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Mitmachkrimi "Abrgünde" Kapitel 21

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petersplitt

vor 6 Monaten

Hallo, Ihr Lieben: Weiter geht’s! Hier kommt das Kapitel 21 unseres Mitmachkrimis „Abgründe“. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende und viel Spaß beim Lesen...



EINUNDZWANZIGSTES KAPITEL

Julia war in ihrem Büro, als das Telefon klingelte. „Morddezernat Brück“, meldete sie sich. Am anderen Ende der Leitung begrüßte sie eine wohlbekannte Stimme. „Hallo Julia, ich hoffe ich störe nicht?“

Mensch Bernadette, gut dass du anrufst. Ich habe gerade noch an dich denken müssen. Ist alles in Ordnung?“

Ja und nein Julia. Die Nachricht ist wieder aufgetaucht!“

Was denn für eine Nachricht?“

Na die in dem Briefumschlag, du weißt schon, den mir jemand unter die Zimmertür geschoben hatte.... Da war doch diese merkwürdige Nachricht drin...“

In der du aufgefordert wurdest Köln zu verlassen?“

Genau die meine ich!“

Mit einem Mal war Julia hellwach. „Das gibt es nicht! Wie bist du denn daran gekommen?“

Der Pfarrer hat sie gefunden.“

Wie bitte?“

Ja, Pfarrer Vödisch von der Herrmann-Joseph Kirche in Dünnwald. Er hat mich heute Morgen angerufen und mir von dem mysteriösen Fund erzählt. Daraufhin bin ich zu ihm gefahren und habe nachgesehen, um was es ging. Es war der verschwundene Umschlag mit eben dieser Nachricht.“

Ich glaube ich werde langsam verrückt. Kannst du mir Umschlag und Nachricht vorbeibringen?“

Ins Präsidium?“

Ja sicher. Ich möchte, dass Balzer sie auf Spuren untersucht.“

Meinst du, das hat noch Zweck? Mittlerweile dürften sich eine ganze Reihe von Fingerabdrücken darauf befinden.“

Trotzdem Bernadette, das ist Routinearbeit und dadurch geben wir dem ganzen einen offiziellen Anstrich.““

Ich bin schon Unterwegs, Frau Kriminalrätin!“

Julia grinste, als Bernadette aufgelegt hatte. Wenigstens schien sie sich ihren Humor zu bewahren. Es dauerte fast eine Stunde, bis Bernadette in ihrem Büro auftauchte. In ihren Händen hielt sie den mysteriösen Briefumschlag.

Das ist er also“, sagte Julia, wohlwissend, dass sie sich auf sehr dünnem Eis bewegte, denn eigentlich hätte sie sofort ihren Vorgesetzten informieren müssen. Doch sie wollte zeigen, was sie konnte und Gereon möglichst ein fertiges Ergebnis präsentieren. Außerdem hatte der mit dem toten Anwalt alle Hände voll zu tun. Aber wie es der Zufall manchmal so will, gerade als sie Bernadette einen Platz anbieten wollte, steckte Gereon den Kopf durch die Bürotür.

Hallo Julia, ich muss dich mal kurz sprechen? Oh, da ist ja noch jemand!“ Erst jetzt schien er Bernadettes Anwesenheit zu bemerken, denn er lehnte sich lässig gegen die Wand und verschränkte die Hände hinter seinem Kopf.

Frau Meyfarth! Dies ist ein Polizeirevier und wir haben mächtig viel zu tun. Ich glaube, wir sollten aufhören, uns so oft zu sehen!“

Bernadette bemühte sich zu lächeln. Sie wusste, das Gereon sie am liebsten in eine Arrestzelle sperren würde. Sie spürte förmlich, wie es in ihm brodelte, auch wenn er sich nach außen hin noch so gelassen gab.

Es tut mir wirklich sehr leid, wenn Sie meine Besuche belästigen“, erwiderte sie. Es sollte irgendwie versöhnlich klingen, tat es aber nicht, denn Gereon polterte sofort wieder los.

Und was ist heute der Grund für Ihre Anwesenheit, Frau Meyfarth?“

Sie wollte mir nur etwas vorbeibringen Gerd“, sagte Julia beschwichtigend.

