Bücher mit dem Tag "zynisch"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "zynisch" gekennzeichnet haben.

12 Bücher

  1. Cover des Buches Catch 22 (ISBN: 9780606237802)
    Joseph Heller

    Catch 22

    (95)
    Aktuelle Rezension von: PoeEA1809

    2. Weltkrieg, 1944/45. Yossarian, der Bombenschütze, auf einer Insel im Mittelmeer stationiert, will nicht mehr fliegen, sondern nach Hause geschickt werden. Ihm ist klar geworden, dass nicht nur der Feind, also die Deutschen, ihm nach dem Leben trachten, sondern vor allem seine eigenen Vorgesetzten, speziell in Person von Colonel Cathcart, der ständig die notwenige Anzahl von Feindflügen erhöht, die ein Soldat erbringen muss, bevor er in die Heimat entlassen wird. Um diesen zentralen Konflikt herum tummeln sich unzählige weitere bemerkenswerte Gestalten, denen das Dasein im Krieg ebenfalls Kopfzerbrechen bereitet. Etwa der kontaktscheue Major Major, der Besuchern den Zutritt zu seinem Büro nur dann gewährt, wenn er selbst nicht in seinem Büro ist (ein genialer Befehl, der von seinem Adjutanten im Vorzimmer streng befolgt wird). Oder Colonel (später General) Schittkopp, dessen einziges Interesse dem perfekten Exerzieren seiner Soldaten gilt. Oder Flume, der als Eremit im Wald um das Lager herum lebt, seit Häuptling White Halfoat drohte, ihm eines Nachts im Schlaf die Kehle durchzuschneiden, und natürlich der notorische Fotograf Hungry Joe, dessen einziges Interesse dem Ablichten nackter italienischer Frauen gilt und der ein Meister an Überredungskunst ist („Life Magazine, …, Hollywood, … multi dinero, multi scandali, multi fuckifuck den ganzen Tag!“). 

    Der größten denkbaren Absurdität, dem Krieg an sich, setzen Yossarian und seine Kameraden die irrwitzigsten Taten, Ideen und Fantasien entgegen, die man vermutlich überhaupt in der Literatur finden kann. Joseph Hellers Roman ist teils brillante Satire, teils erschreckend realistische Schilderung, mit Dialogen, die manchmal zum Niederknien komisch sind und gleichzeitig tieftraurig machen können. 

  2. Cover des Buches Der Hals der Giraffe (ISBN: 9783518467909)
    Judith Schalansky

    Der Hals der Giraffe

    (269)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Auf Der Hals der Giraffe bin ich durch das Interview mit Carolin Hagebölling aufmerksam geworden. Leider kann ich ihre Begeisterung nicht in Gänze teilen, dazu ist das Leseerlebnis zu ambivalent. Es beginnt bereits mit dem Untertitel: Bildungsroman. Der ist schlichtweg irreführend, denn hier entwickelt sich niemand, nicht einmal der geneigte Leser. Und auch in einem übertragenen Sinne ist es kein Bildungsroman, also kein lehrendes Buch, denn dazu sind sowohl die vermittelten biologischen Grundlagen zu banal und vor allem teilweise schlichtweg überholt und damit falsch. Um dies zu erkennen, muss man allerdings schon minimale Kenntnisse in Biologie haben, womit sich das Vermitteln von Grundlagen aufheben würde. Hinzu kommt, dass der Roman ohne echte Handlung auskommt, was bereits nach wenigen Seiten zu einer gewissen Eintönigkeit führt. Und dann ist da noch die Protagonistin, deren Gedankenwelt dermaßen abstoßend ist, dass ich mich durchgängig gefragt habe, warum irgendjemand das überhaupt lesen wollen würde. Nun kommt aber leider hinzu, dass Judith Schalansky eine großartige Schriftstellerin ist. Leider? Ja, denn sonst hätte ich den Roman zerreißen können, was er inhaltlich auch verdient hätte. Aber sprachlich ist der Hals der Giraffe herausragend, so dass ein Verriss nicht im Ansatz in Frage kommt.

    Ohne das sprachliche Vergnügen wäre es eine Tortur Inge Lohmark, Mittfünzigerin und Gymnasiallehrerin für Biologie und Sport im ländlichen Vorpommern, länger als ein paar Seiten zu begleiten. Nun mag man die drei Kapitel, die drei Tagen im Schuljahr entsprechen, als satirisch, spritzig oder gar witzig verklären, dazu muss man dann aber auch Vergnügen an Abwertung und Demütigung haben. Denn Lohmark, deren Gedanken wir ertragen müssen, macht nichts anders als andere Menschen in bester Misanthropie stereotyp wahrzunehmen und dann abzuwerten. Das macht in etwa so viel Vergnügen wie einem Wutbürger zu lauschen. Nun gut es gibt natürlich auch Menschen die finden Don Alphonso von der FAZ, Henryk Broder oder Dieter Nuhr witzig. Mir geht das ständige Erheben über andere, das „lustig machen“, was nichts anderes ist als Polemik und damit die Waffe der geistig Schwachen, ziemlich auf die Nerven.

