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Sophia!

vor 7 Jahren

Lieber Herr Winner,
Sie haben bereits viele verschiedene Länder kennengelernt und auch die Menschen, die dort leben. Welches der Länder Deutschland, Frankreich, Italien, USA ist Ihrer Meinung nach der ideale Schauplatz für einen Psychothriller?
In Zusammenhang dazu würde mich interessieren, wo man die meisten Menschen mit einer gestörten Psyche findet. Oder gibt es da keinerlei Unterschied?

Autor: Jonas Winner
Buch: Davids letzter Film

Jonas_Winner

vor 7 Jahren

Liebe Sophia!, vielen Dank für Ihre Frage. Fällt mir nicht leicht, das zu beantworten … Ich glaube, wenn ich es vernünftig tun wollte, müsste ich ziemlich weit ausholen, müsste anfangen, über jedes einzelne Land zu sprechen, was mit Sicherheit den Rahmen hier sprengen würde. Trotzdem will ich eine Antwort versuchen. Als erstes fällt mir dazu ein, dass es in einem Psychothriller um Abgründe geht. Das Land, in dem die tiefsten, unheimlichsten Abgründe vorstellbar sind, ist für mich deshalb auch der ideale Schauplatz. Mit welchem Land man das verbindet, ist sicherlich ganz subjektiv. Und für mich persönlich - sicher auch, weil es das Land ist, in dem ich bisher am längsten gelebt habe – sind die beunruhigendsten Vorstellungen und Möglichkeiten nun einmal mit Deutschland verknüpft. Das hat damit zu tun, dass ich am längsten hier gelebt habe, weil es für mich in einem Psychothriller nicht nur darum geht ... (Teil 2 folgt gleich)

Autor: Jonas Winner
Buch: Davids letzter Film

Jonas_Winner

vor 7 Jahren

(Teil 2) … „nur“ einen monströsen Täter auf eine Reihe von Opfern zu hetzen. Sondern darum, die Ängste, die jeder hat, zu mobilisieren. Das muss nicht immer gleich die Angst davor sein, getötet zu werden. Für mich ist die Angst vor etwas Unbestimmten oft noch viel intensiver. Wie aber kann man etwas „Unbestimmtes“ darstellen? Indem man die normale Umwelt, die wir alle kennen, erst einmal nur in ein paar Hinsichten verschiebt, verfremdet. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich klar ausdrücke, und mit Sicherheit ist das, was ich hier erwähne, auch nur eine Möglichkeit unter vielen. Aber mich selbst interessiert es in einem Psychothriller am meisten, wenn man plötzlich das Gefühl bekommt, das Grauen würde unter dem realistisch beschriebenen Alltäglichen schlummern … Und das Alltägliche, Gewöhnliche, Normale kann ich persönlich nun einmal am genausten in Deutschland schildern ... (Teil 3 folgt)

Jonas_Winner

vor 7 Jahren

(Teil 3) … Wo die meisten Menschen mit einer gestörten Psyche zu finden sind – das kann ich wirklich nicht sagen. Ich habe großartige, beeindruckende Menschen in allen Ländern getroffen, in denen ich gelebt habe. Und solche, mit denen ich nicht soviel anfangen konnte. Ich glaube nicht, dass es ein Land, ein Volk gibt, in dem mehr verwirrte Menschen zu finden wären, als in einem anderen. Haben Sie die Länder bereist – ist es Ihnen anders vorgekommen? Würde mich interessieren. Viele Grüße, Jonas Winner

Sophia!

vor 7 Jahren

Lieber Herr Winner,
ich bedanke mich herzlich für diese ausführliche Antwort Ihrerseits, in der Sie interessante Aspekte nennen und mich dadurch zum Nachdenken gebracht haben.
Eine solche Frage ist sicherlich immer nur subjektiv zu beantworten. Gerade das war für mich das Interessante. Ich kann dem, was Sie über die Abgründe sagen, die es zu mobilisieren gilt, nur zustimmen. Ein guter Thriller spielt auch meiner Meinung nach ganz bewusst mit den Ängsten, die im Alltäglichen, Gewöhnlichen schlummern, die eben jeder nachvollziehen kann, die jeder nachempfinden kann. Nun haben Sie mich neugierig gemacht, vor allem in Bezug auf die konkreten Techniken, die Sie als Autor verwendet haben, um die Realität zu verschieben.
Wie Sie habe ich all diese Länder ebenfalls bereist. Obwohl ich selbst in Deutschland lebe und es wohl auch am besten beschreiben könnte, wäre für mich eindeutig Italien ein idealer Schauplatz für einen Thriller. ...

Sophia!

vor 7 Jahren

... Nicht nur wegen der temperamentvollen Menschen, sonder vielmehr wegen des äußeren Erscheinungsbildes der extremen Gegensätze: Palastartige Gebäude auf einen und marode Häuser in engen Gassen auf der anderen Seite, dazu die unerträgliche Hitze im Sommer.
Vermutlich macht sich hier meine persönliche Abneigung bemerkbar.
Frankreich käme an zweiter Stelle, gefolgt von Deutschland und den USA. Von den USA kenne ich nur Kalifornien. Damit verbinde ich atemberaubende Landschaften, wunderschöne Pflanzen- und Teirarten und beeindruckende Gebäude mit unglaublich liebevollen, freundlichen Menschen. Auch hier wieder die Subjektivität.
Ihrer letzten Äußerung gebe ich ebenfalls Recht. Auch ich denke nicht, dass sich die Menschen verschiedener Länder grundsätzlich voneinander unterscheiden. Wesentliche Charaktereigenschaften sind doch gleich. Verblüffend finde ich immer wieder, dass man in jedem Land Persönlichkeiten findet, die man schon lange zu kennen scheint aufgrund ...

Sophia!

vor 7 Jahren

... irgendeiner Ähnlichkeit zu Bekannten.
Ich habe mir vorgenommen, kurz und knapp zu antworten. Versuch gescheitert...

Vielen Dank noch einmal für Ihre Antwort.

Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute und für Ihre schriftstellerische Arbeit viel Erfolg!

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