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Alice Pieszecki

vor 7 Jahren

Ich habe gerade das angehängte Buch fertig und bin auch ganz angetan. Mit der Geschichte "Summertime" habe ich allerdings ein Problem. Es geht um eine nicht auf Sommerzeit umgestellte Uhr, das habe ich soweit verstanden. MEINTE ICH! ...bis ich dann den letzten Absatz las: "Schmied begriff die Sache mit der Zeit erst Monate nach seiner Pensionierung..." Was gibt es denn da NOCH zu verstehen? Was habe ich übersehen? Wurde Schmied gelinkt? Irgendwie stehe ich da jetzt auf dem Schlauch. Wer erklärt es mir?

Autor: Ferdinand von Schirach
Buch: Verbrechen

gra

vor 7 Jahren

Die Geschichte hab ich gestern Abend gelesen und anschließend rumgerechnet: Zur Winterzeit wird die Uhr zurückgestellt; damit die Erklärumg des Anwalts stimmt, müsste sie vorgestellt werden.

Boheim ist also entweder um 15.30 Uhr rausgefahren (wenn der Sicherheitsfuzzi wegen der nie umgestellten Uhr gelogen hat) oder um 16.30 Uhr (was aber noch mehr Fragen aufwirft). Passt also alles irgendwie nicht zusammen, denn das wäre ja schon ein sehr cleveres Alibi (seine Armbaduhr hätte er ja nur umstellen können, wenn er das geplant hätte), dessen Wirkung gleichzeitig alles andere als sicher ist, wogegen der Mord an sich mit allem drumrum wenig geplant wirkt. Und nach dem Wutanfall, in dessen Verlauf man wen umbringt, auf sowas zu kommen, erscheint mir auch unwahrscheinlich.

Good

vor 7 Jahren

Good

M. E. hat sich der Autor hier irgenwie vertan... mindestens macht seine ganze Geschichte, vor allem im letzten Absatz, keinen Sinn! Wie oben erwähnt, wäre Boheim wenn die Uhr nicht umgestellt worden wäre um 1630 rausgefahren, was überhaupt keinen Sinn macht! Denkbar wäre für mich, dass Boheim seine Uhr extra auf 1430 Uhr eingestellt hat und diese dann möglichst direkt in die Kamera hielt in der Annahme, diese zeichne keine Zeit auf....(was wohl kein vernünftiger Mensch annehmen würde....).
Absolut lächerlich ist aber die These, die der Autor m.E. mindestens konkludent in dem Raum stellt, die Justiz würde in einem Mordfall jemanden freisprechen, weil sie nicht fähig wäre, Sommer- auf Winterzeit umzurechnen beziehungsweise im konkreten Fall zu analysieren...
Ich denke daher, der Autor hat sich hier verrannt und eine schöne Geschichte konstruiert, die bei näherer Betrachtung nicht stand hält....

Lasse mich gerne belehren, falls dieses 'Rätsel' jemand tatsächlich lösen kann.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

Ich denke, die Lösung ist ganz einfach:
Boheim hatte seine Armbanduhr nicht auf Sommerzeit eingestellt und die Parkhauszeit zeigte die wirkliche Zeit an. Es gibt ja immerhin Technik, die die Zeit automatisch umstellt und dann wäre auch die Aussage des Mitarbeiters der Sicherheitsfirma plausibel.
Boheim ist der Mörder...

Simon

vor 7 Jahren

Simon

Angenommen die Videokamera hätte die Korrekte Zeit angezeigt also die Sommerzeit und die Armbanduhr von Boheim die Winterzeit gibt es ein Problem: wäre dies der Fall müsste seine Armbanduhr 16:30 angezeigen (von Sommer auf Winterzeit wird die Uhr eine Stunde vorgestellt). Also ist diese Variante auch falsch.
Am wahrscheinlichsten scheint mir, dass Boheim seine Uhr geplant auf 14:30 eingestellt hat.
Oder die Geschichte wurde genau falsch herum erzählt und es geht darum dass die Uhr in der Videokamera Sommerzeit anzeigt aber Winterzeit im moment ist, dann wäre es wiederum plausibel.
Da die Uhrzeit von Winter auf Sommerzeit eine Stunde vorgestellt wird, würde die Uhr in der Videokamera im Winter immer eine Stunde vorgehen.

DBANK

vor 7 Jahren

DBANK

Die Uhr der Vidiokamera lief laut Buch immer auf Winterzeit. Zur Sommerzeit (Daylight Saving Time die nicht in allen Ländern Anwendung findet) war es somit 14:30.

