Die Bezeichnung "Jugendbuch"

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Paperthin

vor 6 Jahren

Es gibt in letzter Zeit immer Jugendbücher, die ich ziemlich heftig finde. Zuletzt war da beispielweise "Der Märchenerzähler" von Antonia Michaelis, der vom Oetinger Verlag ab 14 empfohlen wird. Obwohl ich "schon" 20 bin, hatte ich an einigen Stellen doch ganz schön zu knabbern. Auch "Die Tribute von Panem" sind sehr gewaltlastig und wurden von vielen als zu brutal empfunden. Vor allem natürlich für diese Sparte.

Da stellt sich mir die Frage, wie solche Bücher zu der Bezeichnung "Jugendbuch" kommen. In der Regel ist der einzige Unterschied zu einem Roman, dass der Protagonist ein Jugendlicher ist. Meiner Meinung nach kann das aber kein Indikator dafür sein, dass sich das Buch auch für diese Alterklasse eignet. Wie empfindet ihr das?

Autor: Antonia Michaelis
Buch: Der Märchenerzähler

Daniliesing

vor 6 Jahren

Hi, das finde ich ein wirklich interessantes Thema. Zum einen lese ich gerade "Der Märchenerzähler" und zum anderen habe ich mir die Frage auch schon öfter gestellt. Meine Erfahrung, gerade da ich mit vielen lesefreudigen Kindern und Jugendlichen zu tun habe, ist, dass sie ganz unterschiedlich auf solche Bücher reagieren und manchmal viel mehr abkönnen oder es einfach nicht so sehr an sich ranlassen (vielleicht gerade wegen des jungen Alters), wie wir "Erwachsenen". Ich finde "Die Tribute von Panem" - speziell den 3. Band, aber auch die anderen - auch sehr brutal, beim Märchenerzähler bin ich noch nicht ganz so weit, kann mir aber gut vorstellen, dass das böse ausgeht. Jugendbücher sind es für mich aber nicht nur in dem Sinne, dass Jugendliche die Hauptfiguren sind, sondern auch, weil der Schreibstil recht einfach gehalten ist. Wobei Antonia Michaelis ja schon einen besonderen Stil hat. Vielleicht wäre eine Empfehlung ab 16 oder eine Warnung, dass es ziemlich brutal o.Ä. wird, angebracht. Andererseits: würden es Jugendliche dann nicht gerade erst recht lesen wollen? Ist wirklich eine gute Frage und ich kann mich nicht so recht zu einer Antwort entschließen. Für mich sind es weder richtige Jugendbücher, noch Bücher allein für Erwachsene. Sollten wir da etwa die tatsächliche Zielgruppe sein? ;-) Man müsste mal Jugendliche im Alter von 14-16 dazu befragen.

abuelita

vor 6 Jahren

Daniliesing schreibt:
Man müsste mal Jugendliche im Alter von 14-16 dazu befragen.

und genau hier ist das, was mich beunruhigt: vielen in diesem Alter sind z.b. die Tribute von Panem nicht "brutal" genug. Zu harmlos, zu zahm. Und damit kann ich momentan nicht so richtig umgehen...da denke ich seit Tagen drüber nach....

ada

vor 6 Jahren

Für mich sind diese Altersempfehlungen manchmal auch mit Vorsicht zu genießen. Das ist ähnlich wie bei Filmen. Auch in dem Bereich gibt es unzählige Werke die ab 6 oder 12 Jahren freigegeben sind, letztlich aber in meinen Augen nicht für diese Altersgruppe geeignet scheinen.

Abgesehen davon reagieren Kinder und Jugendliche sehr unterschiedlich auf Gelesenes. Manche stecken die von dir beschriebenen Szenen locker weg, andere hingegen bekommen nachts kein Auge mehr zu oder malen sich die schlimmsten Szenarien aus.
Für mich ist die Altersangabe lediglich ein Wert, der mir sagt, dass ich das jeweilige Buch nicht an Kinder oder Jugendliche verschenke, die jünger als das angegebene Alter sind. Ansonsten überzeuge ich mich entweder selbst davon, ob das Buch geeignet ist oder ich hake bei der Buchhändlerin und im Netz nach.

Allerdings verhindert das natürlich nicht, dass sich Jugendliche solche Bücher selbst kaufen können und damit evtl. etwas lesen werden, was ihnen zu schaffen macht. Auf der einen Seite stimme ich Daniliesing zu, dass Jugendliche manchmal robuster sind als man denkt, auf der anderen halte ich es für nicht verkehrt, wenn man ab und zu mal überfliegt, was das eigene Kind da so liest.

