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xploder007

vor 3 Jahren

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Der nachfolgende Text ist kein Inhalt des Romans 'Choices – Die Mächtigen', er gibt jedoch einen Ausblick auf Ereignisse und Orte der Handlung. Erwähnte Personen spielen im Roman selbst allerdings maximal Nebenrollen. Doch der Text spiegelt einen Teil der Atmosphäre des besagten Werks wider. Also wenn es euch gefällt und ihr gerne mehr davon hören wollt, unterstützt mich doch und kauft euch 'Choices – Die Mächtigen'. In diesem oder jedem anderen Fall wünsche ich euch eine gute Unterhaltung mit diesem kleinen Ausblick ...

Ein Ausblick auf 'Choices – Die Mächtigen':

Jäger

Von Nils Nöske


Die Nächte in Zorin konnten selbst im Sommer noch eiskalt sein, zumindest wenn man zum Abschaum gehörte. Zu denen, die entbehrlich waren.

Seit mehreren Stunden bereits saß er dort und trug nur Lumpen am Leib, die kaum Wärme boten. Ein Mann mittleren Alters, mit kurz geschorenem dunklem Haar hockte in einer der zahllosen zugigen Gassen der Hauptstadt. Dicht an dicht gedrängt lagen zu seinen beiden Seiten Obdachlose, die hier schliefen und sich gegenseitig vor der Kälte des Zugwindes zu schützen versuchten.

Er selbst gehörte nicht wirklich zu ihnen und hätte ihren beißenden Gestank auch lieber nicht ertragen müssen. Zu sehr erinnerten ihn der eingängige Geruch und die schmerzenden Glieder an längst vergangene Zeiten, in denen er mit seiner kranken Mutter und seinem älteren Bruder in ebensolchen Gassen gelegen und kalte Nächte durchgestanden hatte.

Er hasste diese Erinnerungen, so wie er oft schnell geneigt war, all das zu hassen, was sie in ihm hervorrief. Diese Obdachlosen, der kalte Wind, der schweißige Dunst ungewaschener Kleidung. Auf dies Alles konnte er gut verzichten. Er hatte viel dafür aufgegeben, sich sogar von seiner eigenen ihn zurückhaltenden Familie losgesagt, um es nicht mehr ertragen zu müssen. Und dennoch saß er nun wieder hier, in einer der zugigen Gassen Zorins unter all diesen hungernden und frierenden Notleidenden.

Warum er trotzdem in dieser Nacht an diesen Ort gekommen war? Wegen ihr. Wegen dieser einen Frau, die er bereits seit Monaten im Auge hatte. Ein süßes Ding, das ihm unter anderen Umständen sehr gut gefallen hätte. Eine junge Punkerin, schlanke Figur, mit Piercings in der Lippe und in der Augenbraue, blaue Augen und Haare, die sie an den Seiten kurz trug und ansonsten lila färbte. Ja, solche Mädchen gefielen ihm schon immer. Sie war ein wildes Ding, das sich nicht einfach zähmen ließ, dachte er bei sich. Doch er war nicht hier, um sie in sein Bett zu bekommen. Dafür hätte es einfachere Wege gegeben, bei denen er weit weniger Umstände gehabt hätte.

Er war hier, weil ihn die Jagd reizte. Er war hier, weil er auf der Lauer lag. Er war hier, weil er sie auf frischer Tat ertappen und dann ergreifen wollte. Das genoß er an seiner Arbeit. Die Jagd. Sicher hätte er sie einfach festnehmen können. Es gab genug Indizien, die ihm Gründe dafür gaben. Doch er wollte sich dieses Gefühls nicht berauben. Das war auch der Grund, warum er allein hier saß. Verstärkung stand bereit. Ein paar Straßen weiter nur stand ein Wagen der Städtesicherheit, in dem sich Beamte befanden, die im Notfall eingreifen würden. Doch er würde dies hier auch ohne sie schaffen, das wusste er. Der Jäger in ihm war sich dessen absolut sicher.