So, was denn?“ fragte Gereon barsch.

Einen Briefumschlag, besser gesagt den Briefumschlag! Du erinnerst dich an die Nachricht, die ihr äh…abhanden gekommen war?“

Fast schien es so, als würde ihn diese Auskunft für einen Augenblick verwirren, aber wenn dem so war, so hatte er sich in Sekundenschnelle wieder gefangen.

Was, also dann gibt es sie tatsächlich?“ fragte er.

Ja Gerd und ein Pfarrer hat sie wieder gefunden.“

Na das nenne ich mal höhere Gewalt.“ Er lachte über seinen eigenen Scherz nur Julia lief es eiskalt den Rücken hinunter. Das waren genau die Worte, die sie im Protokoll des Serienmörders gelesen hatte.

Ich wollte den Umschlag gleich ins Labor geben“, sagte sie schnell. Es sollte wie eine Entschuldigung klingen.

Korrekt! Immer schön den offiziellen Weg gehen Julchen, denk daran! Und wenn wir schon einmal dabei sind, ich möchte Sie hier nicht mehr sehen, Frau Meyfarth! Sie halten nur meine Leute von der Arbeit ab.“

Also das ist doch wohl…“

Wohl was, Frau Meyfarth? Frau Goldmeyer vom Empfang hat mir erzählt, es wäre nicht das erste Mal, dass sie hier herumschnüffeln!“

Bernadette wurde sauer. „Ich schnüffele nirgendwo herum“, erwiderte sie spitz.

Nicht? Das hier ist ihr dritter Besuch bei uns in den letzten Tagen!“, stellte Gereon fest. Er wollte zu einem neuen Satz ansetzen, als Klaus Behringer hereinkam, ihm etwas ins Ohr flüsterte und mit den Händen eine Bewegung machte. Gereon nickte ihm zu, stand auf und verließ den Raum ohne ein Wort des Grußes. Seufzend blickten ihm die beiden Frauen nach. „Der hat sie doch nicht mehr alle! Von wegen rumschnüffeln und so weiter. Wenn er ordentliche Arbeit machen würde, dann bräuchte hier niemand herumzuschnüffeln!“

Nun lass mal gut sein Bernadette. Ich weiß auch nicht was in letzter Zeit mit ihm los ist“, sagte Julia „Als ich hier angefangen habe, war er nicht so. Wahrscheinlich hängt es mit seiner Frau zusammen. Angeblich soll sie sehr krank sein, oder es ist der Stress. Der neue Staatsanwalt sitz ihm im Nacken.“

Aber muss er mich deshalb so behandeln?“

Das nicht, aber er ist halt so und daher glaube ich auch, es ist besser, wenn du jetzt gehst Bernadette. Lass uns nachher bei Manni ein Bier trinken. Dann können wir alles in Ruhe besprechen. Heute findet garantiert kein Fußballspiel statt und außerdem muss ich noch den Deckel vom letzten Mal bezahlen.“

Meinetwegen. Passt es dir um sechs?“

Lieber wäre es mir um sieben. Dann brauche ich mich nicht so abzuhetzen. Du kennst ja mittlerweile den Kölner Feierabendverkehr.“

Den kannte Bernadette in der Tat zur Genüge. Sie verabschiedete sich von ihr und beschloss noch ein paar Einkäufe zu erledigen. Danach wollte sie zurück ins Hotel fahren, duschen und sich umzuziehen. Genau so geschah es. Es war kurz nach Fünf, als sie frisch gestylt den Gäste-Parkplatz des Rhine-Palace-Hotels betrat und in ihren Wagen stieg. Sie hatte sich dafür entschieden, anstelle verstopfter Hauptstraßen lieber kleinere Nebenstraßen zu benutzen, um nach Dünnwald zu fahren. Ihr Atem ging schnell und flach, dazu blickte sie andauernd in den Rückspiegel, um nachzusehen, ob auch kein grauer Geländewagen auf ihrer Stoßstange saß, aber dem war nicht so. Einmal wäre sie sogar fast auf ihren Vordermann aufgefahren, als dieser vor einer Kreuzung plötzlich heftig in die Bremsen stieg. Aber es war gerade nochmal gut gegangen.

