Diskussion zu unserer Jugendbuch-Kolumne von Friederike 10/2013

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muchobooklove

vor 4 Jahren

Buchbloggerin Friederike hat eine Jugendbuch-Kolumne geschrieben zu dem Thema: "Warum nicht jedes Buch den Stempel „Dystopie“ verdient hat!"

Ihr könnt hier sehr gerne darüber diskutieren!

Wir sind gespannt auf eure Meinungen dazu!

Akantha

vor 4 Jahren

Hallo!
Obwohl ich tendenziell einen größeren Bogen um Jugendliteratur mache, ist mir dieser Dystopien-Trend auch schon aufgefallen. Auch nehme ich sehr gern mal eine Dystopie (aus dem Nicht-Jugend-Bereich) zur Hand.
Zur Definition von Dystopien lasse ich mich jetzt nicht aus, das ist wirklich ein Fass ohne Boden und ein fruchtbares Ergebnis gibt es ja doch nicht. Die von Friederike genannten Kriterien erzeugen bei mir eine schaurig-schöne Gänsehaut, woraus ich schließe, dass ich ihr zustimme ;).
Dass man die Bücher ins richtige Genre einordnet finde ich schon sehr wichtig. Klar ändert das nichts am Inhalt des Buchs oder an der Fähigkeit des Autors. Aber wenn ich Geld für ein Buch bezahle in dem Glaube es sei eine Dystopie, ist nicht nur mein Lesevergnügen an diesem Buch getrübt, sondern in Zukunft würde ich es mir dann doch zweimal überlegen, ein Buch mit dem Dystopie-Stempel zu kaufen, Das ist einfach schade, weil es wirklich tolle Dystopien gibt, die von der Größe George Orwells oder Aldous Huxleys profitieren können und nicht unter dem externen Effekt "falsch-gestempelter" leiden sollten.
Meine Frage: Wie entsteht eigentlich die Genre-Einordnung? Nimmt die schon der Autor vor? Der Verlag? Die Buchhändler, die einen Platz im Regal der Buchhandlung suchen?

LG

Akantha

kleinfriedelchen

vor 4 Jahren

@Akantha

Hi, ich gebe dir recht, die Einordnung ändert natürlich nichts an der Geschichte, aber wenn ich eine Dystopie will, möchte ich auch eine finden können.

Und das würde mich auch mal interessieren, ob der Verlag die Einordnung trifft oder wie das abläuft.

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NiklasPeinecke

vor 4 Jahren

Steppenwolf schreibt:
@NiklasPeinecke: Sorry dafür.

Nix passiert :)
Ich habe bei solchen Diskussionen immer das Gefühl, dass manche Diskutanten eine Art Deutungshoheit der Verlage für sich hinnehmen, nach dem Motto: "Die schreiben da Dystopie drauf, obwohl das (für mich) doch gar keine Dystopie ist!"

Sicher, ein Stück weit läuft man als Leser dadurch Gefahr, einer Mogelpackung aufzusitzen. Letztlich gibt es doch aber nur zwei Möglichkeiten: Entweder ist es ein gutes Buch oder nicht.
Und um das herauszufinden, braucht man keine Genreaufkleber. Dazu sind Plattformen wie LB oder andere Kanäle besser geeignet.

Ich persönlich finde ja Bücher toll, die Genregrenzen transzendieren. Die eben nicht nur Dystopie oder nicht nur Liebesroman oder nicht nur Krimi sind, sondern dazu noch etwas anderes, eigenes, nie dagewesenes haben.

Steppenwolf

vor 4 Jahren

NiklasPeinecke schreibt:
Ich persönlich finde ja Bücher toll, die Genregrenzen transzendieren. Die eben nicht nur Dystopie oder nicht nur Liebesroman oder nicht nur Krimi sind, sondern dazu noch etwas anderes, eigenes, nie dagewesenes haben.

Ja, sowas find ich auch gut. Es geht mir da ähnlich wie dir, ich habe auch keine Lust immer alles in Schubladen stecken zu müssen. Aber dennoch kann es passieren, dass ich in eine Schublade greife und was raushole, was da gar nicht reingehört. Packfehler würde man das wohl nennen. ;)
Aber es ist schon so, dass gerade solche Bücher, die Grenzen überschreiten unbedingt kategorisiert werden müssen, oder?
Ich fänd's gut, wenn man in all diesen ganzen Zweifelsfällen einfach einen Oberbegriff stehen lässt und nicht immer wieder versucht ein SubSubSub-Genre draufzukleben. :)

NiklasPeinecke

vor 4 Jahren

Steppenwolf schreibt:
Aber es ist schon so, dass gerade solche Bücher, die Grenzen überschreiten unbedingt kategorisiert werden müssen, oder? Ich fänd's gut, wenn man in all diesen ganzen Zweifelsfällen einfach einen Oberbegriff stehen lässt und nicht immer wieder versucht ein SubSubSub-Genre draufzukleben. :)