Zur Bezeichnung Jugendbuch:
Nach meinem Empfinden sind mehrere Kriterien für die Bezeichnung "Jugendbuch" ausschlaggebend: Das Alter der Figuren, die spezifischen Konflikte, die sie bewältigen müssen (z.B. erster Liebeskummer, Mobbing in der Schule usw.), eine einfachere Sprache sowie Themen, die in dem speziellen Alter zum Nachdenken anregen und in eine bestimmte Thematik einführen (z.B. 2. Weltkrieg, Selbstfindung, Sexualität oder anderes).

ada

vor 6 Jahren

@abuelita

Das hat in meinen Augen auch viel mit Gruppenzwang und Profilierung zu tun. Mein Freund hat eine Tochter, die eigentlich ein absoluter Angsthase ist. Trotzdem möchte sie Bücher lesen und Filme gucken, die ihre Angst schlimmer machen, eben weil die anderen das tun und sich damit aufspielen, dass diese Werke ja viel harmloser sind als alle tun und sie das locker wegstecken.

In ruhigen Momenten bekomme ich allerdings mit, dass eben jene anderen Kinder selbst Probleme haben, das Gelesene oder Gesehene zu verarbeiten. Doch das würden sie im Kreise ihrer Freunde natürlich nie zugeben, denn cool ist der, der alles lässig wegsteckt.

ginnykatze

vor 6 Jahren

Also ich habe Damian, Die Stadt der gefallenen Engel, gelesen. Fand ich auch sehr blutlastig und sehr detailliert beschrieben, für mich auch nicht wirklich ein Jugendbuch.
Auch bei Tochter der Träume handelt es sich wohl um ein Jugendbuch, auch hier war mein Eindruck anders.

Autoren: Kathryn Smith,... und 1 weiterer Autor
Bücher: Damian - Die Stadt der gefallenen Engel,... und 1 weiteres Buch

Daniliesing

vor 6 Jahren

ginnykatze schreibt:
Auch bei Tochter der Träume handelt es sich wohl um ein Jugendbuch, auch hier war mein Eindruck anders.

Tochter der Träume ist allerdings nicht wirklich ein Jugendbuch. Es wird vom Verlag ab 16 empfohlen, ok, mit 16-18 ist man vielleicht auch noch jugendlich. Aber ich denke - natürlich wie immer personenabhängig - dass man es ab 16 schon lesen kann. Besser sie lesen mit 16 Bücher, in denen auch mal Sexualität (und nicht à la Stephenie Meyer) vorkommt, als sich bei Youporn und Co. "nette" Videos anzusehen. Das finde ich wirklich schlimm. Dagegen sind die Bücher recht harmlos.

Daniliesing

vor 6 Jahren

Und grundsätzlich noch mal: Ich finde, dass die Eltern immer mit gucken sollten, was ihre Kinder da lesen, auch wenn diese schon 14 oder älter sind. Es ist kein Aufwand, mal in einige Seiten reinzulesen oder im Internet zu recherchieren, um wenigstens einen ersten Eindruck zu bekommen. Gerade weil jeder in diesem Alter ganz unterschiedlich gut mit bestimmten Inhalten klar kommt, können das Eltern immer noch am besten einschätzen. Für die Verlage ist es da natürlich auch schwierig, das richtig einzuschätzen.

Gwendolyn

vor 6 Jahren

@Paperthin & Daniliesing:
Ich muss ehrlich sagen, dass ich "Die Tribute von Panem" liebe!! Klar, es ist gewalttätig usw. beschrieben, aber ich mag die Bücher einfach und fand das nicht schlimm an diesen Stellen!!

Also ich lese eigentlich fast nur "Jugendbücher" oder welche, die so genannt werden. Und mich stört eher weniger die Brutalität der Geschichten. Stattdessen diese ganzen Sexszenen ect. In vielen Büchern ist es jetzt nicht so sehr beschrieben, eher sehr,sehr kurze Beschreibung und dann: "Es war ein sehr schönes Gefühl." Aber in letzter Zeit habe ich Bücher gelesen, in denen das wesentlich detaillierter beschrieben. Als Beispiel fällt mir jetzt nur "Rain Song" ein. Ich kenne das nur aus Erzählungen meiner Freundin aber die Sexszenen hat sie mich durchlesen lassen, weil sie die auch heftig fand.
Daher finde ich, dass die Autoren entweder kein Jugenbuch schreiben oder es nicht so genau BEschreiben sollten. Denn mit 14 habe ich noch keine Lust auf solche Sachen;)

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

Ich lese in letzter Zeit auch ziemlich viele Jugendbücher. Mag daran liegen, dass die Altersempfehlungen (vor allem in meinem bevorzugten Genre Fantasy) seit dem Harry Potter- und Twilighthype immer weiter nach unten geschraubt werden. Flammender Zorn wurde bei Amazon ja schon für 12jährige empfohlen. Das hat mich (und ganz sicher auch noch etliche andere Leser) dann dazu gebracht, bei Amazon um eine Anhebung der Altersempfehlung zu bitten. Einige Tage später war das dann auch passiert, wobei sich immer noch trefflich streiten lässt, ob 14jährige damit schon klar kommen. Wenn ich mir einige Rezensionen so anschaue, wohl eher nicht.
Schlimmer als ein Buch zu lesen, das evtl. noch nicht dem jeweiligen Alter entspricht, finde ich aber das Anschauen eines nicht altersgerechten Filmes. Bilder, untermalt mit der entsprechend dramatischen Musik, prägen sich sicher noch viel stärker im Gedächtnis ein - ist bei mir jedenfalls so.

