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yvonne_pioch

vor 6 Jahren

Ich habe mal eine Frage, die sich vor allem an die Schreibenden unter Euch richtet. Ich habe heute eine Marktforschungsumfrage zu meinem Debütroman Altraterra gestartet, bei der man zehn Fragen beantworten muss. Eine der Antworten weicht völlig von den Eindrücken der bisherigen Leser ab und kritisiert genau das, was den anderen zu gefallen scheint. Meine Frage ist, wie ihr mit sowas umgeht? Nehmt Ihr diese Kritik an und versucht, die wahren Punkte herauszufiltern? Denkt Ihr Euch: "Ach, der/die hat einfach keine Ahnung?" Nehmt Ihr Kontakt zu demjenigen auf und versucht herauszufinden, was dahinter steht?

Autor: Yvonne Pioch
Buch: Die Prophezeiung

Galdursfrauchen

vor 6 Jahren

Hey,
das ist etwas schwieriger, in meinen Augen. Viele Menschen können weder vernünftige Kirtik äußern, noch einstecken. Sie nehmen es nicht so genau und verstehen auch manchmal nicht, dass es dem Autor hilft, wenn man ihm sachlich seine Kritik entgegben bringt. Der Autor denkt, oh es ist alles schön und dann kommt da einer, der gerne helfen möchte und seine Kritik äußert. Das zieht schon irgendwie etwas runter. Ich persönlich würde das kritische Kommentar analysieren, schauen ob es sachlich geschrieben ist und dann den Verfasser (falls es möglich ist) anschreiben und meine Fragen an ihn richten. Nur durch Kritik kann man besser werden. Dazu kommt auch noch, dass nicht Jedem alles gefällt. Geschmäcker sind verschieden, aber ich halte das immer nach dem Motto: Versuch macht klug.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

Ich denke, im Laufe der Umfrage, wenn noch mehr Antworten eintrudeln, wirst du eine Tendenz erkennen können, ob diese eine Antwort eher ein Ausreißer war oder ob noch mehr Leute diese Kritik anbringen. Dann solltest du diesen Punkt auf jeden Fall ernst nehmen und überlegen, ob und wie du darauf eingehen kannst. Aber momentan siehts ja noch eher danach aus, als sei das ein Ausreißer gewesen; insofern musst du dir darüber wohl noch nicht zu viele Gedanken machen.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

Ich finde, Kritik ist beim Schreiben wichtig. Positive als auch negative können helfen, das Geschriebene gegebenenfalls noch zu verbessern. Sofern die Kritik aussagekräftig ist und vielleicht sogar erklärt wird, wieso einem etwas nicht gefällt, nehme ich diese gerne zur Kenntnis. Habe ich das Gefühl, dass die Kritik auch berechtigt ist, versuche ich das eine oder andere auch zu ändern. Gefällt mir persönlich aber mein geschriebenes Wort, kann ich mich nicht wirklich dazu überwinden, etwas zu verändern. Das finde ich eigentlich auch wichtig. Wenn dem Autor seine Zeilen selbst sehr gut gefallen, ist es nämlich meistens auch so, dass diese Stellen doch sehr gut sind.
Ob jemand Ahnung vom Schreiben hat, ist bei Kritik, glaube ich, nicht so wichtig. Denn meistens ist es ja nicht die Schreibweise, die kritisiert wird, sondern bestimmte Szenen. Man kann es natürlich nicht jedem recht machen und auch beim besten Buch/Artikel gibt es negative Kritiken. Solche würde ich trotzdem nicht ignorieren

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

Nun zu allererst, du wirst es nie allen recht machen können. Geschmäcker sind verschieden. Geh mit der nötigen Offenheit an die Sache und sei so brutal ehrlich wie es nur geht mit dir selbst. Könnte der Kritiker mit seiner Meinung noch ein Manko entdeckt haben? Und wenn ja, nimm es dir zu Herzen und mach es beim nächsten Mal besser. Wenn nein, dann gefällt ihm dein Stil oder was auch immer einfach nicht und Punkt. Als Autorin wirst du immer auf Menschen treffen denen deine Arbeiten nicht gefallen.

