne Erzählung über Menschen, deren Leben durch Begegnungen verbunden sind.
Der Hintergrund, vor dem ihre Leben erzählt werden, ist eine weltweite Pandemie, die innerhalb kürzester Zeit das Leben völlig verändert. Das Buch wurde schon 2014 geschrieben und ist wohl durch Corona nochmal neu wahrgenommen worden. 2020 wurde es in eine Serie verfilmt.
Dafür, dass es auch etwas düster ist, finde ich es ein recht hoffnungsvolles Buch.Ich finde es sehr unterhaltsam geschrieben und flüssig erzählt.
Weil die beiden Erzählstränge ineinander verwoben sind, hab ich mich zwischendurch mal gefragt, wo die Geschichte denn wohl hin will.
Die Autorin schafft es immer wieder das Tempo, oder die Richtung der Geschichte zu änder, so das für mich oft recht offen war, was passieren wird. So, wie sie die Reise dann letztlich anlegt, fand ich schön. - Henry David Thoreau
Walden
(142)Aktuelle Rezension von: JMKSonny
Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näherzutreten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hatte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müßte, daß ich nicht gelebt hatte.
Worum geht es?
Henry David Thoreau, ein bekannter von Ralph Waldo Emerson, zieht 1845 für 2 Jahre in eine selbst gebaute Hütte am Waldensee. Walden ist sein aufbereitetes Tagebuch dieser Zeit. Thoreau ist auf der Suche nach dem wahren, wirklichen Leben und laut ihm kann das Leben nur aus dem Standpunkt der freiwilligen Armut unparteiisch beurteilt werden. Dieses Buch ist ein Gedankenfeuerwerk. Einfache Naturbeschreibungen wechseln sich ab mit tiefgreifenden Einsichten und Metaphern über das menschliche Leben.
Thoreau lebt auf einfachste Weise, jedoch bei weitem nicht einsam. Er geht regelmäßig ins unweit gelegene Dort oder Leute besuchen ihn in seiner Hütte. Es geht hier also nicht um einen Aussteiger und die Einsamkeit, sondern um die Einfachheit. Um Minimalismus. Es ist ein Experiment auf Zeit.
Ich möchte um keinen Preis, daß irgend jemand meine Lebensweise befolge; denn abgesehen davon, daß ich, ehe er sie ordentlich gelernt hat, schon wieder eine andere für mich gefunden haben kann, wünsche ich auch, daß es soviel verschiedene Menschen als möglich in der Welt geben möge; ich möchte nur, daß jeder recht sorgfältig trachtete, seinen eigenen Weg zu finden und nicht statt dessen den seines Vaters, seiner Mutter oder seines Nachbarn.
Es ist die Suche nach sich selbst. Und nach dem wahrhaftigen Leben, die ihn dort hintreibt. Er möchte die alten, ausgetretenen Pfade verlassen und stattdessen seinen eigenen Pfad eröffnen.
Meine Eindrücke
Das Buch ist leider an vielen Stellen zu zäh. Man muss sich hin und wieder durchquälen. Doch das ist es wert, denn man wird mit so einigen tiefgreifenden Gedanken belohnt, die die eigene Weltsicht verändern können.
Thoreau ist ein sehr guter Beobachter und liefert beeindruckende Naturbeschreibungen und Metaphern. Mutmaßlich durch die selbst gewählte Einfachheit klart er sein Denken und beschenkt uns mit gewaltigen Gedanken, von solcher Reinheit als wären sie direkt aus dem Waldensee geschöpft worden. Das Buch liefert eine reichhaltige Sammlung an Zitaten.
Manche Gedanken sind dabei vielleicht etwas zu radikal bzw. altmodisch. Manchmal könnte man ihm sicherlich Fortschrittsfeindlichkeit vorwerfen. Man sollte also die Gedanken nicht einfach übernehmen, sondern sie als wertvolle Grundlage ansehen, sein eigenes Denken daran zu schärfen und zu bereichern.
- William Golding
Herr der Fliegen
(913)Aktuelle Rezension von: Hilda_JannsenNach einem Flugzeugabsturz findet sich eine Gruppe von Jungen, zwölfjährig und jünger, auf einer Insel wieder, kein Erwachsener hat den Absturz überlebt. Sehr schnell vergeht der Spaß am Abenteuer, noch schneller ergibt sich die Notwendigkeit, einen Anführer zu wählen und Bündnisse zu schmieden. Die neue Ordnung hat nicht lange Bestand, als sich die Freude an der reinen Macht durchsetzt. Es gibt Tote.
Der Romanklassiker legt den Finger in die Wunde jeder guten Gesellschaftsordnung, die nur so stark sein kann wie ihre Mitglieder, die integer und zahlreich genug sind, sich von der Freude an der Macht nicht verführen zu lassen. Und diese Stärke ist nicht angeboren, sondern muss erlernt werden, am besten in einer Umgebung mit guten Vorbildern.
Eindrucksvoll finde ich, dass selbst die Guten in der Geschichte nicht hundertprozentig gut (Ralph und Piggy) oder zu schwach (Simon, Sam und Eric) sind, was der Realität näherkommt, als wenn es einen echten Helden gegeben hätte. Der Verfall der Ordnung tritt nahezu sofort ein und ist auch nicht aufzuhalten, aber genau das kann man von Kindern (die weder unschuldig noch rein sind) letztlich auch nicht erwarten.
