Die Wunderübung-ein Thema für jedermann

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LSelina

vor 1 Jahr

Joana und Valentin sind um die vierzig und haben ein Problem: einander. Die gemeinsame Beziehung befindet sich schon seit Jahren in einer Krise, ein Paartherapeut soll Abhilfe schaffen und statt der fortgeschrittenen Entfremdung der beiden wieder eine Annäherung herbeiführen. Keine leichte Aufgabe, wie sich in der ersten Sitzung bei dem Psychologen zeigt.

Daniel Glattauer zeichnet klare Charakterbilder des Ehepaares in seinem Buch: Er teilt sich zu wenig mit, sie nörgelt an allem und jedem herum. Er sieht nicht ein, dass es ein Problem oder vielmehr viele Probleme zwischen den beiden gibt, sie sieht nichts als diese Probleme und nimmt sich dabei auch kein Blatt vor den Mund. Man ist ständig giftig und bissig zueinander und weiß immer schon im Vorhinein, was der andere sagen wird.

Um hier eine Versöhnung herbeizuführen, scheint schon ein Wunder von Nöten. Darüber scheint sich auch der Therapeut im Klaren zu sein, der die beiden verschiedene Übungen absolvieren lässt. Darunter die titelgebende „Wunderübung“, in der sich das Paar an schöne Zeiten und Erlebnisse miteinander erinnern und sich auch positive Eigenschaften des anderen ins Gedächtnis rufen soll. Dieser Ansatz führt eben so wenig zum Erfolg wie die Anregung des Therapeuten, doch jeweils in die Rolle des anderen zu schlüpfen und wie dieser zu agieren, beziehungsweise zu reagieren.

Bestehende Konflikte kommen immer mehr hoch, und das nicht nur, weil Joana voller Ärger eine angeblich längst verflossene Brischit ins Spiel bringt und Valentin mit einem ebenso verjährten Guido kontert, sondern auch weil sich Joana mit den beiden gemeinsamen Kindern alleingelassen fühlt.

Dass man überhaupt zusammen an Ort und Stelle sitzt, ist jedoch einem Versprechen der gemeinsamen Tochter gegenüber geschuldet, die den elterlichen Streit zunehmend unerträglicher findet. Also bemühen sich Joana und Valentin es gemeinsam in einem Raum auszuhalten und über ihre Problem zu sprechen, wobei sich Joana dabei wirklich nicht schwer tut.

Dass man sich wirklich auseinandergelebt hat, wird im Verlauf dieser Glattauer-Komödie, immer klarer. In einer “Faust-Übung”, die der zunehmend ratlosere Berater vorschlägt, gelingt es Valentin auf Biegen und Brechen nicht, seiner Frau symbolisch das Herz in Form ihrer geballten Faust zu öffnen.

Zumindest über die Erinnerung an harmonischere Zeiten, an das Einander-Kennenlernen beim Tauchurlaub in Ägypten, als das Gemeinsame gut funktionierende scheint in “Die Wunderübung” Einigkeit zu herrschen. Die Faszination voneinander ist an diesem Punkt definitiv Vergangenheit.

Die Wende kommt jedoch, als sich zeigt, dass auch ein Paartherapeut selbst persönliche Probleme hat. Ob und wie Joana und Valentin anhand seines schlechten, aber menschlichen Vorbildes in “Die Wunderübung” doch wieder zusammenfinden, und was dahintersteckt, will ich jetzt noch nicht verraten.

Mein Fazit ist, dass der neue Glattauer definitiv hält, was er verspricht, und zwar eine gute Unterhaltung. So mancher Leser und viele Leserinnen werden sich in Joana und Valentin mehr oder weniger schmunzelnd oder auch selbstkritisch wiedererkennen. Und ich finde genau das, das so genial gute an diesem kaum weglegbarem und dadurch schnell durchgelesenem kleinen Büchlein. Ich kann dieses Buch von Daniel Glattauer nur weiter empfehlen!

Autor: Daniel Glattauer
Buch: Die Wunderübung
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