Diskussion zu unserer Jugendbuch-Kolumne von Nina 09/2013

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muchobooklove

vor 4 Jahren

Jugendbuch-Kolumne September 2013 von Nina:

Sollten Erwachsene Jugendbücher rezensieren?

Sind negative Rezensionen wirklich gerechtfertigt?

Liebe Leser,

Immer häufiger fällt mir auf, dass auch erwachsene Leser gerne zum Jugendbuch greifen, was sicherlich eine wunderbare Sache ist, aber was geschieht, wenn man diese anschließend rezensiert? Gelingt es uns, als Erwachsenen, objektiv zu bewerten? Oder spielt uns die eigene Erwartungshaltung einen Streich? Wie fühlen sich die Autoren, deren Werke nun von einer anderen Zielgruppe bewertet werden?

Erst kürzlich habe ich mich intensiv mit meiner Erwartungshaltung Büchern gegenüber beschäftigt. Ich hatte gerade ein Buch gelesen, welches mich so dermaßen enttäuscht hat, dass ich wirklich darunter gelitten habe. Es war das Buch eines Autors, der mich schon seit Jahrzehnten mit seinen Büchern begleitet und immer wieder begeistert hat, nur beim letzten Mal eben nicht. Tagelang habe ich mich gefragt, warum ich denn eigentlich so enttäuscht bin, wenn alle anderen Leser so begeistert sind: Letztendlich kam ich zu dem Schluss, dass meine eigene Erwartungshaltung daran nicht ganz unschuldig ist. Sicherlich entwickelt man, gerade bei seinen Lieblingsautoren, genaue Vorstellungen, was man von seinen Werken erwartet, aber wie ist das bei Jugendbüchern?

Kann man sich als Erwachsener wirklich so gut in die Jugend hineinversetzen, als das man versteht, worauf der Autor hinaus möchte? Muss man das überhaupt können? Oder ist es durchaus gerechtfertigt, ein Jugendbuch unter erwachsenen Gesichtspunkten zu kritisieren? Wo sind hier die Grenzen?

Nehmen wir als Beispiel das Thema Gewalt in Jugendbüchern. Oft hört man, dass gerade zuviel Gewalt in Jugendbüchern kritisiert wird. Da sind zum einen die Eltern, die sich einfach nicht vorstellen möchten, dass ihre Kinder davon begeistert sind, oder diejenigen die sich einfach nur fragen, ob das denn wirklich nötig ist. Wenn man sich jedoch mal die Zeit nimmt, und über genau diese Thematik mit Jugendlichen diskutiert, stellt man schnell fest, dass die eigentliche Zielgruppe die Bücher ganz anders interpretiert als wir das tun. Ich behaupte einfach mal, das die eigene Lebenserfahrung bei der Interpretation eines Buch eine große und wichtige Rolle spielt. Erwachsene haben zwangsläufig viel mehr Erfahrungen gesammelt, als Jugendliche, und somit sind auch die Gefühle beim Lesen vielleicht gar nicht miteinander zu vergleichen. Wie wirkt sich das nun auf die Rezension aus? Neigen wir nicht dazu, den Autoren eben diese Gewalt zu verübeln?

Genauso ist es doch auch mit der Phantasie. Handlungen, die für uns nicht nachvollziehbar sind, weil sie einwenig zu weit hergeholt erscheinen, sind für Jugendliche eventuell genau das, was die Geschichte ausmacht. Nur weil uns Erwachsenen vielleicht ein Stück weit die Phantasie abhanden gekommen ist, heißt es doch nicht gleich, dass die Handlung der Geschichte abstrus ist.