Zur eigentlichen Frage habe ich leider auch keine gute Lösung: Woher wusste der Freund die Zimmernummer? Er durfte das Hotel ja nicht betreten.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

1. Wenn die Videokamera auf Winterzeit läuft, dann müsste es real 16:26 Uhr gewesen sein. Denn für die Umrechnung auf Sommerzeit wird eine Stunde zu 15:26 Uhr addiert. Nur hatte der Angeklagte 16:00 Uhr eine Besprechung am Kurfürstendamm. Und da er dort offensichtlich rechtzeitig eintraf, kann die Zeit der Videokamera nicht stimmen.
2: Ich vermute, die Uhrzeit der Armbanduhr des Angeklagten zeigt die richtige Zeit an. Denn 1. hätte er nach einem Mord/Totschlag kaum daran gedacht, seine Armbanduhr umzustellen, um sie dann in die Garagenkamera zu halten. Das wäre ein Widerspruch zu seinem rationalen Handeln, da er andererseits nicht über die Videoqualität der Aufnahme Bescheid weiß, ob sie solche Details überhaupt aufzeichnet.
2. Hat er seinen Anwalt im ganzen Verfahren icht auf diesen Punkt hingewiesen.
3. Das Motiv fehlt. Und hätte sie ihn erpresst,weil er die Liason beenden wollte,hätte er ihr das Geld für Abbas' Schulden ohne Mühe geben können,statt sie zu töten.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

@Simon

von Sommerzeit auf Winterzeit wird die Uhr in unseren Breitengeraden 1 Std. zurückgestellt. Das bedeutet: 15:30 Sommerzeit ist 14:30 Winterzeit!!

Gero

vor 7 Jahren

Gero
@DBANK

Seite 98 kontrolle der Kurznachrichten. Mittwoch 12:00 Uhr Parkhotel.Wie immer Zimmer 239
O.K.

Peter

vor 6 Jahren

Peter

Die Uhrzeitfrage ist ausdiskutiert und mir auch ein Rätzel. Was mich aber wundert ist warum der zweite möglicher Täter mit einem Eifersuchtsmotiv nicht von der Polizei ausgeschlossen wurde - Die Frau von Bornheim.

Maier

vor 6 Jahren

Maier

Die Frau von Boheim hätte einfach die Scheidung eingereicht.
Der Täter ist der Freund - ins Hotel kann man ja auch anders reinkommen als nur über den Portier, z.B. über die Garage. Die Frau lag noch nackt da, also, geschah der Mord direkt nachdem Boheim gegangen war. Da müsste der Freund im Gang abgewartet haben. Einbrechen war für ihn kein Problem, s. seine Vorgeschichte. Boheim raus, Freund rein, sieht sie noch nackt da, schnappt die Lampe und Zack!
Wogegen kann ich mir schwierig vorstellen: Sex zu Ende, Mädel noch nackt, erpresst aber Boheim sofort ohne lange Diskussionen, Boheim mordet sie auch sofort. Das fehlende Geld (1-2 Tausend) hätte er geben können. Und außerdem was hat er dann bis 16:26 und vor allem WO getan? Wohl nicht im Auto abgesessen. Beim Meeting war er pünktlich.
Fazit: die Geschichte basiert NICHT auf Tatsachen und ist nicht logisch zu Ende gedacht.

