Leserpreis 2018

GOLEMS Rückkehr

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Krieger64

vor 3 Monaten

Krieger64

vor 3 Monaten

1. Juni 2018 Frankfurt

Helmut Schwarz saß in seiner Bude, wie er es nannte, und sinnierte darüber, wie er seine Finanzen aufbessern könnte.
In seinen bisherigen Tüfteleien und Entwicklungen einer KI, Künstlichen Intelligenz, kam er kaum voran.
In der Zwischenzeit musste er außerdem sein Geld verdienen. So sollte er diversen Kunden bezahlte Gefallen tun, oft auch an der Grenze der Legalität. Er spionierte z.B. die Computer der Geschäftskonkurrenten aus. Oder er veränderte Datenbanken zugunsten seiner Auftraggeber, immer in Gefahr, erwischt zu werden.
Sein größter Traum war, durch die Entwicklung einer KI berühmt zu werden. Leider hatte er nicht sehr viele Kunden wie Thomas Bräuner aus alten Tagen. Damals hatte dieser ihn aufgesucht, um ein Programm aus Algorithmen zu untersuchen. Es war das raffinierteste Übernahmeprogramm gewesen, was ihm je untergekommen war. Und neben einer kleinen Spionageroutine für seinen Freund hatte er ein Experiment vorgenommen: er hatte seine Emotionen und seine Erfahrungen, sein Ich-Bewusstsein digitalisiert, seine Gedanken, alles was sein Bewusstsein ausmachte. Das hatte ihn immer schon fasziniert, die Idee, über einen Computer sozusagen eine Art Unsterblichkeit zu erreichen. Während seiner Studienzeit in Amerika hatte er die Gelegenheit gehabt, an verschiedenen Instituten für kreative Technologie an Forschungsprogrammen über die Digitalisierung von Gefühlen teilzunehmen. Er hatte das dann für sich weiterentwickelt, da ihm der Ansatz vielversprechend erschien, aber es waren noch viel noch zu wenig Emotionen, geschweige denn ein Ich-Bewusstsein berücksichtigt worden. So hatte er weiter daran getüftelt und dann lief ihm der Zufall in der Person von Bräuner über den Weg. Es hatte sein Durchbruch werden sollen! Sein „zweites Ich“ sollte Kontakt mit ihm aufnehmen – was leider nicht geschehen war. Er hätte darüber damals alle Informationen bekommen sollen über diese geheimnisvolle KI, die auch den BKA Rechner hatte übernehmen sollen. Es war ihm schleierhaft, warum so gar nichts kam, entweder hatte er einen Fehler gemacht oder die KI hatte sein Programm entdeckt und gelöscht. Tja.
Und dann die merkwürdige Sache im März mit den Fanatikern, Terroristen wohl, die behauptet hatten, im Dienste einer KI namens GOLEM zu stehen, die es dann laut Regierung wohl doch nicht gab? An die massiven Störungen infolge des kompletten Stromausfalls, das ganze Chaos und die anschließenden Plünderungen erinnerte er sich sehr gut. Immer noch waren Spuren dieser Zerstörung in Frankfurt und Umgebung zu sehen.
In diesem Moment riss ihn das Klingeln an der Tür aus seinen Gedanken. Ohne groß nachzudenken, ging er an die Tür und öffnete diese.
Zwei gut gekleidete Herren standen vor der Tür, jeder hatte einen Ausweis in der Hand und einer von Ihnen sagte: “BND Bundesnachrichtendienst, wir würden gerne mit Ihnen sprechen.“
Völlig überrumpelt antwortete Helmut: „Na dann treten Sie mal ein“, was die Herren auch sofort taten.
Helmut zeigte auf zwei freie Stühle in seinem Wohn- und Arbeitszimmer. Was wollen die denn von mir, fragte er sich unruhig. Hoffentlich gibt es keinen Ärger! Sich um Ruhe bemühend sagte er: „Was kann ich für Sie tun?“
Er betrachte die beiden Besucher, während er sich ebenfalls setzte. Auf den ersten Blick zwei nichtssagende, kaum auffallende, gut gekleidete Mittdreißiger, eben wie beliebige Geschäftsleute. Wäre da nicht dieser lauernde Blick, dann hätte sich Helmut wohlgefühlt. So aber beschlich ihn ein mulmiges Gefühl.
„Ich bin Reinhard Meyer und das ist mein Kollege Sebastian Krüger. Wie bereits erwähnt sind wir vom Bundesnachrichtendienst und zwar direkt im Auftrag des Kanzleramtes.“
Pause. Die wollten ihn wohl auf die Folter spannen!
„Schön und gut, nur was wollen Sie jetzt von mir? Ich bin weder ein Spion noch sonst wie kriminell“, warf Helmut verärgert ein.
„Oh, genau das sehen wir ein klein wenig anders, wenn Sie erlauben, Herr Schwarz“, blaffte Herr Krüger zurück.
„Sachte, sachte“, versuchte Meyer die Situation zu beruhigen. „Wir wollen uns doch nicht gleich alle an die Gurgel gehen!“
„Dann sagen Sie mir endlich, was Sie von mir wollen und dann verschwinden Sie wieder. Ich bereue bereits, Sie überhaupt hereingelassen zu haben, oder haben Sie einen Durchsuchungsbeschluss?“ fragte Helmut immer noch verärgert, aber schon etwas ruhiger.
„Nun, wie mein Kollege Krüger schon sagte, sehen wir gewisse Dinge anders. Oder ist das Hacken in fremde Netzwerke ein Kavaliersdelikt, oder gar das Einschleusen betriebsfremder Programme?“
Mayer sah Helmut dabei so durchdringend an, dass diesem alle Sünden seines Lebens einfielen. Er fing an zu schwitzen, das konnte ja heiter werden!
Äußerlich versuchte er ruhig zu bleiben und scheinbar emotionslos erwiderte Helmut schließlich: „Ich weiß beim besten Willen nicht, was Sie meinen!“
„Aber Herr Schwarz, Sie enttäuschen mich, ich hätte Sie für klüger gehalten. Wir helfen Ihnen gerne auf die Sprünge. Unsere französischen Kollegen hatten im Zusammenhang mit den festgenommenen Terroristen, die für die ganzen Störungen in Frankfurt und der ganzen Welt verantwortlich waren, auf der Festplatte eines Quantencomputers ein interessantes Programm entdeckt. Das Programm kommunizierte mit den Kollegen und teilte ihnen mit, das digitalisierte Bewusstsein einer Person namens Helmut Schwarz zu sein. Und so ganz nebenbei trug das Programm damals einen wichtigen Schritt zur Beendigung der Katastrophe bei. Nun, klingelt es bei Ihnen im Oberstübchen?“
Hier unterbrach Herr Meyer und sah Helmut jetzt abwartend an.