- Matt Haig
Ich und die Menschen
(782)Aktuelle Rezension von: _juliadventuress_Ich bin eher nicht so erfolgreich mit dem Buch gestartet. Als Hörbuch ist es definitiv "lesenswerter". Es ist von Christoph Maria Herbst synchronisiert und der macht seine Sache einfach Fantastisch.
Er ist die Perfekte Stimme für das Alien, was von einem fremden Planeten auf die Erde kommt und den Körper von Andrew Martin, Professor für Mathematik in Cambridge, übernimmt.
Das Buch entwickelt sich zu einer lustigen und auch tiefgreifenden Geschichte über die Menschheit. Mit einigen Augenöffnenden Geschehnissen und AHA-Momenten.
Es ist aber auch kein Buch was einem lange im Kopf rumschwirrt. Es war eine nette Geschichte mit guten Abschnitten, aber im großen und ganzen eher mau.
- Gudrun Pausewang
Die Wolke
(955)Aktuelle Rezension von: Perse- Details:
Ausgabe: Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 1987
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Verlag: Ravensburger
Genre: Jugendliteratur
Seitenanzahl: 223
- Inhalt:
Was niemand wahrhaben wollte, passiert: Deutschland erlebt einen atomaren Unfall. Die 14-Jährige Janna-Berta verliert ihre Familie und ist auf sich allein gestellt.
- Wie das Buch zu mir gefunden hat:
Das Buch hat mich über ein Verschenkeregal gefunden. Ich habe damals den Film im Schulunterricht gesehen und wollte schon immer das Buch dazu gelesen haben, jetzt habe ich es endlich getan...
- Meinung:
Das Thema dieses Buches ist unheimlich intensiv. Gudrun Pausewang erzählt die Geschichte klar, hart und absolut authentisch. Beim Lesen trifft einen der ungeschönte Realismus dieser Welt mit voller Wucht. Das Buch zeigt schmerzhaft, dass in unserer Gesellschaft und Politik eben nicht immer alles "Friede, Freude, Eierkuchen" ist.
- Fazit:
Zu Recht den Jugendliteraturpreis 1988 gewonnen. Dieses Werk gehört für mich zur Pflichtlektüre!
- Empfehlung:
Für alle, die qualitativ hochwertige Jugendliteratur suchen und/oder Fans von Gudrun Pausewang sind.
Eine Kauf- und Leseempfehlung von mir!
- Tipp:
Schaut euch den gleichnamigen Film von 2006 an.
- Lieblingszitate:
"Kein Ton von den Herren, die so gerne reden."
Prolog - Seite 7
"Versagen ist menschlich. Mit Versagen nicht zu rechnen, ist verantwortungslos und unmenschlich.''
Prolog - Seite 9
"»Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.«"
Kapitel 1 - Seite 23
"»Handeln Sie mit Verantwortungssinn!«"
Kapitel 2 - Seite 33
"Das also würde der neue Unterschied zwischen Arm und Reich sein."
Kapitel 8 - Seite 127
"»Die Leute fangen schon wieder an zu vergessen«,..."
Kapitel 10 - Seite 153
"»Menschen sind zu allem fähig«,..."
Kapitel 10 - Seite 154
- Susan Beth Pfeffer
Die Welt, wie wir sie kannten
(489)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerDystopien waren schon immer mein Lieblingsgenre. Endzeitstimmung, Fatalismus, apokalyptische Szenarien, Zusammenbruch der Ordnung, die Gattung bietet so unendlich viele Möglichkeiten. Oder besser böte. Denn auch hier tummeln sich natürlich äußerst banale, langweilige und stereotype Erzählungen. Obwohl die Bandbreite so riesig erscheint, ist der Einfallsreichtum der Autor*innen meist arg beschränkt. Und wer mit George A. Romero und Red Dawn aufgewachsen ist, kennt einen wesentlichen Kern vieler (westlicher) Dystopien. Dennoch lasse ich mich immer wieder gerne aufs Neue begeistern. Viele Dystopien richten sich dabei an ein jüngeres Publikum, was mich nicht stört. Ich lese auch heute noch gerne die Romane von John Christopher. Deshalb bin ich einer Empfehlung nachgegangen und habe mir den ersten Teil der Last Survivors-Reihe von Susan Beth Pfeffer „Die Welt wie wir sie kannten“ gebraucht besorgt. Neu bekommt man die Reihe nicht mehr. Und auch wenn die Reihe explizit für Teenager geschrieben wurde, dies ist der wohl harmloseste Weltuntergang aller Zeiten.
Insofern ist es allerdings auch ein guter Einstieg für Jugendliche ins Genre. Man kann sich mit dem Setting und den Zwangläufigkeiten einer Dystopie anfreunden, ohne gleich im Horror-Genre oder bei zu viel Gewalt zu landen. Nichtsdestotrotz, und obwohl ich durchaus gut unterhalten wurde, würde ich den Roman nicht unbedingt empfehlen. Da gibt es einfach so viele gute andere Endzeitszenarien, die ihr Worldbuilding weitaus sauberer betrieben haben. Für Genre-Neulinge kann es aber durchaus lesenswert sein. Mir war die Handlung viel zu unterkomplex und vor allem zu unrealistisch.
