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Grenzland

vor 2 Monaten

Buchvorstellung e-book/Taschenbuch:

»Die Hinrichtung in der Elbe«
Erschütternde Todesfälle
in deutsch-deutschen Grenzflüssen

 

Liebe Bücherfreunde
und Geschichtsinterssierte,

heute möchte ich mein vor Kurzem erschienenes e-book und Taschenbuch »Die Hinrichtung in der Elbe« vorstellen, dass erschütternde Todesfälle in deutsch-deutschen Grenzflüssen erzählt. Mit diesem Buch möchte ich meine Anfang 2016 begonnene erzählerische Aufarbeitung der Todesfälle an der einstigen deutsch-deutschen Grenze fortsetzen.

Wer heute in den Auenlandschaften der Elbe bei Lenzen oder Schnackenburg spazieren geht, auf dem Elb-Radweg von Dömitz Richtung Hamburg unterwegs ist, im Werratal wandert, oder der Saale vom thüringischen Hirschberg bis zur Bleilochtalsperre folgt, der kann sich kaum mehr vorstellen, dass an diesen drei Flüssen vor nicht einmal 30 Jahren die wohl gefährlichsten und am schärfsten bewachtesten Flussgrenzen dieser Welt verliefen.

Hunderte Bürgerinnen und Bürger der einstigen DDR versuchten in den 28 Jahren der deutschen Teilung, ihr Land durch die Grenzflüsse zu verlassen. Viele davon wurden während der Flucht schwer verletzt oder gefangen genommen. 38 Menschen kamen, nach dem derzeitigen Stand der Forschung, bei Fluchtversuchen in deutsch-deutschen Grenzflüssen ums Leben. Diesen getöteten Menschen soll dieses Buch gewidmet sein.


Inhalt

Ein junger Mann versucht dem repressiven Wehrdienst bei der Kasernierten Volkspolizei zu entfliehen und wird dabei in der Elbe auf geradezu barbarische Weise ums Leben gebracht. Ein Ehepaar, die Frau ist im fünften Monat schwanger, befindet sich bereits im niedersächsischen Teil der Elbe, als ein tragisches Unglück geschieht. Und als ein westdeutscher Bürger versucht, seinem ostdeutschen Freund zu helfen, gerät er beim Durchschwimmen der Werra ins gnadenlose Karabinerfeuer sowjetischer Besatzungssoldaten.

Ein 18-jähriger wird auf seiner Flucht in die BRD angeschossen und bei minus 20 Grad ohne Erste Hilfe auf den tiefgefrorenen Auenwiesen der Elbe einfach liegen gelassen. Eine junge Frau versucht ihrer großen Liebe in den Westen zu folgen und stürzt sich an der Sudemündung in die eisigen Fluten der Elbe. Und ein junger Mann ist so verzweifelt, dass er mit 29 Jahren bereits drei Fluchtversuche in die Bundesrepublik unternommen hat – der vierte Versuch wird ihm zum Verhängnis.

Sechs erschütternde Todesfälle in deutsch-deutschen Grenzflüssen hat der Autor für sein neues Buch recherchiert und erzählt. Ein Kapitel über die Arbeit der Zentralen Ermittlungsstelle Regierungs- und Vereinigungskriminalität (ZERV) und ein Kapitel über die DDR-Grenztruppen mit allen relevanten Zahlen und Fakten sowie eine Todesfall-Chronik von 1949 bis 1989 ergänzen das Buch.

Beste Grüße

Michael Dullau


Link zu e-book und Taschbuch:
https://www.amazon.de/dp/B0738MLV8G

Buchinformationen e-book: Stiftungs- und Initiativenverlag, e-book 2017, 130 Seiten, Erzählungen und Todesfall-Chronik, ASIN: B0738MLV8G, 3,49 €

Buchinformationen Taschenbuch: Stiftungs- und Initiativenverlag, e-book 2017, 128 Seiten, Erzählungen und Todesfall-Chronik, ISBN: 978-1-52147-024-4, 6,99 €

Link zur Autorenseite: www.amazon.de/-/e/B00JKQJ54W

 

 

Autor: Michael Dullau
Buch: DIE HINRICHTUNG IN DER ELBE: Erschütternde Todesfälle in deutsch-deutschen Grenzflüssen