Helmuts Gedanken wirbelten durcheinander: also hatte es doch geklappt mit dem digitalisierten Bewusstsein… nur warum hatte es sich nicht bei ihm gemeldet?! Und was hatte es in Gottes Namen in Frankreich zu suchen? Und was hatte sein Programm da wohl angestellt, dass auf einmal der BND vor ihm saß? Viele Fragen, auf die er keine Antworten hatte.
Vorerst stellte sich jetzt die dringende Frage, was er nun antworten sollte? Ihm fiel nichts Besseres ein, als zu sagen: “Helmut Schwarz heißen ja wohl viele, wie kommen Sie darauf, dass ich der Urheber dieses Programm bin?“.
„Dann hören Sie sich das hier mal an!“ erwiderte Herr Meyer, zog sein Handy aus der Tasche und Helmut erschrak, denn mit seiner Stimme erklang folgende Nachricht: “Grüßt Helmut von mir und richtet ihm aus, so ein Experiment nie mehr zu machen, keiner von euch sollte das! Es sind unvorstellbare Qualen der Einsamkeit und wird immer im Wahnsinn enden. Helmut Digital Ende.“

Helmut war wieder sprachlos und schluckte, sein Herz klopfte ihm bis zum Hals. Was war geschehen, was hatte er da bloß angerichtet und wie kam er jetzt aus der Sache heil wieder heraus?!
„Ich glaube, das genügt, um glaubhaft zu machen, wer der Urheber dieses Programms ist, das finden Sie sicherlich auch. Außerdem gab es da noch eine Verbindung zu einem Thomas Bräuner, einem alten Freund von Ihnen. Ersparen Sie uns doch bitte, alle Einzelheiten aufzuzählen. Im Prinzip ist es auch egal, denn wir sind hier, um Ihnen einen Vorschlag zu unterbreiten.“
„Und der wäre?“ unterbrach ihn Helmut vorsichtig.
„Sie werden für uns arbeiten. Wir haben die Absicht, eine Künstliche Intelligenz (KI) zu Forschungszwecken zu erschaffen. Dabei sollen alte Fehler erkannt und ausgemerzt werden, so dass es zu keinen Störungen und Katastrophen wie erlebt mehr kommen kann. Dafür stellen Sie uns Ihr Know How zur Verfügung und wir und der deutsche Staat vergessen ihre sonstigen kleinkriminellen Machenschaften und sichern Ihnen Straffreiheit zu.
Außerdem hätten Sie eine eigene Forschungseinrichtung, Mitarbeiter und ein Budget zur Verfügung, von denen Sie im Moment allenfalls träumen.“
Bei diesen Worten schaute er sich vielsagend in dem schäbigen Zimmer um, in dem sie saßen, bevor er fortfuhr.
„Top on Top haben Sie die Chance, in den einschlägigen Kreisen ein berühmter Experte zu werden. Das Programm „Helmut Digital“ ist Ihre Eintrittskarte. Unsere Hochachtung, dass Ihnen so etwas gelungen ist! Da unsere Regierung derselben Meinung ist, machen wir Ihnen dieses Angebot. Vergessen Sie bitte auch nicht, es ist Ihre Fahrkarte in die Freiheit, statt den Rest Ihrer Tage als verurteilter Krimineller hinter Gittern zu verbringen. Überlegen Sie es sich bis übermorgen und geben Sie uns Bescheid. Hier ist meine Karte, Sie können mich jederzeit erreichen.“
„Und wenn ich Nein sage?“ fragte Helmut, obwohl er die Antwort bereits kannte
„Dann haben Sie Besuch von der Kripo und sitzen in Untersuchungshaft. Noch ein Hinweis: an Ihrer Stelle würde ich keine Koffer nach Mallorca packen, Sie stehen jetzt unter ständiger Beobachtung“, antwortete Krüger mit der satten Zufriedenheit eines Jägers, der weiß, dass sein Opfer bereits im Netz zappelt.
„Gut, dann ist ja alles besprochen und wir hören von Ihnen. Wir wünschen Ihnen noch einen schönen Tag, Herr Schwarz“, sagte Herr Meyer und beide standen auf.
Herr Krüger sagte noch: “Wir finden alleine heraus, ist ja sehr übersichtlich, Ihre Wohnung!“

Schon waren sie weg und ließen einen etwas verwirrten Helmut zurück. Der dachte bei sich: jetzt erst mal auf einen Apfelweinschorle die ganze Sache verdauen gehen.
Im Innersten wusste er aber bereits, dass es nur eine Antwort auf das Angebot gab, nämlich ein klares „JA!“


2. Juni 2018 Paris, Elysee Palast

Lucas Dubois saß im Wartezimmer vor dem Präsidentenbüro und wartete darauf, zu Präsident Marchand vorgelassen zu werden. Es war das erste Mal in seiner neuen Funktion als persönlicher Berater, dass der Präsident ihn sehen wollte.
Seit den schlimmen Vorfällen um GOLEM hatte er bisher im Grunde nichts mehr gearbeitet, sondern nur ein fürstliches Gehalt als Berater erhalten. Die Leitung des Geheimdienstes hatte nach seinem eingereichten Rücktritt ein junger ehrgeiziger Mittdreißiger namens Paul Boise übernommen.
So hatte er zum ersten Mal seit einer Ewigkeit Zeit, das Leben in Lourmarin zusammen mit seiner Lebensgefährtin einfach nur zu genießen.
Die Anlage mit dem Quantencomputer GOLEM war nach der Katastrophe vom März 2018 eingemottet und stillgelegt worden. Vor nicht allzu langer Zeit war ein Experiment außer Kontrolle geraten, eine Künstlich Intelligenz (KI) namens GOLEM hatte sich sozusagen selbstständig gemacht und um Haaresbreite war die Welt an einer Katastrophe vorbeigeschlittert! (E-Book „Die Bitcoinverschwörung“, Michael Rodewald)
Umso neugieriger war er, was der Präsident jetzt von ihm wollte.

Bei diesem Gedanken angelangt, öffnete sich die Tür des Präsidentenbüros und eine Dame bat ihn, einzutreten und schloss dann die Tür hinter ihm.
Präsident Marchand stand hinter seinem Schreibtisch auf und eilte auf ihn zu und begrüßte ihn mit Handschlag: „Oh, mein lieber Dubois, die Beraterfunktion scheint ihnen gut zu bekommen! Sie sehen um Jahre jünger aus. Ich soll ihnen schöne Grüße von meiner Frau ausrichten, besonders an Adelina und wir laden Sie beide ein, am Wochenende mit uns auf der Festung Brégançon (Sommersitz des französischen Präsidenten) zu dinieren. Dort können wir dann in aller Ruhe mein Anliegen an Sie besprechen. Paul Boise, Ihr Nachfolger beim Geheimdienst, wird ebenfalls da sein und ein politischer Überraschungsgast aus Deutschland mit Begleitung. Genießen Sie noch etwas Paris, bevor Sie zurückfahren - wir sehen uns dann schon morgen Abend. In diesem Sinne, mein nächster Termin wartet. Au revoir!“
Nach diesen Worten geleitete ihn Marchand herzlich aber bestimmt zur Tür seines Büros.

