Mitmachkrimi "Abwege" Kapitel 10

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petersplitt

vor 5 Monaten

Plauderecke


Liebe Fb-Freunde:


So langsam haben wir das erste Drittel unseres Mitmachkrimis geschafft und ich hoffe, Ihr habt noch Lust auf mehr....Die richtig spannenden Kapitel kommen ja erst noch. Heute poste ich das zehnte Kapitel und da Ihr so langsam wisst, worum es in der Geschichte geht, möchte ich auch den Titel zur Diskussion stellen. Gefällt Euch der Titel „Abwege“ oder habt Ihr einen besseren Vorschlag?


Ich wünsche Euch viel Spaß beim lesen und noch einen schönen Rest-Sonntag.



ZEHNTES KAPITEL

Wachtmeister Klaus Behringer befand sich in der Nähe des Hansarings. Jetzt bog er in die Ritterstraße ein, danach in die Eintrachtstraße, die zu seiner rechten lag. Vor einer kleinen Einfahrt wartete ein Mann auf ihn. Er trug den Kittel einer Supermarktkette und sah ziemlich mitgenommen aus.


Was liegt an?“ fragte Klaus Behringer.


Kommen Sie mit, Sie werden es gleich sehen!“


Was werde ich gleich sehen?“


Der Mann antwortete nicht. Stattdessen ging er schnurstracks durch die Einfahrt und dann nach links auf den Parkplatz des Supermarktes. Die Schranke war heruntergelassen, der Parkplatz menschenleer. Nur in der Nähe des Eingangs standen mehrere Einkaufswagen ordentlich aufgereiht. Auch diese waren leer, bis auf einen. Behringers Augenmerk fiel auf eine blutverschmierte Aldi-Tüte. Ihm schwante nichts gutes. Er fischte ein paar Latexhandschuhe aus seiner Jackentasche, streifte sie über seine Hände und begutachtete die Tragetasche. Das was er jetzt sah, bestätigte seinen schlimmen Verdacht. In der Plastiktüte befand sich ein menschlicher Arm.


Verdammte Schweinerei, was! Ich meine wer macht so etwas? Welches kranke Hirn denkt sich so etwas aus?“ Der Mann im Kittel zitterte am ganzen Leib. Er war fertig mit der Welt.


Klaus veruchte einen klaren Kopf zu bewahren. „Am besten, Sie gehen wieder rein. Ich regele das hier!“


Der Mann im Kittel zögerte noch. „Was geschieht den jetzt mit dem Arm? Werden Sie das Teil mitnehmen?“


Ich, ganz bestimmt nicht! Dafür sind die Jungs von der Spurensicherung zuständig! Fehlt mir gerade noch, dass ich mit einem abgetrennten Arm in der Gegend herumlaufen muss!“


Ist mir alles recht, Hauptsache dieses ekelhafte Teil verschwindet so schnell wie möglich von meinem Parkplatz!“


Das wird es, sobald die Spusi hier war. Hoffentlich ist das auch alles! Ich meine, haben Sie mal in ihrem Laden nachgesehen?“


Ja, das habe ich. Besser gesagt, meine Mitarbeiter. Da ist nichts.“


Gott sei Dank. Dann rufe ich jetzt meine Kollegen. Das ist alles, ich danke Ihnen.“


Na, da wird sich Gereon aber freuen, wenn er den Autopsiebericht liest. Das hat man eben davon, wenn man den Chef raushängen lässt...


Er schnappte sich sein Handy. „Hallo, bist du das Georg...ß“



Auch Julia hatte alle Hände voll zu tun. Nur einen Tag nachdem sie die Angehörigen der als vermisst gemeldeten Personen kontaktiert hatte, meldeten sich die Eheleute Hartmann bei ihr und baten um ein vertrauliches Gespräch. Julia verabredete sich mit den beiden in Mannis Rästaurang, wo sie sich am Abend sowieso mit Bernadette treffen wollte. So konnte sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Im organisieren war sie einfach Weltklasse.


