Interaktive Krimilesung "Abwege"

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petersplitt

vor 6 Monaten

Plauderecke

Vielen Dank für die rege Beteiligung und Kritiken zu meinem Prolog. Ihr seid Spitze! Jetzt geht es zurück an den Anfang. Hier kommt der erste Teil des ersten Kapitels:

ABWEGE

ERSTES KAPITEL

Einige Tage zuvor...

Belgisches Viertel, wir sind da.“ verkündete der Taxifahrer mit schlaftrunkener Stimme. „Soll ich hinüber auf den Parkplatz fahren?“

Nein, lassen Sie uns für einen Moment hier stehen bleiben.“

Diana M. öffnete ihre Handtasche, holte einen kleinen Taschenspiegel hervor und überprüfte ihr Makeup. Alles war perfekt. Sie legte das Teil zurück und griff zu der Maske, die sie sich extra für diesen Abend besorgt hatte. Es war eine „Sexy Cat“ Maske.

Offiziell war Diana Studentin, aber nebenbei verdiente sie sich ein gutes Zubrot als Hostess. Sie bedankte sich, bezahlte den Fahrer und stieg aus dem Taxi. Die Adresse zu der sie musste, lag auf der anderen Straßenseite. Es herrschte kaum Verkehr. Diana überquerte die Fahrbahn. Während sie auf das Haus mit der Nummer 22 zu ging, betrachtete sie das Gebäude. Von außen wirkte es schlicht und einfach. Anscheinend wollte der Eigentümer kein großes Aufsehen erregen. Dann stand sie vor der Eingangstür und betätigte die Klingel. Aus dem Hintergrund ertönte ein tiefer Gong. Oberhalb der Tür bewegte sich eine Kamera. Während sie wartete, erinnerte sie sich an eine ganz besondere Party, an der sie bereits in diesem Hause teilgenommen hatte. Damals war sie als Schneewichten gegangen und ihr Gastgeber als Zorro.

Jemand betätigte die Sprechanlage. „Das Kennwort bitte“, sagte eine monotone Stimme.

Adel verpflichtet“, antwortete Diana brav und bestätigte das Codewort, welches ihr vom Gastgeber übermittelt worden war. Den hatte sie im Übrigen noch niemals zu Gesicht bekommen, denn er trug stets eine Verkleidung, genauso wie die anderen Gäste. Die Tür öffnete sich und Diana betrat das Haus. Das Innenleben war ganz anders als man es aufgrund der äußeren Fassade erwarten durfte. Allein die Ausmaße des Wohnzimmers musste jedem neuen Besucher die Sprache verschlagen. Mit mehr als 100 m2 Größe übertraf es alles, was die meisten bisher gesehen hatten. Eine exklusive Auswahl an Antiquitäten und teuren Teppichen auf blitzblank geputzten Marmorböden, vermittelten den Eindruck von Wohlstand und Vermögen.

Was haben wir denn da für ein hübsches Kätzchen?“, begrüßte sie eine angenehm männliche Stimme. Diana drehte sich um und blickte in das Gesicht eines Dobermanns. Es war natürlich eine Maske. Sie gehörte zu ihrem Gastgeber. Zum Dank für das Kompliment machte sie einen Knicks. Dabei öffnete sie gleichzeitig ihren Mantel.

Ich hoffe, das hier wird dir noch besser gefallen“, erwiderte sie und lächelte kokett. Der Gastgeber nahm ihr den Mantel ab. Darunter trug sie einen schwarzen, hautengen Hosenanzug und rote Pumps mit hohen Keilabsätzen. Ihr Gesicht versteckte sie hinter einer Katzenmaske.

Freut mich sehr, dass Du kommen konntest, du siehst zum anbeißen aus“, sagte ihr Gastgeber, nahm sie bei der Hand und führte sie mit sich fort.

