Brauchen Autoren im eBook-Zeitalter noch Verlage? Wie seht ihr das als Leser?

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DieBuchkolumnistin

vor 6 Jahren

Aktuell gehen in den Branchenblättern wieder die Diskussionen rum, ob ein Autor inzwischen eigentlich noch einen Verlag braucht! Schliesslich könnte jeder ein eBook veröffentlichen, es bei Amazon oder Apple einreichen und dann alle Verkäufe selbst einstreichen - und er muss sich nicht nach dem Willen des Verlags richten.
Ich finde, dass ein Verlag sehr wohl dringend notwendig ist, allein das Lektorat und die Bewerbung eines Buches können auch in Zukunft nicht von einer Person übernommen werden. Die Verlage haben die Verbindungen zum Buchhandel, übernehmen Presse und Marketing, haben extra Grafiker für das Cover, bezahlen den Autor oft im Voraus für Spesen, schicken ihn auf Lesereise, lauter solche Sachen - das ist im Zweifel nicht von einem Menschen zu stemmen - von der Auseinandersetzung mit den eBook-Shopanbietern ganz zu schweigen!

Aber wie seht ihr das? Ist euch der Verlag völlig egal? Kuckt ihr extra die Verlagsprogramme durch oder geht ihr allein nach Bestsellerliste? Oder seid ihr Autoren und spielt schon mit dem Gedanken, es auch mal allein zu probieren?
Hier mal ein paar Artikel zu dem Thema:
http://www.literaturcafe.de/praxistest-das-eigene-kindle-e-book-bei-amazon-verkaufen/
http://www.literaturcafe.de/vorsicht-e-book-falle-preisbindungsgesetz-gilt-auch-fuer-selbstverleger/
http://www.ehlingmedia.com/blog/?p=864
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,748220,00.html

Michaela_W

vor 6 Jahren

@DieBuchkolumnistin

Ich glaube, daß es gerade für Autoren, die mit Schreiben beginnen, die Selbstvermarktung ihrer Bücher als eBook eine Chance darstellt. So kann ein Schriftsteller ohne all zu große Hürden ein Buch veröffentlichen. Wie du schon geschrieben hast, wird so ein Buch vielleicht ein paar Mängel haben, die sonst durch ein professionelles Lektorat behoben werden. Aber es gibt ja auch inzwischen Agenturen für Schriftsteller, die für sie arbeiten und die Verlage anscheinend die Aufgaben eines Lektorates gerne an solche Agenturen abtreten. eBooks erleichtern sicher, den Einstieg eines Autors in den Buchmarkt, ob er dann auch überlebt, das hängt dann so oder so von seinem Erfolg ab. Ich glaube auch, daß es für gut gemachte Bücher immer noch Verlage benötigt, aber das heißt nicht, daß das Veröffentlichen über einen Verlag, automatisch auch zu einem Erfolg wird.
Auf jedenfall, wird das Auftreten von eBooks das Verlagswesen durcheinander bringen und sicher auch frischen Wind in den Büchermarkt bringen. Ob das alles auch erwünschenswert ist, ist schwer abzuschätzen. Mir gefällt jedenfalls die Idee, ein Buch ohne große Hürden als eBook veröffentlichen zu können sehr und finde es eine Bereicherung des Buchmarktes.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

Bisher kann man den Absatz von gedrucken Büchern mit den Verkaufszahlen von Ebooks keineswegs vergleichen.
Erst vor kurzen wurde z.b. Markus Heitz darauf angesprochen, warum er nicht überwiegend zur Veröffentlichung von Ebooks neigt. Daraufhin antwortete er, dass er von seinem letzten Buch in der Erstauflage gedruckt 50000 Exemplare verkauft hat, Ebooks dagegen keine 200, ich denke das spricht für sich.