    Sprachliches Highlight – Inhaltliches Nogo

    Natürlich sind dann schnell die wertkonservativen Verständigen zur Hand. Das ist doch eine psychologische Studie, die Schalansky hier vorlegt. Das will ich ja auch gar nicht in Abrede stellen. Das Psychogramm ist hervorragend und erschreckend real. Aber es bleibt dabei: Warum soll ich so etwas lesen? Was habe ich davon? Wer das unterhaltend findet, findet wohl auch GNTM spaßig. Bildet es mich? Nicht mehr als irgendwelche Äußerungen von AfD Anhängern. Ich fand auch Sarrazin oder Pirinçci weder bildend noch unterhaltsam. Geht es darum mein Mitgefühl zu schulen? Sollen wir Leser lernen die Sorgen und Nöte der „Abgehängten“ zu verstehen? Nun ja. Niemand wird gezwungen ein Sozialdarwinist und Chauvinist zu werden. Das würde diejenigen abwerten, die in den gleichen Verhältnissen leben und nicht zum Hassmenschen werden. Soll ich lernen wie solch „verknöcherte“ Persönlichkeiten mit mangelnder Sozialkompetenz zu dem werden, was sie sind? Das sei vorweggenommen, das lernt man nicht. Denn wie bereits erwähnt: es ist kein Bildungsroman. Lohmark ist, wie sie schon immer war.

    Es gibt jedenfalls Grund genug, warum man sich das Lesen des Romans sparen kann. Wäre da nicht, ja, wäre da nicht dieses grandiose Sprachvermögen von Judith Schalansky. Ich habe selten diese Authentizität von Gedanken gelesen, inklusive assoziativer Abschweifungen. Wir sitzen im Kopf von Lohmark. Wir bekommen keine Essenz ihrer Gedanken geliefert, sondern das Rohmaterial. Es hätte eigentlich nur noch gefehlt, dass zwischendurch einfach nur gesummt wird oder die Gedanken kurz ganz weg sind. Diese sprachliche Meisterleistung verbunden mit der präzisen Einfühlung und Beobachtungsgabe von Schalansky (so sie sich denn hoffentlich nicht lediglich selbst beobachtet hat) macht aus einem langweiligen misanthropen Egotrip eines der außergewöhnlichsten weil ambivalentesten Bücher der letzten Jahre.

  3. Cover des Buches Sweeter Than Pumpkin Spice (ISBN: 9783404014774)
    Isabelle Popp

    Sweeter Than Pumpkin Spice

    (69)
    Aktuelle Rezension von: Readingsophie

    Mir persönlich hat „Sweeter than Pumpkin Spice“ insgesamt ganz gut gefallen, auch wenn mich das Buch nicht komplett überzeugen konnte. Besonders das herbstliche Setting hat für mich richtig gut funktioniert: die kleine Stadt Pea Blossom, die Kürbisfarm und die ganze Atmosphäre rund um den Wettbewerb haben total cozy gewirkt und perfekt zur Jahreszeit gepasst. Beim Lesen hatte ich oft dieses typische, cozy Gefühl, das ich mir von solchen Büchern wünsche.

    Auch die Grundidee der Geschichte fand ich schön und die Charaktere hatten auf jeden Fall Potenzial. Sadie mochte ich mit ihrer eher verschlossenen und kreativen Art sehr gerne, vor allem ihre Leidenschaft fürs Weben fand ich mal etwas anderes und sehr interessant. Josh war dazu ein guter Gegenpol und ich mochte, dass beide Figuren auch ihre eigenen Probleme und familiären Themen mitgebracht haben. Besonders die Beziehung zwischen Sadie und ihrem Vater fand ich teilweise sogar interessanter als die eigentliche Liebesgeschichte.

    Trotzdem hat mir bei vielen Dingen etwas mehr Tiefe gefehlt. Die romantische Beziehung konnte mich emotional nicht immer ganz erreichen, weil sich vieles für mich etwas zu schnell entwickelt hat. Gerade bei Konflikten hatte ich oft das Gefühl, dass sie recht schnell abgehandelt wurden, obwohl man daraus noch mehr hätte machen können. Auch die spicy Szenen waren für meinen Geschmack etwas zu häufig beziehungsweise kamen teilweise zu früh.

    Insgesamt hatte ich aber trotzdem Spaß beim Lesen, vor allem wegen der gemütlichen Herbststimmung und des Settings. Auch wenn mich die Liebesgeschichte nicht komplett überzeugen konnte und ich mir emotional mehr Tiefe gewünscht hätte, war es dennoch ein unterhaltsames Buch für die Herbstzeit. 

  4. Cover des Buches Wie ich dich sehe (ISBN: 9783551583475)
    Eric Lindstrom

    Wie ich dich sehe

    (90)
    Aktuelle Rezension von: Kitty_Catina

    Eigentlich glaube ich ja, dass ich aus dem Alter für Jugendbücher raus bin und dennoch gibt es solche wie dieses hier, welche auch mir noch etwas zu bieten haben, denn auch, wenn es zum Teil um Probleme einer typischen Jugendlichen geht, fand ich die Tatsache, dass diese blind ist, super interessant, zumal man die Welt plötzlich auch nur noch so sieht, wie sie es tut.


