Kolumne: Büchernachschub für die Kinder - (k)ein leichtes Unterfangen

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muchobooklove

vor 4 Jahren

Kinderbuch-Kolumne August 2013 von Nina:

Kinder in der Buchhandlung - Gern gesehene Kunden?

Liebe Buchhändler,

Ich bin Mutter einer leseverrückten 10-Jährigen, der es nicht immer leichtfällt, zeitnah für Lesenachschub zu sorgen. Obwohl der nächste Buchladen nur einige Meter entfernt ist und ich mich dort zu den Stammkunden zähle, ist der dortige Besuch mit Kind oft eine Herausforderung. Meine Tochter ist eine sehr eigenwillige und kritische Leserin, die sich nicht scheut, eine Buchempfehlung rigoros abzulehnen. Wenn sie mal wieder auf der Suche nach einem neuen Buch ist, kann sie jedoch genau sagen, was sie von ihrem zukünftigen Schmöker erwartet. Sie erntet jedoch nur ratlose Blicke der Buchhändler und bekommt immer wieder (!!!) dieselben Empfehlungen. Völlig vorbei an dem Genre, welches für sie interessant ist. Nachdem sie beispielsweise Bücher wie „Warrior Cats“ und „Percy Jackson“ verschlungen hat, empfiehlt man ihr nun die „Die drei Ausrufezeichen“ oder auch "Vier zauberhafte Schwestern". Ihr Einwand, dass sie diese Bücher in nur wenigen Stunden gelesen hat, bzw. ihr der Klappentext nicht zusagt, werden rigoros ignoriert und das Beratungsgespräch ist beendet. Ist es wirklich so schwierig sich auf ein Gespräch mit einem Kind einzulassen, das genau weiß, was es möchte? Ich habe vollstes Verständnis dafür, wenn sich Buchhändler scheuen, Geschichten an Kinder zu verkaufen, die das empfohlene Lesealter noch nicht erreicht haben. Aber ist dies Grund genug, ein Gespräch einfach abzubrechen? Was kann ich als Mutter tun, um die Beratung zu erleichtern? Abgesehen davon, dass ich jedes Mal erneut anbiete, das Buch vor meiner Tochter zu lesen!

Auch die Frage nach Leseproben wird mit einem Schulterzucken und dem Satz: "Du weißt doch, wo die stehen" beantwortet. Ja, sicherlich wissen wir, wo die Leseproben zu finden sind, aber die sind so veraltet, das sie bereits Staub angesetzt haben. Liebe Buchhändler, Kinder- und Jugendbücher sind sicherlich eine Investition wert, aber ist es nicht möglich, die zukünftigen Leser mit Leseproben zu versorgen, damit sie besser einordnen können, ob ihnen das Buch gefallen könnte? Muss man immer und wieder viel Geld auf den Tisch legen, damit die Bücher anschließend ungelesen im Regal stehen? Sicherlich nicht! Das ist ein Problem der Verlage, was einen dazu zwingt, für Informationen auf das Onlineangebot zurückzugreifen, ob man will oder nicht. Es ist für uns Erwachsenen schon schwer genug uns im Dschungel der Neuerscheinungen zurechtzufinden, aber wie sollen Kinder den Überblick behalten? Zumal es auch nicht gerne gesehen wird, wenn Kinder in ein Buch reinlesen. Denn sind das nicht genau die Kunden, denen eisverschmierte Finger nachgesagt werden? Kunden, die nicht wissen, wie man sorgsam mit Büchern umgeht? Sicherlich gibt es Kinder die Bücher nicht zu schätzen wissen, aber als langjährige Kunden einer Dorfbuchhandlung setze ich voraus, das nicht nur ich mit einem freudigen Hallo empfangen werde, sondern auch mein Kind.

Doch auch die Beratung in den großen Buchhandelsketten lässt zu wünschen übrig. Zwar findet man dort eine riesige Auswahl an Kindern- Jugendbüchern, jedoch bedeutet dies eine immer größer werdende Herausforderung. Wo sind die Mitarbeiter, die sich auf Kinder- und Jugendbücher spezialisiert haben? Denn dort ernten wir nur ein Schulterzucken, aber keinerlei Buchempfehlungen.

Liebe Buchhändler, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es nicht immer leicht ist, auf Kinderwünsche einzugehen, aber wer, wenn nicht ihr, kennt sich im Bücherdschungel besser aus? Hört den Kindern zu und helft ihnen, gemeinsam mit den Eltern, die Welt der Bücher zu erobern. Es gibt keinen Grund, Bücher von Autoren wie Kai Meyer, Derek Landy, Cornelia Funke und Co vor Kindern zu verstecken. Und wenn Euch nicht wohl dabei ist, Buchempfehlungen auszusprechen, weil die Kinder eventuell noch zu jung sein könnten, dann bezieht die Eltern mit ein! Versorgt die Kinder mit Leseproben, statt mit Süßigkeiten, und gebt ihnen das Gefühl, ernst genommen zu werden. Schickt sie nicht mit einem: "Dann weiß ich es auch nicht" wieder nach hause, denn dann müssen wir uns nicht wundern, dass Kinder lieber Nintendo spielen, statt zu lesen. Nehmt die Kinder an die Hand und ermutigt sie, in andere (fremde) Welten einzutauchen. Sie werden es Euch danken!