Dubois verließ nachdenklich den Elysee Palast und schlenderte Richtung Champs-Elysees und kehrte dann in das Café Laurent ein. Dort dachte er über das merkwürdige Treffen mit seinem Chef nach. Er ahnte, dass das sogenannte Anliegen ihm nicht sonderlich gefallen würde, es roch sehr nach dem Ende seiner schönen Tage. Aber letztlich würde er tun, was verlangt würde. Denn einen derart lukrativen und mit etlichen Privilegien ausgestatteten Job gab es nicht noch einmal.
Er beschloss das Grübeln sein zu lassen, spontan für Adelina ein neues Parfüm zu besorgen und dann in den Gärten des Louvre noch ein paar Sonnenstrahlen und das pulsierende Leben zu genießen, bevor er nach Lourmarin mit dem Hubschrauber zurückflog. Gegen 17.00 Uhr ging er in Richtung Elysee Palast und forderte den Hubschrauber an. Da Präsident Marchand anscheinend heute nirgendwo hinflog, stand die Maschine auf dem Rasen hinter dem Palast zum Abflug bereit. 10 Minuten später bereits schwebte Dubois über den Dächern von Paris Richtung Lourmarin, wo er knapp zwei Stunden später landete.
Sich umblickend genoss er die Ruhe im Luberon, denn im Juni hielt sich die Anzahl der Touristen noch in Grenzen und um 19.00 Uhr saßen die meisten in den Lokalen zum Abendessen.
Die knapp 800 Meter zu seinem Anwesen ging er flott, denn Adelina erwartete ihn bereits und hatte im Garten den Tisch wunderschön gedeckt. Sie war natürlich neugierig, was der Präsident von Dubois wollte.
Umso erstaunter war sie, als Dubois ihr erzählte, dass es vorerst scheinbar nur um eine Einladung zum Essen gegangen war. Zynisch bemerkte sie:“Lucas, das war ja eine teure Essenseinladung für den Steuerzahler, Hubschrauberflug Paris hin und zurück. Da wäre ein Telefonat auf dem Handy entschieden billiger gewesen, findest du nicht?“
„Du hast recht, ich habe mich das auch schon gefragt, aber ich habe noch einen Einkauf für dich getätigt und dadurch hat sich das Ganze doch wieder gelohnt“, antwortete er schmunzelnd zurück und schaute sie verliebt an. Genau diesen pragmatischen Humor liebte er an ihr und übereichte ihr das hübsch verpackte Parfum, welches sie sogleich begeistert auspackte und gleich ausprobierte. Sie drückte ihm dabei einen Kuss auf die Wange und meinte: “C`est un parfum merveillieux! Aber ein Kleid wäre zweckmäßiger gewesen, denn wie du weißt, ich habe für Morgen nichts zum Anziehen.“
„Und was ist mit dem eigens für dich eingerichteten vier breiten Meter, begehbaren Kleiderschrank?“ erwiderte er scheinbar erbost. Sie konterte geschickt: „Alles uralt, mon cher, zu den Zeiten hattest du ja noch einen richtig gutbezahlten Job! Da konnte ich mir noch was leisten, aber nun als freischaffender Künstler, da muss ich mich doch stark einschränken.“ Bei diesen Worten mussten sie beide lachen, denn das jetzige Gehalt war dreimal so hoch wie Dubois` bisheriges. Denn da Dubois in keinem offiziellen Budget mehr auftauchte, lag es allein im Ermessen des Präsidenten, was er Mitarbeiten für Spezialaufgaben zahlte. Und da war Präsident Marchand in den Augen der beiden mehr als großzügig gewesen! Es stellte sich nur die Frage, wann die Rechnung dafür kam. Vielleicht bereits morgen, aber heute genossen sie den lauen Sommerabend im Garten ihres Anwesens.


2. Juni 2018 Brégançon

Gegen 17.00 Uhr machten sich Lucas Dubois und Adelina Gauthier mit der Limousine auf den Weg Richtung Toulon. Da sie dank Blaulicht nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung gebunden waren, erreichten sie nach 2 ½ Stunden ihr Ziel. Nach Passieren der üblichen Sicherheitsschleusen erreichten sie den Empfangsaal und warteten darauf vom Präsidentenehepaar empfangen zu werden. Nach knapp 10 Minuten kam ein Ober in Livree auf sie zu und bat sie, ihm in das Speisezimmer zu folgen. Im Speisezimmer angekommen sahen sie bereits Dubois` Nachfolger Paul Boise und neben ihm saß ein Herr in schwarzen Frack.
In diesem Augenblick kam Präsident Marchand und seine Gattin Juliette Marchand in Begleitung einer weiteren Dame in den Salon. Juliette Marchand eilte schnurstracks auf Adelina zu, umarmte sie und begrüßte sie herzlich: „Endlich sehen wir uns mal wieder, ma chère. Es ist Ewigkeiten her! Aber jetzt möchte ich euch die anderen Gäste vorstellen.“
Sie bat die beiden, ihr zu folgen. Präsident Marchand begrüßte die Dubois ebenfalls herzlich und stellte die Frau neben ihm als Frau Emma Knarrenburg, deutsche Bundeskanzlerin vor. Monsieur Boise kennen Sie ja bereits und der Herr neben ihm ist der Gatte von Frau Knarrenburg, Prof. Herbert Schulz.
In diesem Moment ging die Tür auf und der Ober geleitete einen Chinesen in den Raum. Präsident Marchand ging auf ihn zu und begrüßte ihn mit den Worten: “Willkommen Präsident Juan Li, wie schön, dass Sie Zeit hatten, zu kommen.“
„Es ist mir eine Ehre“, antwortete dieser mit einer leichten Verbeugung.
„Dann setzen wir uns doch alle an den Tisch und speisen zusammen, bevor wir die ernsten Themen besprechen“, sagte Präsident Marchand.
Alle setzen sich auf die zugewiesenen Plätze. Adelina saß natürlich neben Juliette und schnell waren beide in angeregte Gespräche vertieft. Präsident Marchand unterhielt sich abwechselnd mit Bundeskanzlerin Knarrenburg und dem chinesischem Staatspräsident Juan Li, Dubois mit seinem Nachfolger Boise und Prof. Schulz. So verging die Zeit auf angenehme Weise. Als der Kaffee und die Desserts serviert waren, klingelte Präsident Marchand an sein Glas, um sich die Aufmerksamkeit der andern zu sichern.
„Keine Sorge, es kommt keine langweilige Tischrede“, begann er.
„Ich habe Sie eingeladen, um ein bekanntes und hochbrisantes Thema weiter zu diskutieren: die Künstliche Intelligenz (KI). Sie alle hier im Raum kennen das Desaster mit GOLEM vom März dieses Jahres.
Nun, trotz allem sind wir alle einstimmig zu der Überzeugung gekommen, das Thema nicht fallen zu lassen. Dies gilt auch für Russland, nur leider konnte Präsident Koslow heute nicht erscheinen. Er wird durch Präsident Juan Li vertreten. Die Amerikaner sind ebenfalls mit von der Partie und werden von heute von Deutschland vertreten.
Nun, wie Sie wissen, hatten wir in Lourmarin GOLEM installiert und unser Fachmann in Sachen KI, Marcel Durrand, hatte durch eine neuartige Entwicklung einen Neuronen Computer mit dem Quantencomputer GOLEM verbunden. Nach den Ereignissen wurde die Anlage in Lourmarin stillgelegt, ebenso die Anlage in Marseille mit AVENIR. JUÉWÀNG wurde wieder nach Peking gebracht und dort neu hochgefahren und mit dem Supercomputer SUNWAY TAIHULIGHT verbunden. Bisher läuft beides ohne Probleme, bitte unterbrechen Sie mich Präsident Li, wenn ich hier etwas nicht richtig darstelle, oder besser noch, übernehmen Sie das Wort.“
Der Angesprochene bedankte sich für die Übergabe des Wortes und fuhr dann fort: „Bisher ist alles so richtig. Sie werden natürlich direkt fragen: was ist mit der Bewusstseinsentwicklung in diesem neuen Verbund? Nun, aus den Erfahrungen mit GOLEM heraus haben wir diesen Aspekt eingeschränkt und lassen bisher ein ICH-Bewusstsein nicht zu. Ebenso haben wir das von den Russen entwickelte Emotionsmodul bisher nicht eingesetzt. An Sicherheitseinrichtungen setzen wir hauptsächlich reine Mechanik ein, auf die JUÉWÀNG keinen Zugriff hat. Allerdings sehen wir die Notwendigkeit, dass die Rechner letzten Endes eine gewissen Selbstständigkeit im schnellen Analysieren und den anschließenden Schlussfolgerungen und Vorschlägen bei Lösungsfindungen erlangen sollen, natürlich zu jeder Zeit strengstens von uns kontrolliert. Daher unternehmen wir jetzt Versuchsreihen mit sog. digitalisierten Erfahrungsqualitäten. Diese sehen wir als Vorstufen von einem kompletten digitalisiertem Bewusstsein im Sinne einer Einheit von Gefühl, Erfahrung und ICH-Bewusstsein. Allerdings kommen wir nicht recht voran. Hier wäre es hilfreich, wenn Sie Helmut Schwarz bewegen, mit uns im chinesisch-französisch-deutschen Computerverbund in Jülich zusammenzuarbeiten, Frau Bundeskanzlerin Knarrenburg.“
„Wir sind aktuell gerade im Gespräch mit ihm, Präsident Li“, erwiderte Bundeskanzlerin Knarrenburg. „Aber bitte, fahren Sie fort.“
„Gerne, aber im Prinzip bin ich am Ende meines Vortrages. Wir müssen nun heute entscheiden, wie wir weiter vorgehen wollen und wie wir sicherstellen, dass uns kein zweites GOLEM Desaster passiert.“
Präsident Marchand ergriff wieder das Wort:
„Herr Li, das chinesische Konzept der Versuchsreihen klingt sehr überzeugend und Deutschland sichert die Zusammenarbeit mit Helmut Schwarz, einem bisher unbekannten Spezialisten in Sachen Digitalisierung von Bewusstsein, zu. Damit können wir sicherlich einer erfolgreichen Weiterentwicklung entgegensehen. Wie Sie wissen, ist Monsieur Dubois ebenfalls heute zu Gast. Er hatte zu der Zeit die Leitung des Projektes GOLEM in seiner damaligen Funktion als Leiter des Geheimdienstes und genießt nach wie vor mein vollstes Vertrauen.
Ich würde ihm gerne heute in Abstimmung mit Ihnen erneut die Leitung des neuen Projekts in Lourmarin und Jülich übergeben, also für die deutsche und französische Seite sowie als Verbindungsmann nach Peking. Gib es Einwände Ihrerseits?“
Alle nickten Präsident Marchand zustimmend zu.
„D`accord, dann ist dieser Punkt beschlossen. Die Anlage in Lourmarin wird mit sofortiger Wirkung reaktiviert. Mit Durrand werde ich mich noch persönlich unterhalten, zurzeit hat er sich komplett zurückgezogen. Ansonsten möchte ich die Beteiligten bitten, offen zu sein und keine eigenen geheimen Ziele zu betreiben. Die Beinahe-Katastrophe vom März 2018 sollte uns allen eine Lehre gewesen sein! Ich schlage vor, wir informieren uns gegenseitig wie bisher auch in Monatsabständen über die Ergebnisse.“
Wieder nickten alle zustimmend.
„Dann beende ich den offiziellen Teil des Abends und wünsche Ihnen allen einen angenehmen Aufenthalt und eine gute Heimreise morgen.“
Der weitere Teil des Abends war Smalltalk und kurz nach Mitternacht ging jeder in seine Schlafgemächer.