    Parker ist dabei eine ganz besondere Protagonistin, die eben nicht nur mit den normalen Problemchen konfrontiert wird, denn neben ihrem Augenlicht hat sie nicht nur ihre Mutter verloren, sondern vor kurzem auch noch ihren geliebten Vater. Gleichzeitig muss sie damit klarkommen, dass jetzt ihre Tante mit Mann und Kindern in ihr Elternhaus gezogen ist, um sich ihrer anzunehmen. Und dann ist da auch noch Scott, mit dem sie eigentlich niemals wieder etwas zu tun haben wollte, der aber dennoch Gefühle in ihr hervorruft. 


    Trotzdem lässt sich Parker nicht aufhalten und macht, was sie will, sich dem Laufteam anschießen zum Beispiel. Sie ist resolut und ehrlich, manchmal auch etwas zu direkt und vielleicht auch verletzend. Sie traut den Menschen nicht mehr und ist deshalb so, wie sie ist, um sich gegen ungewollte Gefühle abzuschotten. Dennoch wird sie mit der Zeit merken, dass sie ein normaler Teenager ist, mit Gefühlen und eigenen Fehlern. Sie wird lernen, sich zu öffnen und ein Stück weit wieder zu vertrauen. 


    Bei dieser Entwicklung helfen ihr einige der Menschen um sie herum, vor allem ihre beste Freundin Sarah sowie Molly, welche ihr im Unterricht assistiert. Nicht nur die beiden fand ich großartig, sondern alle Charaktere in diesem Buch, weil sie so schön lebendig geschrieben sind und die ganze Geschichte tragen, ohne, dass es einen bösen Gegenpart gibt.


    Zudem fand ich den Schreibstil sehr flüssig und richtig leicht und schnell zu lesen. Dennoch muss man sich auch bewusst sein, dass die Geschichte eher ruhig gestaltet ist und ohne große Spannung. Gerade in der Mitte dümpelte sie etwas vor sich hin. 


    Alles in allem fand ich das Buch aber wirklich toll, vor allem, weil Parker eine so interessante und besondere Protagonistin ist und ihre Sicht beim Lesen wirklich außergewöhnlich. 

  5. Cover des Buches Barbara stirbt nicht (ISBN: 9783462006827)
    Alina Bronsky

    Barbara stirbt nicht

    (260)
    Aktuelle Rezension von: simmax

    Die Geschichte ist nicht schlecht und die Autorin hat - meiner Meinung nach,  eine große Vorstellungskraft. Während dem Lesen muss man öfter mal schmunzeln, auch wenn der Plot des Romans ja eigentlich traurig ist. Man hat immer irgendwie ein Bild vor Augen.

    Man fragt sich, gibt es wirklich solche weltfremden Menschen? 


  6. Cover des Buches Die absolut wahre Geschichte von Juri dem Vorkoster (ISBN: 9783462054217)
    Christopher Wilson

    Die absolut wahre Geschichte von Juri dem Vorkoster

    (77)
    Aktuelle Rezension von: Ichbinswieder

    Überraschend

    Ich muss gestehen, dass ich mir dieses Buch vermutlich kaum angesehen hätte, wenn ich es nicht vom Verlag bekommen hätte. Es ist nicht unbedingt mein Thema, und auch wenn das Cover sehr kreativ und passend ist, stellt es für mich keine sofortige Anziehungskraft her.
    Manchmal ist es aber so, dass ich genau deshalb von einem Buch überrascht wurde, wenn ich ihm dennoch eine Chance gab, und genau das passierte hier.

    Mitreißend

    Der Schreibstil zog mich wie von selbst in das Buch hinein. Die Sätze flossen wunderbar dahin und strahlten eine solche Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit zugleich aus, dass das lesen eine Freude war.
    Hinzu kam noch Juri Zipin, die Hauptfigur des Buches. Von Anfang an habe ich in ihm den Antihelden gesehen, weil er so treuherzig, offen und einfach zum gernhaben war. Körperlich und geistig geschädigt, ist er doch durch und durch positiv und hat ein sehr einnehmendes Wesen, was ihm im Verlauf der Geschichte auch oft sehr nützlich war.
    Er wird unverhofft zum ersten Vorkoster Stalins, und von da an tauchte ich als Leser in die Welt des sterbenden Politikers/Diktators ein. Einige historische Ereignisse wurden geschickt mit fiktiven Vorkommnissen verbunden, und so erfuhr ich einiges über Stalins Gefolge, die Machtkämpfe, die herrschende Dekadenz und vieles mehr. Eine Welt, mit der ich mich zugegebener maßen vorher kaum auseinandergesetzt habe.