Nein, auch in Zukunft werden Verläge gebraucht, der überwiegende Teil der Leserschaft schätzt eben noch das gedruckte Wort. Sicherlich ist die Ebookveröffentlichung eine große Veränderung für den Buchmarkt um Bücher einfach und (jedenfalls für den Verlag) kostengünstig an den Leser zu bringen. Meiner Meinung nach wir es aber eher eine Koexistenz werden.

Hier meine Meinung zum Thema Ebooks:
1. finde ich persönlich, ein gedrucktes Buch besser, "da hat man was in der Hand", der Geruch von Papier, wie es sich beim Umblättern anfühlt ..., außerdem hat man nicht die Problematik, dass man immer einen Vollgeladenen Akku haben muss.
Ich habe persönlich einen Ebookreader und lese recht häufig auch Ebooks.
2. ist die Preispolitik unverschämt, derzeit bezahlt man für ein Ebook so ziemlich das Gleiche wie für ein gedrucktes Exemplar, die Preise werden bei gedruckten Büchern doch angeblich wegen der hohen Herstellungskosten (Papier, Bindung,ect) so hoch gestaltet (komisch, andere Länder haben auch deutlich günstigere Preise), bekommt der Überschuss, der bei einem Ebook auf Grund des Nichtdrucks anfällt der Autor? Möchte ich doch stark bezweifeln.
3. ein Ebook kann man nicht signieren lassen :)

koysino

vor 6 Jahren

Ich glaube, das Verlage auch weiterhin gebraucht werden und sehr wohl ihre Daseinsberechtigung haben, aus vielerlei – oft genannten – Gründen. Dennoch denke ich, das sich die Arbeit der Verlage so wie die Arbeit in anderen Branchen auch verändern wird, sie wird sich entwickeln und vermutlich auch einige Verlage über die Klippen gehen lassen. Letztlich ist das eine normale wirtschaftliche Entwicklung.

Was nun jeder selbst von E-Books hält, ist ja letztlich ihm überlassen, ich selbst habe meine Überlegungen dazu in meinem Blogpost http://cl.ly/7jMm festgehalten ohne mich auf einen Standpunkt festlegen zu können :) Es gibt Vor- und Nachteile – das wird voraussichtlich dazu führen, das das E-Book eine Ergänzung zum Buch werden wird und es eben nicht verdrängen wird. Die Welt wird vielfältiger, in jeder Hinsicht. Früher gab es Radio, heute noch Fernsehen und Internet. Früher gab es einen PC, heute gibt es noch Tablets, Notebooks, Smartphones … und früher gab es Bücher, morgen gibt es Bücher, E-Books und irgendwas dazwischen, interaktive Magazine und Bücher, Mischformen aus Hörbücher und E-Books oder kleine Filme und und und…

Was heißt das für Autoren? Mag sein, das sich durch das E-Book ein neuer Markt für junge Autoren ergibt, auch das habe ich in meinem Blogpost angesprochen; so ist es in den USA ein stark wachsender Markt, aber das Self-Publishing war dort auch vorher schon eine große Sache – im Gegensatz zu Deutschland, da muss man wohl abwarten und sehen und wenn ein Autor das auch hierzulande als Chance sieht, hindert ihn keiner daran, es zu versuchen :-)

@lisanya:
»2. ist die Preispolitik unverschämt, derzeit bezahlt man für ein Ebook so ziemlich das Gleiche wie für ein gedrucktes Exemplar, die Preise werden bei gedruckten Büchern doch angeblich wegen der hohen Herstellungskosten (Papier, Bindung,ect) so hoch gestaltet (komisch, andere Länder haben auch deutlich günstigere Preise), bekommt der Überschuss, der bei einem Ebook auf Grund des Nichtdrucks anfällt der Autor? Möchte ich doch stark bezweifeln.«