Die Party war bereits seit ein paar Stunden im Gange. Die Gäste tanzten, tranken und flirteten, was das Zeug hielt. Diana bemerkte, wie sich Pärchen bildeten. Auf einem Sofa verführten zwei Herren, maskiert als Trump und Putin eine Dame mit einem Abbild von Angela Merkel. Ein Typ mit einer Jens Spahn Maske filmte die ganze Aktion. Hinter dem Wohnzimmer befand sich der berühmte Springbrunnen. Diana konnte sich noch sehr gut an seinen Inhalt erinnern: Fruchtbowle mit Zusätzen. Bei ihrem Besuch im letzten Jahr hatte sie einen Schluck davon getrunken, sich dann aber dazu entschlossen, doch besser beim Mineralwasser zu bleiben. Eines ihrer Prinzipien lautete: Immer schön nüchtern bleiben. Dann weißt du auch, was du tust. Damals hatte sich die Party prächtig entwickelt. Vor allem, als sie Guido kennenlernte, einen sehr angenehmen Zeitgenossen. Er war großzügig und zuvorkommend gewesen und sie hatte den Rest der Nacht mit ihm in einem Hotel verbracht. Viel von ihm hatte sie allerdings nicht in Erfahrung bringen können, nur das er verheiratet war. Danach hatten sie sich noch ein paar Mal getroffen, aber dann war die ganze Sache irgendwie eingeschlafen. Wie oftmals war es nur eine Bettgeschichte gewesen, nicht mehr und nicht weniger. Seitdem hatte es kein Fest mehr in dieser Größenordnung gegeben. Doch die Mund zu Mund Propaganda funktionierte bestens und nun hatte sich wieder eine frivole Menge zusammengefunden, um eine ausschweifende Party zu feiern.

Hoffentlich lerne ich wieder einen zahlungskräftigen Mann kennen, so wie diesen Guido im vergangenen Jahr“, dachte sie, während sie durch das Haus spazierte.

Der Gastgeber hatte überall Bildschirme aufgestellt, auf denen schmutzige Filme liefen, selbst draußen auf der Terrasse. Und selbstverständlich war auch der Fruchtbowlen-Springbrunnen wieder im Einsatz. Diana schaute sich um. Die meisten der Gäste standen bereits unter Alkoholeinfluss. Um eine gewisse Anonymität zu bewahren, trugen sie Masken. Dahinter konnte man sich so wunderschön verstecken, wenn man die Sau raus lassen wollte. Sie beobachtete das Verhalten der Party-Gäste. Manch einer befand sich bereits im fortgeschrittenen Stadium. Ein Kerl mit einer Piratenmaske starrte sie an. Diana ging schnell in ein anderes Zimmer, doch er schlich ihr nach und schnitt ihr den Weg ab. Er stand so dicht vor ihr, dass sie durch die Augenschlitze der Maske seine Augen sehen konnte. Sie waren hellblau und eiskalt. Ihr fröstelte. Schnell drehte sie sich um und hielt Ausschau nach jemandem mit dem sie sich unterhalten konnte, aber es gab niemanden, der so war wie Guido im vergangenen Jahr – Charmant, witzig und großzügig. Der unbekannte Pirat grinste sie durch seine Maske an. „Dich krieg ich noch“, flüsterte er und Diana lief es eiskalt den Rücken hinunter.

Gegen 23.00 Uhr war Diana die einzige, die noch ohne fremde Hilfe aufrecht stehen konnte. Alle anderen hatten kräftig einen sitzen. Ein Mann mit einer Affenmaske lag tief schnarchend unter einem antiken Holztisch. Seine Hose war verschwunden, dafür hatte jemand sein bestes Stück rot angemalt. Die meisten der kostbaren Kleinmöbel waren auf Seite geschoben worden. Überall standen halbvolle Gläser und Becher mit Fruchtbowle herum. Reste von Gebäck und Lachsschnittchen schmückten sich mit Konfetti und Luftschlangen. In den Salatschüsseln schwamm alles Mögliche, nur kein Salat. Es sah aus wie flüssige Pizza. Diana suchte weiter nach einem geeigneten Kandidaten, aber es wollte sich keiner finden lassen. Entweder waren die Typen betrunken und vulgär, oder aber bereits mit einer anderen Dame zugange.