Die kleinen Nebenstraßen führten letztendlich alle zurück auf die B51. Und da stand sie nun, genau dort wo sie eigentlich nicht stehen wollte, nämlich im Stau. Es war bereits viertel nach sechs, als sie endlich im Stadtteil Dünnwald  ankam. Zu ihrer Überraschung war in Mannis Rästaurang alles dunkel. Auf dem Kundenparkplatz parkte ein grauer Geländewagen. Bernadette hielt den Atem an. Ihre Hände am Lenkrad zitterten. Langsam fuhr sie an der Kneipe vorbei. Im Rückspiegel sah sie, wie sich ein Schatten auf die Fahrerseite zu bewegte, die Tür öffnete und in das Fahrzeug stieg. Sie konnte nicht erkennen, wer es war. An der nächsten Kreuzung bog sie rechts ab, fuhr einmal um den Block und näherte sich wieder dem Lokal. Der Geländewagen war verschwunden. Stattdessen stand jetzt Julia mit ihrem Motorrad auf dem Parkplatz. Sie schien bereits auf sie zu warten. Bernadette setzte den Blinker und fuhr den kleinen Fiat dicht an Julias Maschine heran. Als sie ausstieg bemerkte die sofort, dass etwas nicht stimmte. Bernadettes Gesicht war kreidebleich und sie zitterte.

Nanu, was ist denn mit dir los, hast du den Teufel persönlich gesehen?“ fragte sie.

Nein, nur einen grauen Geländewagen“, antwortete Bernadette. „Schon seit längerem kommt es mir so vor, als würde mich ständig solch ein grauer Wagen verfolgen.“

Ach was, das bildest du dir nur ein. Davon gibt es doch tausende. Selbst bei uns fährt jemand so eine Kiste.“

Bernadette fiel die Kinnlade herunter. „Was hast du gerade gesagt? Bei euch fährt jemand einen grauen Geländewagen?“ Auf einmal fiel ihr wieder ein, was sie vor ein paar Tagen stutzig gemacht hatte. Auf dem Parkplatz vor dem Polizeipräsidium hatte ein grauer Geländewagen gestanden. Und sie hatte sich nur für den alten Jaguar interessiert. „Man müsste überprüfen, wem das Fahrzeug gehört“, schoss es ihr durch den Kopf. „Möglich dass derjenige etwas mit den Vermissten zu tun hat“, sagte sie ganz leise. Julia hatte sie trotzdem verstanden.

Ausgeschlossen sagte sie. Wir Gesetzeshüter sind durchweg korrekte und nette Menschen! Nicht dass du noch auf die Idee kommst zu glauben, ich sei der Täter.“

Du ganz bestimmt nicht, Julia. Aber bei der Polizei läuft auch nicht alles rund. Manchmal sind diejenigen die Schuldigen, bei denen man es sich am wenigsten vorstellen kann. Aber sag mal, was ist denn mit Manni los? Sein Rästaurang ist ja noch geschlossen.“

Vielleicht hat er heute Ruhetag, obwohl der kann gar nicht ohne seine Kneipe sein. Komm, lass uns nachsehen, was los ist mit dem Knaben.“

Sie verließen den Parkplatz und gingen hinüber zum Eingang des Rästaurangs. Die Tür war verschlossen und drinnen war alles dunkel.

Das gibt es doch gar nicht“, sagte Julia, während sie nach einem Schild mit den Öffnungszeiten suchte. „Der hat doch niemals geschlossen! Nicht einmal an Sonn, -und Feiertagen. Sie gingen um das Gebäude herum.

Manni, riefen sie. „Manni, bist du da?“ Keine Antwort. Hinter dem Gebäude war ein Anbau. Nicht riesig, vielleicht etwas größer als ein Geräteschuppen. An der Seite befand sich eine Tür. Vielleicht würden sie von hier aus das Lokal betreten können? Die Tür ließ sich leicht öffnen. Drinnen sah es aus wie in einem Wochenendhaus, eigentlich recht gemütlich. Manni hatte Wände und Decke mit Holz vertäfelt. An einer Wand stand ein alter Biedermeierschrank, daneben Regale, eine Sitzecke mit Tisch und Stühlen und ein altes Sofa. Auf diesem Sofa kauerte Manni und starrte gegen die Decke. Als die Tür aufging, zuckte er zusammen. Er schien um Jahre gealtert zu sein.

