Mitmachkrimi "Abwege" Kapitel 13, Teil 2

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petersplitt

vor 5 Monaten

Plauderecke

Hallo, Ihr Lieben:

Sabine Hartmann hat die Prüfung bestanden, aber wird sie auch frei kommen? Weiter geht es mit dem zweiten Teil von Kapitel 13. Viel Spaß....



Sie führte auf einen Flur. Sabine rannte, was das Zeug hielt. Erbrochenes quoll aus ihrem Mund. Diese verdammten Blutegel. So viel Ekel hatte sie noch niemals empfunden.

Das Schwein wird dafür büßen“, dachte sie, aber um Rache zu nehmen, musste sie erst einmal hier herauskommen.

Zunächst hatte sie noch gehofft, die Tür oberhalb der Leiter würde direkt ins Freie führen, aber stattdessen war sie auf der nächsten Ebene gelandet, wo sie jetzt wie ein gehetztes wildes Tier hin und her lief. Der Flur war nur mäßig beleuchtet. Ab und zu blinkte ihr ein milchiges Licht hinter schmutzigem Glas entgegen. Von den Wänden bröckelte der Putz ab. Überall lag rostiger Metallschrott herum. Es war dreckig und staubig, die Luft war stickig und roch irgendwie abgestanden. Bereits nach zehn Minuten ging ihr die Luft aus. Sie blieb stehen und versuchte tief durch zu atmen. Ihre Lunge schmerzte. Wo zum Teufel befand sich der verdammte Ausgang? Das Schwein hatte ihr doch versprochen, sie freizulassen, wenn sie seine verrückte Prüfung bestand.

Sie lief weiter, kam an eine Tür und warf sich dagegen. Die Tür gab sofort nach. Der Raum, der sich vor ihr auftat, war winzig und feucht. Außerdem stank es nach Fäkalien. Am Ende führte eine Holzleiter nach unten.

Genauso wie in meinem Verließ!“ dachte sie und schüttelte sich. Ansonsten war nichts Weiteres zu sehen, jedenfalls kein menschliches Wesen und auch kein Ausgang, der irgendwo in die Freiheit führte. Enttäuscht eilte sie zurück in den Gang und irrte weiter umher.

Da, dahinten ist eine weitere Tür! Vielleicht befindet sich dort endlich der gottverdammte Ausgang?“

Sie rannte darauf zu und zog an dem Knauf. Nichts tat sich. Sie zog und drückte aus vollen Kräften. Immer noch nichts.

Der Metallschrott“, kam es ihr in den Sinn. Sie ging ein paar Schritte zurück und hob ein verrostetes Rohr vom Boden auf. Dann ging sie zurück zu der Tür und klemmte das Rohr unter den Knauf, nahm das Ende des Rohres in die Hand und drehte sich quasi um die eigene Achse. Die Hebelwirkung trat sofort ein. Mit einem lauten Quietschen sprang die Tür auf. Sabine warf das Rohr beiseite und betrat den Raum. Drinnen war es stockdunkel. Kein Lichtstrahl schien ihr entgegen. Mit den Händen taste sie die Wand ab. „Hier ist etwas, ein Kabel, und oberhalb davon? Ein Lichtschalter!“

Sie drückte darauf…und sackte im selben Augenblick zu Boden. Vor ihr lag eine fleischige Masse, die einmal ein Mensch gewesen sein musste. Das Oberteil sah aus wie Hundefutter, aber da war der entsetzlich endstellte Kopf.

Sie würgte und spürte, wie ihr schlecht wurde. Mit einer Hand stützte sie sich an der Wand ab und übergab sich.

Nichts wie raus hier“, sagte sie sich. Die Besserung traf nur langsam ein. Immer und immer wieder hatte sie das grausame Bild vor den Augen. Der Horror wollte sie einfach nicht verlassen. Und dabei hatte sie doch gedacht, dass sie frei sein würde. Aber jetzt war sie sich da gar nicht mehr so sicher. Nicht, nachdem sie dieses tote Etwas gesehen hatte. „Was, wenn das Schwein nur mit mir spielte?“

Angewidert und unter Schock stehend, taumelte sie weiter. Richtig laufen konnte sie nicht mehr. Wie in Trance stolperte sie vorwärts, setzte unbeholfen ein Bein vor das andere. Staub vermischte sich mit dem Erbrochenen in ihrem Mund. Dazu verspürte sie einen unsagbaren Durst.

