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Ulrike_Jonack

vor 3 Jahren

Liebe SF-Leser,


leider sind meine Science-Fiction-Bücher in der Aufstellung noch (ich hoffe, das LB-Team kann das bald ändern) als Fantasy deklariert, so dass sie euch wohl bislang noch gar nicht "untergekommen" sind. Um das zu ändern gibt es eine Buchverlosung von "Zweisam oder Die Sache mit Akakor" - schaut doch mal rein!



Gruß von
jon



Nachtrag: Jetzt stimmt die Einordnung :)

Autor: Ulrike Jonack
Buch: "Zweisam"oder"Die Sache mit Akakor"

Ulrike_Jonack

vor 3 Jahren

Im Verlosungsthread gibt es schon zwei Leseproben, hier stelle ich auch mal eine ein, eine, die ein bisschen anders klingt:

Es fiel Imnoi schwer, sich zu konzentrieren. Er hatte nicht gut geschlafen und es war schwieriger als sonst, all die Geräusche zu ignorieren, die durch die dünnen Schiffswände hindurch von überall her in sein Bewusstsein drängten. Mit’Xitlan war es wohl ähnlich ergangen, er hatte die morgendliche Meditation schon nach wenigen Sekunden abgebrochen und hantierte nun in der Kochecke. Imnoi versuchte, auch das zu ignorieren. Er schloss das letzte Band an seiner Robe, drapierte seinen Zopf formgerecht über Schulter und Brust und betrat die Altarnische.
Dort entzündete Imnoi das Öllicht. Der flackernde Schein brach sich im Kristall auf dem Altar und warf einen unruhig tanzenden Fleck auf die kleine weiße Stele, die das Zentrum des Arrangements bildete. Ein schwerer Duft entströmte der Flamme. Imnoi zog sich das hellblaue Kissen heran, ließ sich auf die Knie nieder, legte seine Hand um die Stele und senkte den Kopf.
Stille stieg auf. Sie schuf einen Raum zwischen den Realitäten, zwischen den Sphären der stofflichen und nichtstofflichen Welt. Jenen Raum, den ein Kara betrat, wenn er mit den Wahren Herrschern Kontakt aufnehmen wollte, um sich Rat oder Beistand zu holen. Beistand konnten die beiden Kara brauchen, seit sie gemeinsam mit den anderen Warén verlassen hatten, denn die Welt der Menschen war verwirrend laut und bunt. Kaum jemand auf Terra oder dem Mars machte sich die Mühe, seine Gedanken und Gefühle abzuschirmen, von den unabgeschirmten Energien der terranischen Technik ganz zu schweigen. Selbst hier, so weit entfernt vom Sol-System, schienen die Echos in der Zwischensphäre nachzuhallen und die Präsenz der Wahren Herrscher zu übertönen.
So war es natürlich nicht. Imnoi wusste durchaus, dass das, was er hier als glühende Bänder und Flüsse wahrnahm, was er hier als undeutliches aber unüberhörbares Gemurmel empfand, allein von diesem Schiff und den Menschen darauf stammte: gesprochene Worte und gedachte, Gedankenfetzen und Emotionswellen und immer wieder die glühenden Stränge der Energieleitungen und die bunten Funken der Schiffselektronik. Selbst wenn ein Wahrer Herrscher hier gewesen wäre, fern der schützenden Hallen auf Warén, er hätte in diesem Durcheinander der Auren alle seine Kraft zum Überleben gebraucht, wäre nicht in der Lage gewesen, die Zwischensphäre aufzusuchen, geschweige denn, mit den Kara zu kommunizieren.
Dennoch genoss Imnoi die morgendliche Meditation. Sie vermittelte ihm trotz allem ein Gefühl von Vertrautheit. Manchmal formten sich in der Zwischensphäre sogar Muster, Bilder, etwas, was einem Kontakt nicht unähnlich war. Vielleicht berührte er in diesen Sekunden das Unterbewusstsein eines Besatzungsmitgliedes, vielleicht wurde dieser Eindruck auch durch das Zusammenspiel verschiedener zufälliger Effekte erzeugt. Wie auch immer – es wirkte real und in der Regel ließ sich Imnoi darauf ein.
So wie jetzt …
… da ihn arhythmisch wabernde Lichter umfingen. Ein Geruch nach schwelendem Kunststoff lag schwer im Raum und im Hintergrund war ein Atmen, tief und fordernd. Imnoi drehte sich danach um. Er nahm einen Blick wahr, der ihn durch das unruhige Glühen der Energien hindurch traf. Noch ehe Imnoi sie sehen konnte, wusste er, dass es karanische Augen waren, die ihn beobachteten. Dann fiel er in das Schwarz dieser Augen. Ein wohlig vertrautes Gefühl umfloss ihn, streichelte ihn. Duftete nach Wind und Hitze und nach seidigem Frauenhaar. Es hüllte sie ein – ihn und Tnom. Draußen schrie ein Vacha. Imnoi spürte Jagdfieber in Tnom zucken und umschlang sie. Wissend, dass er sie nicht halten konnte. Sie war längst fort. Gestorben. Vor langer, langer Zeit. Er spürte wieder die Tränen, die er nie vergossen hatte, und dass jemand seinen Kopf in die Hände nahm. Ihn zwang, aufzuschauen. In ein menschliches Gesicht, flach und farblos und stupsnasig. Mit grauen Augen, wie aus Samt und Glas. Er spiegelte sich darin. Sah, dass hinter ihm etwas war. Doch er konnte sich nicht umwenden. Er hatte nichts als den grauen Samt als Spiegel, in dem er den Reflex von etwas Grüngelbem gewahrte. Grüngelbe Lichter, ein Paar. Tunnel, die ihn aufsaugen wollten und aus denen ihm jemand entgegenkam. Eine Frage, die ihn nicht ganz erreichte und die doch an ihm zog und zerrte …
Dann schlug Imnoi irgendwo hart auf.

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