Rheinknie

vor 6 Jahren

Rheinknie

A) Rechtzeitig um 16:00 beim Meeting? Das sagt Boheim (oder dessen Geschäftspartner), aber stimmt es auch? Wohl kaum, Boheim war ja, wenn die Kamera tatsächlich auf Normalzeit (=Winterzeit) eingestellt war, um 16:26 in der Garage des Hotels.
B) Was hat Boheim wo so lange gemacht? Nun, er war ziemlich sicher nicht im Park... zwischen 13:45 (Ankunft Hotel) und15:26 (Zimmermädchen findet Leiche): Sex, (ev. Streit/Erpressungsversuch), Mord (ev. von Anfang an geplant - quasi seine Art das Verhältnis zu beenden), verlässt Zimmer ca um 15:26, danach einstündiger Aufenthalt im Hotelgebäude ohne gesehen zu werden (z.B. in seinem parkierten Auto), er verlässt das Hotel mit seinem Auto um 16:26.
C) Armbanduhr auf Winterzeit/absichtlich verstellt? Kann eigentlich beides nicht sein, da die Differenz zwischen Armbanduhr und tatsächlicher Zeit ZWEI Stunden beträgt und absichtlich hätte er sie nur verstellt, wenn er von der hochauflösenden Kamera wusste - wobei er dann den selben Denkfehler wie das Gericht gemacht hätte.
Eigene Spekulation: Ich denke, die Armbanduhr zeigte ursprünglich die richtige Zeit (Sommerzeit) an (wer Patek Philippe trägt achtet auf solche Details), bis sie um 14:26 Sommerzeit stehen blieb; das passierte entweder noch beim Sex oder schon beim Mord/vorausgehendem Handgemenge. Der Stillstand der Uhr könnte durch Beschädigung oder unabsichtliches Herausziehen der Krone erfolgt sein - die Uhr zeigte also zwischen 14:26 und 16:26 die ganze Zeit über 14:26 an; Boheim hatte einfach Glück, dass die Minutenanzeige Zwischen Kamera und der kaputten Armbanduhr mehr oder weniger übereinstimmen, denn bei einer zu grossen Abweichung wäre klar gewesen, dass die Uhr nicht als Beweismittel taugt.
Fazit: Boheim war ganz klar der Mörder, dies deutet der Autor auch explizit so an im letzten Abschnitt, als er auf Boheims Uhr verweist, wo der pensionierte Staatsanwalt das Zeitproblem zwar gelöst hat, aber das mit der Zeit auf der Armbanduhr immer noch nicht erklären kann - das schliesst Abbas und Frau Boheim als Mörder aus.

Kirstin S.

vor 5 Jahren

Kirstin S.

Alle viel zu kompliziert gedacht...

Angenommen die Uhrzeit der Überwachungskamera (15.26 Uhr) zeigte, wie beschrieben wurde, tatsächlich immer die Winterzeit an. So müsste man, um die zum Tatzeitpunkt geltende Sommerzeit zu berechnen eine Stunde vor rechnen, mithin wäre es 16.26 Uhr gewesen, als Herr Boheim die Garage des Hotels verließ. Da Herr Boheim jedoch um 16.00 Uhr pünktlich bei einer Besprechung war, an der noch vier weitere Herren teilnahmen (die dies sicherlich auch bestätigen konnten), kann dieses nicht angehen. Folglich müsste die Uhrzeit der Überwachungskamera korrekt gewesen sein, mithin die Sommerzeit angezeigt haben.

Die Armbanduhr des Herrn Boheim ging offensichtlich (zu seinem Glück) eine Stunde nach, was die Verwirrung perfekt machte. Hätte seine Armbanduhr tatsächlich die zur Tatzeit geltende Sommerzeit angezeigt, müsste man, um auf Winterzeit zu rechnen eine Stunde abziehen (von 14.26 Uhr). Dann käme man auf 13.26 Uhr. Dies wiederum stimmt mit der Uhrzeit der Überwachungskamera in keinem Fall überein, also weder wenn diese auf Winter-, noch wenn diese auf Sommerzeit gestanden hätte. Da der Polizist die Uhrzeit mit der (Winter-) Uhrzeit verglich und sie als identisch, "lediglich eine halbe Minute Abweichung zur tatsächlichen Zeit habe er feststellen können", befand, kann nur der Schluss gezogen werden, dass die Armbnduhr des Herrn Boheim nicht korrekt ging, genauer, zum Tatzeitpunkt auf Winterzeit eingestellt war und damit zum Tatzeitpunkt eine Stunde nach ging. Vermutlich hat der gute Mann mehrere Armbanduhren und am Tattag durch Zufall mal die rausgekramt, die "noch" auf Winterzeit gestellt war (war ihm wahrscheinlich nicht einmal aufgefallen, es soll ja Menschen geben, die ihre Armbanduhr mehr oder weniger nur als Schmuck tragen und für die Uhrzeit auf das Handy schauen).


In die Irre führte uns (und die Justiz) lediglich folgende Passage des Verteidigers: "Am Tattag, dem 26.10., galt die Sommerzeit. Die Uhr zeigte 15.26 Uhr an. Wäre die Uhr nicht umgestellt worden, wäre es in Wirklichkeit 14.26 Uhr gewesen. Haben Sie das verstanden?"
Er hat uns hier von der Sommerzeit in die Winterzeit umgerechnet (eine Stunde zurück). Da aber die ganze Zeit davon ausgegangen wurde, dass die Überwachungskamera immer, auch in der Sommerzeit, die Winterzeit anzeigte, hätte man von der Winterzeit in die Sommerzeit rechnen müssen (mithin eine Stunde vor).
Tja, geschickt eingefädelt, Herr von Schirach... und alle sind drauf reingefallen!



