Bücher mit dem Tag "zwei brüder"
8 Bücher
- Jo Nesbø
Ihr Königreich
(188)Aktuelle Rezension von: mimitati_555»Ich verstand ihre Gedanken vielleicht nicht, wohl aber, dass sie wie mein Vater nach dem Naturgesetz lebte, dass die Familie an erster Stelle kommt. Vor Recht und Gesetz. Vor dem Rest der versammelten Menschheit. Dass es immer heißt: Wir gegen den Rest.« (Seite 187)
Nach jahrelanger Abwesenheit kehrt Carl Opgard nach Os zurück, zurück auf den Hof der Familie, von der nach einem Unfall vor achtzehn Jahren nur noch sein älterer Bruder Roy übrig ist. Er bringt seine Frau mit sowie hochtrabende Pläne, wie er dem Dorf, das er einst verlassen hat, zu Reichtum verhilft. Der Dorfpolizist Kurt Olsen indessen ist damit beschäftigt, Beweise dafür zu finden, dass die Brüder für das Verschwinden seines Vaters verantwortlich sind. Dies wird nicht das einzige Problem sein auf dem Weg, den die Geschwister noch vor sich haben.
Dieses Buch war wie eine Naturgewalt, langsam und unaufhaltsam bewegte sich die Geschichte auf etwas zu, das ich anfangs nicht richtig fassen, was ich mir gar nicht vorstellen konnte, das aber in weiter Ferne bereits am Horizont zu sehen gewesen ist. Die Beziehung der beiden Brüder spielte dabei eine ebenso große Rolle wie Ereignisse, die Jahrzehnte zurücklagen und dennoch permanent zu spüren waren, so wie man die feuchte Luft förmlich fühlt, wenn man weiß, dass Regen aufzieht. Dadurch gab es eine unterschwellige, an den Nerven zehrende Spannung, die in Wellen kam, manchmal überschwappte und sich zurückzog, um unerwartet mit doppelter Kraft und Geschwindigkeit zurückzukehren und alles zu zerstören, was sich ihr in den Weg stellt.
Wieder einmal hat Jo Nesbø sein Können unter Beweis gestellt und klargemacht, was für ein unnachahmlicher Geschichtenerzähler er ist. Fast 600 Seiten lang entführte er mich in eine andere Welt, ließ mich fühlen, bangen, hoffen, Mitleid sowie Hass empfinden, und trug dazu bei, dass ich letztendlich doch noch die Fassung verlor. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich Worte, Sätze, ganze Abschnitte wiederholte, weil es mich packte und ich noch einmal fühlen wollte, was beim ersten Lesen so bewegend gewesen ist. Das ist Erzählkunst, das ist einfach meisterlich! Wie gut, dass der Autor sein Wort nicht gehalten hat, als er in einem Interview zum vorliegenden Buch von einem Standalone sprach. Die Fortsetzung mit dem Titel »der könig« steht bereits in meinem Regal und ich bin gespannt, wie es weitergeht.
- Frank Christopher Schroeder
Wie ein Licht im Dunkeln: Hardboiled Thriller (Redux Edition)
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Kaiden Emerald
Wild Games
(5)Aktuelle Rezension von: ManafiIn dieser kleinen Wild-West-Geschichte reißt der junge Sawyer zu einer Lokalität um dort unerkannt gleichgesinnte Männer zu treffen und sein erstes Mal erleben zukönnen.
Kaum dort angekommen werfen die dominaten Brüder Pete und Galen ein Auge auf den unsicheren Jungen und nehmen ihn unter ihre Fittiche.
Kurz, knapp und heiß ist wohl die richtige Beschreibung für diese unterhaltsame, erotische Kurzgeschichte. Kaiden Emerald entführt seine Leser mit kurzen, aber sehr detaillierten Beschreibungen in die Zeit der Cowboys. Die einzelnen Szenen hatte ich deutlich vor Augen und auch Saywers Gefühle waren trotz der Kürze der Geschichte immer fühlbar.
„Wild Games“ hat mich sehr gut unterhalten und ich hoffe auf eine (gerne etwas umfangreichere) Fortsetzung.