Was wünscht ihr euch von den Buchhändlern? Wie findet ihr interessanten Büchernachschub für eure Kids?

Smilla507

vor 4 Jahren

Uh, ich bin die Erste! :) Das Thema finde ich super! Und ich muss sagen, ich schreibe jetzt eher aus der Sicht der Buchhändlerin. Ich habe über 10 Jahre lang eine Kinder- und Jugendbuchabteilung geleitet, mit viel Freude. So, wie Nina geschrieben hat, vermute ich, dass sich die beratenden Buchhändler nicht so sehr mit den Inhalten auseinander gesetzt haben. Natürlich kann man nicht alles lesen, aber ich hab mir fast immer alle Klappentexte durch gelesen, durch geblättert und mir in Gedanken vermerkt, für welche Zielgruppe das Buch ist. Und ich habe sehr, sehr viele Kinderbücher gelesen, 10 Jahre fast nichts anderes. Dadurch bekam ich viele grosse und kleine Stammkunden, die mich fragten: "Gibt's was Neues?" Das fand ich richtig toll und hat mir grossen Spass gemacht, vor allem, wenn meine kleinen Kunden mit einem grossen Stapel Bücher an die Kasse gegangen sind. :D Nun arbeite ich ja seit 2,5 Jahren nicht mehr und was ich so fest gestellt habe ist, dass sich eine gewissen Lethargie im Buchhandel breit gemacht hat. Ich finde das so traurig! Irgendwie spiegelt das der Blogbeitrag auch wider. Als ich noch arbeitete hab ich ständig versucht meinen Kollegen und der Unternehmensleitung zu vermitteln: Kinder sind die Kunden von morgen! Aber leider bin ich auf taube Ohren gestossen. Stattdessen werden die Bücher von Lego und anderem Merchandise verdrängt. :(

Bin gespannt, was die anderen so schreiben! :)

hauptsachebunt

vor 4 Jahren

@Smilla507

Vielen lieben Dank für Deine Meinung! Vor allem aus der Sicht einer Buchhändlerin, ist es für mich sehr interessant zu lesen. Traurig finde ich allerdings, dass Du es ähnlich siehst. Man hofft ja doch immer, dass man vielleicht einfach nur an die falsche Buchhandlung geraten ist. Ich glaube, wenn es mehr von Deiner "Sorte" geben würde, hätten wir das Problem wohl nicht. :-)
Mir wurde heute morgen, auf Twitter, nahegelegt, die Leseproben einfach auf den eReader zu laden. Ich war ein bisschen schockiert, wobei traurig trifft es besser, dass manche die Beratung und den Austausch anscheinend gar nicht vermissen. Prinzipiell ist die Idee nicht verkehrt, aber wofür brauchen wir dann noch den Buchladen vor Ort?

Ich erwarte auch gar nicht, dass jedes Buch gelesen werden muss, denn das ist wirklich unmöglich, aber es fehlt eben doch die Euphorie, oder einfach die Liebe zu den Büchern.

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sophieryckert

vor 4 Jahren

Diese Probleme tauchen nicht nur in Buchläden auf, sondern überall (welche Mutter kennt ähnliches z.B. nicht aus Restaurants, etc?). In unserer Gesellschaft haben Kinder einen immer geringeren Stellenwert. Auf ihre Bedürfnisse wird selten Rücksicht genommen ...

Normal-ist-langweilig

vor 4 Jahren

Eine tolle Diskussion!
Ich muss gestehen, dass ich meine Bücher immer persönlich einkaufen gehe, da mir die geschickten Bücher über Internet oft irgendwelche Schäden haben und das hasse ich. Meine Bücher, die ich kaufe, müssen "makellos" sein :-). Wir haben Gott sei Dank eine tolle Buchhandlung in Bodenheim und eine in Mainz-Gonsenheim (Nimmerland), die sogar mit dem Kinderbuchhandlungspreis ausgezeichnet wurde. ABER: Daran, dass man schon einen Preis für besondere Verdienste bei den Kinder- und Jugendbüchern verleiht, sieht man schon, wie wenig dieses Thema von den großen Buchhandlungen berücksichtigt wird.
Wie oft habe ich schon verzweifelten Paten/Großeltern bei Hugendubel "geholfen", ein passenden Buch zu finden, da die "Informationsdamen" entweder keine Zeit oder keine Ahnung hatten????
Jedoch sind auch wir zusätzlich Stammbesucher der Bücherei, die seit 2 Jahren mächtig aufrüsten. Vor allem für so Reihen-Kinder-Bücher, die in einer halben Stunde ausgelesen sind, ist das sehr nützlich!