Bernadette hatte den kürzeren Weg und war zuerst vor Ort. Sie staunte nicht schlecht, als Julia pünktlich um 19.00 Uhr das Lokal betrat und ein älteres Ehepaar im Schlepptau hatte.


Das sind Herr und Frau Hartmann, stellte Julia die beiden vor. Als sie Bernadettes fragendes Gesicht bemerkte, fügte sie schnell hinzu: „Die beiden vermissen ihre Tochter Sabine. Ich dachte, es wäre gut, wenn wir uns ihre Geschichte einmal anhören.“


Die beiden Hartmanns blickten sich vorsichtig um, bevor sie sich zu Bernadette an den Tisch setzten. Es war offensichtlich, dass sie sich nicht ganz wohl in ihrer Haut fühlten. Der Kleidung nach zu urteilen, schienen sie ziemlich konservativ zu sein. Julia hob vier Finger in die Höhe und einen Moment später brachte Manni vier Kölsch an ihren Tisch. Die unausgesprochene Verständigung zwischen den beiden funktionierte bestens. Die Stimmung an dem Vierertisch war irgendwie unangenehm. Keiner sagte ein Wort, alle starrten wie gebannt vor sich hin, bis Julia die Initiative ergriff.


Da wir uns nicht hier verabredet haben, um uns anzuschweigen, möchte ich Sie bitten, uns etwas von ihrer Tochter Sabine zu erzählen“, forderte sie die Hartmanns auf. Frau Hartmann faltete die Hände zusammen. „Sabine war früher so ein liebes Kind, artig und gehorsam. Ich....“ Sie schluchzte und ihr versagte die Stimme. Ihr Mann sprang für sie ein. „Sabine hat sich sehr verändert. Auf einmal ist sie immer später nach Hause gekommen. Oft war sie angetrunken. Und dann ihre neuen Freundinnen. Die haben mir überhaupt nicht gefallen. Wie die immer angezogen waren. Sabine muss wohl versucht haben, es ihnen gleich zu tun. Auf einmal hatte sie Geld und teure Klamotten. Jedoch hat sie uns niemals erzählt, woher das Geld stammte, das sie mit vollen Händen ausgab. Und nun ist sie verschwunden. Wir befürchten, dass sie irgendwie auf die schiefe Bahn geraten ist.“


Frau Hartmann hielt sich die Hände vors Gesicht. „Und Sonntags ist sie auch nicht mehr mit in die Kirche gegangen“, sagte sie mit weinerlicher Stimme.


Ist sie arbeiten gegangen?“, wollte Julia wissen.


Studiert hat sie“, antwortete Herr Hartmann. „Hier in Köln an der Universität.“


Wie bitte?“ Bernadette und Julia schauten sich fragend an. Da war sie, die Gemeinsamkeit, nach der sie gesucht hatten. Bernadette dachte kurz nach, bevor sie fragte: „Können Sie mir sagen, ob ihre Tochter vielleicht auch in dem Studentenwohnheim gewohnt hat?“


Herr Hartmann nickte unsicher. „Ich denke schon. Wo soll sie denn sonst gewohnt haben, nachdem sie uns in einer Nacht und Nebelaktion verlassen hat!“


Und seitdem hatten Sie keinen Kontakt mehr zu ihr?“, fragte Julia.


Leider nein. Wie ich schon sagte, unser Verhältnis war zerrüttet.“


Wissen Sie, ob ihre Tochter Drogen genommen hat?“ Julia ließ gleich die nächste Frage vom Stapel.


Drogen?“ Herr Hartmann starrte sie verwirrt an. „Großer Gott, wo soll sie die denn her bekommen haben?“


Da kommt man heutzutage schneller dran als an einen 5 Euroschein“, erwiderte Julia.