Hazard

vor 6 Jahren

Die Einstellung "der Kritiker hat ja keine Ahnung, also egal" solltest Du niemals haben. Der angesprochene Leser scheint das Buch ja gelesen zu haben, schließlich bemängelt er anscheinend recht fundiert. Selbst, wenn er das Buch in Deinen Augen nicht verstanden hat, solltest Du Dich fragen, warum das geschehen konnte und ob das einer größeren Lesergruppe ebenfalls passsieren kann. Allerdings kann man es auch nie allen Lesern recht machen, eine einzelne negative Kritik sollte daher nicht überbewertet werden. Ansonsten gilt: Jede seriöse Kritik ist wertvoll.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

Schließe mich den Meinungen anderer an. Jeder Leser hat seine eigene Meinung und eigene Vorstellungen. Unwichtig ist keine der Ansichten. Du als Autorin musst Dich nur fragen, ob Du mit dieser einen Meinung überein stimmst. Man kann es nicht jedem recht machen, sollte das Werk aber auf gar keinen Fall um jeden Preis dem Mainstream anpassen wollen. Dir selbst muss es gefallen - alles andere spürt der Leser und ich denke, dass gerade so etwas ein Buch zum Scheitern verurteilt. Freu Dich über die positiven Reaktionen. Überdenke negative Kritik und prüfe, ob Du diese Ansicht ganz oder nur teilweise teilen kannst. Kritik ist ja nichts schlimmes. Sehe es konstruktiv und behalte Dir unbedingt vor, Dir selbst treu zu bleiben. Mache nichts, was Du nicht mit Dir selbst vereinbaren kannst.
Und vor allem - stöbere Dich mal durch die Bestsellerlisten hier bei Lovelybooks und Du wirst feststellen, dass selbst die größten Welterfolge nicht immer nur positive Kritiken bekommen ...

yvonne_pioch

vor 6 Jahren

Lieben Dank für Eure Antworten. Heute kam eine weitere negative Kritik rein, dann aber auch wieder viele positive Stimmen. An der gestrigen Antwort hatte mich vor allem die Tatsache geärgert, dass der Kritiker sich herausgenommen hat zu behaupten, der Geschichte fehle das Herzblut des Autors. Das ist ja weder sachlich noch konstruktiv, sondern eine reine Mutmaßung, an der einfach so gar nichts dran ist. Mehrere Rezensenten hatten gerade geschrieben, dass man überall die Liebe zum Detail bemerke.
Ich durchlaufe bei Kritik meist einen Prozess zunächst totaler Ablehnung und dann totaler Zustimmung, in der ich an mir selbst zweifle. Ich finde es wirklich schwierig, Menschen richtig zu begegnen, die anscheinend Spaß daran haben, das Werk (voller Herzblut) eines anderen in der Luft zu zerreißen. Ich werde in dem speziellen Fall mal über Eure Worte nachdenken und dann denjenigen kontaktieren, der das vermutlich geschrieben hat.

Buchhorst

vor 6 Jahren

@yvonne_pioch

Wie kann man bei Herzblut sachlich sein? Es geht doch um sehr persönliches Empfinden.

yvonne_pioch

vor 6 Jahren

@Buchhorst

Gegenfrage: Wie kann man bei einer nicht sachlichen und nicht konstruktiven Kritik eine sachliche und konstruktive Antwort oder Reaktion erwarten?

Persönliches Empfinden wäre zu schildern, was einem an dem Buch nicht gefällt. Zu behaupten "Dem Buch fehlt das Herzblut der Autorin" ist für mich so was ähnliches wie Rufmord. Wie viel Herzblut ein anderer in etwas gesteckt hat, kann man nicht wissen. Ich halte es sogar für gänzlich unmöglich, ein Buch ohne Herzblut zu schreiben, jetzt mal unabhängig von dem speziellen Fall.

Buchhorst

vor 6 Jahren

@yvonne_pioch

Wenn ich als Leser den subjektiven Eindruck habe, dass das Buch ohne Herzblut geschrieben wurde, kann ich das doch zum Ausdruck bringen. Das meine ich jetzt grundsätzlich. Ich kenne weder dich, noch dein Buch. Wenn dieser Satz dich schon zu Formulierungen wie Rufmord animiert, solltest du dich bei etwaigem Erfolg "warm anziehen". Professionelle Rezensenten sind oft nicht sehr zimperlich. Da ist fehlendes Herzblut noch eine vergleichsweise harmlose "Unterstellung". Von dem Anspruch, dass Kritik konstruktiv zu sein hat, solltest du dich verabschieden. Oft oder meist ist es so - bestimmt nicht immer. Als Autorin musst du lernen souverän damit umzugehen. Oder lies sie nicht.

