Leserpreis 2018
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Julia_Storm

vor 4 Monaten

„Hast du schon von den Drachen gehört?“ 
Asulon schüttelte wahrheitsgemäß den Kopf. Die Anora deutete auf den weißen Steindrachen, der erstarrt auf sie herunterblicke. Seinen Mund aufgerissen, eine stumme Drohung herausschreiend. 
„Die Drachen sind wahrscheinlich so alt wie die Welt selbst, und das macht sie nebst den Karadis und den Einhörnern zu den ältesten Wesen, die wir kennen. Dank ihnen können wir überhaupt Magie anwenden. Denn es waren die Drachen, die uns Anoraen die Sprache der Natur lehrten. Sie lehrten uns, auf die Energie um uns einzugehen. Etwas, das sie schon immer konnten, ohne es jemals gelernt haben zu müssen.“ Meisterin Pirda sah zum Drachen hoch, als wenn er ein alter Freund von ihr wäre. 
„Ich habe gedacht, Drachen seien furchteinflößende Monster gewesen“, ertappte sich Asulon und sah auf die scharfen Krallen des Tieres. Auch die spitzen Zähne sprachen für sich. 
„Nun, sie sind furchteinflößende Bestien. Und es gilt, sie erst zu zähmen. Den sonst endet man schnell als Frühstück.“ Die Anora lächelte verschmitzt. 
„Das Bändigen der ersten Drachen führt weit in die Geschichte der Anoraen zurück. Aber diese Geschichte gehört jetzt nicht hierher. Bestimmt werdet ihr eines Tages mehr über die Drachen und deren Geschichte hören oder lesen.“ Sie schaute den Steindrachen an, dessen großer Flügel einen sanften Schatten auf sie warf. 
„Sind Drachen wirklich so groß?“, wollte nun Jagrid von ihr wissen. 
Die Meisterin nickte. „Ja, das können sie sein. Je älter ein Drache, desto größer wird er. Da kann es schon einmal vorkommen, dass er so groß wird.“ Sie deutete auf den bedrohlichen Koloss. 
Beeindruckt musterte Jagrid die Statue. „Aber Drachen sind ausgestorben. Oder? Ich hab zumindest noch nie einen gesehen“, bohrte er weiter. 
Die Anora bedeutete sie mit einer scheuchenden Handbewegung, die Halle zu verlassen. Als sie die Brücke betraten, meinte sie schließlich: „Nur, weil sie nicht gesichtet werden, heißt es nicht, dass sie nicht mehr existieren. Hast du vor mir jemals eine andere Anora angetroffen?“ Jagrid schüttelte betroffen den Kopf. 
„Na also. Da siehst du es. Das Volk der Anoraen lebt. Verborgen vor Menschenaugen, und so tun es auch die Drachen. Diese majestätischen Wesen wurden von den Menschen gejagt und getötet. Und so zogen sie sich zurück.“ 
Die drei horchten gebannt auf ihre Erklärung. „Aber wenn Drachen doch so groß und gefährlich sind, wie gelang es dann den Menschen, sie zu töten? Drachen waren da wohl eher eine Gefahr für uns“, schaltete sich nun auch Valienne ins Gespräch ein. 
Meisterin Pirda sah sie kurz an. „Menschen sind erfinderisch. Sie fanden Schwachpunkte und griffen dort an. Natürlich starben im Kampf gegen einen Drachen immer auch Menschen. Aber die menschliche Spezies pflanzt sich schneller fort als die Drachen, und daher ist ein Verlust eines Menschen weniger bedeutend als der eines Drachen. Versteht ihr?“ 
Valienne nickte langsam. Und schließlich kehrte Schweigen in ihren Reihen ein. Gerne hätte Asulon einmal einen lebendigen Drachen gesehen. Aber wohin diese Kreaturen verschwunden waren, hatte Meisterin Pirda nicht erwähnt. Wahrscheinlich konnte sie es auch nicht sagen. Sie war wohl eine Anora, aber wissen konnte sie auch nicht alles. 

Autor: Julia Storm
Buch: Forbidden Spells
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