Bernd F. Schulte, Das Deutsche Reich von 1914. Europäische Konföderation und Weltreich. Hamburger St

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maxim1

vor 4 Jahren

Geriet Deutschland, infolge einer Fehlkalkulation in den Ersten Weltkrieg? Wirtschaft, Rüstung, Polykratie, innerere Zerreißprozesse sollen dafür zusätzlich verantwortlich gewesen sein.

Stand etwa ein großer Wurf, ein übergreifendes Bild, von Rang und Bedeutung des Deutschen Reichs in der Zukunft, eher dahinter? Nach den Ausführungen des engen Beraters Bethmann Hollwegs, des Universalhistorikers Karl Lamprecht (Leipzig), könnte das Tatsache gewesen sein. Das wird hier deutlich. Die politisch Verantwortlichen in Berlin scheinen, anders als Goebbels und Hitler das verstanden, durchaus mit Vorstellungen von der deutschen, internationalen Politik in die Krisen des Jahres 1914 gegangen zu sein.

Es schält sich hier heraus, dass der eigentliche Gegner des Reichs im Weltkrieg England war. Dessen war sich der Kanzler von Anfang an bewusst. Es bleibt dennoch die Grundlinie deutscher Politik - Weltmachstreben plus kontinentale Hegemonie - bis 1914 unverändert. Damit war das Scheitern jeglicher Ausgleichsbestrebungen mit London programmiert. Ebenfalls die Hoffnung auf eine Neutralität des Inselreichs - im Falle einer zentraleuropäischen, militärischen Auseinandersetzung - war schon im April 1913 (Geh. Reichshaushaltskommission) als wenig wahrscheinlich erkannt.

Auch zeigt sich am Beispiel Belgien, dass Lamprecht für Bethmann Hollweg (vor dem Hintergrund der Kriegszielentwürfe) explorierte, was die europäischen Staaten, seien es Verbündete oder aber Kriegsgegner, von einer wirtschaftlichen und (oder) politischen Konföderation hielten. Solange England nicht geschlagen wäre, hatte ein solcher Plan keine Chance. 1914 war sicherlich nicht dass Wunschdatum Berlins für eine derartig tiefgreifende Entscheidung. Aber der fortschreitende Verfall Österreich-Ungarns, die zunehmenden finanziellen Belastungen der Reichsfinanzen, verbunden mit einer heraufziehenden Rezession, ließen in Berlin das Schreckbild eines ohne Bündnispartner zum Rückzug gezwungenen Reichs erstehen.

Es waren schwere Stunden, zwischen dem 28. Juni und dem 5. Juli 1914, in denen der Reichskanzler von Bethmann Hollweg entschied, dass das Wagnis einer kriegerischen Lösung des europäischen Problems einzugehen sei.

Joachim Dyes

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