Es war bereits nach Mitternacht, als sie endlich eintraf. Sie wirkte entspannt, hatte die Hände in den Hosentaschen ihrer hautengen Jeans. Zuka, das war ihr Name, wie er durch seine Ermittlungen wusste. Sofort, als sie die Gasse betreten hatte, erhob sich eine Person einige Meter weiter vom Grund und ging an ihm vorüber auf die junge Frau zu.

Es war ein kleiner, älterer, etwas untersetzter Kerl mit lichtem blondem Haar, das ihm fettig über die Schultern hing. In sein Gesicht hatte er fremdartige Muster gezeichnet. Möglicherweise die Zeichen eines Kultes oder einer Armen-Vereinigung, wie es sie in Zorin tausende gab. Dabei waren die meisten radikal, kriminell und von Hass auf die Oberschicht getrieben.

Doch wer konnte es ihnen verübeln in einer Stadt wie Zorin? Wäre sein Leben nur ein wenig anders verlaufen, hätte er sich ein bisschen mehr geschont, ein bisschen weniger angetrieben, er hätte ohne Weiteres auch in einer solchen Gruppierung landen können und ohne Frage seinen Hass dort ausgelebt.

"Na, mein süßes Täubchen?", begrüßte der Kerl sie freundschaftlich. "Alles in Ordnung bei dir? Wie geht es deinem Bruderherz?"

"Noch nicht viel besser, schätz ich", meinte Zuka und schloss den Alten in die Arme. "Aber das wird schon, wenn er erstmal einen Arzt gesehn hat. Wir arbeiten dran. Was machen die anderen?"

"Hoho", gab der Mann von sich, als er sich wieder von ihr löste und deutete dann auf die restlichen Menschen, die an diesem Ort lagen, "allesamt echte Helden. Kommen durch, das sag ich dir. Sonst helf ich nach. Der alte Bollo passt schon auf. Uns kriegt so schnell nichts klein."

Ein Flackern an einem Zugang zur Gasse lenkte den lauernden Jäger von seiner Beute ab. Die Lampen auf der Straße schienen unter Stromschwankungen zu leiden. Für eine Weile gingen sie immer wieder aus, nur um dann langsam wieder an Helligkeit zuzunehmen. Aus, Flackern, Licht. Aus, Flackern, Licht. Aus ...

Doch dann erschrak der am Boden sitzende Mann beinahe, als beim nächsten Flackern mit einem mal eine Gestalt im Licht der Straßenbeleuchtung stand. Ein Mann mit längerem dunklem Haar und in ebenso dunkler Kleidung war plötzlich dort aufgetaucht und starrte nun bewegungslos zu ihnen herüber.

"Und? Hast du das Zeug?", zog der alte Bollo nun wieder Aufmerksamkeit auf sich. "Hast du es dabei, Herzchen?"

"Keine Sorge", meinte sie lächelnd und hielt ihm ein kleines Tütchen mit ein paar Tabletten darin entgegen, "ich würde nicht grundlos diesen Weg auf mich nehmen. Hast du denn auch was für mich?"

Einen Moment schien Bollo unsicher zu sein, dann kramte er aus seiner abgenutzten Lederjacke ein paar noch abgenutztere Geldscheine heraus. Er drückte sie der jungen Frau in die Hand, die dafür die kleine Tüte in die Obhut des Obdachlosen übergab, um erst danach noch einmal die Scheine zu zählen.

"Sehr gut, meine Liebe, vielen Dank", gab ihr der Mann zu verstehen und klopfte mit seiner freien Hand auf ihre Schulter. "Ich dachte echt schon, ich müsste heute Nacht sterben."

"Pass lieber auf, dass du es nicht auf ne andere Weise tust, ja?", meinte Zuka lediglich, während sie das Geld in ihrer Hosentasche verstaute, und nickte dabei mit dem Kopf leicht in Richtung des kleinen Tütchens, das er noch immer zwischen den Fingern hielt.

