Eifel-Trick

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petersplitt

vor 5 Monaten

Leseprobe:

Stephan Beinlich war frisch rasiert und angezogen. Er schlürfte seinen Kaffee im Stehen, dann ging er hinaus auf den Flur und rannte die Treppe hinunter zur Haustür. Kurz bevor er sich am Briefkasten des Nachbarn zu schaffen machte, öffnete er die Tür und sah sich sorgfältig nach allen Seiten um. Da war niemand. Nur eine alte Frau mit Hund. Er schloss die Tür vorsichtig von innen und widmet...e sich ganz dem Briefkasten des alten Herrn Becker. Das erschien ihm sicherer zu sein, als seinen eigenen zu benutzen. Er hatte den Briefkastenschlitz bewusst manipuliert, so dass er mit ein wenig Übung hineingreifen und die Umschläge hinausziehen konnte. Heute war nur einer drin. Er fischte ihn aus dem Briefkasten und schlitzte ihn auf. Er enthielt einen Brief und einen 20 Euro Geldschein. Gestern waren es wenigstens noch 40 Euro gewesen. Das war zwar auch nicht viel, aber eine Weile konnte er davon leben.
Die Masche war nicht schlecht. Er hatte online auf verschiedenen Datingportals annonciert und sich als gelangweilte Ehefrau ausgegeben, die gelegentliche Männerbekanntschaften suchte. Die Resonanz war umwerfend gewesen. Er hatte ein sexy Foto von einer früheren Freundin ins Netz gestellt und für noch detailliertere Aufnahmen sowie ein persönliches Treffen jeweils 20 Euro verlangt. Das fand er durchaus angemessen, schließlich hatten seine Kunden auch noch ein entsprechendes persönliches Schreiben als Wichsvorlage bekommen. Die Bezahlung erfolgte nicht per Überweisung auf ein Konto, sondern in altmodischer Form bar in einem Briefumschlag. Auch dafür hatte er sich eine nette Ausrede einfallen lassen. Darin war er gut.
Im Treppenhaus roch es streng. Wahrscheinlich hatte irgend so ein Säufer in eine Ecke gepinkelt. Die machten ja heutzutage vor nichts mehr halt. In der Tür zum Internetcafé stand eine dunkelhaarige Jugendliche mit pickeligem Gesicht. Sie trug einen kurzen Rock und schwarze Stiefel. Beinlich liebte schwarze Stiefel. Er starrte sie an, aber sie ging wortlos an ihm vorbei nach unten. Kurz darauf sagte ihm ein leichtes Klacken, dass die Haustür ins Schloss gefallen war. Er stampfte zwei Stockwerke höher. Dann stand er selbst vor zwei Apartmentwohnungen. Welche sollte er nehmen? Die rechte oder die linke? Auf den Klingelschildern standen keine Namen. Er entschied sich für die linke. Ihm juckte die Nase. Er zog ein Taschentuch aus seiner Hosentasche und schnäuzte sich. Er suchte nach dem Klingelknopf und fand ihn. Er drückte auf den Knopf.
Die Explosion riss ihn von den Beinen..

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petersplitt

vor 5 Monaten

EIFEL-WAHN Leseprobe:
Ein Serientäter versetzt die Eifel mit grausamen Ritualen in Angst und Schrecken. Als der bekannte Kunstsammler Dr. Ferdinand Böker im eigenen Haus ermordet und geköpft aufgefunden wird, stehen Polizei und Angehörige des Toten vor einem Rätsel. Gewisse Tatumstände lassen auf eine Verbindung zu längst vergessenem Brauchtum antiker Kulturen schließen. Das ist ein Fall für den Reiseschriftsteller Roger Peters, der sich mit dieser Thematik bestens auskennt. Er bekommt den Auftrag, Sophie Böker bei der Archivierung der umfangreichen Sammlung ihres Vaters zu unterstützen und taucht in die Geschichte einer Familie ein, die im Antagonismus von Vergangenheit und Gegenwart tief gespalten ist. Während ihn die erotische Ausstrahlung seiner Auftraggeberin immer mehr in den Bann zieht, sieht er sich mit dunklen Machenschaften in ihrer unmittelbaren Umgebung konfrontiert. Und dann steht der wahre Täter plötzlich vor ihm ...