Da…, am Ende des Flures schien wieder etwas zu sein. Ein grauer Schatten trat in ihr Blickfeld. Sie bewegte sich darauf zu, schwankte und fiel zu Boden, rappelte sich aber sofot wieder auf und ging langsam weiter. Wie eine Fata Morgana kam das graue Ding auf sie zu. Als sie näher kam, sah sie was es war: „Wieder eine Tür!“

Sie vermochte es kaum zu glauben. Verzweifelt ließ sie sich davor nieder. Tränen liefen ihr die Wangen hinunter.

Was soll ich jetzt bloß tun? Ich will nicht noch einmal so etwas Schreckliches sehen.“ Langsam, ganz langsam erhob sie sich. Mit den Händen tastete sie das kalte Metall ab. Wenn sie könnte, würde sie beten. Beten, dass sich hinter dieser Tür die ersehnte Freiheit befand. Sie besaß eine normale Klinke. Sabine drückte sie nach unten. Die Tür ließ sich leicht öffnen. Dahinter erschien wieder das milchige Licht. Vorsichtig ging sie weiter. Der Flur machte einen Bogen. Sie folgte ihm. Da waren weitere Türen und schon wieder rostige Metallabfälle. Die kamen ihr irgendwie bekannt vor. Sie ging noch ein Stück weiter und kam an die Tür, die zu ihrem Verlies führte. Davor standen jetzt ein Hundenapf mit Wasser und ein Teller mit einer Brotkruste. Resigniert ließ sie sich zu Boden gleiten, trank gierig aus dem Napf. Was blieb ihr schon anderes übrig. Das Schwein hat mich hinters Licht geführt, ich bin die ganze Zeit im Kreis gelaufen Er hat niemals vorgehabt mich freizulassen!

Blankes Entsetzen machte sich in ihr breit. Ganz langsam dämmerte es ihr. Sie war in einem Labyrinth gefangen. Soviel wie sie auch danach suchte, sie würde den Ausgang niemals finden, weil es ihn gar nicht gab.

Das Wasser löschte ihren Durst kaum.es war mehr wie der Tropfen auf einen heißen Stein,

Wer zum Teufel lässt sich so etwas einfallen lassen?“ fragte sie sich. Und vor allem warum?“ Die Anlage kam ihr so vor, wie eine Station im Weltraum. So etwas hatte sie schon einmal im Fernsehen gesehen, obwohl sie Science-Fiction-Filme nicht besonders mochte. Aber da hatte es immer einen Ausgang gegeben, oder der allmächtige Retter hatte die verdammte Anlage einfach in die Luft gesprengt. „Doch wo ist er denn, dieser allmächtige Retter? Wann wird er mich endlich hier rausholen?“

Sie wusste, dass sie nicht darauf bauen konnte, gerettet zu werden. Es gab keinen allmächtigen Retter. Sie würde es selbst versuchen müssen und wie hieß es so schön in einem Sprichwort: Die Hoffnung stirbt zuletzt und noch war sie am leben!

Reiß dich zusammen, Sabine! Es muss einfach eine Möglichkeit geben, dieses Labyrinth zu verlassen. Der Wahnsinnige tut es schließlich auch.“

Und in der Tat, es gab Türen, die sie noch nicht geöffnet hatte. Sie rappelte sich wieder auf, stützte sich an der Wand ab und atmete tief durch. In ihr eigenes Verlies zurückzugehen, ergab keinen Sinn. Also stolperte sie weiter. Die nächste Tür, an der sie vorbeikam stand halboffen. Vorsichtig blinzelte sie hinein. Augenblicklich wusste sie, was es war: Die Toilette. Allein der Geruch sprach Bände. Hier war sie ein paarmal gewesen. Immer dann, wenn das Schwein es zugelassen hatte, dass sie ihr Geschäft verrichtete. Meistens jedoch hatte sie das in der Ecke ihre Zelle erledigen müssen. Jene Ecke, die sie trotz ihrer Fußfessel hatte erreichen können. Sie kämpfte gegen das Würgen an und betrat den Raum. Auch von hier aus war die Freiheit nicht erreichbar. Also ging sie weiter, auch wenn sie wusste, dass sie am Ende wieder an dieselbe Stelle zurückkehren würde. Zwischendurch warf sie einen Blick auf das rostige Metallzeug.

