Autorenkolumne (3) von Ellen Berg: "Prosecco prickelt viel schöner als Saft"

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TinaLiest

vor 3 Jahren



Zum dritten Mal erfreut uns Bestsellerautorin Ellen Berg nun mit ihrer Autorenkolumne bei LovelyBooks - diesmal ganz nach dem Motto "Prosecco prickelt viel schöner als Saft".

Oha, diese älteren Herrschaften, die allein auf Parkbänken hocken oder in der Fußgängerzone ihren Hackenporsche hinter sich herziehen! Immer, wenn ich sie sehe, denke ich: Wie wird es sein, wenn ich mal alt bin? Schlurfe ich dann auch einsam um die Ecken? Hänge ich im Einzelzimmer eines Seniorenheims rum? Oder wird alles ganz anders?

Früher gehörten die Großeltern zur Familie. Als ich klein war, wohnte meine Oma mit im Haus. Wir Kinder nannten sie die „Hauptmutter“. Oma hatte die Hosen an, den Kochlöffel in der Hand und grub den Garten um. Niemand konnte so schön Gute-Nacht-Geschichten vorlesen wie sie. Mit rollenden Augen und grollendem Tremolo. Heute werden Großeltern lieber auf Abstand gehalten, ins Greisenreservat verfrachtet, im Heim entsorgt. Doch wer will da schon hin? Ich jedenfalls nicht.

Es gibt allerdings einen Lichtblick, und das sind meine Freunde. Je älter ich werde, desto wichtiger werden sie. Die Erfahrung zeigt: Auf die Familie ist nicht unbedingt Verlass, wenn man älter wird. Aber meine Freunde sind immer da, wenn ich sie brauche. Vor allem meine Freundinnen. Sie sind Spaßverstärker, Wohlfühlfaktor, mein Fallschirm und mein Rettungsboot. Und natürlich bin ich genauso für sie da, wenn sie mich brauchen.

Neuerdings fällt mir auf, dass Frauen meiner Generation oft zu zweit oder zu dritt auftauchen. Im Restaurant, im Kino, beim Shoppen. Irgendwas ist da passiert. Könnte es sein, dass wir uns heute unsere gefühlte Familie selbst zusammenbasteln? Es sieht ganz danach aus. Wahlverwandtschaften werden wichtiger. Mit der Zeit trennt sich die Spreu vom Weizen, und dann wissen wir: Mit dieser Handvoll Freunde will ich alt werden.

Das ist doch mal ein Konzept: Wenn wir grau und wackelig werden, könnten wir einfach zusammenziehen! Eine WG gründen! Warum nicht? Einsam oder gemeinsam – vor diese Wahl gestellt, entscheide ich mich doch ganz klar für eine gepflegte kleine Greisengang. In meinen kühnsten Träumen stelle ich mir vor, wie wir morgens mit einem Glas Prosecco am Küchentisch sitzen, uns gegenseitig die Herztabletten abzählen und über rüstige Rentner reden statt über Stützstrümpfe und Arthritis.

Nee, ich will nicht in die Einzelzelle. Ich will das warme Nest meiner gefühlten Familie. Blut ist dicker als Saft, sagte meine Tante Erna und meinte damit: Die Familie hält eben enger zusammen als Freunde. Glaub ich nicht. Außerdem: Prosecco prickelt viel schöner als Saft!“


Wie steht ihr zum Ausspruch "Blut ist dicker als Saft"? Sind Eure Freunde Eure Familie - wie es bei Ellen Berg der Fall ist - oder sind Eure Familienbande enger als jede Freundschaft der Welt? Wie stellt ihr Euch Euer Leben im Alter vor - vielleicht habt ihr vor, eine WG zu gründen, bei der Familie zu bleiben oder habt ihr vielleicht eine ganz andere Idee?

Diskutiert hier mit und sagt uns Eure Meinung: Prickelnden Prosecco oder altbewährten Saft?