Maybe maybe
Besonders herausfordernd für eine gute Dystopie ist natürlich die Entstehungsgeschichte. Und da hakt es auch am häufigsten. Viren, Klimawandel, Meteoriten, faschistische Diktaturen, Totalüberwachung, Krieg, ab und an auch mal Außerirdische und neuerdings wieder häufiger aus den Fugen geratene Technik, vor allem KI. Bei Pfeffer ist es ein Asteroid, der auf dem Mond einschlagen soll. Ein Happening, dass die Menschheit gespannt erwartet. Soll man das Ereignis doch sogar mit bloßen Augen sehen können. Leider hat man sich dann wohl etwas mit Größe, Geschwindigkeit und Auswirkung des Einschlags vertan. Really? Weltweit? Alle Wissenschaftler*innen? Da hakt es gleich zu Beginn mit dem Grad der Realität.
Jedenfalls ist der Einschlag des Asteroiden geradezu apokalyptisch. Der Mond wird aus seiner Bahn geschleudert, rückt dichter an die Erde heran, was auf dem Globus zu Naturkatastrophen führt. Monsterwellen, Überschwemmungen, Erdbeben, zahlreiche Vulkanausbrüche, was wiederum zur Verdunkelung der Erde und damit zu einer Eiszeit führt. Nicht innovativ, nicht besonders logisch, aber genretypisch und damit auch letztlich wieder für Jugendliche in Ordnung. Der Roman lebt schließlich nicht nur vom Setting, sondern vor allem von seiner Protagonistin. Was mich an Sarah Raichs „All that’s left“ erinnert. In der Literatur fehlt es immer noch reichlich an Protagonistinnen, Heldinnen und weiblichen Identifikationsfiguren. Bei Pfeffer ist es Miranda, die ihre Geschichte in ein Tagebuch schreibt, welches die Leser*innen quasi vor sich haben.
Land of the Free, Home of the Brave
Plötzlich ist die Welt eine andere. Die Welt, wie wir sie kannten, ist vorüber. Und kommt auch niemals wieder. Das ist keine kurzfristige Naturkatastrophe, sondern die Veränderung aller Lebensumstände, für immer. Millionen, wenn nicht Milliarden Menschen sterben. So genau weiß Miranda das nicht, weil auch jegliche Kommunikationsmöglichkeiten und Medien zusammenbrechen. Es beginnt der Kampf um Überleben. Zurückgeworfen auf die basalen, rudimentären Bedürfnisbefriedigungen. Essen, Trinken, Schutz vor Wärme und Kälte, Schutz vor den marodierenden Banden, die sich holen, was sie brauchen. Hups. Letzteres kommt bei Pfeffer im Gunda nicht vor. In den USA? Einem Land mit gewaltbereiten Milizen, einem Land in dem es selbst in normalen Zeiten 50.000 Schusswaffenvorfälle jährlich mit etwa 20.000 Toten gibt, in dem es weitaus mehr Waffen als Einwohner gibt?
Pfeffer widmet diesem Thema einen minimalen Abschnitt. Wie kann das sein? Und vor allem warum? Dadurch wird Die Welt wie wir sie kannten zum harmlosesten, friedlichsten und zivilisiertesten Weltuntergang, den ich bisher gelesen habe. Natürlich kämpfen alle ums Überleben und leere Häuser werden geplündert. Aber obwohl es ein Kampf ums Überleben ist, werden die Nachbar*innen nicht belästigt. Selbst im Angesicht der Katastrophe wird noch im Supermarkt bezahlt. Jetzt könnte man natürlich sagen, dass das angesichts der unzähligen gewaltaffinen Dystopien mal ein schöner neuer Ansatz ist, aber deswegen bleibt er dennoch vollkommen unrealistisch. Erklärt wird das Ganze im Übrigen mit nationaler Solidarität. Alles klar.
Dystopie für Einsteiger*innen
Blendet man dieses riesige Logikloch aus, ist es dennoch ein guter Roman. Miranda scheint mir etwas zu naiv für einen älteren Teenager, aber da bin ich mittlerweile auch zu weit entfernt, um das so richtig einschätzen zu können. Nichtsdestotrotz liest man das Tagebuch als Pageturner, weil man wissen möchte, wie die Familie durch das Weltuntergangsszenario hindurchkommt. Das Überleben zwischen Einzigartigkeit und Alltag, zwischen Weltuntergang und Zukunftswille ist nachvollziehbar geschildert. Und die Gefühls-Binnenperspektive von Miranda ist immerhin so gut getroffen, dass man sich gerne mit ihr identifiziert.
- Andreas Eschbach
Herr aller Dinge
(317)Aktuelle Rezension von: blackburniousEin weiteres gelungenes Werk von Andreas Eschbach, das mich zum Nachdenken anregt. Das Buch ist zwar stellenweise recht umfangreich und könnte manchem Leser etwas zu lang erscheinen, für mich war das jedoch kein Problem. Im Gegenteil: Die zahlreichen kurzen Nebengeschichten und Einblicke in verschiedene Lebensabschnitte sind durchgehend interessant und spiegeln offensichtlich die sorgfältige Recherche des Autors wider. Eschbach wirft große Fragen auf: Wie sind wir Menschen entstanden? Welche Wege könnte die Menschheit in der Zukunft einschlagen? Dabei gelingt es ihm, komplexe Themen verständlich zu vermitteln, ohne den Unterhaltungswert zu verlieren. Besonders gelungen ist das Ende, das die Handlung überzeugend abschließt und die Gedankenspiele des Buches rund macht. „Herr aller Dinge“ ist spannend, klug und regt zum Nachdenken an. Ein Buch, das sowohl unterhält als auch inspiriert. Ich freue mich schon jetzt auf weitere Werke von Andreas Eschbach und kann dieses Buch jedem Science-Fiction-Fan wärmstens empfehlen.