Manni!“ riefen Julia und Bernadette fast gleichzeitig.

Julia, Bernadette, was macht ihr denn hier?“ Er versuchte aufzustehen, fiel aber wieder zurück.

Wir haben nach dir gesucht. Eigentlich wollten wir nur ein Bier trinken, aber dann stellten wir fest, dass dein Lokal noch geschlossen war. Das kam uns sehr merkwürdig vor und so sind wir um deinen Laden herumgegangen und haben diesen Anbau gefunden.“

Manni lächelte. „Manchmal übernachte ich hier, wenn ich es nicht mehr… bis nach oben schaffe.“

Aber was ist los mit dir? Du siehst nicht gerade gesund aus Alter!“ meinte Julia besorgt. Mannis Augen wurden feucht. „Das kann ich mir gut vorstellen. Ich bin sicher kein schöner Anblick, was?“

Zuviel Alkohol ist ungesund, mein Lieber.“

Das war kein Alkohol Julia.“

Nicht, was war es dann?“

Ich weiß es nicht. Sie hat mir irgend so ein Zeug gegeben.“

Wer, beziehungsweise was für ein Zeug?“ Julia sah ihn mit großen Augen an.

Na Rita! Stellt euch vor, ich war mit ihr auf so einer Sex…“ Er konnte den Satz kaum beenden. „Sex-Party.“

Du warst was?“ Julia und Bernadette sahen sich an. Ihre Nackenhaare stellten sich auf. „Sag das noch einmal.“

Ihr habt schon richtig gehört. Sie hat mich mit auf eine Orgie geschleppt. Oh mein Kopf. Mir ist vielleicht übel.“

Julia schüttelte den Kopf. Manni auf einer Sex-Party. Das konnte sie sich beim besten Willen nicht vorstellen. Bernadette stupste ihn an, packte ihn am Arm und half ihm, sich aufzusetzen.

Gib schon zu, du hast dir gestern einen getrunken und danach schlecht geträumt!“ Sie konnten immer noch nicht glauben, was er ihnen soeben erzählt hatte.

Von wegen, wenn ich es euch doch sage.“

Julia setzte sich neben ihn. Auf einmal gingen ihr tausend Fragen durch den Kopf. Fragen, die sie ihm gern gestellt hätte, aber nicht konnte, weil sie sah, in welchen Zustand er sich befand. Die Minuten rannten dahin. Endlich schien sich Manni zusammenzureißen. Langsam fing er an zu erzählen.

Gestern Abend, ihr wart schon längst gegangen, da haben Rita und ich noch aufgeräumt. Wie immer war sie gut drauf und meinte, ich solle doch etwas mehr aus mir herausgehen und einfach mal über die Stränge schlagen. Sie hat mich richtig provoziert, versteht ihr? Hat geheimnisvoll getan und mir von irren erotischen Erlebnissen erzählt. Dann hat sie mir die Augen verbunden und mir irgendeine Droge gegeben.“

Hast du eine Idee, was das für ein Zeug war?“

Nein, ich hab wirklich keine Ahnung. Sie hat mir eine Tablette in den Mund geschoben und danach sind wir in ihr Auto gestiegen und irgendwo hingefahren. Und später habe ich mich immer besser gefühlt. Irgendwie befreit und enthemmt. Ich weiß nicht, wohin sie mich gebracht hat. Lange waren wir nicht unterwegs. Sie hat angehalten, wir sind ausgestiegen und in ein Haus gegangen.“ Er machte eine Pause. „Nein halt, vorher hat Rita noch ein Losungswort gesprochen. Und dann sind wir erst in das Haus gegangen. Da waren viele Leute, aber ich durfte die Binde nicht abnehmen. Deshalb habe ich auch niemanden erkannt. Aber die anderen müssen ebenfalls maskiert gewesen sein, das hat mir Rita wenigstens so erzählt.“

Und was ist dann passiert?“

Nun ja…“ Es schien so als schämte er sich weiterzuerzählen.