Was mir persönlich jedoch besonders negativ auffällt, ist die Beurteilung, fast ist es schon eine Verurteilung, der einzelnen Figuren. Oftmals bezeichnen wir die einzelnen Charakteren als naiv, oder auch zu erwachsen, nur selten können wir uns wirklich mit ihnen identifizieren. Vielleicht hätten wir uns aber in unserer Jugend mit ihnen identifizieren können? Kann man das tatsächlich objektiv beurteilen? Das heißt nicht, dass Jugendbücher niveau- oder anspruchslos sind, im Gegenteil, aber sie sollen nunmal eine ganz andere Zielgruppe unterhalten. Macht man es den Autoren nicht doppelt schwer, wenn sie nun auch den Meinungen der Erwachsenen ausgeliefert sind? Wie wäre es denn wohl, wenn beispielsweise 13-jährige Teenies anfangen würden, die Bücher von "Stephen King" zu rezensieren? Wäre es gerecht, wenn wir plötzlich überall schlechte Rezensionen auftauchen, da die Geschichten zu furchteinflössend sind? Wäre King dann plötzlich ein Spinner, der in seinen Büchern hoffnungslos übertreibt? Würden wir Erwachsenen nicht sofort darauf aufmerksam machen, dass King eben nichts für Teenies ist? Warum dürfen wir als Erwachsene dann hingehen, und denn Jugendlichen "ihre" Bücher verreißen? Ist das fair?

Das Beispiel ist zu übertrieben? Nun gut, nehmen wir "Alex Capus". Capus kann die meisten Erwachsenen mit seinen Worten verzaubern. Es bedarf nur einer handvoll Seiten, da befindet man sich völlig verzaubert inmitten der Geschichte. Drücken wir seine Bücher jetzt einem Jugendlichen in die Hand, wird dieser uns wohl eher entsetzt fragen, ob er das jetzt wirklich lesen muss. Und damit meine ich jetzt nicht, dass Jugendliche inhaltlich damit überfordert sind, es ist vielleicht einfach nur die fehlende Umgangssprache, die ihnen den Spaß am Lesen verdirbt. Vielleicht sollten wir uns das einfach öfter mal vor Augen halten, wenn wir ein Jugendbuch lesen, welches einfach nicht unseren Geschmack getroffen hat. Haben wir den richtigen Blickwinkel, um das Buch negativ zu bewerten? Natürlich dürfen und müssen wir unsere ehrliche Meinung sagen, aber vorschnell urteilen sollten wir trotzdem nicht.

Ist es wirklich fair, sowohl den jugendlichen Lesern, als auch den Autoren gegenüber, eine schlechte Rezension zu verfassen?

MissUnberechenbar

vor 4 Jahren

Also ich finde, dass Nina auf jeden Fall Recht hat. Ich selbst habe auch schon mal mit einer Bloggerfreundin über dieses Thema diskutiert und wir sind beide der selben Meinung: Jugendbücher sollen vor allem die Jugend ansprechen, und da Teenager z.B. Gewalt eben nicht so schlimm findet, wie manche Eltern, dann sollte man sich darüber nicht so aufregen.
Und wenn es die Teenager gut finden...

Clairchendelune

vor 4 Jahren

Ich finde, dass Nina in gewissen Teilen Recht hat. Und zwar auf jeden Fall in dem Punkt, dass Jugendliche sich nun einmal für andere Sachen interessieren und auch ein anderes Empfinden Gewalt gegenüber haben. Es gibt Erwachsene, die sehr zimperlich sind und Jugendliche, die viel aushalten und genauso andersherum. Bei diesem Punkt stimme ich vollkommen zu.

Allerdings muss ich auch einlenken und etwas gegen Ninas Meinung sagen!

So wie sie es formuliert, wirkt es so, als würde jeder jugendliche Leser auf Umgangssprache und auf niveaulos geschriebene Bücher stehen. DAS ist bei mir jedenfalls nicht der Fall. Unter meinen gelesen Bücher kommen auch Klassiker vor und ich habe überhaupt nichts gegen eine anspruchsvollere Sprache, als die, die man in manchen Jugendbüchern findet!
Und will sie mit den beiden Beispielen sagen, dass Jugendliche nur Jugendbücher lesen sollten, weil sie sich in anderen Bereichen nicht auskennen?! Ich habe auch schon "Es" gelesen, okay, ich bin nicht mehr 13, aber auch noch nicht 18, aber trotzdem steht es mir doch frei das Buch zu rezensieren, oder?

Ich finde, dass jeder das lesen soll worauf er Lust hat. Wenn es dann nichts für einen ist, da stimme ich Nina wieder zu, muss man das auch in die Rezension dazuschreiben, aber im Grunde ist eine Rezension eine persönliche Meinung und man kann bewerten, wie man will.