Autor: Ellen Berg

piapan

vor 3 Jahren

Ich würde später auch gerne in eine Greisen-WG ziehen. Aber mit etwas Glück landen meine Freundinnen vielleicht auch im selben Altenheim wie ich? Dann könnten wir immer mal zusammen abhauen und uns im Supermarkt Wein holen und stundenlang in der Sonne Rommee spielen.
Oder wir lernen noch schnell Schach spielen. Memory wäre wahrscheinlich zu hart ;-). Genial wäre auch: ein Altenheim in Florida, morgens zum Strand, abends auch, dazwischen Fiesta. Und wir würden uns von unseren freundlichen Betreuern versexte Romantic Thriller vorlesen lassen... Eigentlich stelle ich mir das alles gar nicht so schlimm vor. Man hätte endlich mal Zeit.

foxydevil

vor 3 Jahren

Ich habe mehr Freunde als Familie und diese haben mir immer fehlende Teile der Familie ersetzt. Ich würde gern mit Gleichaltrigen zusammen alt werden und das Leben genießen....Gewinn ich im Lotto kauf ich nen Restehof und bau den altersgerecht um und versuche mir ein nettes Umfeld zu schaffen....getreu dem Motto: das Beste kommt zum Schluß ;)

Looony

vor 3 Jahren

Ich liebe meine Familie! Für einige von Ihnen - meine Eltern, meine Schwester und meinen Bruder, meine Patentante, meine Cousins - würde ich, wenn nötig die Welt aus den Angeln heben, Berge versetzen, von Klippenspringen! Ja Blut ist dick, verdammt dick und ich bin der festen Überzeugung, dass man seine Familie deshalb auchniemals loswird - im positiven wie im negativen Sinne.
Und meine Freunde? Diejenigen, die mich wirklich kennen, die wissen wer ich bin und wozu ich fähig sein kann? Die mich trotz allem lieben? Bei denen ich weiß: Egal was kommt, sie sind da!? Für sie würde ich das gleiche tun und ich weiß, dass das auf Gegenseitigkeit beruht.

Ich bin 29, bis ins Renten- und Seniorenalter haben ich (hoffentlich) noch eine Weile Zeit. Aber schon jetzt denke ich ernsthaft über Alternatives Wohnen nach. Ich bin an einem Punkt im Leben angelangt, an dem ich merke, wo sind meine wahren Anker, wer hat einen Platz in meinem Leben. Und mit diesen Menschen will ich mein Leben teilen, wirklich etwas mitbekommen, prägen und geprägt werden. Ich kannmir sehr gut vorstellen und wir denken ernsthaft darüber nach auch zeitnah mit einigen meiner Freundinnen/Freunde mit Kind und Kegel eine alternative Wohn- und Lebensgemeinschaft zu gründen... Für einander leben statt Gegeneinander, da sein, nicht alleinsein. In jungen Jahren, im Berufsleben, bei der Familiengründung, im Alltagsstress, im Alt werden, im alt sein... meine Utopie! Und nicht nur für mich selber!

Frau Berg, Ihre Kollumme berührt mich sehr und spricht mir an vielen Stellen aus dem Herzen! Danke dafür!

Isador

vor 3 Jahren

Ich kenne diesen Spruch als "Blut ist dicker als Wasser"...

Ich glaube nicht, dass ich im Alter mit meiner Tochter zusammen leben werde. Ich hoffe, irgendwo netten Anschluss zu finden, vielleicht in einer Art "Senioren-WG". Im Heim wäre mir das Zimmer zu winzig und man muss doch zu viel Privatsphäre aufgeben. Hier bei mir zu Hause würde ich aber vereinsamen, was noch schlimmer wäre. Eine seniorengerechte Wohnung in netter Umgebung wäre sicher das Schönste im Alter.

Isador

vor 3 Jahren

Ich sage: Prosecco UND Saft, aber jedes davon zu seiner Zeit und keins zu viel!

ulliken

vor 3 Jahren

Ich fände es am besten, in einer Senioren-WG zu ziehen. Nichts gegen Familie, aber man kennt das ja selbst, die hat eigene Verpflichtungen, und Ihnen läuft die Zeit weg (morgen melde ich mich aber bestimmt bei Mutter, jetzt schläft sie doch). Außerdem ist das eine ganz andere Generation. Unter Gleichaltrigen findet man eher Anschluss. Und man hat zu erzählen (wobei die Familie denken würde, schon wieder das gleiche) - und zuzuhören. Die WG sollte jedoch mehr als 2-3 Personen umfassen und man sollte die Möglichkeit haben, dort zu verbleiben, wenn die Pflege durch einen mobilen Pflegedienst gesichert werden kann.

Reisefieber

vor 3 Jahren

Ich könnte immer noch mit meinen Schwestern oder der besten Freundin im Alter zusammen ziehen. Vorstellbar wäre es.

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