- Cixin Liu
Jenseits der Zeit
(89)Aktuelle Rezension von: NovaaPuh, harter Tobak.
Ein würdiger Abschluss? Wahrscheinlich, aber vielleicht auch unnötig.
Aber der Stil ist so ausschweifend in langen Erklärungen und damit ermüdend, dass ich froh war als es vorbei war.
Die erste Hälfte des Buchs ist stark, danach verliert es sich bis der Faden im aller letzten Teil wieder aufgenommen wird und zu Ende gebracht wird.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Band 1 eine starke Einführung in die Geschichte war, Band 2 der Höhepunkt und Band 3 mehr Geschichte des Universums als Roman ist, der wenigstens den Epos abschließt.
- Cixin Liu
Der dunkle Wald
(104)Aktuelle Rezension von: KarandiAuch der zweite Teil der Trisolaris-Trilogie hat mich absolut vom Hocker gehauen. Für mich zeichnet sich ein Autor durch drei Eigenschaften aus. Die erste ist, wenn er so schreibt, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen möchte. Die zweite ist, wenn ich nach Beendigung des Lesens noch eine ganze Weile in dieser Welt verharre. Die dritte und letzte Eigenschaft ist der Ideenreichtum. Und Cixin Liu ist in jeder einzelnen dieser Kategorien herausragend.
Der dunkle Wald, der zweite Teil der Trilogie, besitzt einen so starken eigenen Charakter, dass er seinem Vorgänger in nichts nachsteht. Die Handlung setzt andere Schwerpunkte, und wir erleben eine wahre Flut an Zukunftsvisionen. Der Autor schafft es jedoch, sie uns in einer Weise zu vermitteln, dass sie sich allesamt vollkommen plausibel anhören. Man kann sich diese Welt buchstäblich vorstellen. Man sieht die technischen Errungenschaften, man sieht die Welt der Zukunft so, wie er sie mit seinen Worten malt.
In diesem Buch geht es hauptsächlich um vier Personen, die die Welt retten sollen, nachdem klar geworden ist, dass eine Gruppe von Menschen die Menschheit verraten und ihre Vernichtung in Kauf genommen hat. Drei von ihnen scheitern und werden letztlich von den Menschen selbst aus dem Verkehr gezogen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Alles an ihnen war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Auch wenn sie sich als Retter der Menschheit aufgespielt haben, waren sie doch skrupellose, arrogante Machtmenschen und Manipulatoren ihrer Mitmenschen.
Derjenige hingegen, der sich von Anfang an gegen diesen Status ausgesprochen hat, der nichts weiter wollte als ein friedliches Leben mit seinen Freunden und seiner Familie, war letztlich derjenige, der den Unterschied gemacht hat. Er war es, der die Menschheit davor bewahrt hat, vernichtet zu werden – zumindest in diesem Teil der Trilogie.
Auch wenn wir hier sehr viel Science-Fiction, Zukunftsmusik und Ideenreichtum erleben, enthält dieses Buch zugleich tiefgründige Botschaften. Es ist die Demut, die den Erfolg bringt, und der Hochmut, der den Niedergang einleitet. Wir sehen, wie sich die Menschheit in Sicherheit wiegt, und erleben beinahe ihren erneuten Untergang, weil sie aus ihren Fehlern nicht gelernt hat. Wir begegnen Figuren, die nicht an den Umständen scheitern, sondern an ihrem eigenen Charakter.
Ob es wirklich die Absicht des Autors war, den Menschen aufzuzeigen, was gut und was schlecht ist, weiß ich nicht. Doch selbst wenn dies nur ein Nebeneffekt gewesen sein sollte, spricht das für die Klasse dieses Autors.
Dieses Buch steht dem ersten Band in nichts nach. Es ist zwar von der bisherigen Handlung abhängig, besitzt aber dennoch einen vollkommen eigenständigen Charakter. Ich bin gespannt auf den letzten Teil. Wird die Menschheit am Ende vernichtet werden, oder wird sie umkehren? Wird sie einlenken? Wird sie in der Lage sein, sich zu erneuern und zu beweisen, dass sie es wert ist, gerettet zu werden?
Warum ich nur 4,5 Sterne vergebe? Ganz einfach: Weil ich es kann
- Justin Cronin
The Passage (English Edition)
(38)Aktuelle Rezension von: Wortmagie„The Passage“ von Justin Cronin ist ein Reread. Ich habe den Auftakt der gleichnamigen Trilogie 2011 schon einmal als „Der Übergang“ gelesen. Für mich stand nie Frage, dass ich „The Passage“ weiterverfolgen würde, aber die langwierige Veröffentlichungsgeschichte der deutschen Folgebände verzögerte dieses Vorhaben und schadete meinen Erinnerungen erheblich. Als das Finale 2018 als deutsches Taschenbuch erschien, wusste ich, dass ich von vorn beginnen musste. Während der Wartezeit veränderte sich allerdings mein Leseverhalten, sodass ich auf die deutschen Ausgaben nicht mehr angewiesen war. Amazon verführte mich mit einem günstigen E-Book-Deal für die gesamte Trilogie in Englisch und ich startete einen zweiten Anlauf mit „The Passage“ im Original.
