Mitmachkrimi "Abgründe" Kapitel 22

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petersplitt

vor 5 Monaten

Hallo, Ihr Lieben:

Heute lernen wir Ralf Blasius kennen. Er arbeitet bei einem windigen Versicherungsunternehmen und fällt ebenfalls dem unbekannten Psychopathen zum Opfer.....hier kommt das Kapitel 22 unseres Mitmachkrimis „Abgründe“.

Viel Spaß beim Lesen....


ZWEIUNDZWANZIGSTES KAPITEL

Ralf Blasius war alles andere als zufrieden mit seinem Beruf. Das war allerdings nicht immer so gewesen. Es hatte eine Zeit gegeben, da hatte er ihn über alles geliebt, damals als er die neu gegründete Abteilung in einem namhaften Versicherungskonzern übernommen hatte. Aber dann musste eine Tochtergesellschaft Konkurs anmelden und nun drohte die ganze Gesellschaft in sich zusammenzustürzen, wie das so oft erwähnte Kartenhaus. Überall musste der Rotstift angesetzt werden und alles wurde in Frage gestellt, überprüft und gekürzt. Das galt vor allem den Leistungen für die Versicherungsnehmer. Er selbst hatte eine Arbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen, die sich speziell mit den Kranken,–und Lebensversicherungen beschäftigte. Die Aufgabe des Teams bestand einzig und allein darin, sämtliche Versicherungspolicen auf winzig kleine Ungereimtheiten zu überprüfen. Aufgrund dessen würde dann der Konzern versuchen, die jeweiligen Ansprüche der Versicherungsnehmer abzulehnen. Und diese Maßnahme stellte sich als äußerst erfolgreich heraus, wurden doch den meisten bedürftigen Kranken lebenserhaltende Medikamente oder alternative Behandlungsmethoden verwehrt. Wie viele seiner Kunden er dadurch bereits in den Tod geschickt hatte, wusste er nicht. Das Ganze hatte sich zu einem verflixten Kreislauf entwickelt, aus dem es kein Entrinnen gab. Er saß in seinem Büro und verglich einige Unterlagen miteinander. Ein besonders hartnäckiger Kunde hatte damit gedroht, die Versicherungsgesellschaft zu verklagen, sollte er nicht doch noch ein Hintertürchen finden und das gab es fast immer. Plötzlich klingelte sein Telefon. Der Apparat klingelte unaufhörlich, aber das penetrante Geräusch störte ihn nicht. Er hatte den Anruf erwartet.

Haben Sie die Sache im Griff Ralf?“

Kalte Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn, aber er wischte sie sogleich mit dem Handrücken trocken.

Ich bin noch dabei die Unterlagen durchzugehen Boss. Mir scheint, wir haben da ein kleines Problem.“

Ist das so? Aber Sie wissen doch, dass ich keine Probleme schätze!“

Sicher Boss, es ist aber nun leider einmal so, dass der Kunde seinen Vertrag noch zu den alten Bedingungen abgeschlossen hat. Da kommen wir nicht so leicht raus. Ich werde noch ein wenig mehr Zeit benötigen.“

Zwei Tage Ralf, mehr Zeit gibt es nicht.“

Aber das ist verdammt knapp. Ich muss noch einen Haufen Vergleichsfälle durcharbeiten.“

Mehr Zeit ist leider nicht drin, denken sie an ihren Posten. Die Konkurrenz ist groß und falls wir den Prozess verlieren sollten,…nun sie wissen was das bedeutet…?“

Blasius bemerkte, wie seine Hände zitterten.

Ist schon gut Boss. Ich arbeite einfach die Nacht durch. Dann werde ich schon einen Kniff finden, um alles zu ihrer Zufriedenheit erledigen zu können.“