- Anette Judersleben
repair my heart
(1)Aktuelle Rezension von: LottewoessZwei unterschiedliche Brüder leben in dem beschaulich kleinen Ort Swan River, in der jeder jeden kennt, Anteil nimmt, Hilfe anbietet und natürlich auch zwei Klatschtanten für die Verbreitung von Gerüchten und Halbwahrheiten sorgen. Josh und Mick sind Automechaniker, betreiben eine kleine Werkstatt – sehr erfrischend, nach all den Millionären, die einem sonst oft serviert werden. Auch sonst sind die Storys erdverbunden, aus dem Leben gegriffen und könnten genauso im realen Leben passiert sein.
In der ersten Geschichte geht es um Josh, den Älteren der beiden, der früh seine Frau verloren hat und den Sohn allein großziehen muss. Er sehnt sich nach einer neuen Liebe, aber in einer Kleinstadt ist die Auswahl begrenzt. Doch dann fängt die vom Leben enttäuschte Cathy neu an der hiesigen Bankfiliale zu arbeiten an und die beiden sind sich von Anfang an sympathisch. Leider sind da einige Hindernisse, die sie zu bewältigen haben, vor allem ist Josh’s Sohn mit der Beziehung überhaupt nicht einverstanden …
Die zweite Geschichte dreht sich um Mick, den Casanova, der Frauen verschlingt, wie eine Mahlzeit. Ein schwerer Unfall mit anschließend langem Aufenthalt in einer Reha-Klinik lässt ihn umdenken. Er verliebt sich in eine Frau mit entzückenden Zwillingen – doch kann sie einem Frauenhelden vertrauen, nachdem ihr Ehemann sie schmählich verlassen hat?
Ich habe mit diesen beiden Storys entspannte Lesestunden genossen. Die Atmosphäre der Kleinstadt war greifbar nahe, alle vier Hauptpersonen waren verschieden, mit guten und schlechten Eigenschaften, das hat mir besonders gut gefallen. Die Nebencharaktere, wie zum Beispiel die Mutter oder Freunde liebenswert dargestellt. Für die beiden Klatschtanten, Mutter und Tochter, hätte ich mir ein versöhnliches Ende gewünscht, kann mir aber vorstellen, dass es solche Personen gibt, die überhaupt nicht merken, wie schlecht die Umwelt sie aufnimmt.
Wer sich ein Leservergnügen zum einfach mal Abschalten gönnen will, der ist mit diesen beiden Geschichten genau richtig beraten.
- Christoph Hein
Glückskind mit Vater
(28)Aktuelle Rezension von: LoretelloWieder ein Buch, das in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielt! Es war eine Zeit, über die man viel erzählen kann, in der es besondere Schicksale gibt. Und diese zu erzählen beherrscht Christoph Hein meisterhaft. Die Person des Konstantin Boggosch, der 1945 in der späteren DDR geboren wurde und über dessen Leben wir in diesem Buch viel erfahren, steht uns nahe. Sein Schicksal, als Sohn eines Kriegsverbrechers geboren zu sein, das sein ganzes Leben immer wieder beeinflusst, gab dem Buch den gut gewählten Titel. Mich hat dieser Roman über ein Leben in der DDR gefesselt und bewegt. - Raoul Biltgen
Schmidt ist tot
(26)Aktuelle Rezension von: aus-erlesenSchmidt ist tot! Nicht Schmidtchen, nicht Schmidti, nicht Patrick Schmidt, nein René Schmidt ist tot! Achtung Spoiler-Alarm, er ist es nicht! Patrick Schmidt ist der kleine Bruder von René. Immer im Schatten und permanenten Konkurrenzkampf stehend.Der Anruf kommt für um Acht. Kurz nach Acht. Aus Wien. Tausend Kilometer entfernt. Ein Herr Müller ist dran, stammelt, entschuldigt sich, fordert. Er fordert, dass Schmidt, Schmidt Patrick, so schnell wie möglich nach Wien kommen möge. Beerdigung, Wohnung auflösen, bei der Klärung des Sachverhaltes helfen. Denn Schmidt, René Schmidt, ist nicht einfach s aus dem Leben geschieden. Selbstmord, so soll es gewesen sein.Patrick und sein Bruder René