Dubois sagte zu Adelina: “Nun ist die Katze aus dem Sack! Unsere schöne entspannte Zeit ist vorerst zu Ende - ich sehe keine Möglichkeit der Sache zu entgegen.“
„Das sehe ich genauso“, entgegnete Adelina. „Aber sieh es mal positiv. Wer hat mehr Erfahrung als du in dieser Sache? Es liegt an dir und den anderen, für die Menschheit ein großartiges Zukunftsprojekt aufzubauen. Aus den Fehlern gelernt könnt ihr verhindern, dass eine KI noch einmal die Macht auf die Weise wie damals erlebt übernimmt. Aber letztlich muss und wird alles auf eine Zusammenarbeit hinauslaufen, wenn wir das Potential einer KI voll und ganz ausschöpfen wollen, so mein Eindruck. Mir macht allerdings mehr Sorgen, ob die Russen, Chinesen und Amerikaner nicht doch wieder versuchen, ihr eigenes Süppchen zu kochen! Dann könnten wir schnell wieder an dem Punkt sein, an dem wir im März waren, nur noch schlimmer. Denn wer wird dann das Schlimmste verhindern…?“
„Weise gesprochen Adelina. Ich werde mein Bestes geben, hoffen wir, das es ausreicht.“

Am nächsten Morgen wurde Dubois durch lautes Klopfen an der Tür geweckt. Noch benommen vom Schlaf ging er an die Tür. Draußen stand ein Soldat der Sicherheitskräfte und sagte: „Monsieur Dubois, Präsident Marchand bittet Sie zum Gespräch. Ich komme Sie in einer halben Stunde abholen.“ Er drehte sich um und verschwand um die nächste Ecke.
„Was ist denn los“, fragte Adelina.
„Ich muss in einer halben Stunde zu Marchand. Mach` dich in Ruhe fertig und frühstücke schon. Ich komme dann nach“, sagte Dubois.
„In Ordnung, chérie“, zwitscherte Adelina zurück und warf ihm einen Pustekuss zu.
Dubois war gerade fertig angezogen, da klopfte es schon wieder an der Tür. Der Wachsoldat geleitete Dubois in ein kleines Arbeitszimmer. Dort erwartete ihn bereits Präsident Marchand mit den Worten: „Desolé, ich weiß, es ist noch sehr früh, aber ich muss in einer halben Stunde zurück nach Paris. Deshalb komme ich gleich zur Sache. Ich verlasse mich mit der Leitung des Projekts voll auf Sie, Dubois! Boise ist angewiesen, Ihnen alles zu organisieren, was Sie benötigen. In Notfällen können Sie mich jederzeit direkt kontaktieren, meine Handynummer haben Sie ja. Und diesmal gibt es keine heimlichen Alleingänge oder Verschwörungen mehr, n`est-ce-pas? Allerdings wir werden sehen. Sollte die KI wie geplant gut funktionieren, könnte es vielleicht interessant für uns werden, über eine globale Einheitswährung wie den Bitcoin weiter nachzudenken. Halten Sie Augen und Ohren offen, was die Chinesen und Russen und Amerikaner angeht. Ich traue denen nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass die versuchen werden, ihren eigenen Vorteil aus dem Projekt zu ziehen und unser Know How auch noch gratis dazu! Alors – genug geredet, in diesem Sinn: Bonne chance! Herzliche Grüße von meiner Frau an Adelina. Die beiden Damen wollen sich wohl nächste Woche in Paris treffen und unsere Kreditkarten auslasten. Wie gut, dass da immer genug drauf ist…!“
Nach diesen vielsagenden Worten verschwand er durch eine Tür ins Nebenzimmer.

Der Wachsoldat geleitete ihn ins Frühstückszimmer, wo Adelina ihn bereits erwartete.
„Wo sind denn die anderen?“ fragte Dubois.
„Bereits abgereist und das um acht Uhr, die sind wohl nicht so Langschläfer wie wir“, erwiderte sie lachend.
„Aber dafür haben wir das Frühstück ganz alleine für uns.“
„Richtig. Du triffst dich mit Juliette nächste Woche in Paris?“
„Ja, hast du was dagegen, mein allerliebster Herr und Gebieter? Wie kommst du darauf?“
„Marchand konnte sich nicht verkneifen, mich subtil darauf hinzuweisen, dass meine Kreditkarte dank ihm immer gut gefüllt ist“, stellte Dubois etwas bitter fest.
„Ach, lass ihn doch. Machtspiele halt“, wiegelte Adelina ab.
„Deine Gelassenheit möchte ich haben!“
Sie frühstückten in aller Ruhe und ließen sich gegen 11.00 Uhr mit der Limousine gemütlich nach Lourmarin zurückbringen. Dort trafen beide pünktlich zum Café in ihrem Anwesen gegen 16.00 Uhr ein.
Beide dachten an Präsident Marchand und alle anderen, die so schnell aufbrechen mussten zu anderen Terminen. Insgeheim waren sie froh: Nebenrollen waren eben stressfreier als die Hauptrollen. Wenn sie sich da mal nicht irrten.