Das möchte ich ihnen auch raten. Ich verlasse mich auf Sie Ralf! Zwei Tage und dabei bleibt es“, wiederholte der Anrufer, bevor er auflegte. Blasius öffnete die Tür und schaute vorsichtig auf den Gang. Da war niemand. Seine Vorsichtsmaßnahme war eigentlich überflüssig. Wer schon außer Irma, der ukrainischen Putzfrau, würde zu dieser Zeit noch im Hause sein?“ Er ging zurück an seinen Schreibtisch und griff nach der Flasche, die in der untersten Schublade lag. Gerade als er sich einen eingeschenkt hatte, klopfte es an seine Bürotür. Blasius zuckte zusammen. Mit einer viel zu heftigen Bewegung fuhr er herum. Dabei stieß er unglücklicherweise an sein Cognacglas, welches gut gefüllt auf seinem Schreibtisch stand. Peng! Das Glas zersplitterte in tausend Teile, als es auf den Boden fiel. Verfluchte Scheiße! Sein Herz pochte schneller. Er musste sich beherrschen, um nicht mit der gleichen unkontrollierten Hast zur Tür zu springen und sie aufzureißen. Seine Nerven lagen blank. So weit war es also schon mit ihm gekommen. Mit einer spürbaren Anstrengung zwang er sich zur Ruhe, wischte die honigfarbige Flüssigkeit vom Fußboden auf und ließ noch einmal etliche Sekunden verstreichen, ehe er die Tür öffnete. Vor ihm stand Irma, die Putzhilfe aus der Ukraine.

Ich hoffe nicht stören“, sagte sie.

Blasius lachte, als er das ukrainisch-deutsche Kauderwelsch hörte und merkte wie die Anspannung langsam von ihm abließ.

Möchten Sie eine Tasse Kaffee, Herr Blasius?“ fragte Irma. „Ist beste Kaffee aus de Türkei. Und dazu, wie sagt man noch? Küchen aus meine Heimatland.“

Küchen? fragte er. „Ach so, Sie meinen sicher Kuchen. Sehr gerne Irma.“

Er war froh über die unverhoffte Ablenkung. Der Anruf seines Chefs hatte ihm doch einigermaßen zugesetzt. Irma stellte die Isolierkanne auf den Arbeitstisch. „Dazu gibt es noch einen Teller Küchen mit Nüsse“, sagte sie verheißungsvoll. Aber in einem Punkt hatte er sich geirrt. Es war nicht nur ein Becher sondern zwei, die sie dazustellte.

Es arbeitet sich einfach viel leichter nach einer guten Tasse Kaffee und Sie immer so viele Überstunden machen...“

Danke, das ist sehr freundlich von Ihnen Irma.“

Sie lächelte für einen Moment und wollte noch etwas sagen, als sich die Tür hinter ihr bewegte. Sie hatte sie nach dem hereinkommen nicht geschlossen und nun schwang sie wie von Geisterhand ein kleines Stückchen weiter auf. Während Irma sich wunderte, wer da noch außerhalb der Dienstzeit im Haus herumgeisterte, schlich eine schneeweiße, zierliche Katze in den Raum. Außer Irma war sie das einzige lebende Wesen, das Blasius zu dieser Zeit besuchte. Selbstverständlich waren Haustiere im Büro strengstens verboten. Das Tier trug eine abgebissene Maus zwischen den Zähnen und ließ den Kadaver vor Blasius auf den Boden fallen.

Aber Aphrodite!“, sagte er erstaunt. „Du weißt doch, dass ich keine Mäuse mag und am wenigsten in meinem Büro! Nicht einmal für Versuchszwecke, wenn das hier ein Laboratorium wäre und du schleppst sie mir regelmäßig an!“

Irma klammerte sich an die Lehne des Holzstuhls. Ihr Gesicht war kreidebleich geworden.

Ist ja schon gut.“ Blasius lachte und griff gleichzeitig nach dem kleinen Handfeger, den er immer parat hatte, für den Fall, dass ihm selbst etwas auf den Boden fiel. Die Maushälfte verschwand sofort im Mülleimer und Aphrodite bekam einen kleinen Klaps auf den Katzenrücken, den sie sofort mit einem Miauen beantwortete. Zunächst machte sie einen Buckel dann jedoch ging sie demonstrativ vor ihm in Stellung und leckte sich die Pfoten. Wie kann man nur einen solchen Leckerbissen einfach auf den Müll werfen?

Blasius streckte die Hand nach der Katze aus und Aphrodite kam sofort zu ihm, rieb sich an seiner Wade und schnurrte, was Irma zu einem nachdenklichen Stirnrunzeln veranlasste. Nachdem ein Augenblick vergangen war, riss sie sich fast gewaltsam von dem Anblick los und wandte sich wieder ihrem Kaffeebecher zu. Sie wirkte verunsichert und Blasius spürte, dass sie wahrscheinlich keine Katzen und noch weniger Mäuse mochte.