"Ach was!", tat es der Obdachlose ab und zwinkerte ihr schmunzelnd zu. "Ich versprech dir, diese Dinger sind sicher nicht mein Tod! Dafür wird der alte Bollo schon sorgen."

Pack, dachte der unerkannte Beobachter ihres Treffens. Drogenabhängiges, kriminelles Pack. Alle beide. Nein, auch alle anderen hier. Lediglich Pack. Er wusste, es gab Wege, in Zorin auf die Beine zu kommen. Er selbst war sie gegangen. Aber diese Menschen waren schlicht zu willenschwach und ihrem Schicksal ergeben, als dass sie sie hätten nutzen können. Aber er würde seine Arbeit tun. Und nach der heutigen Nacht würde eine Dealerin weniger auf den Straßen herumlaufen. Und sie würde die Städtesicherheit, im Tausch für eine geringere Strafe, vielleicht auf die Spur eines ganzen Drogensrings bringen. Dieser Gedanke brachte sein Blut beinahe zum Kochen. Endlich war es soweit. Das Warten war vorbei, ab nun war die Jagd eröffnet ...

Er sah noch einen Moment zu, wie Bollo und Zuka sich verabschiedeten und wie sich der Obdachlose wieder an der Wand niederließ. Dann erhob er sich selbst und folgte der jungen Frau so leise er konnte in Richtung Straße. Überrascht stellte der Beamte der Städtesicherheit fest, dass der mysteriöse Mann noch immer dort stand und in die Gasse blickte. Auch Zuka schien sein Anblick zu verwundern und zu beunruhigen. Was wollte dieser Typ? Würde er sie jetzt misstrauisch machen, konnte das seine Jagd erheblich stören.

"Kann ich dir irgendwie behilflich sein, Kleiner?", fragte die Dealerin den Mann, als sie nahe genug an ihn herangetreten war. "Du siehst so aus, als möchtest du was."

"Nun, ich möchte nur", sprach der Fremde mit durchdringender Stimme, "dass du weitergehst und vergisst, dass ich hier war ..."

Und ohne ein weiteres Wort an ihn zu richten, ging Zuka mit plötzlich vollkommen entspanntem Gesichtsausdruck einfach an diesem Mann vorrüber und verließ die Gasse. Was sollte das nun wieder bedeuten? War das eine Art Code gewesen? War dies am Ende einer ihrer Hintermänner oder ein Komplize? War sie sich bewusst, dass man sie heute festnehmen würde? Wenn das der Fall war, gab es allen Grund zur Eile. Und so ging er selbst auch einfach wortlos an dem Mann vorbei und sah sich auf der Straße um. Es waren kaum noch Menschen unterwegs. Auch kaum Flyer flogen mehr in der Luft zwischen den Wolkenkratzern, so dass es verhältnismäßig ruhig in diesem Teil der gewaltigen Stadt war. Er konnte Zuka sofort auf dem Gehweg zu seiner Linken ausfindig machen und nahm gleich darauf wieder die Verfolgung auf.

Er beschleunigte seine Schritte, während sein Herzschlag wilder wurde. Nur noch ein wenig weiter fort, wollte er sie lassen, verringerte schon einmal den Abstand zwischen ihr und sich. Dann rief er sie schließlich. Laut und durchdringend.

"Städtesicherheit, bleiben Sie ruhig und kommen Sie mit mir mit!"

Er hatte nicht erwartet, dass sie sich ergeben würde. Sie enttäuschte ihn nicht. Sie rannte sofort los, als das erste Wort erklungen war. Er musste lächeln und spurtete dann hinter ihr her. Dieser Teil war es, den er am meisten genoss. Sie hetzte die Straße entlang, ohne sich umzublicken, wechselte dann die Straßenseite und versuchte, ihn in einer Seitenstraße abzuschütteln. Sie warf im Lauf Mülltonnen hinter sich um, die er jedoch mühelos übersprang und sie keine Sekunde aus den Augen verlor. Dann verließ sie die Seitenstraße wieder, um auf eine der Hauptstraßen zu biegen. Und als der Beamte ebenfalls dort ankam, war Zuka plötzlich spurlos verschwunden.

