Eher schlechter Ruf von Fantasy?

Neuer Beitrag

erumee

vor 6 Jahren

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es mir vielleicht nur so vorkommt, aber ich habe manchmal das Gefühl, dass das Genre der Fantasy oft etwas in den Dreck gezogen wird.
Kleines Beispiel: in einer ehemaligen Klasse von mir gab es einen Jungen, der in den Pausen lieber gelesen hat statt mit den anderen auf den Gängen Mist zu veranstalten. Die Lehrerin hat ihn im Unterricht daraufhin angesprochen und gefragt, was er denn so spannendes lese. Er hielt das Buch hoch (glaube, es war etwas aus der Zwergen-Reihe von Markus Heitz), der Ausdruck der Lehrerin verzog sich etwas (so nach dem Motto "oh mein Gott"), die Klasse lachte.

Und auch so ist mir oft aufgefallen, dass sehr viele Leute Vorurteile bezüglich dieses Genres haben. Ähnlich ist es auch bei Science-Fiction. Nicht selten habe ich auch Sätze gehört wie "das lesen doch nur Freaks" usw.
Dabei sind viele der erfolgreichsten Bücher der letzten Jahre Fantasy (Herr der Ringe, Harry Potter, Bis(s), Eragon etc.).

Habt ihr vielleicht eine Ahnung, woran das liegen könnte? Denn ich finde dieses Genre ziemlich erstaunlich, gerade weil es dort eine Fülle von Möglichkeiten und Ideen gibt, die man in einem realitätsbezogenerem Buch gar nicht mit einbringen könnte.

Rocio

vor 6 Jahren

Das Fantasy und Science-Fiction häufig etwas in den Dreck gezogen werden ist mir auch schon aufgefallen. Ausgenommen sind davon aber offenbar die klassischen Jugend- oder vorallem "Mädchenbücher" wie Bis(s) etc. in denen auch noch eine ordentlich Liebesgeschichte vorkommt. Diese Bücher liest ja mittlerweile jeder. Aber die "richtigen" High Fantasy Romane, sind schon eher als "Nerdlektüre" verschrieen. Kann mir eigentlich nur vorstellen, dass das an dem oft sehr gewaltigen Unfang dieser Bücher liegt. Ansonsten versteh ich es ehrlich gesagt auch nicht. Gut, es ist vielleicht kein Kafka, aber das sind 90% der anderen Bücher ja auch nicht. Also besser lesen, als nicht lesen, oder?

Daniliesing

vor 6 Jahren

Das ist wirklich ein interessantes Thema! Ich kann mich noch erinnern, dass ich damals in der 7. oder 8. Klasse mit einem englischen Harry Potter unterwegs war. Meine Englischlehrerin war dann erst begeistert und guckte dann doch etwas komisch. Irgendwie konnte ich sie dann am Ende aber überzeugen, dass das wirklich gute Bücher sind und kein 'Schund'. Wie du, habe ich auch immer mal wieder das Gefühl, dass auf das Genre etwas herabgesehen wird. Ich kann gar nicht erklären, wieso das so ist. Denn um einen guten Fantasy Roman zu schreiben, braucht es doch seitens des Autors mindestens genauso viel Können wie bei einem 'herkömmlichen' Roman. Auch vom Leseanspruch her, stelle ich sehr selten Unterschiede fest. Vermutlich kennen viele einfach das Genre nicht und bilden sich dann eine Meinung, ohne mal genauer hinzusehen. Jedoch ist es in den letzten Jahren schon besser geworden und Fantasy Titel werden eher akzeptiert. Ist aber nur ein subjektiver Eindruck...

Beiträge danach
15 weitere Beiträge (Klassische Ansicht)
Beiträge davor

Rebekka_NP

vor 6 Jahren

Klar gibts da tolle Bücher - und vielleicht ist das das Problem der Leute: Für die Bücher braucht man viel Fantasie - zum Schreiben und zum Lesen. Da kommt bei vielen wie bei meinen Eltern ein Verdacht von "Weltflucht" auf. Nach dem Motto "Du kommst nicht mit der Realität klar, deshalb liest du sowas".