Dr. Ferdinand Böker dachte an diesem herrlichen frühen Herbsttag nicht an den Tod. Durch das offene Fenster blickte er hinauf in einen Himmel, der für die hiesigen Breitengrade das eher seltene, tiefe Blau des Südens trug. Für einen Moment schloss er die Augen, genoss die wohlige Wärme und überlegte, später noch einen Spaziergang zu machen. Doch zunächst wartete noch eine Menge Arbeit auf ihn. Er wollte die neuen Objekte, die am Vormittag aus Südamerika eingetroffen waren, fotografieren und katalogisieren. So bemerkte er das Auto nicht, welches langsam an seinem Anwesen vorbeifuhr und in gesicherter Entfernung anhielt.
Der Fahrer schaute kurz in den Rückspiegel, schnappte sich seinen Rucksack von der Rückbank und stieg langsam aus. Alles deutete darauf hin, dass der Fremde nur bewundernd das historische Gebäude betrachten wollte, so wie es fast täglich unzählige Male geschah. Viele Wanderer machten mittlerweile vor nichts mehr halt.
Die stattliche, bergische Fabrikantenvilla lag etwas abseits auf einer Anhöhe, umgeben von Wiesen und Feldern in einer wunderschönen Landschaft und war zu Beginn des 19. Jahrhundert erbaut worden. Im Foyer der Villa standen Vitrinen, die mit ethnischen Objekten vergangener Kulturen aus Südamerika gefüllt waren. Dr. Ferdinand Böker war gerade im Begriff, einen der Schaukästen zu öffnen, als er ein Geräusch vernahm. Die schwere Haustür fiel hinter ihm ins Schloss. Er fuhr herum und erblickte eine schwarze Silhouette, die aus dem Schatten trat. Fast noch in gleichem Atemzug, erkannte er das breite Messer, mit sichelförmiger Klinge und senkrechtem Mittelgriff. Sofort wusste er, was es war: Ein Tumi, oder besser gesagt ein breites Ritualmesser, der altperuanischen Völker.
Dr. Ferdinand Böker stieß einen Schrei aus, der jedoch verstummte, da ihm ein Lappen in den Mund gestopft wurde. Der Geschmack von Öl und Fett ließ ihn würgen. Gleichzeitig schleuderte ihn der Unbekannte gegen die Wand. Fremde Hände in Latexhandschuhen drückten ihn auf den Boden. Eine unbekannte Stimme kroch ihm über die Haut. Es war ein boshaftes Flüstern, fast schon ein Grunzen, dass ihm ausmalte, was der Maskierte mit ihm anstellen würde, wenn er sich wehrte. Er versuchte es trotzdem, aber sein Gegner war stärker. Eine behandschuhte Faust traf ihn mitten ins Gesicht.
Für einen Moment wurde ihm schwarz vor Augen und er schluckte Blut. Dann spürte er die kalte Klinge an seiner Kehle. Wieder konnte er nicht einmal mehr schreien, als das Opfermesser in ihm eindrang. Mit ein paar kräftigen Schnitten wurde der Kopf vom Rest des Körpers getrennt und der blutige Rumpf glitt zu Boden.
Der Mann wusste genau, wonach er suchte. Gezielt griff er in die geöffneten Vitrinen und nahm sich, was er wollte. Vorsichtig packte er die Gegenstände in seinen Rucksack. Dann blickte er noch einmal auf den Toten. Die Augen des abgetrennten Kopfes starrten ihn leblos an. Er atmete tief ein, um den Geruch des Blutes in sich aufzunehmen. Dann führte er sein Werk zügig zu Ende, indem er den Kopf in östliche Richtung drehte. Vorsichtig…ganz vorsichtig…
Später würden ihm die Beamten der Remscheider Polizeiinspektion den Namen Ritualmörder geben, die Presse würde sofort darauf anspringen, und ihm würde der Name gefallen…

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