Er stand da und blickte sich um. Die Straße war vollkommen menschenleer. Vorsorglich zog er seinen Schlagstock, den er unter der zerfetzten Kleidung mit sich führte, und duckte sich tief, um unter die nahe parkenden Autos sehen zu können. Nichts war dort zu erkennen.

Dann erblickte er eine graue Katze, die vollkommen ruhig über die verlassene Straße auf ihn zu stolzierte. Sie schenkte ihm nur kurz ihre Aufmerksamkeit, dann zog sie an ihm vorrüber und ging einige Meter weiter, bis zu einem großen Stromverteilungskasten. Ein Warnschild stand an der Tür, das Unbefugte vor Hochspannung schützen wollte. Die Katze machte einen Satz und sprang auf den Kasten, um sich dort zusammen zu rollen.

Der Beamte der Städtesicherheit traute seinen Augen kaum, als er bemerkte, dass die Tür zu diesem Verteilungskasten nicht verschlossen war. Sie war nur angelehnt. Er zögerte einen Moment und fragte sich, ob die Katze ihm das vielleicht hatte mitteilen wollen. Dann jedoch verwarf er den Gedanken wieder und machte ein paar schnelle Schritte auf die Tür zu, öffnete sie und wurde beinahe von der Frau umgerissen, die sich ihm entgegen warf.

"Lassen Sie mich, klar?", rief Zuka, als er sie nach einigem Gerangel zu packen bekam. "Ich muss zurück zu meinem ..."

"Sie sind festgenommen", fauchte er ihr entgegen und hielt sie noch fester am Arm. "Tja, du kommst jetzt mit mir, meine Hübsche!"

"Nein", rief die Dealerin da und versuchte sich abermals loszureißen. "Sie verstehen nicht! Ich kann nicht ..."

"Halt die Fresse, Mädchen!", schnauzte er sie an und ließ seinen Schlagstock einmal heftig in eine ihrer Kniekehlen sausen, woraufhin sie zusammensackte und einen weiteren Hieb auf den Po abbekam. Der Beamte spürte, wie die Wut in ihm kochte. Auch wenn er nach außen absolut kalt wirkte, musste er sich zusammenreißen, ihr nicht noch einen Schlag auf den Hinterkopf zu verpassen. Einfach gezielt, um sie von ihrem Leid zu erlösen, wie er es vor Jahren auch mit seinem eigenen verlorenen Bruder getan hatte.

Doch er brauchte dieses Mädchen noch, ermahnte er sich selbst. Also zog er Handschellen unter seinen zerrissenen Lumpen hervor und legte sie Zuka an. Sie würde mit ihm kommen, sie würde befragt werden und sie würde ihm alles sagen, was sie wusste. Danach würde er sie zum Gericht bringen, wo eines der berühmten Zoriner Eilverfahren ihr eine satte Strafe wegen Drogenbesitzes, Drogenhandels, Waffenbesitzes und Körperverletzung in einigen Fällen einbringen würde. Seine Jagd war beendet. Er brauchte seine Beute nicht noch zu erlegen. So sehr es ihn auch reizte. Der gesetzlich abgesicherte Weg, solchen Abschaum zu entsorgen, würde ihm genügen müssen.

"Dark hier!", sprach er ernst in sein am Handgelenk verborgenes Funkgerät. "Ihr könnt mich jetzt anpeilen und abholen, Jungs. Die Kleine hängt am Haken."

Unmöglich hätte der Beamte ahnen können, dass sein Leben und das jener Frau sich in den nächsten Tagen komplett verändern würden und dass sie das Gerichtsgebäude niemals erreichen sollte ...


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Autor: Nils Nöske
Buch: Choices - Die Mächtigen
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