Die Preispolitik ist eine durchaus diskutable Angelegenheit, die man sicherlich nicht in weniges Sätzen klären kann. Das ein E-Books fast ebenso teuer ist wie ein gedrucktes ist neben der Buchpreisbindung in Deutschland sicherlich auch ein Ergebnis der Angst der Verlage vor den E-Books und hindert mich selbst auch noch daran E-Books zulesen. Auch das man sie nur schwerlich weiterverkaufen kann (wenn einem das Buch nicht so gut gefallen hat) macht die Angelegenheit unter dem Strich zu einer Teuren wie ich finde.

albertknorr

vor 6 Jahren

@Ein LovelyBooks-Nutzer

Ich bin Autor und Verleger. Wenn ich mir die Entwicklung der E-Book-Verkäufe (meine eigenen und die meiner Kollegen) ansehe, droht dem gedruckten Buch noch keine Gefahr. Am Preis liegt es sicher nicht, da ich die E-Books ein Drittel billiger anbiete als die Taschenbücher. Einzelne Kollegen verschleudern ihre E-Books teilweise sogar für ein Zehntel! des Taschenbuchpreises. Gekauft werden sie dennoch nicht.

E-Books kann man übrigens sehr wohl "signieren" lassen - zumindest habe ich schon ein Dutzend signierter E-Books verkauft :-)

Den Hauptnutzen durch die Verlagssaurier sehe ich für den Autor darin, dass die Bücher flächendeckend in den Buchhandel kommen. Das ist für einen Selbstverleger/Kleinverlag definitiv nicht möglich, weil es mit großem finanziellen Aufwand verbunden ist. Der Platz in den Buchhandlungen muss (von Filiale zu Filiale) erkauft werden. Bei rund 4000 Buchhandlungen in DE und etwa 800 in AT kann man sich ausrechnen, wie viel Zeit und Geld ein einziger Besuch verschlingen würde.

Andererseits sind es genau die Buchhandlungen, die sich im Moment die meisten Sorgen ums Überleben machen müssen. Sie leben seit Jahrzehnten in einem geschützten Bereich, der nun wegzubrechen droht. Hier in Wien und Umgebung ist das Buchhandlungssterben in den letzten Monaten ganz massiv geworden. Dabei sind nicht nur kleine Buchhändler betroffen, die nicht wirtschaften können sondern auch einige der großen Ketten. Man baut Geschäftslokale zurück (halbiert die Verkaufsfläche), schließt Filialen, oder entfernt aus einem Teil davon die Bücher und setzt auf Non-Books wie Gartenmöbel und Grillzubehör, um doch noch Umsätze im laufenden Geschäftsjahr vorweisen zu können.

Schuld daran sind aber nicht die E-Books, sondern der Onlinehandel. Wobei das so auch nicht stimmt., denn schuld sind nur die Buchhändler selbst. Sie bieten genau dasselbe an wie die Onlineshops - zum selben Preis - nur nicht 24 Stunden und nicht mit kostenloser Lieferung und Kreditkartenzahlung.

Falls die Buchhandlungen fallen, werden auch die Verlagssaurier aussterben.

kultfigur

vor 6 Jahren

Dazu passt auch dieser Beitrag hier: http://www.buchreport.de/nachrichten/nachrichten_detail/datum/0/0/0/alle-sieben-sekunden-ein-download.htm - in den USA ist es anscheinend schon so, dass Autoren auch ohne Verlage nur mit eBook-Verkäufen richtig gutes Geld verdienen können. Man kann daraus also ableiten, dass die neuen technischen Möglichkeiten sehr wohl die Chance für Autoren bieten ihre Bücher ganz ohne Verlag zu platzieren. Allerdings ist der eBook Markt hierzulande nicht mit den USA vergleichbar und natürlich muss auch die Qualität stimmen. Ich würde diese Entwicklung nicht verteufeln oder die Qualität schlechtreden, sondern sie eher als Chance für junge unbekannte Autoren sehen. Die guten werden Käufer finden und landen dann bestimmt bald bei einem Verlag ;-)

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