Sieht verdammt alt aus“, dachte sie und wollte einfach weitergehen, als ihr etwas auffiel. Auf einem der Teile war etwas eingestanzt. Sie hockte sich hin und sah sich die Stelle genauer an. Hier war nichts eingestanzt worden, sondern das, was sie dafür hielt, war ein verblichener Stempel. Sie führte ihr Gesicht so nah an das Metallstück heran, wie sie konnte. Ihre Augen berührten fast die raue Oberfläche. WK-11 war alles was sie entziffern konnte. „WK-11?“ fragte sie sich. „Was zum Teufel mag dieses Kürzel bedeuten?“ Sie wusste es nicht, doch immerhin war ihr Interesse geweckt. Vielleicht gab es durch das Metallzeug eine Möglichkeit herauszufinden, wo sie war. Wieder ging sie weiter. Die nächste Tür, die sie erreichte, ließ sich beim besten Willen nicht öffnen. Zunächst versuchte sie es mit zerren und reißen, aber nichts tat sich.

Dann eben der Trick mit dem Rohr“, dachte sie. Auch der funktionierte nicht. Plötzlich hörte sie ein Geräusch. Es klang dumpf und schien von weit her zu kommen. „Hallo, ist da jemand“, rief sie gegen die geschlossene Tür. Keine Antwort. Sie versuchte es nochmal. Diesmal schrie sie so laut wie sie konnte und da kam die Antwort - ganz schwach. Sie konnte die Worte nicht verstehen und drückte ihr Ohr ganz fest an die Tür. Das kannte sie von früher, als sie manchmal an der Wand zum Schlafzimmer ihrer Eltern gelauscht hatte.

Ich bin hier unten“, flüsterte leise jemand. Es war eine Frauenstimme.

Wer sind Sie?“ rief Sabine so laut sie konnte.

Bitte warten Sie einen Moment“, flüsterte die Stimme zurück. Sabine drückte ihren Kopf noch fester an die Tür.

Ich bin hier unten gefangen“, bekam sie als nächstes zu hören. Die Stimme klang jetzt etwas deutlicher.

Ich habe mich soweit wie möglich hin zur Treppe bewegt. Weiter geht es nicht. Ich werde von einer Kette fest gehalten. Können Sie die Tür öffnen?“

Da unten ist tatsächlich noch jemand gefangen“, dachte Sabine.

Moment, ich will es versuchen!“

Sie drückte das Rohr unter den Türgriff und drehte sich um die eigene Achse. Das hatte schon einmal geholfen. Doch so sehr sie sich auch bemühte, die Tür ließ sich nicht öffnen.

Es geht nicht, es geht einfach nicht. Diese Scheiß Tür geht zum verrecken nicht auf“, keuchte sie verzweifelt nachdem sie es etliche Male versucht hatte.

Und jetzt?“

Ich weiß es doch auch nicht!“ Sabine war den Tränen nah. „Warten Sie einen Augenblick, ich muss mich kurz ausruhen.“

Ein Momentlang herrschte Schweigen. Dann fragte die Stimme hinter der Tür: „Wer sind Sie eigentlich?“

Ich heiße Sabine Hartmann und Sie?“

Sabine, du? Das gibt es doch gar nicht. Ich bin es, Diana, Diana Meyfarth“

Sabine war sprachlos. Sie benötigte einen Augenblick um die Nachricht zu verdauen.

Großer Gott Diana“, sagte sie. „Hat er dich auch entführt, wie geht es dir?“

Im Moment noch ganz gut“, antwortete Diana. „Noch hat mir der Wahnsinnige nichts getan. Aber ich habe eine Scheißangst.“

Seit wann bist du hier?“ wollte Sabine wissen.

Das kann ich dir nicht so genau sagen“, antworte Diana prompt. „Ein paar Tage bestimmt. Ich war auf einer Party, da hat mich dieses Schwein entführt. Keine Ahnung, was er von mir will.“

Hat er dir denn nichts von einer Prüfung erzählt?“ fragte Sabine.

Oh doch, das hat er. Er spricht andauernd davon. Der Spinner hält sich wohl für Gott oder so was ähnliches!“

Sei bloß vorsichtig Diana. Seine Prüfungen haben es in sich. Ich habe gerade eine überstanden.“

Aber du bist nicht frei?“

Ach was! Das ist alles nur reine Farce. Der Dreckskerl spielt mit uns. Wir werden hier nicht lebend herauskommen. Das hier ist ein verdammtes Labyrinth, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Großer Gott Sabine, können wir denn gar nichts tun?“ Diana weinte.