    Anders

    Nicht unerheblich für das Gelingen der Geschichte ist, dass Juri sie selbst erzählt. Man sieht alles durch seine Augen und hört es mit seinen Ohren. Die Beschreibungen sind dabei oft kindlicher und eher naiver Natur, welches einen Großteil des Charmes ausmacht.
    Die Dialoge, sowie auch die Geschichte insgesamt, sind von humorigen Noten, aber auch von Ernsthaftigkeit geprägt. Manchmal ist es sogar erschreckend, was man zu lesen bekommt. Leichte Kost ist es daher nicht immer, aber das hatte ich auch nicht erwartet.

    Diesem Buch konnte ich sogar kleinere Längen verzeihen, denn diese ungewöhnliche Geschichte, mit ihrem gekonnten Mix aus humoriger Satire, Tragik und schockierenden Begebenheiten, war für mich sehr lesenswert.

  7. Cover des Buches Leere Herzen: Das Hörspiel (ISBN: B078JYT1C7)
    Juli Zeh

    Leere Herzen: Das Hörspiel

    (35)
    Aktuelle Rezension von: lakita

    was mit ihnen passiert, wenn man ihnen Macht gibt. Die Idee des Romans hat mir gefallen, weil der Job, den Britta und Babak machen, geeignet ist, das Buch zu einem Thriller zu machen. Und das, ohne dass die immense Gesellschaftskritik dabei hätte auf der Strecke bleiben müssen. In Ansätzen gelingt es der Autorin auch, Spannung in ihren Roman zu bringen, aber leider nicht durchgängig. Ihr Roman verliert stellenweise etwas an Bodenhaftung, besonders in den Passagen, in denen die Protagonistin Britta psychisch zunehmend zu zerbrechen scheint,  diese Szenen wirken etwas überzogen und den Plot auch in die Länge ziehend.  Trotzdem gelingt es der Autorin selbst durch diese Szenen dem Leser eine Rätselfrage zu stellen: Hat Brittas psychische Verfassung unter Umständen nur den Zweck eine ihrer Kandidatinnen mental gefügiger zu machen oder bricht sie wahrhaftig zusammen? Gefallen hat mir die Darstellung des ausgefeilten Spiels zwischen Macht und Manipulation, die Zeichnung der Figuren ist gelungen und wirkt echt und besonders angenehm fand ich so hie und da genial gute Formulierungen, mit denen der Roman durchaus durchsetzt war. Wieder einmal erwies sich die Autorin als sehr gute Beobachterin, die es vermochte, jeweils den Urkern menschlichen Verhaltens herauszuschälen und mit ihren treffenden Sätzen offenzulegen. Ich bin ihr gern gefolgt. 

    Angenehm zu hören war die Stimme von Frau Ulrike C. Tscharre, die wunderbar durch den Roman getragen hat. 

  8. Cover des Buches Dear Professor Romance (ISBN: 9783946582212)
    Mark SaFranko

    Dear Professor Romance

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Janko-Unchained

    Mark SaFranko  - Dear Professor Romance

    (Pulp Master)

     

    - überzeichnetes und unglaubwürdiges Gesellschaftspsychogramm -

     

    Ritberg, Philadelphia. Norman Bright, Ende zwanzig, hat ein Problem. Ein Problem mit den Frauen. Oder die Frauen haben eines mit ihm. Er selbst, als absoluter Durchschnittstyp in seinen Augen, kann es nicht genau deuten. Ein Grund mehr "Professor Romance" zu konsultieren. Ein Internet-(S)Experte auf seinem Gebiet, hinter dem sich der über sechzigjährige Plattformbetreiber Douglas Edgar Guthrie verbirgt. Oder besser gesagt dessen Ghostwriter Lance Bertovich. Denn Doug kann bei Weitem nicht so gut formulieren, wie der talentierte Lance. Und die Weisheit gegenüber dem anderen Geschlecht hat Doug auch nicht gerade gepachtet. Lance allerdings ebenso wenig. Letzterer betrügt seine Frau mit einer anderen, Doug Guthrie lässt es sich regelmäßig von einer Nutte besorgen und der bemitleidenswerte Norman Bright kriegt gleich gar keine ab. Die Kolumnen von Professor Romance werden für Norman daher auch über kurz oder lang zur Obsession. Die Kolumnen und Cynthia Collingsworth aus der Finanzbuchhaltung, auf die Norman seit längerem ein Auge geworfen hat. Als er eine Abfuhr von Cynthia erhält, die sich gewaschen hat, gibt er alleine Professor Romance die Schuld. Und ganz allmählich dreht der deprimierte und frustrierte Norman Bright völlig am Rad. 