Es folgte ein langes Schweigen. Julia und Bernadette nippten an ihren Gläsern und schauten sich ratlos an. Schließlich ergriff Bernadette das Wort: „Ich würde Ihnen gern von meiner Schwester erzählen, wenn das für Sie in Ordnung ist?“


Die Hartmanns nickten und Bernadette gab eine kurze Zusammenfassung von dem, was bisher geschehen war. Sie beendete ihren Bericht mit einer weiteren Frage:


Sagen Sie, können Sie sich vorstellen, dass ihre Tochter vielleicht…“, sie zögerte einen Augenblick„…mit Männern mitgegangen ist?“


Herr Hartmann warf ihr einen bösen Blick zu. Diese Frage schien ihm überhaupt nicht zu gefallen. „Unsere Tochter? Sicher nicht! So etwas würde sie niemals tun! Sie wird einen reichen Freund haben, von dem sie die teuren Sachen bekommt. Sabine ist sehr hübsch müssen Sie wissen.“


Es reichte. Das Gespräch kam mal wieder ins stocken. Bernadette lies trotzdem nicht locker.


Kennen Sie zufällig Sabines Kommilitonen von der Uni?“, fragte sie schnell und direkt.


Herr Hartmann zuckte mit den Achseln. „Nicht das ich wüsste, aber wie ich bereits schon erwähnte…“


Sie hatten ein gespaltenes Verhältnis zueinander, ich weiß“, ergänzte Bernadette. Herr Hartmann blickte seine Frau an. Sie saß wie ein Häufchen Elend auf ihrem Stuhl und sagte kein Wort.


Bitte“, sagte er. „Wenn das alles ist, dann möchten wir jetzt gerne gehen. Meine Frau fühlt sich nicht wohl.“


Aber Sie haben ja noch nicht einmal ihr Bier angerührt“, sagte Julia.


Bitte! Sie sehen doch, dass es ihr nicht gut geht. Es tut uns sehr leid, dass wir hier nicht weiter kommen, aber wir möchten jetzt wirklich gehen. Sie können sich ja bei uns melden, falls sich etwas Neues ergibt.“


Julia erhob sich. „Selbstverständlich! Ich werde Sie auf dem Laufenden halten. Sobald ich etwas über den Verbleib ihrer Tochter erfahre, rufen ich Sie an, Versprochen. Und vielen Dank dafür, dass Sie sich extra her bemüht haben.“


Das geht schon in Ordnung, Frau Brück.“


Die Hartmanns standen auf und verließen das Lokal. Keiner der beiden hatte sein Glas angerührt. Julia und Bernadette sahen sich an.


Was war das denn für eine schwierige Geburt. Hinter welchem Mond leben die denn!“ Bernadette griff nach einem der vollen Biergläser und leerte es in einem Zug. Julia sah ihr dabei zu und staunte nicht schlecht.


Ihr Landeier habt es ja faustdick hinter den Ohren“, sagte sie, grinste über ihr ganzes Gesicht, wurde aber dann wieder ernst. „Ganz ehrlich, bei solchen Eltern würde ich mich auch aus dem Staub machen.“


Aber deshalb würdest du nicht gleich komplett von der Bildfläche verschwinden, oder doch? Was, wenn ihr wirklich etwas passiert ist?“, erwiderte Bernadett.


Weiß man´s? Zumindest haben sich einige interessante Anhaltspunkte ergeben. Das werde ich Gereon gleich morgen früh berichten“, erklärte Julia.


Hauptkommissar Gereon? Und du glaubst der wird sich der Sache annehmen? Fakt ist, Diana und Sabine sind gemeinsam zur Uni gegangen und haben möglicherweise sogar im gleichen Wohnheim gewohnt. Aber was bedeutet das schon?“


Na, das, wir beide zur Uni fahren und uns dort mal genauer umsehen!“


Bernadette sah Julia erstaunt an. „Wenn du Zeit hast? Ich meine, musst du denn nicht arbeiten?“


Julia grinste. „Wieso, das ist doch mein Job! Ob ich nun alleine dahin fahre, oder meine private Assistentin mitnehme....Sie drückte ein Auge zu und trank ihr Bier aus..