Peter Jaxon hat noch nie die Sterne gesehen. Er wurde in einer Kolonie in Kalifornien geboren, in der es niemals dunkel wird. Dicke Mauern und mächtige Strahler, die die Nacht taghell erleuchten, bieten Schutz vor den blutgierigen Monstern der Dunkelheit: Virals. Die animalischen Infizierten erinnern kaum an die Menschen, die sie einst waren. Angeblich waren die ersten Virals das Ergebnis eines fehlgeschlagenen Militär-Experiments vor beinahe 100 Jahren. Heute beherrschen sie die USA. Vielleicht sind die wenigen Familien, die in der Kolonie Zuflucht fanden, die letzten Überlebenden. Doch eines Tages entdecken die Wachen vor den Toren ein kleines Mädchen. Sie ist allein und etwa sechs Jahre alt. Niemand weiß woher sie kam. In ihrem Nacken befindet sich ein Chip, dessen gespeicherte Informationen eine verwirrende Geschichte erzählen. Das Mädchen heißt Amy und war Teil des gescheiterten Experiments, das die Virals erschuf. Der Chip sendet ein Signal. In der Hoffnung, Antworten und weitere Überlebende zu finden, beschließen Peter und seine Freunde, es bis zu seinem Ursprung zurückzuverfolgen. Amys plötzliches Auftauchen muss etwas bedeuten. Könnte sie die Rettung der Menschheit sein?
Ich möchte gleich zu Beginn meiner Rezension zu „The Passage“ darauf hinweisen, dass meine Inhaltsangabe lediglich einen Bruchteil der Handlung des Trilogieauftakts abdeckt. Ich habe mit anderen, umfangreicheren Versionen herumgespielt, aber es stellte sich heraus, dass jede Annäherung an den vollständigen Inhalt jeglichen Rahmen sprengte. Daraus könnt ihr ableiten, wie komplex die Geschichte ist, die Justin Cronin erzählt. Der erste Band teilt sich in zwei Zeitabschnitte: zuerst erleben die Leser_innen den Ausbruch der ursprünglichen zwölf Virals und den daraus resultierenden Zusammenbruch der modernen Zivilisation; danach folgt ein enormer Zeitsprung von knapp 100 Jahren in die Zukunft, der die kläglichen Überreste der Menschheit in der von Virals dominierten USA fokussiert. Klingt simpel, ist es aber nicht. Cronin liebt Details. Er ist ein penibler, perfektionistischer Autor, der keine Gelegenheit auslässt, exakte Beschreibungen einzuarbeiten und sein Epos groß aufzuziehen. Seine Zukunftsvision bietet eine spannende Perspektive auf den Vampirmythos, denn Virals sind im Grunde nichts anderes als äußerst grässliche Blutsauger, Glitzereffekt ausgeschlossen. Trotz dieser scheinbar übernatürlichen Thematik ist „The Passage“ vorstellbar und glaubwürdig. Cronin präsentiert fundiert wirkende wissenschaftliche Erklärungen, aus denen sich ein durchaus realistisches Szenario ergibt. Wer weiß schon, womit die Militärs dieser Welt im Geheimen herumpfuschen? In diesem Fall glaubte die US-Armee, sie hätte ein Allheilmittel gegen Krankheiten und den Tod gefunden. Sie injizierten zwölf Todeszelleninsassen ein Virus aus dem bolivianischen Dschungel und hofften auf einen medizinischen Durchbruch. Natürlich ahnten sie nicht, was sie erschufen. Auf gewisse Weise wurden ihre Hoffnungen sogar erfüllt, denn Virals sind albtraumhafte Spitzenprädatoren – unsterblich, beinahe unverwundbar und Menschen in vielerlei Hinsicht überlegen. Mich gruselte vor allem ihre primitive, inhumane Schwarmintelligenz. Diese Monster ließ die Army auf die Welt los, weil sie zu arrogant waren, um zu begreifen, dass ihre Kontrolle über die Virals lediglich Illusion war. Die explosive Eskalation, die Cronin beschreibt, erschien mir vollkommen plausibel. Diesen ersten Part der Geschichte fand ich rasant, atemlos und ausgesprochen aufregend. Mit dem Übergang zum zweiten Part flacht der Spannungsbogen jedoch abrupt ab. Cronin nimmt sich viel Zeit, um die Situation der Kolonie zu etablieren und ergeht sich in langatmigen Darstellungen des Alltags der neuen Figuren, die ich dadurch allerdings intim kennenlernte. Ich bin sicher, sie alle zuverlässig einschätzen zu können. Die Spannungskurve nimmt erst wieder Fahrt auf, als Peter und seine Freunde die Kolonie verlassen, um den Ursprung von Amys Chipsignal ausfindig zu machen. Ihre Reise ist der Beginn der grundlegenden Geschichte: der aktive Kampf um das Überleben der menschlichen Spezies.