Grenzland

vor 2 Monaten

LESEPROBE TEIL 1



FLUCHT AUS LIEBE

»Was?! – Sag, dass das nicht wahr ist!«
Barbara schlug die Hände vors Gesicht. Tränen begannen ihr über die Wangen zu laufen.
»Du hast versprochen, dass du mich mitnimmst!«, sagte sie mit tränenerstickter Stimme.
»Sie würden dich doch nur wieder zurückschicken. Du bist noch nicht volljährig«, sagte ihr Freund und nestelte nervös eine Packung Zigaretten aus seiner Jackentasche.
»Wenn wir einmal drüben sind, dann schicken die mich doch nicht einfach so zurück!«, entgegnete sie entrüstet.
Barbaras Freund ignorierte ihren Einwand und zündete sich eine Zigarette an, seine Hände zitterten dabei.
»Außerdem...«, sagte er und nahm einen Zug von der Zigarette, »werden wir nicht über die grüne Grenze rübermachen.«
Barbara sah auf.
»Was soll das heißen?«
»Wir werden ...«, er stockte kurz, »... wir werden durch die Elbe nach drüben schwimmen.«
»Was?! – Durch die Elbe?!«, rief sie mit geweiteten Augen. »Das ist doch viel zu gefährlich!«
»Das ist noch ein Grund mehr, dass du erst einmal hier bleibst«, sagte er und rauchte.
»Und was heißt eigentlich wir?! – Machen Matthias und Thomas auch mit?«, fragte sie.
»Ja«, antwortete er kurz.
Eine quälende Pause entstand.
»Und du willst mich hier einfach zurücklassen?«, fragte sie schließlich, ihre Stimme bebte.
»Von Zurücklassen kann doch keine Rede sein«, sagte er und rauchte hastig.
»Wir warten, bis du volljährig bist und dann hole ich dich nach.«
»Und warum warten wir nicht einfach bis ich achtzehn bin – und flüchten dann zusammen?«
»Das sind noch vier Wochen bis zu deinem 18. Geburtstag!«, entgegnete er. »Solange halte ich es in diesem Scheiß-Staat nicht mehr aus!«
»Ja, und ich?!«, erwiderte sie gereizt. »Ich soll es aushalten?! Und das auch noch allein?!«
Der Freund nahm einen tiefen Lungenzug.
»So war das doch nicht gemeint, Barbara! Außerdem: Wenn wir bis zu deinem 18. Geburtstag warten, dann haben wir November. Dann ist das Wasser der Elbe viel zu kalt zum Durchschwimmen!«
Er nahm einen weiteren Zug von der Zigarette.
»Wir haben jetzt schon kaum mehr als 12 Grad in der Elbe.«
Barbara sah ihn an.
»Das heißt, du willst schon bald los?«
»Ja, nächstes Wochenende.«
Sie sah ihn mit einem Blick an, der noch immer nicht zu fassen schien, dass er ohne sie gehen wollte.
»Was soll ich denn ohne dich hier machen?«, sagte sie und wieder traten ihr Tränen in die Augen.
Sie ging auf ihn zu und umarmte ihn.
»Ich liebe dich so«, sagte sie und begann zu weinen.
»Es ist doch nur für eine kurze Zeit, dann hole ich dich nach«, sagte er beruhigend.
»Wirklich?«
»Ja«, antwortete er und drückte sie mit einer Hand an sich, in der anderen hielt er die Zigarette.
»Für immer zusammen?«, fragte sie und klammerte sich an ihn.
»Ja«, antwortete er.
Dann drückte er seine Zigarette aus und befreite sich vorsichtig aus ihrer Umarmung.

* * *

Autor: Michael Dullau
Buch: DIE HINRICHTUNG IN DER ELBE: Erschütternde Todesfälle in deutsch-deutschen Grenzflüssen

Grenzland

vor 1 Monat

LESEPROBE TEIL 1


VERBLUTET


»Habt ihr schon das Neuste gehört?«, fragte Helmut Breuer, kaum das er die Kneipentür hinter sich geschlossen hatte.
Er stürmte zu seinen Freunden, die zu sechst an einem Tisch im hinteren Teil der Konsum-Gaststätte »Harders« in Bahlen nahe Boizenburg saßen.
»Es haben schon wieder zwei geschafft!«, rief er. »Und wieder über die zugefrorene Elbe!«
Seine Wangen glühten vor Aufregung.
»Nun setzt dich erst einmal und bestell dir ein Bier«, sagte einer seiner Freunde und klopfte ihm auf die Schulter.
Helmut streifte hastig seine Winterjacke ab und warf sie über die Stuhllehne.
»Aus der Brigade vom Rudolf! – Zwei Elektriker! Gestern Nacht! – Bei minus 20 Grad! – Sie haben sie nicht erwischt!«, rief er stoßweise.
»Aus der Brigade vom Rudolf?«, fragte ein hochgewachsener rothaariger Bursche mit kräftigen Händen und schlug mit der Faust auf den Tisch. »Das gibt es doch nicht! Das sind doch die Hundertzehnprozentigen!«
»Tja, die meisten Leute reden anders als sie denken«, warf ein bärtiger junger Kerl ein, der Helmut Breuer gegenüber saß.
»Leute! Leute!«, rief ein Langhaariger, der am Kopfende des Tisches saß. »Wisst ihr, was mir wirklich Sorgen macht?«
Alle Köpfe gingen zu ihm.
»Wenn wir nicht aufpassen, werden wir bald die Letzten auf der Werft sein. Und wenn ihr mich fragt: Ich habe keine Lust, hier das Licht auszumachen!«
Mit einem Mal wurde es still am Tisch.
»Wie meinst du das?«, fragte nach einer Weile Helmut Breuer und brach damit als Erster die Stille.
»So, wie ich es sage«, antwortete der Langhaarige trocken.
Wieder Stille. Alle Augen am Tisch waren auf ihn gerichtet.
...

* * *

Im Winter 1962/63, es war einer der kältesten Nachkriegswinter in beiden Teilen Deutschlands, beherrschte das Thema »Flucht in den Westen« die Tagesgespräche unter den Arbeitern der Elbewerft in Boizenburg.
Allein in den ersten Januarwochen des Jahres 1963 gelang 23 Arbeitern die Flucht über die zugefrorene Elbe in die Bundesrepublik. Die Geflüchteten waren in der Mehrzahl junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren. Genau die Generation, die die DDR so dringend für den Aufbau ihrer neuen Gesellschaftsordnung benötigte.
In einem Grenzabschnitt der Elbe – zwischen Gothmann und Boizenburg – waren die Flüchtlingszahlen besonders hoch. Deshalb erteilte die zuständige Grenzbrigade den Grenzkompanien in diesem Abschnitt den Befehl zur besonderen Wachsamkeit. Dazu wurden die Postenabschnitte verkleinert und die Anzahl der Grenzposten erhöht. Im Bereich der Sudemündung in die Elbe nahm man zusätzlich eine tiefere Staffelung der Grenzpatrouillen vor.
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