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regina_mengel

vor 4 Jahren

Ein gutes Buch kann jede Altersgruppe fesseln. Was ich hier teilweise lese, würde voraussetzen, dass Autoren für Jugendliche anders schreiben, als für Erwachsene. Das will ich so nicht stehen lassen, zumindest nicht, was die Art zu schreiben angeht. Einzig bei der Wahl der Stoffe und vielleicht auch bei der inhaltlichen Aufbereitung (wenn ich für 12 Jährige schreibe, muss ich vielleicht das Abhacken einer Hand nicht bis ins kleinste Detail beschreiben - das Abhacken an sich würde ich jedoch nicht weglassen, wenn es zur Geschichte gehört). Jugendliche verdienen eine ebenso ausgefeilte Sprache wie Erwachsene, ebenso verdienen Erwachsene eine ebenso verständliche Sprache wie Jugendliche. Auch die Ausformung der Figuren sollte sowohl beim Jugend- als auch beim Erwachsenenbuch liebevoll und stimmig sein. Natürlich ticken jugendliche Protagonisten anders als erwachsene Protagonisten. Aber wir waren alle irgendwann mal selbst in dem Alter und wer Jugendbücher liest, dem unterstelle ich auch die Empathie sich in die Figuren hinzuversetzen. Vielleicht sogar ein wenig in Nostalgie zu schwelgen - wie schön war zum Beispiel die erste Liebe. So sehr hat sich die Gefühlswelt, egal ob Zorn, Liebe oder andere Gefühle, sicher nicht verändert. Die jugendliche Sprache mag sich verändert haben, bzw. verändert sich stetig. Allerdings erwarte ich von guten Autoren aber auch, dass sie nicht zu sehr in den gerade angesagten Slang verfallen. Das würde auch wenig Sinn machen, so ein Buch soll ja schließlich auch in drei Jahren noch gefallen und lesbar sein.

Fazit: Ich finde jeder darf lesen, was ihm passt und rezensieren natürlich auch.

In7Sane

vor 4 Jahren

Ich verstehe hier das Problem nicht. Für mich ist ein gutes Buch ein gutes Buch, egal für welche Altersklasse es geschrieben wurde. Demnach kann es auch jeder lesen, der sich dafür interessiert. Und demenstprechend auch rezensieren. Natürlich muss man da passende Maßstäbe anlegen, aber das macht man ja auch mit jedem anderen Genre.

Und ich finde auch, dass in Jugendbüchern auch oft Themen behandelt werden, die durchaus auch für Erwachsene interessant sind. Zum Beispiel Momo, wo den Erwachsenen irgendwann Zeit fehlt, um sich um die Kinder zu kümmern oder wo die schwarzen Männer Momo versuchen mit möglichst teueren aber langweiligen Spielsachen zu beschäftigen. Wie ernst das ist, ist mir als Kind sicher nicht aufgefallen, aber als ich das Buch dieses Jahr mal wieder gelesen habe, hat mich das doch sehr erschreckt.

Daninsky

vor 4 Jahren

FlorianTietgen schreibt:
Dürfen dann auch nur Jugendliche Jugendbücher schreiben? ;)

Da habe ich kürzlich auf einer (literatur) website die etwas dümmlich provokante Frage gelesen:
"Darf man einer 17 jährigen schon einen Buchvertrag geben?"

Als wäre das Schreiben von Romanen und wichtiger noch Verlegt werden an ein bestimmtes Alter gebunden. :/

(Da ich das in Frage stehende Buch nicht gelesen habe kann ich mir kein Urteil über dessen tatsächliche Qualität/dessen Unterhaltungswert erlauben - sehe aber nicht wo ein unmittelbarer zusammenhang bestehen solte zwischen Alter und der Fähigkeit eine (für den Leser und den Verleger) lohnende Geschichte zu erzählen.)

Daninsky

vor 4 Jahren

Grundsätzlich gilt natürlich das ein Jugendbuch die Erfahrenswelt der Jugend widerspiegeln muss, und daraus ergibt sich zwangsläufig das es für Erwachsene schwerer zugänglich/befremdlicher wirken muss, genauso wie vice versa es für "Erwachsenen"-Literatur gilt.