So wie die Dinge jetzt liegen, wird es heute wohl nichts werden, mit einem guten Verdienst“, dachte Diana und fand, dass der richtige Zeitpunkt gekommen war, um sich unbeobachtet aus dem Haus zu schleichen. Sie erinnerte sich an die beiden schmalen Türen, die dicht nebeneinander lagen und von denen eine hinaus auf die Terrasse führte. Sie tat genau zwei Schritte in besagte Richtung, als sich von hinten ein gewaltiges Gewicht auf sie senkte. Hastig drehte sie sich um und stellte fest, dass ein übergewichtiger Bursche mit einem Löwenkopf versuchte, sich um ihren Rücken zu schlingen. 

Hi“, sagte er dazu und drückte sie fest an sich. „Isch bin de Leo.“

Diana hatte alle Mühe ihn abzuschütteln. „Ich wollte gerade gehen, trinken Sie doch noch einen“, sagte sie, um ihn loszuwerden.

Leo rülpste. „Isch will nischs su drinken“, lallte er. „Nur ma so Hallo sagen. Du bisssu süß. D…das wollte ich dir nua sagen.“

Vielen Dank“, erwiderte Diana, während sie weiterhin versuchte, den Löwen loszuwerden. Der war jetzt gerade dabei ihren Hals mit seinen Händen zu umklammern, was nicht gerade angenehm war. „Ich glaube, du brauchst dringend etwas frische Luft, Leo“, krächzte sie, in der Hoffnung, dass er verstand und dahin verschwand, woher er gekommen war. Tat er aber nicht, sondern klammerte sich noch fester an sie, während sie panisch versuchte, nach hinten auszubrechen. Durch den Mundschlitz sah sie seine labbernde Zunge, die sich leicht nach außen schob, während er sie rückwärts auf die Veranda drückte. Ein eng umschlungenes Paar stand in der hinteren Ecke, fest an das schmiedeeiserne Geländer gepresst. Eine Frau mit einer Vampirmaske kicherte und ließ ihre Hand im Hosenschlitz des Mannes verschwinden. Danach zog sie ihn mit sich in die Dunkelheit des anliegenden Gartens. Dort verwandelte sich der Klang des Kicherns allmählich zu einem Laut des Schleckens -und Stöhnens.

Willst du dich nicht setzen?“, schlug Diana hoffnungsvoll vor.

Nein“, sagte Leo und zog sie zu sich hinunter, mit einer Kraft, die ungefähr dem doppelten ihres Gewichts zu entsprechen schien.

Isch will mit dir bumsen.“

Äh nun…“, wollte sie gerade angesichts seiner geballten Unverschämtheit erwidern, da sackte er plötzlich in sich zusammen, und seine Arme rutschten von ihrem Hals. Der Alkohol hatte ihm den Rest verpasst. „Gott sei Dank!“

Sie versuchte erst gar nicht, ihn aufzufangen und vor einem Sturz zu bewahren. Erleichtert lehnte sie sich gegen das Geländer und atmete tief durch. Die Luft war klar und sauber, und es war immer noch warm hier draußen und allemal angenehmer, als in der gerammelt vollen Bude, mit dem Gestank nach Zigaretten, Schweiß und Alkohol. Das war es wirklich nicht, was sie gesucht hatte. Einen zahlungskräftigen Verehrer, warum nicht, aber bei den vielen Schnapsleichen da drinnen, konnte man noch nicht einmal eine vernünftige Unterhaltung führen. Außerdem hatte jemand diese riesigen Lautsprecher aufgestellt, aus denen laute Discobeats dröhnten und jegliche Konversation von vorne herein unmöglich machten. Und dafür habe ich mich extra in Schale geworfen, dachte sie, strich über ihren hautengen Hosenanzug und überlegte, was sie stattdessen noch unternehmen konnte.

Frage 1 : In diesem Teil ist von einem Kennwort die Rede. Habt Ihr bessere Vorschläge als „Adel verpflichtet“, oder soll es so bleiben?

Frage 2: Passen Maskenbilder von Politikern in diese Geschichte? Macht mir andere Vorschläge.

Frage 3: Möchtet Ihr etwas an dem Text ändern? Wünsche, Kritik, Lob?




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