standen sich nie besonders nah. Der Eine ordentlich, der Andere Rebell. Einser-Schüler und Nachahmer. Kaum Kontakt seitdem René die Biege gemacht hat. Die Eltern sind beide tot. Drei Schmidts tot, nur noch Patrick übrig.Kaum in Wien angekommen, verändert Autor Raoul Biltgen die Tonart. Jetzt mitten in einem Agentenkrimi. René soll Terrorist gewesen sein, oder vielmehr Drogendealer. Na was jetzt? Fragt sich Patrick. René kann er ja nicht mehr fragen. Engl, die Freundin, pardon: Ex-Freundin von René ist auch keine große Hilfe. Eher wortkarg. Ein bisschen abwesend, die Gute.Und immer wieder die Polizei. Leonhardtsberger, Süß, Müller. Mindestens einer von denen spielt falsch. Müller ist nicht mehr bei dem Verein. Konnte die Vertuschung nicht mehr ertragen. Er versucht Schmidt, Patrick Schmidt, Schmidt Patrick, auf die richtige Fährte zu führen. Die führt nach Ungarn. Und Patrick erinnert sich an ein Spiel mit René aus Kindertagen…Raoul Biltgen lässt die Gedanken von Schmidt, und nun ist es egal, welcher damit gemeint ist, wie die Laserblitze im gedruckten Orbit herumgeistern. Straffe Dialoge, die nicht viel preisgeben, aber dafür umso mehr die Spannung anheizen. Was? Wie? Warum? Werden bei ihm zu Was! Wie! Darum! Ein herrenloses Floß auf einem tosenden Fluss ist dagegen geradlinig unterwegs. Wien als Austragungsort todessehnsüchtiger Skurrilitäten ist wie gemalt für die schwarzhumorige Krimipersiflage „Schmidt ist tot“. Lachkrämpfe inklusive. Raoul Biltgen ist der Meister der Ein(wort-)sätze. Ehe man sich versieht, vertauscht man Fragesteller mit Antwortgeber und beginnt noch einmal von vorn. Und immer wieder entdeckt man neue Aspekte im Spiel von echten Begegnungen und gedachter Erinnerung. Wer sich durch das Netz aus Lügen und Halbwahrheiten durchgekämpft hat, wird mit einer einzigartigen Geschichte belohnt.
- Mahir Guven
Zwei Brüder
(8)Aktuelle Rezension von: StefanieFreigericht„Hier in Frankreich waren wir ein Scheißdreck. Weniger als nichts in einer Gesellschaft, die Gleichheit, Toleranz und Respekt lehrt.“
Der „kleine Bruder“ und der „große Bruder“, wie sie fast die ganze Zeit über heißen werden, sind die knapp unter 30jährigen Söhne eines Einwanderers aus Syrien, „richtige“ Araber, wie der Vater voller Herablassung über die aus dem Mahgreb sagt. In der alten Heimat, im Bled, hatte er ein Diplom, aber ohne korrektes Französisch konnte er die Familie nur als Taxifahrer ernähren. „…ich schaffe es aber nicht, das zu erklären. Das Leben ist schrecklich, wenn man nicht genug Wörter hat. Die anderen müssen dir zwei Mal so lange zuhören, bis sie dich verstehen. Und teurer ist es auch. Der Therapeut und der Anwalt berechnen dir doppelt so viel, weil du dich mit den Füßen erklärst.“
Der Vater fährt Taxi, der ältere Sohn arbeitet für Uber, was permanente Querelen verursacht. Es fehlt die Mutter, eine Bretonin und somit „echte“ Französin – sie starb früh. Während der Ältere sich ein selbständiges Leben aufbaut mit gelegentlichem Drogenkonsum, ist der Jüngere Krankenpfleger, Idealist, unzufrieden angesichts seiner Träume und Erwartungen. „Um aufrecht zu stehen, muss man ein starkes Rückgrat haben. Und uns haben ein paar Wirbel gefehlt. Jeder von uns hat das auf seine Art ausgeglichen. Ich mit Autos, Kiffe, Shit, Gras und der Kleine mit dem Kopf in den Wolken und der Hand auf dem Koran.“
Doch wie weit geht die Begeisterung des kleinen Bruders, als er sich für eine islamische Hilfsorganisation verpflichtet, um nach Syrien zu gehen? Und vor allem, falls er zurückgekehrt sein sollte, zu welchem Zweck?