Als ich vor acht Jahren „Der Übergang“ las, war ich überwältigt. Diese Euphorie konnte ich mit der Lektüre von „The Passage“ zwar nicht wiederbeleben, doch das werfe ich Justin Cronin nicht vor. Ich habe seitdem eine Menge Dystopien und postapokalyptische Romane gelesen, weshalb es deutlich schwerer ist, in mir dieselbe Begeisterung zu entfachen. Nichtsdestotrotz beeindruckte er mich mit der gewaltigen, Spannungstiefs rechtfertigenden Dimension seiner Geschichte und der überzeugenden Umsetzung seiner interessanten Ideen. Seine Penibilität gefällt mir, weil ich das Gefühl habe, mich jeder Zeit auf seine Autorität als Autor verlassen zu können. Der einzige kleine Hickser in einem sonst stimmigen Buch ist der nicht zu leugnende christlich-religiöse Einschlag, mit dem ich als Atheistin nichts anfangen kann. Solange dieser jedoch diskret bleibt, werde ich mich daran nicht stören. Eine Vampir-Postapokalypse ist einfach faszinierend, christliche Motive hin oder her.
- Gerard Donovan
Winter in Maine
(329)Aktuelle Rezension von: buchstaeblichverliebt"Vielleicht gibt es für viele Dinge gar keinen Grund, und sie passieren nur, weil die Menschen sie tun." (S. 64)
Als Julius Hund und treuer Gefährte Hobbes eines Tages vorsätzlich erschossen wird, beschließt er sich zu rächen.
Der eigenbrödlerische Mann, der einsam und zurückgezogen in einer abgelegenen Hütte in den Wäldern von Maine lebt, die vollgestopft ist, mit den über 3000 Büchern seines verstorbenen Vaters und Erinnerungen an eben diesen und den Großvater, hat alles verloren, was er liebt, einschließlich seiner Moralvorstellungen.
Mit dem Gewehr seines Großvaters und der Literatursammlung seines Vaters als Stütze (im Hinterkopf) zieht er in seine persönliche Schlacht.
Sprachlich wirklich gelungen, atmosphärisch düster, inhaltlich leider aufgrund der Brutalität nicht unbedingt mein Geschmack.
Das war mir persönlich etwas zu viel des Guten und nicht unbedingt (logisch) nachvollziehbar. - Mainak Dhar
ALICE IM TOTENLAND
(20)Aktuelle Rezension von: Monika_GraslBis heute habe ich noch nie ein Buch mit Zombies in den Händen gehabt, umso mehr hat mich Alice im Totenland von der Leseprobe her angesprochen. Das liegt an 2 Faktoren: Zum einen, die Figur Alice besitzt eine gewisse Ähnlichkeit mit der eigentlichen Alice aus dem Wunderland. Bloß sollte man in dem Fall beachten, dass es hierbei um eine 15jährige Alice geht, die in Neu Dehli zur Welt kam - oder besser gesagt dem, was davon noch steht.
Das führt auch gleich zum zweiten Umstand, warum ich das Buch überhaupt gelesen habe. Dystopien gibt es nicht viele in meinem Regal und somit musste diese dazu.
Doch fangen wir damit an, dass vor 15 Jahren die Welt durch einen Virusausbruch, Atombomben und Kriege unterging. Genau hier setzt der 1. Band der Reihe an, nämlich 15 Jahre später und wir lernen dabei Alice so nach und nach kennen. Ebenso das Totenland, mit dem nicht anderes als jenes Gebiet gemeint ist, welches durch die Angriffe zerstört wurde. Doch irgendwo auf der Welt scheint es auch noch einige "sichere Orte" zu geben, denn die aufgebauten Siedlungen der Überlebenden, werden nach und nach aufgelöst von einem Zentralkomitee.
Jedenfalls ist das eigentlich interessant, dass der Autor in der Geschichte eine weitere Geschichte einbaut und dabei das Buch "Alice im Wunderland" ins Spiel bringt. So kommt es, dass einige Zombies, oder wie im Buch Biter genannt, gewisse Ähnlichkeiten zu den altbekannten Figuren besitzen. Das schafft eine zusätzliche Verbindung, wenn man dem weiteren Verlauf der Geschichte folgt und somit hinter den Ausbruch des Virus vor über einem Jahrzehnt kommt. Gemeinsam mit Alice begibt man sich also auf den Weg des Widerstandes, der naturgemäß von einer großen Zahl Verluste begleitet ist.
Hier spiest sich dann aber auch zu einem Teil die Handlung, denn Alice wirkt mitunter sehr distanziert ob der Toten, obwohl sie wenige Seiten zuvor noch die Leute für ihren jähen Gemeinschaftssinn in den Fokus rückt. An einigen Stellen hatte ich bei Alice zudem das Gefühl der Hauptdarstellerin aus Resident Evil gegenüber zu stehen, wenn sie da mal ganz furchtlos gegen die Biter vorgeht. Das wirkt dann im Hinblick auf die vorherrschende Situation etwas unglaubwürdig.
Andererseits schafft es der Autor doch sehr gekonnt die Frage nach dem Konsumverhalten des Menschen aufzugreifen, wenn Alice mit Blicken in die Vergangenheit konfrontiert ist und sich überlegt, womit die Leute ihre Freizeit gefüllt haben.