Dadurch wird eine Beurteilung durch einen Erwachsenen natürlich auch zwangsläufig anders ausfallen als die durch einen Jugendlichen, das bedeutet aber nicht zwangsläufig das eine Beurteilung gewichtiger oder richtiger ist als die andere - sie Spiegeln einfach die unterschiedlichen natürlichen Lebens-Leseabschnitte wider.

Ich lese Bücher die ich mit zwölf las anders mit zwanzig, mit dreißig, oder mit vierzig...
Bradbury's "Something wicked" hatte als Jugendlicher für mich eine andere Aussage/Aussagekraft denn als Erwachsener.


Thema Gewalt:
Jugendliche haben oft einen sehr viel abstrakteren Blick auf Gewalt, als man als Erwachsener darauf hat. Wobei exzessive Gewalt mich weniger stört als der Kontext in dem Autoren Gewalt verwenden. Und hier muss ein Buch dann nicht einmal übermäßig Gewaltätig sein um eventuell unterm Strich eine negative Bewertung zu erhalten.
Das gilt dann aber auch unabhängig davon ob es ein Jugendbuch ist oder ein "Erwachsenen-Roman".

Rilana

vor 4 Jahren

Eine Rezension spiegelt immer nur die eigene, persönliche Meinung des Rezensenten wieder. So lange der Rezensent bei einer schlechten Bewertung auch angibt, dass er eben nicht zur eigentlichen Zielgruppe gehört, sehe ich kein Problem darin, wenn auch Erwachsene Jugendbücher rezensieren und andersrum. Ich finde sowieso, dass man seine Bewertung in der Rezension immer erklären sollte, aber ganz besonders wenn sie schlecht ausfällt. Denn ganz egal, ob man nun zur geplanten Zielgruppe gehört oder nicht: Manchmal gefällt einem nicht was man liest und die Gründe dafür sollten in der Rezension erkennbar sein.

Xirxe

vor 4 Jahren

Wenn man ein Buch schlecht bewertet, was ist denn dann genau schlecht? Ist es der Stil, die Geschichte oder lediglich die Tatsache, dass die eigenen Erwartungen nicht erfüllt wurden? Wenn ich bei mir Letzeres feststellte, habe ich das Buch zur Seite gelegt, meine Erwartungen genauso und habe dann nochmal angefangen zu lesen. Und siehe da - in den meisten Fällen fand ich es ganz toll.
Etwas Anderes ist es beim Stil oder dem Inhalt. In beiden Fällen habe ich Ansprüche, denen jedes Buch genügen muss, egal ob Kinder-, Jugend- oder Erwachsenenroman. Grammatikalische Regeln müssen eingehalten werden (außer sie sind ein besonderes Stilmittel) und es wäre schön, wenn ab einem bestimmten Alter derjenigen, für die die Lektüre bestimmt ist, die Sätze aus mehr als Subjekt, Prädikat und Objekt bestehen.
Inhaltlich erwarte ich ganz einfach ;-) eine gut erzählte Geschichte. Überraschungen, Spannung, Action, Gefühl - am besten alles :-) Eine Geschichte, bei der ich schon von vornherein komplett weiss wie sie abläuft, ist keine gute Geschichte. Klar kann man bei manchen das Ende ahnen, das ist aber auch ok, solange das dazwischen noch interessant war. Ebenso unschön finde ich Unlogiken: Da haben manche plötzlich ungeahnte Fähigkeiten, von denen keiner weiß woher sie kamen. Es gibt Wissen, dass einfach so auftaucht. Vorher sagte jemand A, dann plötzlich B, aber weshalb bleibt rätselhaft. Und so weiter.
Sind diese Kriterien eingehalten, kann ein Buch eigentlich nur gut sein, egal welchem Genre es angehört.

Sophiiie

vor 4 Jahren

Ich bin 13 und aber schon einige Rezessionen hier veröffentlicht,bin aber erst auf wenige gestoßen die von Jugendlichen waren.Ich finde generell schon,dass Erwachsene anders bewerten,genauso wie ich Erwachsenenbücher anders bewerte.Ich finde es schade das ich mich in den Jugenbüchergruppen teilweise nur mit Leuten über 30 oder 40 unterhalten kann , nicht mit anderen in meinem Alter.Generell finde ich es nicht so schlimm, aber sollten sich Erwachsene auch bewusst sein ,das nur weil sie Erwachsene sind nicht besser urteilen können.

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