Bernadette deutete auf das übriggebliebene volle Glas. Julia verdrehte die Augen. Nee, meine Liebe, das überlasse ich gerne dir. Ich muss noch fahren und sollte gerade als Polizistin ein Vorbild sein. Also gönnte sich Bernadette den guten Schluck und gab Manni ein Zeichen, dass sie bezahlen wollte. Der kam sofort an ihren Tisch. In seiner Hand hielt er einen Bierdeckel.


Das macht 6 Euro für´s Bier, ihr Liebchen und hier habe ich Euch noch Ritas Handynummer aufgeschrieben. Die wolltet ihr doch unbedingt haben.“


Sehr aufmerksam von dir Manni, vielen Dank.“ Bernadette bezahlte den Bierdeckel, die beiden Frauen verabschiedeten sich von ihm und gingen nach draußen.


Du wirst doch wohl jetzt nicht mehr Auto fahren!“, sagte Julia besorgt.


Ach was, I am walking...also dann bis morgen.“


Sie lachten und gingen getrennter Wege. Unterwegs dachte Bernadette über den Abend nach. Die Hartmanns waren wirklich seltsame Leute. Noch eine Querstraße bis zu ihrem Hotel. Auf einmal war es da, das ungute Gefühl, verfolgt zu werden. Sie drehte sich um, aber da war niemand, bis auf einen dunkelgrauen SUV, der auffällig langsam hinter ihr herfuhr. Ihr Puls ging schneller, automatisch beschleunigten sich ihre Schritte. Der SUV war jetzt auf ihrer Höhe. Sie versuchte etwas von dem Fahrer zu erkennen. Er trug eine rote Baseballkappe und eine große Sonnenbrille.


Wer zum Teufel...“


Sie ließ den Gedanken sofort wieder fallen, als der Kerl Gas gab und mit seinem Wagen davon brauste. Spinner die mit der Angst der Frauen spielten, gab es schließlich überall. Sie ging weiter und näherte sich ihrem Ziel, dem Petit Colonia. Plötzlich sah sie ihn wieder. Der graue SUV parkte schräg gegenüber auf dem Kundenparkplatz eines Supermarktes. Der Mann, der auf dem Fahrersitz saß, schaute unentwegt in den Außenspiegel. Bernadette bemerkte wie die Sonnenbrille im Spiegelglas reflektierte. Sofort bekam sie weiche Knie. Sie spurtete los, rannte auf den Eingang des Hotels zu, während sie gleichzeitig das Handy aus ihrer Handtasche zerrte und eine ganz bestimmte Nummer wählte. Am anderen Ende antwortete nur Stefans Mailbox. „Verdammt, wo steckt der Kerl denn bloß? Immer wenn man ihn dringend braucht…ich versuche es noch einmal.“


Sie wollte gerade die Wahlwiederholungstaste drücken, da bog der SUV aus seiner Parklücke und tuckerte gemütlich davon.


Ich glaube, ich habe zu viel getrunken! Das Ganze ist wirklich extrem schräg.“


Sie betrat den Eingang. „Willi? Willi, sind Sie da?“


Keine Antwort. „Was ist denn bloß los heute? Noch so einer, der niemals da ist, wenn man ihn nötig hat.“


Verärgert sprang Bernadette die Stufen zu ihrem Zimmer hinauf. Wie gewohnt öffnete sie die Tür, streifte sich die Schuhe ab, schmiss die Handtasche auf ihr Bett, drehte sich wieder zur Tür hin, um sie von innen zu verschließen und stockte…


Auf dem Fußboden lag ein Briefumschlag. Direkt vor ihren Füßen.


Für Bernadette Meyfarth“, hatte jemand mit einem Filsstift vorne drauf geschrieben. Hastig hob sie den Umschlag auf und öffnete ihn. In seinem Inneren befand sich ein Zettel, den sie sofort herauszog und auseinander faltete. Die Botschaft war simple und ebenfalls mit einem Filsschreiber geschrieben worden.


Sie sind in großer Gefahr. Er weiß Bescheid. Verlassen Sie Köln auf der Stelle.“




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