Vom eigentlichen Ende will ich hier gar nicht viel sagen, denn es hat einige offene Stränge, die wohl im 2. Teil aufgegriffen werden. Demnach sollte man sich darauf einstellen, hier nicht unbedingt ein abgeschlossenes Buch zu haben. Es bleiben einige wichtige Fragen und auf die hofft man Antworten zu finden.
Fazit: Da es mein erster Zombieroman war kann ich nur sagen, ich fand die Biter zum Teil sehr gut aufgebaut. In Hinblick auf die Dystopie fand ich die Grundhandlung interessant umgesetzt, hätte mir hier aber auch mehr Einblick auf das Zentralkomitee gewunschen. Aber vielleicht kommt das ja dann in Teil 2 mehr zum Tragen.
- Cixin Liu
Die wandernde Erde
(26)Aktuelle Rezension von: oszillierenWie der Autor sind die meisten Protagonisten Chinesen, was ich, die für gewöhnlich überwiegend westliche AutorInnen liest, als willkommene Abwechslung empfunden habe. Streng genommen handelt es sich nicht immer um Science Fiction, sondern um Zukunftsvisionen, in denen Technologie mal Heilsbote, mal Mittel zum Zweck, mal Sargnagel ist. Ausgangspunkt jeder Erzählung ist eine wahnwitzige Ausgangslage oder Idee, wie z.B.: Was wäre, wenn die Dinosaurier nicht ausgestorben wären, sondern sich über Jahrmillionen hinweg zu den intelligentesten Wesen der Erde entwickelt hätten? Eine absurde Story, in der zwei obdachlose SciFi-Autoren dabei zusehen müssen, wie ihre Stadt von einem Computervirus Schachmatt gesetzt wird. Oder die Titelgeschichte, eine Dystopie, in der die Erde mit einem Antrieb versehen wird und durchs Universum wandert, auf der Suche nach einem neuen Sonnensystem.
Dem Autor ist die Handlung immer wichtiger, als tiefgründige Charakterbilder zu zeichnen, trotzdem waren die Figuren in seinen Geschichten plastisch und menschlich.
Meine Empfehlung: Eine gehörige Portion Toleranz für Fantasy mitbringen und die Bereitschaft, eine nicht-westliche, chinesische Perspektive zu entdecken.
- Nagib Machfus
Die Reise des Ibn Fattuma
(15)Aktuelle Rezension von: ArgentumverdeSchon als Bub träumt Ibn Fattuma davon, die Welt als Reisender zu erkunden. Ausgestattet mit einer erstklassigen Erziehung, die ihm den Islam und die Kultur seiner Väter näher gebracht hat, schließt er sich als junger Mann einer Handelskarawane an. Sein Ziel? Die Reise ins Innere seiner selbst und in jenes sagenumwobene Gaballand, das nur wenige Menschen vor ihm erreicht haben.
Es ist schnell klar, dass der Autor einen einfachen Tor auf Reisen schickt und dass sein Roman als modernes Märchen gestaltet ist, mit wundersamen Wendungen, plötzlich aus dem Nichts schießenden Abenteuern, mit Prüfungen aller Art. Und natürlich gibt es auch eine wunderschöne Frau, die es zu erobern gilt, es gibt kräftige Söhne, die unterwegs gezeugt werden, und viele, viele Erfahrungen.Es führt zu einer lebenslangen Wanderschaft, durch Kulturen und Religionen und politische Systeme. Am Ende erreicht er die Insel der Seligen, das Paradies. Der gesamte Roman wirkt allerdings durchgehend sehr konstruiert und ist durchgehend vorhersehbar. Die blumige und doch sehr einfach gehaltene Sprache ist zwar flüssig uns nachvollziehbar, aber irgendwo doch sehr eigen und sicherlich etwas ungewohnt. Die Analyse der unterschiedlichen Gesellschaftsformen wirkt herbeigezogen und didaktisch überzogen und nimmt dem Werk jegliche literarische Poesie und Leichtigkeit.
Mein Fazit: Ein modernes Märchen als Lehrstück, das leider viel zu vorhersehbar und dadurch langatmig und teils langweilig wird obwohl es viele gute Grundlagen und Ansätze bietet. Schade, dass der Autor zu sehr den Lehrpfad einschlägt. Wer sich allerdings als Anfänger in leichter Weise mit den grundlegenden Gesellschaftsformen auseinandersetzen möchte, findet hier einen netten Einstieg.
- Dani Atkins
Sieben Tage voller Wunder
(16)Aktuelle Rezension von: angies_bücherAlso für die Geschichte, den Schreibstil und die ersten 6 Tage des Buches würde ich sofort 5 Sterne geben. Für das Ende null. Ich bin wirklich fassungslos über das Ende. Ich will hier natürlich nichts verraten, aber für mich war es vollkommen unlogisch, schockierend und überflüssig. Bis dahin war ich wirklich begeistert. Frage mich ernsthaft, was dieses Ende soll.
Vielleicht hatte ich auch falsche Erwartungen, aber ich hatte eine Liebesgeschichte mit etwas Spannung erwartet und genau das habe ich auch bis auf das Ende bekommen. Sehr schade!!!
Ich habe mich entschieden trotzdem vier Sterne zu geben, weil 90% des Buches mir sehr gut gefallen haben. Auch Hannah und Logan fand ich großartig. Und als Paar sehr süß. Und unfassbar spannend wie sie den Absturz meistern. Nur der Schluss war leider mehr als enttäuschend.