Autor: Suzanne Collins
Buch: Die Tribute von Panem - Flammender Zorn

Gwendolyn

vor 6 Jahren

@Streuner
Ich muss das Buch jetzt einfach mal verteidigen:
Ich bin 14 und komme sehr gut mit "Die Tribute von Panem" klar. Deswegen versteh ich eure Standpunkte nicht ganz, denn schrecklich fand ich es nicht gerade. Ich finde, es ist ein tolles Buch und die Altersempfehlung auch angemessen.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

Gwendolyn schreibt:
@Streuner Ich muss das Buch jetzt einfach mal verteidigen: Ich bin 14 und komme sehr gut mit "Die Tribute von Panem" klar. Deswegen versteh ich eure Standpunkte nicht ganz, denn schrecklich fand ich es nicht gerade. Ich finde, es ist ein tolles Buch und die Altersempfehlung auch angemessen.

Oh...bitte nicht falsch verstehen. Ich war und bin immer noch begeistert von den Tributen, was meine Rezension zum dritten Band auch eindeutig belegt. Ein Kinderbuch ist es, nicht nur meiner Meinung nach, aber definitiv nicht!

Gwendolyn

vor 6 Jahren

Ein LovelyBooks-Nutzer schreibt:
Oh...bitte nicht falsch verstehen. Ich war und bin immer noch begeistert von den Tributen, was meine Rezension zum dritten Band auch eindeutig belegt. Ein Kinderbuch ist es, nicht nur meiner Meinung nach, aber definitiv nicht!

Ja gut:)
Ich versteh auch irgendwie was du bzw. ihr meint, aber dass das Buch zu gewalt- wasauchimmer ist, finde ich nicht;)

rallus

vor 6 Jahren

@Daniliesing

Hallo Dani, gerade da gebe ich Dir Recht. Als Vater von 4 Töchtern war ich auch manchmal erstaunt was die so alles lesen, bzw. noch mehr was sie sich als Film anschauen!! Ab einem gewissen Alter bekommst Du es aber nicht mehr mit, verbieten führt nur dazu es interessanter zu machen. Wichtig ist Aufklärung und auch Bücher gemeinsam zu lesen und zu diskutieren.

Daniliesing

vor 6 Jahren

@rallus

Oh ja, ich denke auch, dass Verbieten ebenfalls nichts bringt. Wenn man drüber reden und sich austauschen kann, dann ist das doch super. Und ich denke auch, viele legen ein Buch schon ganz schnell weg, wenn es ihnen zu extrem ist. Ich glaube, gerade bei Filmen, wenn man sie dann noch zusammen mit Freunden anschaut, ist der "Gruppenzwangeffekt" auch etwas anzugucken, was man allein vielleicht gar nicht sehen wollen würde, größer. Ich habe mit 14 mal einen Film gesehen, wenn ich heute nur den Titel höre, gruselt's mich immer noch ;-)

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

Dass die Bücher manchmal vll wirklich nichts für Jugendliche sind, sieht man wohl auch stark daran, dass die Bücher viel mehr von Erwachsenen gelesen werden.
Aber wenn ich dass so mit der englischen Bezeichung vergleiche YA= young adult verstehe ich da allgemein Jugendliche so ab 16 Jahren und in dem Alter hab ich auch schon die grausigsten Thriller gelesen. Ich glaube nicht, dass man dann noch zu jung ist, um auch mal was Härteres zu lesen. Klar, es gibt Jugendliche, die damit weniger klar kommen, aber wird auch genauso Erwachsenen geben, die mit Gewalt und detaillierten blutigen Beschreibungen nicht klar kommen.

Daniliesing

vor 6 Jahren

@Ein LovelyBooks-Nutzer

Stimmt, die englischen Bezeichnungen sind da etwas eindeutiger. Ich finde ja immer die deutsche Bezeichnung All-Age sehr lustig - die gibt es ja eigentlich gar nicht, sondern im Englischen heißt es Crossover. Unter All-Age verstehe ich Bücher, die man in jedem Alter lesen kann, na zumindest von 10 - 100 Jahre. Trifft auf die Titel aber auch selten zu ...

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