Sie haben angefangen an mir herumzumachen. Später war ich nackt und habe mit gemacht. Es war wie eine Spirale. Ich wollte mehr und immer mehr. Aber dann auf einmal war Schluss. Ich spürte wie etwas Grelles durch meinen Kopf schoss und danach…völlige Dunkelheit. Ich weiß noch nicht einmal, wie ich hier her gekommen bin. Mein Gott, ich schäme mich so.“

Sie hat dich unter Drogen gesetzt Manni. Du hast nicht aus freien Stücken gehandelt. Red` dir jetzt bloß keine Schuldgefühle ein. Bestimmt war es LSD oder so ein synthetisches Zeug, welches dein Wahrnehmungsvermögen ausgeschaltet, -und Halluzinationen hervorgerufen hat.“

Ich krieg es nicht aus dem Kopf. Mir ist so schlecht“, wimmerte Manni vor sich hin.“

Sollen wir dich zu einem Arzt bringen?“ schlug Bernadette vor.

Bloß das nicht!“ Manni riss die Augen auf. Dann werde ich davon erzählen müssen, und das will ich auf keinen Fall.“

Vielleicht sollten wir Kommissar Gereon davon…“, wollte Julia vorschlagen, als ein lauter Schrei die Stille zerriss.

Neiiiin!“, schrie Manni und sein Gesicht verformte sich zu einer grotesken Maske. „Ich will das niemandem mehr erzählen. Keinem Arzt und schon gar nicht der Polizei, verstanden! Das muss unter uns bleiben!“

So funktioniert das nicht, mein Lieber. Drogendelikte muss ich melden“, sagte Julia.

Tu mir das nicht an, Julia. Du siehst doch, mir geht es schon dreckig genug! Vergiss einfach dass du Polizistin bist und sei einfach nur mein Kumpel!“

Einverstanden. Dann lass mich dir jetzt wenigstens einen starken Kaffee machen.“

Gute Idee, ich geh schon“, sagte Bernadette.

Gut, dann bleibe ich bei ihm.“

Prima, ich bin gleich zurück.“

So schnell wie sie verschwand, war sie auch wieder da. „Der Schlüssel! Ich brauche den Schlüssel für das Lokal, sonst kann ich keinen Kaffee aufsetzen.“

Manni deutete auf das Schlüsselbrett neben der Tür. Bernadette griff sich den Schlüsselbund und ging, während sich Julia neben Manni auf das Sofa pflanzte. Sie fühlte sich alles andere als wohl in ihrer Haut. Zu viel war in letzter Zeit geschehen. Sie hatte die Liste gecheckt, und den roten Faden gefunden. Alle männlichen Vermissten gehörten zur High Society, waren aber weiß Gott keine Ehrenmänner. Dazu waren aus einem alten Vernehmungsprotokoll wichtige Aufzeichnungen verschwunden. Aufzeichnungen, die sie Dank Günters Mithilfe widergefunden hatte. Und jetzt noch Manni und Sex-Partys. Das war einfach unvorstellbar. Ausgerechnet der prüde Manni.

Bernadette brachte Kaffee der Marke extrastark und gemeinsam flößten sie ihm die dunkelbraune Plörre ein. Als Manni den Pott gelehrt hatte sprang er auf und rannte zur Toilette. Sie hörten ihn würgen. Zehn Minuten später tauchte er wieder auf. Sein Gesicht sah jetzt ein wenig frischer aus, ihm schien es etwas besser zu gehen. Er setzte sich wieder auf das Sofa und schüttelte den Kopf. „Das mir so etwas passieren konnte.“

Und du kannst dich an keine Einzelheiten erinnern?“ Julia nahm seine Worte wieder auf.

Ich habe euch bereits alles erzählt, mehr weiß ich nicht!“

War es denn wenigstens schön?“

Manni wollte von diesem Thema nichts mehr wissen, doch Julia bohrte weiter.