his_and_her_books

vor 4 Jahren

Also ich habe es in unserer Buchhandlung komplett aufgegeben. Bei uns sieht es ja aus wie bei dir, unser Großer ist 8 und hat die Percys, Helden des Olymps, Kane-Chroniken, Warrior Cats durch und kriegt ebenfalls "Erstleserbücher" empfohlen.

Ich halte mich da an die Bloggermeinungen. Wenn ich eine Rezi entdecke, die in seinen Lesebereich passt, frage ich den/die BloggerIn, wie es in Sachen Brutalität und "Grusel" aussieht und probiere es dann je nach Antwort.

Lg
Steffi

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 4 Jahren

@his_and_her_books

Warrior Cats und co? Dann kann ich dir noch "Die Legende der Wächter" empfehlen. Ist aber in Deutschjland noch nicht abgeschlossen. Hier sind die ersten 10 draußen, der 11. Band kommt im Oktober.

Monalisa73

vor 4 Jahren

Ich möchte mich auch noch in eure Diskusion einbringen. In den Buchhandlungen geht es mir wie euch. Man bekommt kaum Beratung.
Allerdings hatte ich das Glück kurz nach dem meine Tochter geboren war, mit einer netten Dame in Kontakt zu kommen, die für einen Verlag im Außendienst tätig war. Sie rief mich ein-bis-zwei Mal im Jahr an und erzählte mir die neusten Kinderbücher die in das Alter meiner Tochter passten. Als meine Tochter drei Jahre alt wurde, empfahl sie mir die Conny Bücher. Ich kaufte eines und noch eines und mittlerweile haben wir alle stehen. Inzwischen liest meine Tochter die Bücher selbst, da sie 11 Jahre alt ist.
Auch Pferdebücher kann ich immer kaufen. Eine Zeit waren es Feenbücher. Oft kam ihr Wunsch dadurch, dass ein anderes Kind davon erzählte oder sie ein Buch zum Geburtstag geschenkt bekam.
Seit ich jedoch bei euch auf der super tollen Internetseite bin, auf die mich eine Freundin aufmerksam machte, hole ich mir hier Anregungen.
Außerdem sind wir auch ständig in der Bibliothek, die sich sehr auf Kinder eingerichtet haben. Sie verantstalten in den Sommerferien extra einen Leseclub, um mehr Kinder zum Bücher lesen zu animieren. Meine Tochter machte schon das zweite Mal mit und findet die tollsten Bücher dabei. Manche hat sie an einem Tag durchgelesen. Wir haben ein ganz tolle Bibliothekarin, sie hat auch in der Ganztagsschule eine AG Leseclub, in die ist meine Tochter nun auch gegangen.

sarah_westermann

vor 4 Jahren

Also ich kann die Verärgerung gut nachvollziehen. Aber ich als Bloggerin habe es mir zum Ziel gemacht, jede Frage zu beantworten... so auch die Bitten meiner Leser um Buchempfehlungen. Hierbei gehe ich nicht nur nach dem Alter sondern vorallem nach dem "Lesegeschmack" des Einzelnen. Natürlich kann ich mir gut vorstellen, dass Buchhändler dazu angehalten werden, Kindern nur ihrem Alter entsprechende Literatur zu empfehlen, aber ich finde man kann's auch übertreiben.

crimess

vor 4 Jahren

Hallo, auch ich kann aus sicht einer Leseratte nur zustimmen, in vielen Buchhandlungen wird auf Beratung wenig wert gelegt, und gerade bei Kinderbüchern kennen sich die wenigsten richtig aus. Bestseller ind diesen Bereichen, wie "Warrior Cats und co" weis jeder zu empfehlen, aber wdarüber hinaus scheitert es dann schon oft an Sachkenntnis. Leider!! Als Buchhändlerin gehe ich natürlich auch mal bei der "Konkurrenz " schmökern, und lasse mich auch da gerne mal beraten, aus reiner Neugierde wie ich zugeben muss.
Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass man in kleineren Buchhandlungen oft besser beraten ist, und auch bei uns gilt schon der hohe Anspruch an die Kinderliteratur. Ehrlich gesagt, ist man das ein oder andere Mal sogar froh, wenn die Kinder genaue vorstellungen haben, was sie lesen möchten. Schlimmer finde ich es wenn selbige die "keine-Ahnung" -Haltung an den Tag legen und für nichts zu begeistern sind.

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