Du bist wohl so eine Art Geschwister im Geiste, oder? Das finde ich nämlich auch.
Die Ausgangsfrage dieser Diskussion ist ja: "Warum nennt der Buchhandel jetzt plötzlich alles Dystopie?"
Die einfache Antwort wäre: "Weil es sich dann gerade gut verkauft."
Das dumme ist nur, dass damit manchmal Enttäuschungen fast vorprogrammiert sind. Der hier eben zu Wort gekommene Thomas Elbel zum Beispiel hat ja erfolglos versucht "Megapolis" an den Verlag zu bringen, was fehlschlug, eben weil der Roman nicht "einfach so" als Dystopie zu labeln ist.
Ist das jetzt gut, weil der Verlag keinen Etikettenschwindel betreiben wollte, oder ist das schade, weil der Roman damit fast nicht erschienen wäre (wenn der Autor ihn nicht mit horrenden Vorleistungen selbst verlegt hätte)?
Ich habe den Verdacht, dass uns manchmal ein paar echte Perlen vorenthalten werden, weil die Verlage das Risiko fürchten, wenn irgendetwas nicht in die aktuelle Schublade passt. Bei Übersetzungen weiß ich das sogar ganz sicher. Da bleiben manche Lizenzen schon mal liegen, bis die Welle endlich auch in Deutschland schwappt; so war es bei Steampunk etwa. Die Fortsetzungen zur Übersetzung von Sean McMullens genialem Roman "Seelen in der großen Maschine" liegen wohl immer noch bei seinem Agenten.

Daher ist es mir manchmal recht, wenn dann ein Verlag sagt: "Okay, es ist vielleicht keine Dystopie, aber wir versuchen das mal mit einem ähnlichen Cover wie 'Hunger Games' rauszubringen, vielleicht gefällt es den Leuten ja."
Die Alternative hieße allzu oft: "Interessant, ja, aber wir sehen gerade keinen Markt dafür."
Und das wäre doch wirklich schade.

kleinfriedelchen

vor 4 Jahren

Thomas_Elbel schreibt:
Ich persönlich denke, ich sollte schreiben, wofür ich leidenschaftlich brenne. In meinem Fall sind das eben u.a. Dystopien. Dabei kümmere ich mich wenig darum, ob die dann als Jugend- oder Erwachsenenliteratur eingeordnet werden. .... Soll ich denn nun aus Friederikes Abneigung gegen Jugenddystopien für mich den Schluss ziehen, diese auf keinen Fall zu schreiben? Ich verstehe immer noch nicht, wozu diese Diskussion gut ist. Geht es um Kritik an den Marketingabteilungen der Großverlage? Verhalten die sich denn irgendwie anders oder schlimmer als der Rest der Werbeindustrie?

Hallo Thomas,

das muss ich jetzt doch aber richtig stellen :-) Ich habe überhaupt keine Abneigung gegen Jugenddystopien, sondern sie gehören sogar zu meiner Lieblingsliteratur. Sofern es sich denn um Dystopien handelt. Und genau das setzt meine Kritik an: mit dem Begriff wird in der Öffentlichkeit so lax umgegangen, dass viele gar nicht mehr wissen, was genau eine Dystopie ausmacht. Deshalb wollte ich mit meinem Artikel nur einmal richtigstellen, was eine Dystopie überhaupt ausmacht.

Das ist ganz besonders keine Kritik an Autoren und selbstverständlich sollst du genau so weiterschreiben, wir es dir beliebt. In welche Kategorie dein Verlag oder der Buchhandel das Buch dann steckt, ist ja letztlich nicht deine "Schuld".

Hauptsächlich wollte ich mit meinem Artikel diejenigen aufklären, die bei vielen Büchern schreiben, "Oh, das ist meine Lieblingsdystopie" und ich mir dann denke "Hä? Was ist daran bitte Dystopie???" :-)

kleinfriedelchen

vor 4 Jahren

Steppenwolf schreibt:
Wozu die Diskussion gut ist? Ich denke im Kern geht es darum, dass man in diesem Fall vom Begriff Dystopie einfach etwas erwartet und das schlicht nicht immer bekommt, nur weil es draufsteht. Es steht aber häufig drauf, weil es sich besser verkauft.

Danke, genau darauf wollte ich mit dem Artikel hinaus. Und auch, weil es mich genervt hat, wenn viele LeserInnen von der tollen neuen Dystopie schwärmen und ich mir dann denke "Das ist nicht ein bisschen dystopisch" :-)

Steppenwolf

vor 4 Jahren

NiklasPeinecke schreibt:
Du bist wohl so eine Art Geschwister im Geiste, oder? Das finde ich nämlich auch.

Da kann man mal sehen. :)
Ich glaube das beste was man machen kann, ist sich im Vorfeld möglichst gut zu informieren. Durch LB z.B., ist das ja sehr gut möglich, denn wie schon angesprochen, ein Buchhändler kann das fast gar nicht leisten.
Ich habe es schon häufig erlebt, dass ich dem Buchhändler noch Infos gegeben habe, die er nicht wusste... So sollte das ja eigentlich nicht sein.
Was man aus dieser Diskussion aber lernt ist, dass man aufpassen muss beim Bücherkauf und nicht jedem draufgebappten Label trauen darf.
Schwierig ist es vor allem für diejenigen, die wenig lesen oder Bücher nur als Geschenk haben wollen oder auch einfach in einem Genre völlig fremd sind. Da verlässt man sich dann auf die Etikettierung.

undliest

vor 4 Jahren

Ich finds nicht schlimm, dass Genregrenzen verwischen. Das kann einem Leser ja eigentlich egal sein.
Ich finde aber, man kann die klassischen Dystopien wie Brave New World nicht mit den vielen Jugenddystopien vergleichen, die heutzutage den Markt überschwemmen. Die sind wie Pilze aus dem Boden geschossen, als man gemerkt hat, dass Dystopien sich super verkaufen - das kennt man ja schon. Die Qualität leidet darunter.
Ich habe mich an einigen neuen Dystopien versucht, aber nie eine Reihe zuende gelesen (bis auf die Panem Reihe, die wirklich gut war). Mich haben die Hauptfiguren immer aneinander erinnert, ich hab alle Welten durcheinander bekommen... das hat mich meega genervt :/

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