     

    Mark SaFrankos "Dear Professor Romance" ist eine Kampfansage gegen das männliche Ego. Das starke Geschlecht kommt in dem, erstmals 2026 in Deutschland veröffentlichten Gesellschaftspsychogramm, nämlich nicht sonderlich gut weg. Die Figuren des 1950 in Trenton, New Jersey geborenen Allrounders sind beinahe durch die Bank weg beziehungstechnisch mehr oder minder gescheiterte, wenn nicht gar gestörte Existenzen. Von Permageilheit geplagt, ist diese Aneinanderreihung von Peinlichkeiten allerdings weder Fisch noch Fleisch. Mir ist "Dear Professor Romance" deutlich zu überzeichnet. Diese ständige Kapitulation gegenüber dem weiblichen Geschlecht eignet sich eher zum Fremdschämen, obschon das sicherlich in dieser Form, der es deutlich an Spannung fehlt, vom Autor nicht beabsichtigt war. Der Schriftsteller, Maler, Komponist und Schauspieler SaFranko pflegt einen einfachen und zugänglichen Schreibstil, der jedoch zu keinem Zeitpunkt ernsthaft über eine männliche Kapitulation auf allen Ebenen hinauskommt. Es heißt, SaFranko habe einen unkonventionellen Stil. Ich mag ja eigentlich unkonventionell, aber hier konnte ich dergleichen nicht wirklich finden. Das Gesellschaftsporträt aus Sex, Begierde, Übergriffigkeit, Sehnsucht, Verzweiflung, Frustration, Betrug, peinlichen Komplimenten, Depression, Selbstbeweihräucherung und käuflicher Liebe dümpelt einfach zu lange vor sich hin, ohne auch nur den Hauch einer angestrebten Zielrichtung aufzuzeigen. Stattdessen findet die Leserschaft 237 Seiten völlig irrationaler bis idiotischer Verhaltensweisen. Einen wirklich guten und humorvollen Twist besitzt "Dear Professor Romance" dann aber auch, nur kommt der kaum 20 Seiten vor Schluss reichlich zu spät. 

     

    Das Originalmanuskript aus dem Jahre 2022 fand in den USA zunächst keinen Verleger. Da Mark SaFranko aber eine gewisse Anhängerschaft in Europa (speziell Frankreich und Deutschland) besitzt, hat sich der Berliner Independent-Verlag PULP MASTER um eine Erstveröffentlichung bemüht. SaFranko lebt hauptsächlich in New Jersey, verbringt aber auch gerne Zeit in Frankreich.

     

    (Janko)

     

    https://marksafranko.com/

    https://www.facebook.com/mark.safranko

    https://www.instagram.com/marksafranko/

     

    Brutalität/Gewalt: 07/100

    Spannung: 34/100

    Action: 29/100

    Unterhaltung: 68/100

    Anspruch: 28/100

    Atmosphäre: 30/100

    Emotion: 31/100

    Humor: 08/100

    Sex/Obszönität: 28/100

     

    https://www.lackoflies.com - Wertung: 69/100

     

    https://www.lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 15 Jahren (aufgrund der allgemeinen Thematik)

     

    Mark SaFranko - Dear Professor Romance (Pulp 62)

    Pulp Master

    Gesellschaftsdrama /Noir

    ISBN: 978-3-946582-21-2

    237 Seiten

    Taschenbuch

    Aus dem amerikanischen Englisch von Sepp Leeb

    ET: 09.02.2026 (Deutsche Erstveröffentlichung)

    EUR 16,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

     

    Weitere Formate:

    ISBN eBook: 978-3-946582-31-1

    Erscheinungstermin: 13.02.2026

    EUR 11,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

     

    "Dear Professor Romance" bei Pulp Master: https://www.pulpmaster.de/wp/dear-professor-romance-mark-safranko/

     

    Leseprobe: https://www.ebook.de/de/product/52580419/mark_safranko_dear_professor_romance.html

  9. Cover des Buches Dschungel (ISBN: 9783844919929)
    Friedemann Karig

    Dschungel

    (8)
    Aktuelle Rezension von: gst

    Seit vier Wochen ist Felix verschwunden. Er ist nach Kambodscha gereist und hat sich nicht mehr gemeldet; SMS bleiben unbeantwortet. Felix Mutter Dorothee bittet seinen Freund, der namenlos bleibt, ihm hinterher zu reisen. Sie bezahlt dafür auch die Reise.

    Als Zuhörerin wunderte ich mich, dass sich der Erzähler so eifrig in Abenteuer stürzt. Es zeichnete sich schließlich immer deutlicher ab, dass Felix nicht gefunden werden will. Doch Erinnerungen an die gemeinsame Kindheit und Jugend machen die enge Verbundenheit zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Charakteren deutlich.

    Ich bin mit dem Sprecher Fabian Busch sehr gern in die Ferne gereist, habe Inseln und verrückte Backpacker kennengelernt, von Leas Sehnsucht nach ihrem reisenden Freund erfahren. Bis zum Schluss fieberte ich mit, ob Felix wieder auftaucht, um schließlich nach zehneinhalb Stunden von einem unerwarteten Schluss überrascht zu werden.


  10. Cover des Buches 19 Souls (A Sin City Investigation) (ISBN: 9780738754505)
    J.D. Allen

    19 Souls (A Sin City Investigation)

    (2)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    Liest man sich durch J.D. Allens Website, könnte man annehmen, sie sei eine Debütautorin. Für das Thriller-Genre ist das korrekt, doch gräbt man tiefer, stellt sich schnell heraus, dass sie bereits eine veröffentlichte Schriftstellerin ist. Sie schrieb jahrelang Liebesromane, eine Vergangenheit, von der sie sich heute bewusst zu distanzieren scheint und die hauptsächlich dazu diente, Rechnungen zu zahlen. Mit dem Auftakt der Reihe „Sin City Investigations“ fand sie ihre literarische Heimat, eine meiner Meinung nach naheliegende Entwicklung, da sie über einen Abschluss in forensischer Anthropologie verfügt. Vielleicht veranlasste sie ihr professioneller Hintergrund, gleich im ersten Band „19 Souls“ eine gewagte Thematik anzusprechen: weibliche Serienmörder.