Und du weißt wirklich nicht, wo du gewesen bist?“

Nee, echt nicht! Ich habe keine Ahnung wohin mich Rita gebracht hat, und so geheimnisvoll wie sie getan hat, wird sie auch nicht mit der Sprache herausrücken.“

Könnte es im belgischen Viertel gewesen sein?“ fragte Bernadette unverblümt. Julia sah sie erstaunt an. „Weißt du etwas was ich nicht weiß?“

Stefan hat Informationen über das belgische Viertel und die Szene bekommen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass dort die tabulosen Sexpartys steigen und die nächste soll bereits in Planung sein.“

Aber was, wenn ausgerechnet Manni bereits daran teilgenommen hat?“ fragte Julia.

Mensch Julia, das wäre ein Ding! Mir wird ganz anders!“

Dann renn...aufs Klo!“

Das meine ich nicht.“

Was dann, Manni?“

Das ich bei so etwas mitgemacht habe! Und dann ausgerechnet im belgischen Viertel, na ja, vom Gefühl der Entfernung her könnte es tatsächlich hinkommen. Wir sind etwa eine halbe Stunde unterwegs gewesen.“

Bitte überleg noch einmal genau, ob dir nicht doch noch etwas einfällt?“, gab Bernadette zu Bedenken. „Jeder kleine Hinweis ist wichtig!“

Manni schaute sie an. „Es geht um deine Schwester, nicht wahr?“ sagte er ganz vorsichtig. Bernadette nickte, Tränen schossen ihr in die Augen.

Ich befürchte, dass mit ihr etwas Schlimmes geschehen sein könnte.“

Das war das Stichwort. „Warte, ich ruf gleich mal die Rita an. Ich denke, dass sie mir so einiges zu erklären hat.“ Manni stand auf und suchte nach seiner Jacke. Die lag unter dem Sofa. Hastig griff er danach und fischte einen Zettel aus der Seitentasche.

Hier ist ihre Nummer, ich werde sie sofort anrufen.“

Du kannst mein Handy benutzen“, sagte Bernadette und hielt ihm ihren kleinen Apparat hin. Manni wählte die Nummer. Bernadette hörte, wie er etwas sagen wollte, dann schüttelte er den Kopf. „Da ist nur die Mailbox dran. Wahrscheinlich schläft sie noch ihren Rausch aus. Ich werde es später noch einmal versuchen.“

Und dein Lokal?“ fragte Julia, die die ganze Zeit geschwiegen hatte. „Willst du heute überhaupt nicht mehr öffnen?“

Ich glaube nicht“, antwortete Manni. „Ich kann mich doch schlecht in diesem Zustand hinter den Tresen stellen. Was sollen denn die Gäste von mir denken?“

Na was wohl, das du dein bester Kunde bist“, erwiderte Julia und grinste frech. „Komm schon, mach die Kneipe auf. Wir helfen dir dabei.“

Und genau das taten sie dann. Manni war Wirt durch und durch, auch wenn seine Bewegungen an diesem Abend etwas langsamer ausfielen. Aber keiner seiner Gäste kam zu kurz. Zwischendurch versuchte er immer wieder Rita an die Strippe zu bekommen, aber außer ihrer Mailbox antwortete ihm niemand.

Ich werde dran bleiben“, versprach er Julia und Bernadette, als die sich von ihm verabschiedeten. Am liebsten wären sie die ganze Nacht bei ihm geblieben. Konnten sie ihn wirklich alleine lassen? So ein Pech aber auch, dass er Rita noch nicht erreicht hatte. Sie hätten sich liebend gern mit ihr unterhalten.

Was hältst du davon, wenn wir noch einen kleinen Umweg durch das belgische Viertel machen? Vielleicht finden wir irgendeinen Anhaltspunkt?“ schlug Julia vor.

Ich hab nichts dagegen“, erwiderte Bernadette. Im Hotel wartet niemand auf mich und schlafen kann ich sowieso nicht. Also auf geht’s. Fahr du nur vor, mit deiner Höllenmaschine, ich bleibe dicht hinter dir.“

Zwei Minuten später fuhren sie los.




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