- Sylvia Iparraguirre
Land der Feuer
(4)Aktuelle Rezension von: Orisha"[…] dieser Mann, dem Europäer den Status eines Menschen kaum zugestehen würden, da ihm aus ihrer Sicht die wesentlichen Merkmale fehlten, die ihn als solchen ausweisen (denn er besaß weder ihre Religion noch ihre Lebensweise, noch ihr Kleidung […]." (Iparraguirre 2008:208)
Dieser Mann, war ein junger Yámana, der nach England verschleppt wurde. Dort wurde ihm eine Ausbildung zuteil , die neben englischen Sprachkenntnissen auch die vermeintlich zivilisierte Lebensweise enthielt. Nach etwa zwei Jahren wird Jemmy zurückgeschickt - auf genau jener Reise, die auch Charles Darwin nach Argentinien führte. Immer wieder begegnet er dabei auch Jack Guevara, der uns diese Geschichte wiedergibt. Als eines Tages ein Massaker geschieht, dem Jemmy Button beigewohnt haben soll, kommt es zur Gerichtsverhandlung.
Die Geschichte von Jemmy Button, einem Yámana, der auf Feuerland lebte, und nach England verschleppt wird, ist historisch belegt. Iparraguirre erzählt uns diese aus Sicht von Jack Guevara, dem Sohn eines Engländers und einer Argentinierin - ein Gaucho, wie es sie vielfach in Argentinien gibt. Jack - der nicht wirklich Europäer ist und auch nicht wirklich indigen - jemand der zwischen den Enden der vermeintlichen Entwicklungslinie des Menschen steht, an dessen Spitze sich der Europäer wähnt. Iparraguirre verstrickt geschickt, die aufkeimenden Rassentheorien des 19. Jh., mit der Reise Charles Darwins auf der Beagle mit dem Schicksal von Jemmy Button, der der zivilisierten Lebensweise zugeführt werden soll.
Dabei lässt sie den Hauptprotagonisten Jack beiden Seiten der Geschichte reflektieren und zeigt uns die barbarische Seite der Europäer und die zivilisierte der Yámana. Gleichzeitig bedient sie das sarmientonische Bild der Barbarei vs. Zivilisation, dass in Argentinien nicht wegzudenken ist und dreht es um, indem sie die europäischen Handlungsmotive in Frage stellt.
Kurzum: Dieser Roman kann argentinischer nicht sein: Darwin, Sarmientos Zivilisation vs. Barbarei, der Kampf um die Malvinas (wie die Argentinier die Falklandinseln nennen) und das indigene Leben Feuerlands. Dass ist spannend, braucht aber eben auch sehr viel Hintergrundwissen, um das Buch in all seiner Tiefe wertschätzen zu können. Daher lege ich jenen das Buch ans Herz, die eine Faible für Argentinien und seine Geschichte haben.
- François Garde
Was mit dem weißen Wilden geschah
(19)Aktuelle Rezension von: mabo63Die wahre Geschichte des Matrossen Narcisse Pelletier der 1843 an der Ostküste Australiens versehentlich zurückgelassen wird und nach 17 Jahren wieder aufgegriffen wird.
Nicht wirklich fähig und Willens über sein Leben mit den Aborigines zu berichten (wen wunderts nach 17 Jahren), spinnt der Autor daraus eine Geschichte wie das (Über)leben von Pelletier in der Wildnis gewesen sein muss.
Sehr empfehlenswerte Lektüre!
- Paul Betts
Ruin und Erneuerung
(3)Aktuelle Rezension von: wschUm den materiellen Wiederaufbau des durch die Folgen des Zweiten Weltkrieges in weiten Teilen völlig zerstörten Europas geht es Paul Betts natürlich auch. Ebenso um die Unterstützung und Hilfe der Alliierten, vor allem der nicht selbstlos agierenden USA mit ihrem Marshall-Plan, den Rosinen-Bombern zur Zeit der Berliner Luftbrücke, der oft misslungenen Neuplanung und dem ebenso misslungenen Wiederaufbau der Städte.
Im Vordergrund steht jedoch eindeutig der Begriff 'Zivilisation'. Also die Fragen, wer definiert 'Zivilisation' wie? Auf welchem Weg versuchen die Machblöcke, die sich während des Kalten Krieges gegenüber standen, ihre jeweilige Definition dieses Begriffes zu begründen und möglichst weltweit durchzusetzen.
Die De-Kolonisation auf dem afrikanischen Kontinent, die Neugründung vieler eigenständiger afrikanischer Staaten als Folge der Entkolonialisierung, die Rolle der Kirchen und Religionen, die Verbreitung der sozialistisch und/oder kommunistisch gefärbten Künste, 'Freundschaften' etc. nimmt Paul Betts ebenso unter die Lupe.
Nach der Lektüre dieses Werkes wird sehr deutlich, dass die Nazis nicht nur unbeschreibliches Leid über die Welt und unbeschreiblichen Schaden in der Welt verursacht haben. Sie hatten durch ihre Ideologie, den von ihnen betriebenen Holocaust, durch den von ihnen ausgelösten Zweiten Weltkrieg all das zerstört, was sich unter dem Oberbegriff 'Zivilisation' zusammenfassen lässt. Egal, wie dieser Begriff auch immer definiert wird, was darunter verstanden wird.