    Vor Jahren war Jim Bean auf dem besten Wege, FBI-Agent zu werden, bis die Lüge einer Frau sein Leben zerstörte. Heute ist er Privatdetektiv in Las Vegas. Er trinkt und arbeitet zu viel. Auf seinem Schreibtisch türmen sich Rechnungen. Der Auftrag einer gewissen Cynthia Hodge kommt ihm daher gerade gelegen. Jim soll ihren verschwundenen Bruder Daniel finden, einen Meth-Junkie, der die Ersparnisse ihrer Mutter durchbringt. Standard-Vertrag, regelmäßige Updates, keine Polizei. Keine große Sache. Jim macht sich an die Arbeit und spürt Daniel in Utah auf. Entgegen seiner Absprache mit Cynthia nimmt er Kontakt auf. Was Daniel ihm erzählt, lässt alles Blut aus Jims Gesicht weichen. Daniel ist kein Junkie. Er lebt unter dem Radar, um sich selbst zu schützen. Denn die Frau, die Jim beauftragte, ist nicht seine Schwester. Sie heißt Sophie Evers und verfolgt Daniel seit ihrer Kindheit. Frauen, mit denen Daniel eine Beziehung hatte, verschwanden rätselhafterweise und wurden später tot aufgefunden. Sieben Jahre hörte er nichts von Sophie. Doch jetzt führte Jim sie direkt zu ihm…


    Weibliche Serienmörder sind für Ermittlungsbehörden bis heute eine Herausforderung. Das FBI schätzt, dass viele Serienmörderinnen niemals gefasst werden, weil sich sowohl ihre Motive als auch ihr Vorgehen stark von den Verhaltensweisen männlicher Täter unterscheiden. Frauen töten diskret aus pragmatischen, praktischen Gründen. Zwischen den Opfern können manchmal Jahrzehnte liegen. Der Modus Operandi kann sich ändern. Vor diesem Hintergrund ist „19 Souls“ äußerst gelungen. J.D. Allen bietet überzeugende Einblicke in die gestörte Gedankenwelt einer prototypischen Serienmörderin und Stalkerin, die trotz ihrer psychischen Defizite weitgehend kontrolliert, strukturiert und zielgerichtet handelt. Allen illustriert, dass Sophies Entscheidungen aus ihrer Perspektive logisch sind, was zugleich erschreckend und faszinierend war. Sie ist deutlich interessanter als der durchschnittliche Serienkiller und initiiert einen aufregenden, spannenden Fall, der mich mit vielen unerwarteten Wendungen überraschte. Für mich ist Sophie die Hauptperson dieses Reihenauftakts. Sie überstrahlt sogar Allens Protagonisten Jim Bean, der im Vergleich als schale Blaupause erschien, als wandelndes Klischee ohne echte Persönlichkeit. Er könnte durch jeden beliebigen Privatdetektiv der Literatur- und Filmgeschichte ersetzt werden: er trägt das Herz am rechten Fleck, ist jedoch einsam, überarbeitet, zynisch, mürrisch und von der Frauenwelt zutiefst enttäuscht. Dieses spezielle Kapitel seines Werdegangs empfand ich als äußerst problematisch. Jim misstraut Frauen, weil er unrechtmäßig der Vergewaltigung beschuldigt wurde und niemand an seine Unschuld glaubte. Obwohl mir bewusst ist, dass diese Fälle vorkommen, sind sie extrem selten, was in der Öffentlichkeit leider anders wahrgenommen wird. Für viele (nicht alle) Männer scheint diese exemplarische Geschichte ein richtiges Schreckgespenst zu sein. Durch die literarische Verarbeitung dieses Schreckgespenstes schürt J.D. Allen die Angst vor der rachsüchtigen Furie, die der Polizei das Märchen einer Vergewaltigung auftischt und das Leben eines Mannes ruiniert. Dadurch erschwert sie es Frauen, als glaubwürdig betrachtet zu werden, wenn sie eine Vergewaltigung überleben und den Mut aufbringen, von dieser zu berichten. Sie liefert Männern einen weiteren Grund, diese Frauen der Lüge zu bezichtigen. Daher finde ich „19 Souls“ unsensibel und im Kontext der aktuellen #metoo-Debatte unangebracht. Es ist schade, dass die Autorin offenbar keine andere Erklärung für Jims menschheitsverdrossenen Charakter finden wollte. Sie hätte durchaus eine alternative Richtung einschlagen können, ohne inhaltliche Abstriche machen zu müssen. Dieses Detail war unnötig und lenkte mich darüber hinaus von ihrem couragierten Umgang mit dem Thema sexueller Übergriffe auf Männer durch Frauen ab. Ich rechne es ihr hoch an, dass sie dieses stigmatisierte Tabu bricht und entscheidend in die Handlung integriert, doch ich konnte mich nicht gebührend darauf konzentrieren, weil mich Jims Vorgeschichte zu sehr ärgerte. Negatives überlagerte Positives.