Aranict

vor 6 Jahren

Ich finde, das Fantasygenre hat schon mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Seien wir mal ehrlich, es gibt ja auch jede Menge Fantasybücher, die einfach nur schlecht sind, angefangen beim miesen Schreibstil bis zu völlig eindimensionalen Charakteren und vorhersehbaren Plots. Und dann der Vorwurf des Eskapismus, der "Weltflucht", der diesem Genre ja ganz besonders anhaftet. Nicht dass es das bei anderen Genres nicht auch gäbe, aber da scheint es zumindest nicht so offensichtlich zu sein. Solche Vorurteile sind es dann auch, die viele Leute davon abhalten, überhaupt mal ein Fantasybuch zur Hand zu nehmen, und weswegen Fantasy-Leser oft nur milde belächelt werden. Dass Fantasy durchaus auch realitätsbezogen, gesellschaftskritisch und sogar literarisch hochwertig sein kann, ist für viele wohl schwer vorstellbar. Aber gut, wer so wenig Vorstellungskraft besitzt, kann mit Fantasy natürlich nicht viel anfangen, ist ja irgendwie logisch ;-)

LianeSons

vor 5 Jahren

Ich habe gerade selbst einen Fantasyroman als eBook bei Droemer/Knaur veröffentlicht. Hab früher Geschichten für meine Söhne erfunden und schreibe jetzt mit ihnen zusammen. Sie sind begeisterte Fantasyfans, ich lese eher weniger in dem Genre. Ein Lektor, der mein Manuskript sehr gut fand, wegen des Umfanges aber ablehnen musste, hat mich einer Agentin empfohlen. Bei Uschtrin war nachzulesen, dass sie kein Fantasy vertritt. Sie hat es trotzdem genommen, weil sie die Charaktere so schön gezeichnet fand. Meine Lektorin, die Literatur studiert hat, fand meinen Schreibstil toll und macht Werbung für das Buch. Meine älteren Schwestern finden es nur gut, dass ich unter Pseudonym schreibe. So bringt keiner mein Buch mit ihnen in Verbindung. Sie wollen es nicht lesen, sie kaufen es nicht, und ich denke es wäre ihnen peinlich, würde ich auf ihren Partys anderen Gästen davon erzählen. Meine älteste Schwester erzählte mir, sie hätte sich dazu gezwungen "Tintenherz" im Fernsehen anzusehen, weil ich ja so etwas schreibe. Es hätte ihr nicht gefallen. Sie würde lieber anspruchsvolle Lektüre lesen.
So muss es wohl mit Fantasy sein: Kennt man ein Buch, kennt man alle.
Darauf trinke ich mir heute Abend ein Glas Wein.

IraWira

vor 5 Jahren

Ich denke, es hat auch etwas damit zu tun, dass das Genre überhaupt erst einmal wirlich etabliert werden musste. Es gab zwar einen Tolkien und einen E.T.A. Hoffmann und Co, aber die waren vom Stil her meist doch noch anspruchsvoller als das, was hier erst als Fantasy und SciFi, oft auch noch schlecht lektoriert und in eher billiger Aufmachung herauskam. Um Fantasy zu lesen muss man ja auch die Fähigkeit zum Träumen haben und die Fähigkeit einfach Dinge als möglich anzunehmen, von denem einem der berühmte Menschenverstand sagt, dass es sie nicht gibt oder dass sie nicht möglich sind. Vielleicht muss man auch einfach mehr "Kinderdenken" zulassen als es normal üblich ist, auch das kann Menschen ja irritieren.

silbereule

vor 5 Jahren

Naja - ich möchte es mal ganz vorsichtig ausdrücken, Fantasy ist halt nicht jedermanns Geschmack und stößt besonders bei rational denkenden Lesern auf Kritik.
Diese verstehen es nämlich nicht, warum man sich mit Fabelwesen beschäftigt und Situationen, die auch nicht mal angedacht Realität werden könnten.
Ich persönlich stehe irgendwo dazwischen - ich lese gerne Romane, die etwas Fantasy beinhalten, wie z.B. SciFi, Zeitreise oder Endzeitthriller , aber es muss für mich fiktiv nachvollziehbar sein.
Mit Elfen, Vampiren, Druiden, Zauberlehrlingen, wundersamen Einhörnern etc. kann ich auch nix anfangen und das hat nichts mit Vorurteilen zu tun - ich habe solche Bücher gelesen bzw. angelesen und mich ehrlich gefragt, was das soll und warum es so viele Menschen gibt, die das toll finden, es allen Ernstes in ihr Leben aufnehmen und sich davon beeinflussen lassen. Dabei muss man natürlich unterscheiden zwischen Lesern, die diese Lektüre als das sehen was sie ist, nämlich einfach nur Unterhaltung, und denen, die anfangen, ihr Leben danach auszurichten, was ich als sehr gefährlich ansehe.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 5 Jahren