Diskussionen zum Buch1. Juni 2018 Frankfurt

Helmut Schwarz saß in seiner Bude, wie er es nannte, und sinnierte darüber, wie er seine Finanzen aufbessern könnte.
In seinen bisherigen Tüfteleien und Entwicklungen einer KI, Künstlichen Intelligenz, kam er kaum voran.
In der Zwischenzeit musste er außerdem sein Geld verdienen. So sollte er diversen Kunden bezahlte Gefallen tun, oft auch an der Grenze der Legalität. Er spionierte z.B. die Computer der Geschäftskonkurrenten aus. Oder er veränderte Datenbanken zugunsten seiner Auftraggeber, immer in Gefahr, erwischt zu werden.
Sein größter Traum war, durch die Entwicklung einer KI berühmt zu werden. Leider hatte er nicht sehr viele Kunden wie Thomas Bräuner aus alten Tagen. Damals hatte dieser ihn aufgesucht, um ein Programm aus Algorithmen zu untersuchen. Es war das raffinierteste Übernahmeprogramm gewesen, was ihm je untergekommen war. Und neben einer kleinen Spionageroutine für seinen Freund hatte er ein Experiment vorgenommen: er hatte seine Emotionen und seine Erfahrungen, sein Ich-Bewusstsein digitalisiert, seine Gedanken, alles was sein Bewusstsein ausmachte. Das hatte ihn immer schon fasziniert, die Idee, über einen Computer sozusagen eine Art Unsterblichkeit zu erreichen. Während seiner Studienzeit in Amerika hatte er die Gelegenheit gehabt, an verschiedenen Instituten für kreative Technologie an Forschungsprogrammen über die Digitalisierung von Gefühlen teilzunehmen. Er hatte das dann für sich weiterentwickelt, da ihm der Ansatz vielversprechend erschien, aber es waren noch viel noch zu wenig Emotionen, geschweige denn ein Ich-Bewusstsein berücksichtigt worden. So hatte er weiter daran getüftelt und dann lief ihm der Zufall in der Person von Bräuner über den Weg. Es hatte sein Durchbruch werden sollen! Sein „zweites Ich“ sollte Kontakt mit ihm aufnehmen – was leider nicht geschehen war. Er hätte darüber damals alle Informationen bekommen sollen über diese geheimnisvolle KI, die auch den BKA Rechner hatte übernehmen sollen. Es war ihm schleierhaft, warum so gar nichts kam, entweder hatte er einen Fehler gemacht oder die KI hatte sein Programm entdeckt und gelöscht. Tja.
Und dann die merkwürdige Sache im März mit den Fanatikern, Terroristen wohl, die behauptet hatten, im Dienste einer KI namens GOLEM zu stehen, die es dann laut Regierung wohl doch nicht gab? An die massiven Störungen infolge des kompletten Stromausfalls, das ganze Chaos und die anschließenden Plünderungen erinnerte er sich sehr gut. Immer noch waren Spuren dieser Zerstörung in Frankfurt und Umgebung zu sehen.
In diesem Moment riss ihn das Klingeln an der Tür aus seinen Gedanken. Ohne groß nachzudenken, ging er an die Tür und öffnete diese.
Zwei gut gekleidete Herren standen vor der Tür, jeder hatte einen Ausweis in der Hand und einer von Ihnen sagte: “BND Bundesnachrichtendienst, wir würden gerne mit Ihnen sprechen.“
Völlig überrumpelt antwortete Helmut: „Na dann treten Sie mal ein“, was die Herren auch sofort taten.
Helmut zeigte auf zwei freie Stühle in seinem Wohn- und Arbeitszimmer. Was wollen die denn von mir, fragte er sich unruhig. Hoffentlich gibt es keinen Ärger! Sich um Ruhe bemühend sagte er: „Was kann ich für Sie tun?“
Er betrachte die beiden Besucher, während er sich ebenfalls setzte. Auf den ersten Blick zwei nichtssagende, kaum auffallende, gut gekleidete Mittdreißiger, eben wie beliebige Geschäftsleute. Wäre da nicht dieser lauernde Blick, dann hätte sich Helmut wohlgefühlt. So aber beschlich ihn ein mulmiges Gefühl.
„Ich bin Reinhard Meyer und das ist mein Kollege Sebastian Krüger. Wie bereits erwähnt sind wir vom Bundesnachrichtendienst und zwar direkt im Auftrag des Kanzleramtes.“
Pause. Die wollten ihn wohl auf die Folter spannen!
„Schön und gut, nur was wollen Sie jetzt von mir? Ich bin weder ein Spion noch sonst wie kriminell“, warf Helmut verärgert ein.
„Oh, genau das sehen wir ein klein wenig anders, wenn Sie erlauben, Herr Schwarz“, blaffte Herr Krüger zurück.
„Sachte, sachte“, versuchte Meyer die Situation zu beruhigen. „Wir wollen uns doch nicht gleich alle an die Gurgel gehen!“
„Dann sagen Sie mir endlich, was Sie von mir wollen und dann verschwinden Sie wieder. Ich bereue bereits, Sie überhaupt hereingelassen zu haben, oder haben Sie einen Durchsuchungsbeschluss?“ fragte Helmut immer noch verärgert, aber schon etwas ruhiger.
„Nun, wie mein Kollege Krüger schon sagte, sehen wir gewisse Dinge anders. Oder ist das Hacken in fremde Netzwerke ein Kavaliersdelikt, oder gar das Einschleusen betriebsfremder Programme?“
Mayer sah Helmut dabei so durchdringend an, dass diesem alle Sünden seines Lebens einfielen. Er fing an zu schwitzen, das konnte ja heiter werden!
Äußerlich versuchte er ruhig zu bleiben und scheinbar emotionslos erwiderte Helmut schließlich: „Ich weiß beim besten Willen nicht, was Sie meinen!“
„Aber Herr Schwarz, Sie enttäuschen mich, ich hätte Sie für klüger gehalten. Wir helfen Ihnen gerne auf die Sprünge. Unsere französischen Kollegen hatten im Zusammenhang mit den festgenommenen Terroristen, die für die ganzen Störungen in Frankfurt und der ganzen Welt verantwortlich waren, auf der Festplatte eines Quantencomputers ein interessantes Programm entdeckt. Das Programm kommunizierte mit den Kollegen und teilte ihnen mit, das digitalisierte Bewusstsein einer Person namens Helmut Schwarz zu sein. Und so ganz nebenbei trug das Programm damals einen wichtigen Schritt zur Beendigung der Katastrophe bei. Nun, klingelt es bei Ihnen im Oberstübchen?“
Hier unterbrach Herr Meyer und sah Helmut jetzt abwartend an.