Autor Mahir Guven schildert seine Erzählung im Wechsel aus der Sicht der beiden Brüder als Erzähler, ungeschönt, im Slang. Das klingt ein wenig wie Kaya Yanar mit „Was guckst du“ + Flüche. Ehrlich gesagt: es wirkt irgendwann etwas prätentiös. Wie soll ich das erklären – ein Onkel meinte einmal, er möge keine Filme mit Handlung im Mittelalter, in denen es permanent dunkel sei. Man habe ja damals den Vergleich zu moderner Beleuchtung nicht gehabt und somit die eigene Funzel wohl als hell empfunden. Warum sprechen die Söhne also so, beide Eltern waren gebildet, der Vater hat nur kein korrektes Französisch gelernt? Und: wenn sie denn so sprechen, dann wäre es aus ihrer Sicht eine ganz normale Kommunikation – distanziert sie aber komplett von meiner Sprachwelt.
Die Handlung hielt mich bei der Stange, lässt mich aber mit Fragen zurück. Was will uns der Autor sagen? Wer Moslems keine Chance lässt, braucht sich über Radikalisierung nicht zu wundern? Oder soll es uns unsere Vorurteile zur Islamisierung vor Augen führen? Der zweimalige 360-Grad-Hakenschlag jedenfalls lässt am Ende nur Fragen offen. Interessant, aber ein wenig aufgesetzt wirkend. So wie wenn im Buch ein Kind die Hauptfigur ist und irgendwie gar keine kindgerechten Gedanken und Handlungen hat.
3 Sterne. Ich würde ein zweites Buch des Autors mindestens anlesen - Sara Holland
Everless
(31)Aktuelle Rezension von: Snarky“Everless” von Sara Holland war mir schön öfter auf Instagram aufgefallen und es wurde auch in der Fairyloot Box von Dezember 2017 gefeatured. Vor Weihnachten war dann das englische Ebook davon im Angebot, da kurz vor Jahresende der zweite Teil der Reihe erschien. Eine deutsche Version von dem Buch gibt es auch; es ist im Februar 2018 beim Oetinger Verlag unter dem Titel “Everless. Zeit der Liebe” erschienen.
An der Geschichte hat mir von Anfang an gereizt, dass Zeit eine Währung ist. Dies gewinnen die Reichen im Königreich Sempera aus Blut, um ihre eigene Lebenszeit zu erhöhen. Vor Jahren arbeiteten Jules Ember und ihr Vater als Bedienstete in Everless, dem Palast der Gerlings. Doch ein schicksalhafter Unfall zwang sie, mitten in der Nacht zu fliehen. Als Jules entdeckt, dass ihr Vater im Sterben liegt, weiß sie, dass sie nach Everless zurückkehren muss, um sich mehr Zeit für ihn zu verdienen.
Aber nach Everless zurückzukehren bringt mehr Gefahr mit sich, als Jules sich je hätte vorstellen können. Bald schon gerät sie in ein Gewirr gewalttätiger Geheimnisse. Ihre Entscheidungen haben die Macht, ihr Schicksal zu ändern – und das Schicksal der Zeit selbst.
Die Charaktere haben mir gut gefallen. Jules war mutig, selbstlos und zielstrebig. Sie setzt alles daran ihren Vater zu retten. Da sie sich auch nicht wirklich an die Geschehnisse von damals erinnern kann und auch nicht versteht, warum ihr Vater nicht wollte, dass sie nach Everless zurückkehrt, begibt man sich mit ihr auf die Suche nach der Wahrheit. Angetan war ich auch von Jules und Liams Beziehung. Sie erinnert sich nur daran, was für ein Bully Liam als Kind war und dass er beinahe seinen Bruder getötet hat, aber sein Verhalten hat sich ihr gegenüber plötzlich geändert.
“Everless” von Sara Holland ist ein unterhaltsames Fantasy- Story, die mich wirklich überrascht hat. Ich werde definitiv mit noch den nächsten Band besorgen.