Naja, wenn Fantasy = Nerd ist, dann bin ich gerne einer (gibts davon auch eine weibliche Form? Nerdin? :D ) Wieviele schwärmen im "großen" Alter bitteschön noch von "Das Sams" oder "Eine unendliche Geschichte" (Ich wollte auch immer auf Fuchur fliegen, am liebsten zur Schule)? Ich lese gerne Fantasy, gerade im High Fantasy Bereich finde ich es grandios neue Welten zu entdecken und ich denke es ist nicht weniger schwer zu schreiben. Meine Schwester meinte letztens auch zu mir "Du liest ja nur Fantasy" als wir auf das Thema Bücher gekommen sind, das stimmt natürlich nicht. Ja ich lese es gern, aber ich lese es nicht nur. Ich schäme mich auch nicht, mir soll es egal sein was andere denken, in der SBahn halte ich ganz stolz meine Fantasy Bücher hoch und kassiere merkwürdige Blicke dafür, darüber kann ich dann nur müde lächeln. Manchmal wüsste ich trotzdem gerne was die Leute so denken.

Ich habs auch mal mit Kafka probiert, ist nichts für mich :) Habs auch mal mit dem hochgelobten Buch Sophies Welt versucht, herje, definitiv nicht meins. Wird auch nie in meinem Regal stehen, habs nicht nötig mich damit zu profilieren. Ist doch alles Geschmackssache, ich urteile auch nicht über Menschen, die sich Erotikromane kaufen und darin versinken. Die hier angesprochene Weltflucht hat mMn nix mit dem Genre Fantasy zu tun. Wenn ein Buch gut ist, dann merke ich nicht wie die Zeit vergeht oder was um mich herum passiert, egal ob es Fantasy ist oder Liebesromane oder Gegenwartsliteratur oder Thriller oder oder oder

Und was Nerds und merkwürdige Spiele etc. angeht. Ich war auch schonmal auf einem life Rollenspiel, so ein Mix aus Fantasy und Mittelalter. Das war witzig! Und da waren bei weitem nicht nur die Klischee Nerds, wie man sie sich halt vorstellt, dürrer Jüngling, pickelig mit Hornbrille. Es hat echt spaß gemacht für die 4 Tage. Danach sind die Menschen aus ihren Kostümen gestiegen und waren wieder Abteilungsleiter, Schüler, Schbearbeiter, Chefkoch etc. Als würde ich mit einer Axt durch die Gegend laufen und mir einbilden ich wäre ein Zwerg, der den Troll vernichten will ^^

Harry Potter habe ich übrigens nicht gelesen, ob ich es jemals werde, kann ich nicht sagen. Rein vom Thema spricht es mich nicht an. Ich habe 2- 3 Filme gesehen, die ja wenigstens etwas Inhalt wiedergeben und gar nicht so weit vom Buch entfernt sein sollen, auch das hat mich nicht gereizt die Bücher dazu in die Hand zu nehmen.

Buchraettin

vor 5 Jahren

Ich lese auch am liebsten Fantasy und habe da noch nie was Negatives drüber gehört, ausser mal,. das ist nichts für mich. Und ich liebe gute SF Romane und zwar solche, die auf physikalischen Fakten beruhen. Und ich lese auch nebenbei mal Kafka und Goethe.
Ich lasse da gern jeden lesen was er möchte... und vorgefasste Meinungen mag ich eh nicht. Ganz ehrlich, habe ich dass noch nicht gehört, dass man ein Freak ist, wenn man auf SF steht...

Neuer Beitrag