    Meiner Meinung nach besitzt der Reihenauftakt „19 Souls“ enormes Potential. Das Buch überzeugte mich hinsichtlich des konsequenten, logischen und nachvollziehbaren Falles. Die Entscheidung, eine Serienmörderin als Antagonistin zu präsentieren, ermöglichte unkonventionelle und packende Perspektiven auf bekannten Stoff, den J.D. Allen selbstbewusst mit kontroversen Themen würzt. Es enttäuscht mich maßlos, dass sie all diese gelungenen Faktoren durch die Unterstützung eines urbanen Mythos befleckt, der die Glaubwürdigkeit von Frauen unterminiert. Ich kann mir daher nicht vorstellen, die Reihe „Sin City Investigations“ weiterzuverfolgen, obwohl ich das Talent der Autorin anerkenne. Hätte Allen die Vergangenheit ihres Protagonisten kritisch reflektiert, sähe es sicherlich anders aus, doch sie nutzt diese lediglich als Rechtfertigung für Jims stereotype Persönlichkeit. Damit kann und werde ich mich nicht arrangieren.


    Vielen Dank an den Verlag Midnight Ink und Netgalley für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars im Austausch für eine ehrliche Rezension!

  11. Cover des Buches Das Nilpferd (ISBN: 9783841204561)
    Stephen Fry

    Das Nilpferd

    (57)
    Aktuelle Rezension von: Leserzeichen
    Zurücklehnen und genießen. Bitterböser britischer Humor, zynisch bis an die Schmerzgrenze, und einfach phänomenal gut geschrieben in grandioser Wort- und Sprachgewandheit. Was soll man mehr sagen als: Er kannn es einfach! Mit Ausrufezeichen natürlich.

    Worum geht es? Der abgehalferte Journalist und Edeltrinker Ted Wallace trifft in einem dieser großen Landhäuser in der englischen Provinz auf seine verhasste Verwandschaft. Seine krebskranke Patentochter hat ihn beauftragt, das Wirken des angeblich irgendwie magisch begabten David zu untersuchen. Er soll sich selbst ein Bild von ihm und seinen Fähigkeiten machen.

    Aber im Grunde ist die Hintergrundgeschichte fast zweitrangig. Die eigentliche Action ist das, was zwischen den verschrobenen, eitlen, skurillen Personen abläuft. Eine auf die Spitze getriebene Persiflage des britischen Upperclass-Snobismus. Einfach herrlich.
  12. Cover des Buches Tehanu: Der Erdsee-Zyklus 4 (ISBN: 9783492962285)
    Ursula K. Le Guin

    Tehanu: Der Erdsee-Zyklus 4

    (8)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    In meiner Rezension zu „Erdsee“ bemängelte ich, dass Ursula K. Le Guins Universum erschreckend sexistisch ist. Mit dieser Kritik bin ich nicht allein. Soweit ich es aus den bestehenden Rezensionen anderer Leser_innen herauslesen konnte, wurde Le Guin für den grassierenden Sexismus in Erdsee generell stark kritisiert. Vielleicht entschied sie sich deshalb, 18 Jahre nach dem Erscheinen von „Das ferne Ufer“, nach Erdsee zurückzukehren. „Tehanu“ ist der vierte Band der „Erdsee“-Saga und fokussiert erstmals die weibliche Perspektive: im Mittelpunkt steht die ehemalige Priesterin Tenar, die mittlerweile in Gont lebt.

    Einst verließ Tenar an der Seite von Ged ihr Land, um im Licht der Freiheit zu leben. Obwohl sie bei Ogion in die Lehre hätte gehen können, entschied sich Tenar für ein bodenständiges Leben als fürsorgliche Ehefrau und Mutter. Lange Zeit führte sie eine einfache, aber glückliche Existenz. Eines Tages erreicht Tenar die Kunde von einem kleinen Waisenmädchen, das bei lebendigem Leibe verbrannt wurde. Furchtbare Wunden entstellen das Kind. Entsetzt öffnet Tenar ihr Herz und nimmt die Kleine in dem Wissen bei sich auf, dass sie niemals ganz normal sein wird, ebenso wenig wie sie selbst. Sie gibt ihr den Namen Therru. Jahre später liegt Ogion im Sterben. Sofort reisen Tenar und Therru zum Falkennest, um sich zu verabschieden. Doch Erdsee verändert sich, ist kein sicherer Ort mehr für eine Witwe und ihre junge Tochter. Als die Vergangenheit Tenar und Therru einholt, offenbart sich das hässliche Antlitz der Welt und erweckt in Therru Kräfte, die vom Feuer geschmiedet wurden.