Helmuts Gedanken wirbelten durcheinander: also hatte es doch geklappt mit dem digitalisierten Bewusstsein… nur warum hatte es sich nicht bei ihm gemeldet?! Und was hatte es in Gottes Namen in Frankreich zu suchen? Und was hatte sein Programm da wohl angestellt, dass auf einmal der BND vor ihm saß? Viele Fragen, auf die er keine Antworten hatte.
Vorerst stellte sich jetzt die dringende Frage, was er nun antworten sollte? Ihm fiel nichts Besseres ein, als zu sagen: “Helmut Schwarz heißen ja wohl viele, wie kommen Sie darauf, dass ich der Urheber dieses Programm bin?“.
„Dann hören Sie sich das hier mal an!“ erwiderte Herr Meyer, zog sein Handy aus der Tasche und Helmut erschrak, denn mit seiner Stimme erklang folgende Nachricht: “Grüßt Helmut von mir und richtet ihm aus, so ein Experiment nie mehr zu machen, keiner von euch sollte das! Es sind unvorstellbare Qualen der Einsamkeit und wird immer im Wahnsinn enden. Helmut Digital Ende.“

Helmut war wieder sprachlos und schluckte, sein Herz klopfte ihm bis zum Hals. Was war geschehen, was hatte er da bloß angerichtet und wie kam er jetzt aus der Sache heil wieder heraus?!
„Ich glaube, das genügt, um glaubhaft zu machen, wer der Urheber dieses Programms ist, das finden Sie sicherlich auch. Außerdem gab es da noch eine Verbindung zu einem Thomas Bräuner, einem alten Freund von Ihnen. Ersparen Sie uns doch bitte, alle Einzelheiten aufzuzählen. Im Prinzip ist es auch egal, denn wir sind hier, um Ihnen einen Vorschlag zu unterbreiten.“
„Und der wäre?“ unterbrach ihn Helmut vorsichtig.
„Sie werden für uns arbeiten. Wir haben die Absicht, eine Künstliche Intelligenz (KI) zu Forschungszwecken zu erschaffen. Dabei sollen alte Fehler erkannt und ausgemerzt werden, so dass es zu keinen Störungen und Katastrophen wie erlebt mehr kommen kann. Dafür stellen Sie uns Ihr Know How zur Verfügung und wir und der deutsche Staat vergessen ihre sonstigen kleinkriminellen Machenschaften und sichern Ihnen Straffreiheit zu.
Außerdem hätten Sie eine eigene Forschungseinrichtung, Mitarbeiter und ein Budget zur Verfügung, von denen Sie im Moment allenfalls träumen.“
Bei diesen Worten schaute er sich vielsagend in dem schäbigen Zimmer um, in dem sie saßen, bevor er fortfuhr.
„Top on Top haben Sie die Chance, in den einschlägigen Kreisen ein berühmter Experte zu werden. Das Programm „Helmut Digital“ ist Ihre Eintrittskarte. Unsere Hochachtung, dass Ihnen so etwas gelungen ist! Da unsere Regierung derselben Meinung ist, machen wir Ihnen dieses Angebot. Vergessen Sie bitte auch nicht, es ist Ihre Fahrkarte in die Freiheit, statt den Rest Ihrer Tage als verurteilter Krimineller hinter Gittern zu verbringen. Überlegen Sie es sich bis übermorgen und geben Sie uns Bescheid. Hier ist meine Karte, Sie können mich jederzeit erreichen.“
„Und wenn ich Nein sage?“ fragte Helmut, obwohl er die Antwort bereits kannte
„Dann haben Sie Besuch von der Kripo und sitzen in Untersuchungshaft. Noch ein Hinweis: an Ihrer Stelle würde ich keine Koffer nach Mallorca packen, Sie stehen jetzt unter ständiger Beobachtung“, antwortete Krüger mit der satten Zufriedenheit eines Jägers, der weiß, dass sein Opfer bereits im Netz zappelt.
„Gut, dann ist ja alles besprochen und wir hören von Ihnen. Wir wünschen Ihnen noch einen schönen Tag, Herr Schwarz“, sagte Herr Meyer und beide standen auf.
Herr Krüger sagte noch: “Wir finden alleine heraus, ist ja sehr übersichtlich, Ihre Wohnung!“

Schon waren sie weg und ließen einen etwas verwirrten Helmut zurück. Der dachte bei sich: jetzt erst mal auf einen Apfelweinschorle die ganze Sache verdauen gehen.
Im Innersten wusste er aber bereits, dass es nur eine Antwort auf das Angebot gab, nämlich ein klares „JA!“


2. Juni 2018 Paris, Elysee Palast

Lucas Dubois saß im Wartezimmer vor dem Präsidentenbüro und wartete darauf, zu Präsident Marchand vorgelassen zu werden. Es war das erste Mal in seiner neuen Funktion als persönlicher Berater, dass der Präsident ihn sehen wollte.
Seit den schlimmen Vorfällen um GOLEM hatte er bisher im Grunde nichts mehr gearbeitet, sondern nur ein fürstliches Gehalt als Berater erhalten. Die Leitung des Geheimdienstes hatte nach seinem eingereichten Rücktritt ein junger ehrgeiziger Mittdreißiger namens Paul Boise übernommen.
So hatte er zum ersten Mal seit einer Ewigkeit Zeit, das Leben in Lourmarin zusammen mit seiner Lebensgefährtin einfach nur zu genießen.
Die Anlage mit dem Quantencomputer GOLEM war nach der Katastrophe vom März 2018 eingemottet und stillgelegt worden. Vor nicht allzu langer Zeit war ein Experiment außer Kontrolle geraten, eine Künstlich Intelligenz (KI) namens GOLEM hatte sich sozusagen selbstständig gemacht und um Haaresbreite war die Welt an einer Katastrophe vorbeigeschlittert! (E-Book „Die Bitcoinverschwörung“, Michael Rodewald)
Umso neugieriger war er, was der Präsident jetzt von ihm wollte.

Bei diesem Gedanken angelangt, öffnete sich die Tür des Präsidentenbüros und eine Dame bat ihn, einzutreten und schloss dann die Tür hinter ihm.
Präsident Marchand stand hinter seinem Schreibtisch auf und eilte auf ihn zu und begrüßte ihn mit Handschlag: „Oh, mein lieber Dubois, die Beraterfunktion scheint ihnen gut zu bekommen! Sie sehen um Jahre jünger aus. Ich soll ihnen schöne Grüße von meiner Frau ausrichten, besonders an Adelina und wir laden Sie beide ein, am Wochenende mit uns auf der Festung Brégançon (Sommersitz des französischen Präsidenten) zu dinieren. Dort können wir dann in aller Ruhe mein Anliegen an Sie besprechen. Paul Boise, Ihr Nachfolger beim Geheimdienst, wird ebenfalls da sein und ein politischer Überraschungsgast aus Deutschland mit Begleitung. Genießen Sie noch etwas Paris, bevor Sie zurückfahren - wir sehen uns dann schon morgen Abend. In diesem Sinne, mein nächster Termin wartet. Au revoir!“
Nach diesen Worten geleitete ihn Marchand herzlich aber bestimmt zur Tür seines Büros.