Schlussendlich verließ Herr Boheim die Hotelgarage um 15.26 Uhr geltender Zeit. Ob diese Tatsache dazu führt, diesen als Täter zu entlarven, mag dahingestellt bleiben.

Meli Weber

vor 5 Jahren

Meli Weber

@ Kirstin S.:
Eigentlich fand ich deine Version bis grade noch am einleuchtendsten. Das Problem ist aber, dass die Uhr der Kamera wohl tatsächlich auf Winterzeit eingestellt ist, weil Schirach eine Aussage des Leiters des Sicherheitsdienstes hat, der das bestätigt. "Er sagte, dass die Uhr noch nie umgestellt worden war. Sie lief seit der Installation der Kamera immer auf der gleichen Zeit, nämlich der Winterzeit."
Natürlich passt das dann wieder nicht mit Boheims Besprechung um 16 Uhr zusammen, weil dann ja 16:26 gewesen sein müsste. Das kann ich mir höchstens so erklären, dass nirgends etwas davon steht, dass überprüft wurde, ob Boheim pünktlich um 16 Uhr zu der Besprechung erschien.
Außerdem wär dann noch die Frage, was Boheim dann in der Stunde oder länger nach dem Mord noch gemacht hat, bis er losgefahren ist.
Ich habe mir noch überlegt ob die Putzfrau evtl auch die falsche Uhrzeit (wie die auf der Kamera) hatte, das kann aber nicht sein, weil sie um 15.29 bei der Polizei angerufen hat. Und die werden ja wohl die richtige Zeit haben.

markus

vor 5 Jahren

markus

Meli: ich glaube auch die Version von Sirstin S.
der Parkwächter wurde ja gefragt ob er die Uhr schon mal umstellen mußte... das passiert doch meistens automatisch... nur hat er das noch nie bemerkt.... wenn der wächter das gewusst hätte, hätte er die polizei doch darauf aufmerksam gemacht...

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 4 Jahren

Die einzig logische Erklärung ist dass dem Autor bei der Konstruktion der Geschichte ein Lapsus unterlaufen ist. Er hätte sie Geschichte im April stattfinden lassen müssen und dann die Überwachungsuhr auf Sommerzeit laufen lassen müssen.
Dass die Armbanuhr auch noch 1430 anzeigt ist vollkommen absurd. Totale Fiktion. Schade
Wäre der Fall Realität mit Medieninteresse hätten die Journalisten den Lapsus sofort aufgeklärt. Diese Fälle hat es niemals gegeben trotzdem nett und kreativer als mancher Fernsehautor.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 4 Jahren

Leseratte

Ich besitzte die dritte Auflage des Buches. Da ist weder, dem Autor noch dem Lektor oder auch mir der Fehler aufgefallen. Der Satz : Der Fehler bei der Uhrzeit.... kommt wohl erst in späteren Auflagen vor, wie auch in der Verfilmung von gestern Abend.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 4 Jahren

Interessant ist der Beitrag von ciconia, dass der letzte Absatz erst in späteren Auflagen eingefügt worden sei, wenn ich das recht verstanden habe. das deutet auf einen Autorenfehler hin.

Aber wenn man das nun ausklammert, so denk ich einfach, man sollte sich damit begnügen, dass der Anwalt das Gericht geleimt bzw. zuminderst erheblich verunsichert hat und dadurch einen Freispruch erzielte - ob berechtigt oder nicht, weiß wohl niemand außer dem wahren Täter, wohl auch der Anwalt selbst nicht.

Es stimmt hier gar nichts zusammen und das läßt sich auch nicht lösen, weil dazu zu wenige und zu ungenaue Informationen in der Geschichte enthalten sind. Vielleicht war die Video-Uhr doch falsch, vielleicht war alles Zufall. Ich persönlich denke, dass Boheims Uhr richtig ging - es war gegen Ende der Sommerzeit, und sie wird wohl nicht monatelang falsch gegangen sein - und er konnte nicht damit rechnen, dass die Uhrzeit im Videobild erkennbar sein würde. Wenn er nur halbwegs geplant bzw. besonnen vorgegangen wäre, hätte er wohl zuerst seine delikaten DNA-Spuren aus den Haaren und vom Bauch der Toten entfernt.