yvonne_pioch

vor 6 Jahren

@Buchhorst

Ja, mir ist bewusst, dass professionelle Rezensenten sich zu ungefähr jeder Art von Formulierung hinreißen lassen. Einer der Gründe, warum ich nach meinem journalistischen Praktikum im Feuilleton der FAZ vor einigen Jahren beschlossen habe, den Weg des professionellen Rezensenten nicht weiterzuverfolgen. Ich hasse es, Leute niederzumachen. Leider leben wir in einer Kultur, die manchmal geradezu eine Lust am Zerreißen hat. Das gilt nicht nur für Autoren, sondern auch für Unternehmen. Vielleicht soll damit eine Art Trotzreaktion im Kritisierten geweckt werden. Vielleicht muss der Kritiker aber auch nur persönlichen Frust loswerden und findet hier ein angenehmes Ventil. Aber meine Buchfrage zielte ja gerade darauf ab, wie andere Autoren es schaffen, mit solcher Kritik umzugehen. Demnach würde ich mich als lernwillig bezeichnen. ;-) Ich glaube, bis ich mit einer Kritik in der Zeit oder FAZ rechnen kann, werde ich gelernt haben, mit solchen Nickeligkeiten umzugehen.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

@yvonne_pioch

@Yvonne: "Ich hasse es, Leute niederzumachen" genau das machst du aber gerade mit deinen Kritikern. Es sind Rufmörder, sie sollen nicht über dein Herzblut urteilen, weil sie keine Ahnung davon haben und bauen nur Frust beim Bewerten ab. Diese öffentliche Anprangerung, nachdem du um ehrliche Meinungen gebeten hast, finde ich ehrlich gesagt sehr befremdlich. Auch deine Kritiker haben Zeit damit verbracht, dein Buch zu lesen und sich eine Meinung zu bilden. Ein kleines bisschen Respekt sollte man ihnen dafür auch entgegen bringen...

yvonne_pioch

vor 6 Jahren

@Ein LovelyBooks-Nutzer

Stopp, Moment. Irgendwie läuft das hier gerade sehr aus dem Ruder und es werden Dinge hineininterpretiert, die ich nie gesagt habe. Ich habe nicht gesagt, dass "meine Kritiker" Rufmörder sind, sondern dass ich die Art und Weise, wie diese eine spezielle Kritik geäußert wurde, von der Wertigkeit her so schlimm finde wie Rufmord. Und ich habe darüber reflektiert, warum es wohl Leute gibt, die absichtlich Kritiken schreiben, von denen ihnen klar sein müsste, was sie damit anrichten. Weil ich eben aus eigener Erfahrung weiß, dass nicht jeder sich so viele Gedanken macht, wie etwas beim anderen ankommt. Ich habe um ehrliche Meinung in meiner Umfrage gebeten, das ist richtig. Und ich wollte auch nicht nur Nettigkeiten hören, sondern herausfinden, woran es hapert. Diese eine Kritik hat mich sehr getroffen und ich habe andere Autoren um Hilfe gebeten, wie mit einer solchen Antwort umzugehen ist. Das habe ich nicht getan, um über Kritiker zu schimpfen, sondern um konkrete Tipps zu erhalten, wie man mit einer Enttäuschung fertig wird und wie sehr man sich diesen Schuh anziehen muss. Wenn sich davon jemand gekränkt oder auf den Schlips getreten fühlt, tut mir das leid. Aber ich bin nicht diejenige, der es an Respekt mangelt. Ich habe ja weiter oben auch geschrieben, dass ich eher dazu neige, eine Kritik zu sehr anzunehmen. Deswegen ist es mir ein Rätsel, wieso das jetzt hier so aufgebauscht wird.

Buchhorst

vor 6 Jahren

@yvonne_pioch

"Ja, mir ist bewusst, dass professionelle Rezensenten sich zu ungefähr jeder Art von Formulierung hinreißen lassen." schriebst du (Yvonne Pioch). Derart platte Verallgemeinerungen sind diffamierend und schlichtweg falsch. Wer schreibt und Resonanz will, muss damit umgehen können. Wie es aussieht hast du keinen Verlag gefunden, der dein Buch verlegen wollte. Kein Grund, aber vielleicht (!) ein Indiz, über die Qualität nachzudenken. Kritiker zu attackieren ist sehr unprofessionell, aber selbst unser Nobelpreisträger überwarf sich mit Marcel Reich-Ranicki. Ist aber nie ein Zeichen von Größe. Hat immer etwas Unwürdiges und mutet nach Eigentor an. Wie sehr man sich den Schuh anziehen muss hängt von der Passform ab - ganz einfach.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