Mm, der ist aber gut, ihr Kuchen, nochmals vielen Dank. Das ist wirklich sehr freundlich von Ihnen.“, sagte er. Irma strahlte ihn an, schwieg aber weiterhin beharrlich. Sie wusste nicht mehr was sie tun sollte. Eigentlich sollte sie aufstehen und gehen, -und Blasius seine Arbeit tun lassen, aber irgendetwas hinderte sie daran. War es Neugierde oder echte Sympathie? Wie dem auch sei, es war Aphrodite, die ihr die Entscheidung abnahm. Bisher hatte sie ihren zierlichen Körper an Ralfs Wade gerieben, aber nun löste sie sich von ihm, drehte sich um und schlich zielstrebend auf die Ukrainerin zu. Dabei legte sie die Ohren an, machte einen Buckel und ähnelte damit einem Raubtier, welches seine Beute angreifen wollte. Dazu verwandelte sich ihr sanftes Schurren in ein Geräusch, das eher zu einem großen Hund gepasst hätte. Irma zuckte zusammen.

Aphrodite, jetzt ist aber Schluss!“, schimpfte Blasius. Die Katze reagierte nicht auf seine Stimme, wie sie es sonst für gewöhnlich tat. Stattdessen machte sie einen Satz und landete genau auf Irmas Füßen. Die Ukrainerin gab einen quietschenden Laut von sich und schob eine Hand vor ihren Mund, um einen lauten Schrei zu unterdrücken. Ihr Gesicht hatte jegliche Farbe verloren. Mit einer fast simultanen Bewegung sprang sie vom Stuhl auf und griff nach der Thermosflasche.

Katze nix gut“, sagte sie zornig. „Ist böse Katze.“ Ihre Augen funkelten. Blasius musste an sich halten, um nicht laut loszulachen.

Ich nix mehr herkommen, wenn Katze ist da“, sagte Irma. Sie packte den kleinen Rollwagen, auf dem sie für gewöhnlich ihre Reinigungsutensilien durch das Gebäude fuhr, stellte Tassen, Teller und Isolierkanne darauf und verschwand aus seinem Büro noch ehe er etwas zur Widergutmachung hätte beitragen können. Stattdessen beugte er sich hinunter zu Aphrodite. Die tat so, als könne sie kein Wässerchen trüben, setzte sich wieder vor ihn hin und fing an zu schnurren.

Eifersüchtiges Viech! Ihr Frauen seid doch wirklich alle gleich. Als ob du einen Anspruch auf mich hättest. Irma ist doch ganz nett. Und sexy ist sie auch. Musstest du mir denn ausgerechnet den einzigen Lichtblick vergraulen, den mir diese Räumlichkeiten hier noch bieten?“

Als Antwort rieb Aphrodite wieder ihren schlanken Körper an seiner Wade. Ihr Schnurren wirkte jetzt noch lauter. Sie schien mit sich und der Welt zufrieden zu sein, ganz im Gegenteil zu Ralf Blasius. Und trotzdem hatte er für einen kurzen Moment diesen verdammten Versicherungsfall vergessen. Es war bereits weit nach Mitternacht, als er sein Büro verließ. Auch wenn er dem Boss versprochen hatte durchzuarbeiten, die ganze Nacht wollte er dann doch nicht in seinem Büro verbringen. Er passierte das Pförtnerhäuschen und grüßte freundlich, doch niemand antwortet ihm. Anscheinend machte der Pförtner gerade einen Rundgang.

Sein Auto war das einzige Fahrzeug, das noch auf dem Firmenparkplatz stand. Den grauen Geländewagen, der in gebürtigem Abstand auf ihn wartete sah er nicht. Er hatte gerade die Fahrertür aufgeschlossen und wollte sich in seinen Wagen setzen, als sich von hinten etwas Weiches auf sein Gesicht drückte.

Was soll denn das…?“ wollte er fragen, doch der süßliche Geruch, der in seine Atemwege drang, lenkte ihn ab. Kurz darauf verlor er das Bewusstsein. Er merkte nicht, wie ihn jemand auf die Rückbank eines grauen Geländewagens zog und wegbrachte. Er merkte auch nicht, wie ihn sein Kidnapper zu einer bunkerähnlichen Anlage schleppte und in eine Zelle steckte.

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