    Ursula K. Le Guin hat ganze Arbeit geleistet. „Tehanu“ ist ein Buch mit einer starken, weiblichen Stimme, die sich zweifellos für den Feminismus ausspricht und das Machtgefälle der Geschlechter in Erdsee mutig anprangert. Ich bewundere, wie kritisch sich die Autorin mit ihrem eigenen Werk auseinandersetzt, wie furchtlos und ehrlich sie die Aspekte ans Licht zerrt, die sie 20 Jahre zuvor vermutlich nicht einmal hinterfragte. „Tehanu“ ist der Beweis ihrer persönlichen Entwicklung, die ich einfach anerkennen muss. Ich kann nicht nachvollziehen, dass es offenbar Leser_innen gab, die sich am femininen Grundtenor des Romans störten. Wie viele Bücher wurden von Männern geschrieben, die schier bersten vor Testosteron und maskulinen Einflüssen? Wieso sollte es ein Problem sein, dass eine Frau ein ebenso Östrogen-geprägtes Buch schreibt? Ich fand es erfrischend, dass alle Frauen in „Tehanu“ wertvoll und individuell beschrieben sind, sei es nun Tenar, die verrückte Hexe Moss oder die geistig zurückgebliebene Heather. Lange genug waren weibliche Figuren in der High Fantasy lediglich schmückendes Beiwerk; für mich ist ein frauenzentriertes Buch dieses Genres daher ein kleiner Meilenstein. Zugegeben, Männer kommen in „Tehanu“ nicht gut weg, aber ich bin nicht der Meinung, dass Le Guin in ihrer Darstellung übertrieben hätte, weil sie auf diese Weise lediglich betont, wie schwer es eine alleinstehende Frau und ihre kleine Tochter, die niemals wie andere Kinder sein wird, in dieser männerdominierten Welt haben. In Erdsee ist ihr Ruf das höchste Gut, das eine Frau besitzt. Dieser hängt maßgeblich von der Einhaltung gewisser Normen und der subjektiven Wertschätzung Außenstehender ab. Während Männer stets Vorschusslorbeeren erhalten, brauchen Frauen Bestätigung von außen, um zu beweisen, dass sie ehrbar und glaubwürdig sind. Frauen wird erst einmal grundsätzlich mit Misstrauen begegnet, was so unfair ist, dass mir die Haare zu Berge stehen. Ich bin froh, dass Tenar im Laufe der Geschichte erkennt, dass ein ruinierter Ruf nicht zwangsläufig bedeutet, dass auch ihr Leben ruiniert ist. Nichtsdestotrotz war ich von Tenars selbstgewähltem Schicksal etwas enttäuscht. Angesichts ihrer Vergangenheit hatte ich angenommen, dass sie ein außergewöhnliches Leben führen würde, nicht das Leben einer Bauersfrau. Ich verstehe ihre Entscheidung für die Normalität, bin damit aber eher unzufrieden, weil ich glaube, dass Ursula K. Le Guin sie benutzte. Sie konnte Tenar nicht erlauben, mehr aus sich zu machen, da sie sie brauchte, um die feministische Kritik in „Tehanu“ zu transportieren. Man kann Alltagssexismus nicht beklagen, wenn kein Alltagssexismus vorhanden ist. Leider muss ich an dieser Stelle zugeben, dass ich „Tehanu“ deshalb nicht völlig überzeugend fand. So sehr ich Le Guin für ihre Bereitschaft zur Selbstreflexion achte, obwohl die Charaktere glaubhaft und realistisch sind, wirkte der vierte „Erdsee“-Band auf mich erzwungen, künstlich und konstruiert, wie ein Kunstmärchen. Ich hatte das Gefühl, Le Guin glaubte, sie müsste dieses Buch schreiben, um auf die Kritik ihres Publikums zu reagieren. Es erschien mir keine natürliche Geschichte aus Erdsee zu sein.

    „Tehanu“ feiert weibliche Stärke. Es ist ein Roman, der die alltäglichen Herausforderungen selbstbestimmter, emanzipierter Frauen in einer erdrückend patriarchalischen Welt beschreibt und kühn ernsthafte Kritik daran übt. Die Unterschiede zwischen der Erlebenswelt von Tenar und Ged sind gravierend: während er meist Wohlwollen erfährt, muss sie gegen Vorurteile und Unterstellungen kämpfen. Erdsee ist für Tenar und ihre Tochter Therru ein völlig anderer Ort als für Ged. Aus meiner Sicht hat Ursula K. Le Guin dem Vorwurf des Sexismus erfolgreich die Stirn geboten und bewiesen, dass sie sich der Mängel ihres Universums bewusst ist, obwohl es selbstverständlich schade ist, dass die Glaubwürdigkeit ihrer Geschichte darunter litt. Auch kann ich nicht behaupten, dass „Tehanu“ mitreißend wäre. Nein, dieses Buch ist nicht auf Spannung ausgerichtet, es konzentriert sich voll auf die Darstellung gesellschaftlicher Missstände und Ungerechtigkeiten, die oft zynisch zwischen den Zeilen hervorblitzt. Dadurch qualifiziert es sich vielleicht nicht als Pageturner – wohl aber als das femininste Werk der High Fantasy, das ich je gelesen habe.

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