@yvonne_pioch

Dass Deinem Kritiker das Herzblut der Autorin gefehlt hat, ist eine subjektive Einschätzung, die nicht zutreffen muss, aber wenn jemand es so empfindet, hat er doch ein Recht dazu, es zu äußern, oder nicht? Vielleicht hatte er vorher ein Buch gelesen, bei dem die Leidenschaft zum Schreiben von Seiten des Autors wesentlich deutlicher hervorstach, vielleicht ist er generell ein höheres Mass an "Herzblut" gewöhnt.
Es bedeutet ja nicht unbedingt, dass Du kein Herzblut in Dein Buch gesteckt hast, ich gehe davon aus, dass Du das getan hast, aber auf diesen einen Leser hat es eben anders gewirkt.
Ich kann verstehen, dass so eine Aussage einen Autoren trifft, aber es ist eine Einzelmeinung, die vielleicht etwas über Dein Buch aussagt, vielleicht aber auch über den Rezensenten.
Seine Meinungsäußerung mit Rufmord zu vergleichen halte ich für vollkommen unbegründet. Im Übrigen scheint es ja so, dass Du das Feedback aktiv suchst, wenn die Meinung haltlos ist, ignoriere sie, ansonsten kann man doch auch daraus lernen, sich vielleicht fragen, wann man selbst ein Buch als "mit Herzblut geschrieben" empfindet und ob das aus der objektiven Perspektive auch bei Deinem Buch erkennbar ist.

Robert_05_85

vor 6 Jahren

@yvonne_pioch

Ich bezweifle, dass Kritiker Freude daran haben, Bücher zu verreißen. Lieber hätte sie wahrscheinlich ein Buch gelesen, das sie loben können. Etwas Subjektivität gehört auch zu einer Rezension immer dazu, denn Lesen ist nunmal ein ganz individuelles Erleben, das nicht zuletzt durch eigene Interessen sowie Erfahrungen geprägt und gesteuert wird. Nicht umsonst fallen Wertungen ganz unterschiedlich aus. Und ist es nicht genau das, was ich als Leser von einer Rezension erwarte? Ich erhoffe, mir ein subjektives Bild, das durch objektive Beobachtungen untermauert wird, um einen Eindruck von dem Werk zu bekommen. Wenn der Rezensent aus Rücksicht auf den Autor, das Buch mit Samthandschuhen behandelt, habe ich als Konsument rein gar nichts von der Kritik. Wohlmöglich kaufe ich das Buch noch und erlebe einen Reinfall. Ich finde es wichtig, dass Kritiker KLAR Stellung beziehen, auch wenn es manchmal verletztend ist, aber nur so ist die Rezension hilfreich.

Buchhorst

vor 6 Jahren

@yvonne_pioch

Meist macht ein Verriss nur der Wut des Rezensenten Luft. Der Ärger über vertane/vergeudete Lesezeit.

haarnasenwombat

vor 6 Jahren

Ooooh – ich kenne das Problem. Ich nehm mir Kritik immer viel zu sehr zu Herzen.
Aber gerade bei «Kunst» (Bücher, Filme, Theaterstücke, Gemälde, Plastiken etc.) ists immer schwer, denn da hat nun mal jeder seine ganz eigene subjektive Meinung dazu. Dass sich der Grossteil, wie Du schreibst, positiv äussert, ist doch das beste Zeichen. Es werden immer Leser/Kritiker dabei sein, die Dein Werk zerreissen. Damit muss man, sobald man in irgendeiner Weise in der Öffentlichkeit steht, zu leben lernen.
Aber wie gesagt: Solange eine prägnante Mehrheit toll findet, was Du machst, ist doch alles bestens. Negativkritik und Meckerer gibt es immer – aber auch das kann hilfreich sein.

yvonne_pioch

vor 6 Jahren

Hallo zusammen, erst mal danke für Eure zahlreichen Antworten. Ich möchte zum Abschluss noch mal eins sagen. Ich habe überhaupt kein Problem mit Kritik an sich. Daraus kann man als Autor nur lernen und das habe ich zum Beispiel auch durch meine sehr konstruktive Leserunde getan. Mir ging es bei diesem Thema wirklich nur um Kritik, die absichtlich verletzend und dazu noch wenig aussagekräftig ist und die in dieser Form wahrscheinlich auch nur bei anonymen Umfragen geäußert wird. Eine Kritik kann erst dann hilfreich sein, wenn sie begründet ist. Beispielsweise wenn man schreibt "Der Autor verwendet zu viele Adjektive", "die Figur XY ist zu wenig beleuchtet" oder "ich fände mehr Beschreibungen besser".

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