Folglich: Er verließ die Garage um 14:26 und war um 16:00 Uhr in seiner Besprechung. Warum die Video-Uhr falsch ging, weiß kein Mensch, war halt so. Nur mit der Sommer- / Winterzeit hatte das nix zu tun! Und weil da kein erkennbares geplantes System dahinter steht reichts ja auch für eine Wiederaufnahme nicht.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 4 Jahren

Ich glaube jetzt (erst) habe ich es kapiert:

Lassen wir erstmal die Amrbanduhr beiseite, die nur Verwirrung stiftet:

Der Sicherheitsdienstfuzzi wird NUR mit der Aussage zitiert, daß die
Uhr der Überwachungskamera "noch nie umgestellt wurde".
Die Behauptung, daß daraus hervorgehe, daß sie "(...) seit der Installation der Kamera immer auf der gleichen Zeit, nämlich der Winderzeit (...)" lief, ist eine gezielte Finte des Anwalts.
Denn wäre dem so, würde es nur bedeuten, daß Boheim das Hotel nicht nur eine, sondern zwei Stunden SPÄTER als angegeben verlassen hat. Würde die Uhr der Überwachungskamera tatsächlich, wie vom Anwalt suggeriert, auch während des Sommers die Winterzeit angeben, hieße das nichts anderes, als daß er in Wahrheit das Hotel erst um 16:26, (statt um 14:26, wie er behauptet), verlassen hat, was ihn natürlich nicht ent- sondern weiter belasten und den Fall weiter verkomplizieren würde.

Die "objektive" Wahrheit ist m.M.n. ganz simpel, nämlich, daß sich die Uhr der Überwachungskamera automatisch umstellt und die korrekte Zeit (15:26) angezeigt hat.

Vielleicht hat der Sichterheitsbeauftragte dem Anwalt sogar gesagt, daß sie sich automatisch umstellt (und deshalb nie umgestellt werden braucht [s. o.]), aber v. Schirach verschweigt das wohlweislich, ohne sich dabei dem falschen Zitieren einer Zeugenaussage schuldig zu machen. Vielleicht hat er aber auch einfach absichtlich nicht danach gefragt.

Er fährt nämlich, angesichts der hoffnungslosen Lage seines Mandaten eine ebenso geniale wie waghalsige Strategie: Er setzt alles auf eine Karte, vor Gericht Boheim so überzeugend als beklagenswertes Opfer eines bedauerlichen Mißverständnisses darzustellen, daß keiner mehr auf die Idee kommt, genau nachzurechnen.
Gezielt, geradezu grausam nutzt er bei der Vernehmung die Unsicherheit des jungen Polizeibeamten aus, der, vor lauter Angst einen Fehler gemacht zu haben und vor Gericht vorgeführt zu werden, die Tatsachenverdrehung des Anwalts allzu unkritisch übernimmt. Bereitswillig folgen ihm die anderen Beteiligten des Gericht.
Auch die falschgehende Uhr Boheim (dazu komme ich gleich) kommt ihm dabei sehr entgegen: Sie wirkt wie ein fehlendes Teil eines Puzzles. Ein Puzzle, das eine glasklare, einfache Geschichte erzählt, die Aussagen Boheims bestätigt und ihn vollständig entlastet. Eine Geschichte, die nur einen Haken hat: Sie KANN nicht stimmen.
Da wird aber jemand aufgeatmet haben, als der Prozeß beendet wurde!

Warum zeigt Boheims Uhr nun ausgerechnet 14:26 an? Daß er sich durch bewußtes Verstellen ein Alibi verschaffen wollte, erscheint sehr weit hergeholt.
Sehr viel plausibler ist, daß er seine Uhr bereits auf Winterzeit umgestellt hatte. Oder vielmehr: sie auf Winterzeit umstellen wollte, sich dabei aber vertan hat und sie eine Stunde vor- statt zurückgestellt hat.
Das mit der Zeitumstellung ist halt eine verzwickte Sache, man denkt man hat es verstanden und doch, ummerklich, vertut man sich ständig.

V. Schirach gelingt es, nicht nur das Gericht, sondern später auch seine Leser in die Irre zu führen, obwohl es an Hinweisen nicht mangelt!

Damit ist noch nicht bewiesen, daß Boheim der Mörder ist. Nur daß die Bestätigung seiner Aussage, er habe um 14:26 das Hotel verlassen auf einem Mißverständnis/ Rechenfehler beruht.

Daß es trotzdem nicht für eine Wiederaufnahme des Verfahren reicht ist erschreckend!

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