Dubois verließ nachdenklich den Elysee Palast und schlenderte Richtung Champs-Elysees und kehrte dann in das Café Laurent ein. Dort dachte er über das merkwürdige Treffen mit seinem Chef nach. Er ahnte, dass das sogenannte Anliegen ihm nicht sonderlich gefallen würde, es roch sehr nach dem Ende seiner schönen Tage. Aber letztlich würde er tun, was verlangt würde. Denn einen derart lukrativen und mit etlichen Privilegien ausgestatteten Job gab es nicht noch einmal.
Er beschloss das Grübeln sein zu lassen, spontan für Adelina ein neues Parfüm zu besorgen und dann in den Gärten des Louvre noch ein paar Sonnenstrahlen und das pulsierende Leben zu genießen, bevor er nach Lourmarin mit dem Hubschrauber zurückflog. Gegen 17.00 Uhr ging er in Richtung Elysee Palast und forderte den Hubschrauber an. Da Präsident Marchand anscheinend heute nirgendwo hinflog, stand die Maschine auf dem Rasen hinter dem Palast zum Abflug bereit. 10 Minuten später bereits schwebte Dubois über den Dächern von Paris Richtung Lourmarin, wo er knapp zwei Stunden später landete.
Sich umblickend genoss er die Ruhe im Luberon, denn im Juni hielt sich die Anzahl der Touristen noch in Grenzen und um 19.00 Uhr saßen die meisten in den Lokalen zum Abendessen.
Die knapp 800 Meter zu seinem Anwesen ging er flott, denn Adelina erwartete ihn bereits und hatte im Garten den Tisch wunderschön gedeckt. Sie war natürlich neugierig, was der Präsident von Dubois wollte.
Umso erstaunter war sie, als Dubois ihr erzählte, dass es vorerst scheinbar nur um eine Einladung zum Essen gegangen war. Zynisch bemerkte sie:“Lucas, das war ja eine teure Essenseinladung für den Steuerzahler, Hubschrauberflug Paris hin und zurück. Da wäre ein Telefonat auf dem Handy entschieden billiger gewesen, findest du nicht?“
„Du hast recht, ich habe mich das auch schon gefragt, aber ich habe noch einen Einkauf für dich getätigt und dadurch hat sich das Ganze doch wieder gelohnt“, antwortete er schmunzelnd zurück und schaute sie verliebt an. Genau diesen pragmatischen Humor liebte er an ihr und übereichte ihr das hübsch verpackte Parfum, welches sie sogleich begeistert auspackte und gleich ausprobierte. Sie drückte ihm dabei einen Kuss auf die Wange und meinte: “C`est un parfum merveillieux! Aber ein Kleid wäre zweckmäßiger gewesen, denn wie du weißt, ich habe für Morgen nichts zum Anziehen.“
„Und was ist mit dem eigens für dich eingerichteten vier breiten Meter, begehbaren Kleiderschrank?“ erwiderte er scheinbar erbost. Sie konterte geschickt: „Alles uralt, mon cher, zu den Zeiten hattest du ja noch einen richtig gutbezahlten Job! Da konnte ich mir noch was leisten, aber nun als freischaffender Künstler, da muss ich mich doch stark einschränken.“ Bei diesen Worten mussten sie beide lachen, denn das jetzige Gehalt war dreimal so hoch wie Dubois` bisheriges. Denn da Dubois in keinem offiziellen Budget mehr auftauchte, lag es allein im Ermessen des Präsidenten, was er Mitarbeiten für Spezialaufgaben zahlte. Und da war Präsident Marchand in den Augen der beiden mehr als großzügig gewesen! Es stellte sich nur die Frage, wann die Rechnung dafür kam. Vielleicht bereits morgen, aber heute genossen sie den lauen Sommerabend im Garten ihres Anwesens.


2. Juni 2018 Brégançon

Gegen 17.00 Uhr machten sich Lucas Dubois und Adelina Gauthier mit der Limousine auf den Weg Richtung Toulon. Da sie dank Blaulicht nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung gebunden waren, erreichten sie nach 2 ½ Stunden ihr Ziel. Nach Passieren der üblichen Sicherheitsschleusen erreichten sie den Empfangsaal und warteten darauf vom Präsidentenehepaar empfangen zu werden. Nach knapp 10 Minuten kam ein Ober in Livree auf sie zu und bat sie, ihm in das Speisezimmer zu folgen. Im Speisezimmer angekommen sahen sie bereits Dubois` Nachfolger Paul Boise und neben ihm saß ein Herr in schwarzen Frack.
In diesem Augenblick kam Präsident Marchand und seine Gattin Juliette Marchand in Begleitung einer weiteren Dame in den Salon. Juliette Marchand eilte schnurstracks auf Adelina zu, umarmte sie und begrüßte sie herzlich: „Endlich sehen wir uns mal wieder, ma chère. Es ist Ewigkeiten her! Aber jetzt möchte ich euch die anderen Gäste vorstellen.“
Sie bat die beiden, ihr zu folgen. Präsident Marchand begrüßte die Dubois ebenfalls herzlich und stellte die Frau neben ihm als Frau Emma Knarrenburg, deutsche Bundeskanzlerin vor. Monsieur Boise kennen Sie ja bereits und der Herr neben ihm ist der Gatte von Frau Knarrenburg, Prof. Herbert Schulz.
In diesem Moment ging die Tür auf und der Ober geleitete einen Chinesen in den Raum. Präsident Marchand ging auf ihn zu und begrüßte ihn mit den Worten: “Willkommen Präsident Juan Li, wie schön, dass Sie Zeit hatten, zu kommen.“
„Es ist mir eine Ehre“, antwortete dieser mit einer leichten Verbeugung.
„Dann setzen wir uns doch alle an den Tisch und speisen zusammen, bevor wir die ernsten Themen besprechen“, sagte Präsident Marchand.
Alle setzen sich auf die zugewiesenen Plätze. Adelina saß natürlich neben Juliette und schnell waren beide in angeregte Gespräche vertieft. Präsident Marchand unterhielt sich abwechselnd mit Bundeskanzlerin Knarrenburg und dem chinesischem Staatspräsident Juan Li, Dubois mit seinem Nachfolger Boise und Prof. Schulz. So verging die Zeit auf angenehme Weise. Als der Kaffee und die Desserts serviert waren, klingelte Präsident Marchand an sein Glas, um sich die Aufmerksamkeit der andern zu sichern.
„Keine Sorge, es kommt keine langweilige Tischrede“, begann er.
„Ich habe Sie eingeladen, um ein bekanntes und hochbrisantes Thema weiter zu diskutieren: die Künstliche Intelligenz (KI). Sie alle hier im Raum kennen das Desaster mit GOLEM vom März dieses Jahres.
Nun, trotz allem sind wir alle einstimmig zu der Überzeugung gekommen, das Thema nicht fallen zu lassen. Dies gilt auch für Russland, nur leider konnte Präsident Koslow heute nicht erscheinen. Er wird durch Präsident Juan Li vertreten. Die Amerikaner sind ebenfalls mit von der Partie und werden von heute von Deutschland vertreten.
Nun, wie Sie wissen, hatten wir in Lourmarin GOLEM installiert und unser Fachmann in Sachen KI, Marcel Durrand, hatte durch eine neuartige Entwicklung einen Neuronen Computer mit dem Quantencomputer GOLEM verbunden. Nach den Ereignissen wurde die Anlage in Lourmarin stillgelegt, ebenso die Anlage in Marseille mit AVENIR. JUÉWÀNG wurde wieder nach Peking gebracht und dort neu hochgefahren und mit dem Supercomputer SUNWAY TAIHULIGHT verbunden. Bisher läuft beides ohne Probleme, bitte unterbrechen Sie mich Präsident Li, wenn ich hier etwas nicht richtig darstelle, oder besser noch, übernehmen Sie das Wort.“
Der Angesprochene bedankte sich für die Übergabe des Wortes und fuhr dann fort: „Bisher ist alles so richtig. Sie werden natürlich direkt fragen: was ist mit der Bewusstseinsentwicklung in diesem neuen Verbund? Nun, aus den Erfahrungen mit GOLEM heraus haben wir diesen Aspekt eingeschränkt und lassen bisher ein ICH-Bewusstsein nicht zu. Ebenso haben wir das von den Russen entwickelte Emotionsmodul bisher nicht eingesetzt. An Sicherheitseinrichtungen setzen wir hauptsächlich reine Mechanik ein, auf die JUÉWÀNG keinen Zugriff hat. Allerdings sehen wir die Notwendigkeit, dass die Rechner letzten Endes eine gewissen Selbstständigkeit im schnellen Analysieren und den anschließenden Schlussfolgerungen und Vorschlägen bei Lösungsfindungen erlangen sollen, natürlich zu jeder Zeit strengstens von uns kontrolliert. Daher unternehmen wir jetzt Versuchsreihen mit sog. digitalisierten Erfahrungsqualitäten. Diese sehen wir als Vorstufen von einem kompletten digitalisiertem Bewusstsein im Sinne einer Einheit von Gefühl, Erfahrung und ICH-Bewusstsein. Allerdings kommen wir nicht recht voran. Hier wäre es hilfreich, wenn Sie Helmut Schwarz bewegen, mit uns im chinesisch-französisch-deutschen Computerverbund in Jülich zusammenzuarbeiten, Frau Bundeskanzlerin Knarrenburg.“
„Wir sind aktuell gerade im Gespräch mit ihm, Präsident Li“, erwiderte Bundeskanzlerin Knarrenburg. „Aber bitte, fahren Sie fort.“
„Gerne, aber im Prinzip bin ich am Ende meines Vortrages. Wir müssen nun heute entscheiden, wie wir weiter vorgehen wollen und wie wir sicherstellen, dass uns kein zweites GOLEM Desaster passiert.“
Präsident Marchand ergriff wieder das Wort:
„Herr Li, das chinesische Konzept der Versuchsreihen klingt sehr überzeugend und Deutschland sichert die Zusammenarbeit mit Helmut Schwarz, einem bisher unbekannten Spezialisten in Sachen Digitalisierung von Bewusstsein, zu. Damit können wir sicherlich einer erfolgreichen Weiterentwicklung entgegensehen. Wie Sie wissen, ist Monsieur Dubois ebenfalls heute zu Gast. Er hatte zu der Zeit die Leitung des Projektes GOLEM in seiner damaligen Funktion als Leiter des Geheimdienstes und genießt nach wie vor mein vollstes Vertrauen.
Ich würde ihm gerne heute in Abstimmung mit Ihnen erneut die Leitung des neuen Projekts in Lourmarin und Jülich übergeben, also für die deutsche und französische Seite sowie als Verbindungsmann nach Peking. Gib es Einwände Ihrerseits?“
Alle nickten Präsident Marchand zustimmend zu.
„D`accord, dann ist dieser Punkt beschlossen. Die Anlage in Lourmarin wird mit sofortiger Wirkung reaktiviert. Mit Durrand werde ich mich noch persönlich unterhalten, zurzeit hat er sich komplett zurückgezogen. Ansonsten möchte ich die Beteiligten bitten, offen zu sein und keine eigenen geheimen Ziele zu betreiben. Die Beinahe-Katastrophe vom März 2018 sollte uns allen eine Lehre gewesen sein! Ich schlage vor, wir informieren uns gegenseitig wie bisher auch in Monatsabständen über die Ergebnisse.“
Wieder nickten alle zustimmend.
„Dann beende ich den offiziellen Teil des Abends und wünsche Ihnen allen einen angenehmen Aufenthalt und eine gute Heimreise morgen.“
Der weitere Teil des Abends war Smalltalk und kurz nach Mitternacht ging jeder in seine Schlafgemächer.

Dubois sagte zu Adelina: “Nun ist die Katze aus dem Sack! Unsere schöne entspannte Zeit ist vorerst zu Ende - ich sehe keine Möglichkeit der Sache zu entgegen.“
„Das sehe ich genauso“, entgegnete Adelina. „Aber sieh es mal positiv. Wer hat mehr Erfahrung als du in dieser Sache? Es liegt an dir und den anderen, für die Menschheit ein großartiges Zukunftsprojekt aufzubauen. Aus den Fehlern gelernt könnt ihr verhindern, dass eine KI noch einmal die Macht auf die Weise wie damals erlebt übernimmt. Aber letztlich muss und wird alles auf eine Zusammenarbeit hinauslaufen, wenn wir das Potential einer KI voll und ganz ausschöpfen wollen, so mein Eindruck. Mir macht allerdings mehr Sorgen, ob die Russen, Chinesen und Amerikaner nicht doch wieder versuchen, ihr eigenes Süppchen zu kochen! Dann könnten wir schnell wieder an dem Punkt sein, an dem wir im März waren, nur noch schlimmer. Denn wer wird dann das Schlimmste verhindern…?“
„Weise gesprochen Adelina. Ich werde mein Bestes geben, hoffen wir, das es ausreicht.“

Am nächsten Morgen wurde Dubois durch lautes Klopfen an der Tür geweckt. Noch benommen vom Schlaf ging er an die Tür. Draußen stand ein Soldat der Sicherheitskräfte und sagte: „Monsieur Dubois, Präsident Marchand bittet Sie zum Gespräch. Ich komme Sie in einer halben Stunde abholen.“ Er drehte sich um und verschwand um die nächste Ecke.
„Was ist denn los“, fragte Adelina.
„Ich muss in einer halben Stunde zu Marchand. Mach` dich in Ruhe fertig und frühstücke schon. Ich komme dann nach“, sagte Dubois.
„In Ordnung, chérie“, zwitscherte Adelina zurück und warf ihm einen Pustekuss zu.
Dubois war gerade fertig angezogen, da klopfte es schon wieder an der Tür. Der Wachsoldat geleitete Dubois in ein kleines Arbeitszimmer. Dort erwartete ihn bereits Präsident Marchand mit den Worten: „Desolé, ich weiß, es ist noch sehr früh, aber ich muss in einer halben Stunde zurück nach Paris. Deshalb komme ich gleich zur Sache. Ich verlasse mich mit der Leitung des Projekts voll auf Sie, Dubois! Boise ist angewiesen, Ihnen alles zu organisieren, was Sie benötigen. In Notfällen können Sie mich jederzeit direkt kontaktieren, meine Handynummer haben Sie ja. Und diesmal gibt es keine heimlichen Alleingänge oder Verschwörungen mehr, n`est-ce-pas? Allerdings wir werden sehen. Sollte die KI wie geplant gut funktionieren, könnte es vielleicht interessant für uns werden, über eine globale Einheitswährung wie den Bitcoin weiter nachzudenken. Halten Sie Augen und Ohren offen, was die Chinesen und Russen und Amerikaner angeht. Ich traue denen nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass die versuchen werden, ihren eigenen Vorteil aus dem Projekt zu ziehen und unser Know How auch noch gratis dazu! Alors – genug geredet, in diesem Sinn: Bonne chance! Herzliche Grüße von meiner Frau an Adelina. Die beiden Damen wollen sich wohl nächste Woche in Paris treffen und unsere Kreditkarten auslasten. Wie gut, dass da immer genug drauf ist…!“
Nach diesen vielsagenden Worten verschwand er durch eine Tür ins Nebenzimmer.

Der Wachsoldat geleitete ihn ins Frühstückszimmer, wo Adelina ihn bereits erwartete.
„Wo sind denn die anderen?“ fragte Dubois.
„Bereits abgereist und das um acht Uhr, die sind wohl nicht so Langschläfer wie wir“, erwiderte sie lachend.
„Aber dafür haben wir das Frühstück ganz alleine für uns.“
„Richtig. Du triffst dich mit Juliette nächste Woche in Paris?“
„Ja, hast du was dagegen, mein allerliebster Herr und Gebieter? Wie kommst du darauf?“
„Marchand konnte sich nicht verkneifen, mich subtil darauf hinzuweisen, dass meine Kreditkarte dank ihm immer gut gefüllt ist“, stellte Dubois etwas bitter fest.
„Ach, lass ihn doch. Machtspiele halt“, wiegelte Adelina ab.
„Deine Gelassenheit möchte ich haben!“
Sie frühstückten in aller Ruhe und ließen sich gegen 11.00 Uhr mit der Limousine gemütlich nach Lourmarin zurückbringen. Dort trafen beide pünktlich zum Café in ihrem Anwesen gegen 16.00 Uhr ein.
Beide dachten an Präsident Marchand und alle anderen, die so schnell aufbrechen mussten zu anderen Terminen. Insgeheim waren sie froh: Nebenrollen waren eben stressfreier als die Hauptrollen. Wenn sie sich da mal nicht irrten.

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