Ich glaube kaum. Bisher ist mir jedenfalls noch nichts eingefallen.“

Aber es muss doch einen Zugang geben. Ich meine, er hat uns schließlich auch hier rein gebracht.“

Den gibt es mit Sicherheit, bloß wo?“

Die Antwort weiß nur er. Hast du eine Vermutung, wo wir uns befinden?“

Ich habe absolut keine Ahnung. Hier sind Flure und Gänge mit vielen Zellen. Könnte ein altes Gefängnis sein, oder so etwas. Hier liegt ja auch eine Menge Schrott herum. Alte Rohre und Metallteile. Sagt dir zufälligerweise die Bezeichnung WK-11 etwas?“

Diana dachte kurz nach.

New, tut mir leid. Damit kann ich überhaupt nichts anfangen. Hast du noch mehr Gefangene gesehen?“

Einen Toten, aber die Einzelheiten möchte ich dir ersparen.“

Großer Gott, Sabine....hol mich hier raus!“ Sie schluchzte heftig.

Ich hab´s versucht, aber ich weiß nicht wie. Ich fürchte, ich werde es allein nicht schaffen.“

Bitte tu was, Sabine. Ich halte es hier unten nicht mehr länger aus!“

Ja, versuch es nur“, dachte ihr Peiniger weiter oben im Überwachungsraum und lachte sich dabei ins Fäustchen. Die Vorstellung lief besser, als er es sich erträumt hatte. „Aber die Kleine ist gar nicht dumm! Hat sofort begriffen, dass sie in einem Labyrinth gefangen ist. Und das mit dem Metallstück? Verdammt! Das muss ich ganz übersehen haben. WK-11 steht für Wehrmachtsbezirk elf. Mit ein bisschen Glück könnte sie herausbekommen, dass sie in Wirklichkeit in einem alten Militärbunker steckt. Und wenn schon..., was würde ihr diese Erkenntnis nützen? Nichts, absolut nichts! Er hatte sie in der Hand, wollte seine Erregung allerdings nicht auf die Spitze treiben. Noch nicht. den Hochgenuss wollte er sich für sein großes Finale aufheben.

Aber nun war es an der Zeit, die restlichen Teile des Anwalts zu entsorgen. Er zog sich Handschuhe über, packte die menschlichen Fleischreste in Plastiktüten, überprüfte die Sicherheitsvorkehrungen, verließ das Labyrinth durch den kleinen Gang, stieg die ausgetretenen Stufen hinauf und kletterte den Abhang hinunter, bis er den Pfad fand, auf dem er hergekommen war. Ein Trio schwarzer Vögel wurde von dem Geräusch seiner Schritte aufgeschreckt und stieg schnatternd in den Himmel auf. Irgendwie war es in den Wäldern niemals ganz still, aber die Geräusche der Natur besaßen eine beruhigende Wirkung auf ihn. Das Gezwitscher der Vögel, das Rascheln kleinerer Tiere im Unterholz, das Knacken von Ästen und Zweigen, oder die Wurzeln auf die er mit seinen Schuhen trat, mit all diesen Geräuschen konnte er umgehen. Es war der Lärm der Stadt, den er nicht mochte. Der kleine Waldparkplatz lag verlassen vor ihm. Nur sein Wagen stand einsam im Schatten der Dunkelheit, genau dort, wo er ihn abgestellt hatte. Er legte die Plastiktüten in den Kofferraum, stieg in den Wagen und fuhr davon. Nur einmal noch sah er in den Rückspiegel und wartete darauf, dass die Anhöhe vollständig aus seinem Blickfeld verschwand. Unterwegs verteilte er die Plastiktüten mit dem pikanten Inhalt auf verschiedene Stellen. Er wollte, dass man den Anwalt Schürmann wieder zusammensetzen konnten. Doch das hing ganz davon ab, wie schnell sie waren, und wie lange sie brauchten um die Leichenteile zu finden und sie zu identifizieren. Doch selbst dann, wären sie noch kein Stück weiter. Auf ihn würden sie niemals kommen. Er grinste hämisch. Vor einer Tankstelle parkte ein Streifenwagen. Er fuhr langsam daran vorbei. Ein glatzköpfiger Typ stieg aus dem Fahrzeug und begutachtete die Eingangstür. Deren Scheibe war eingeschlagen worden.

Das würde Ärger geben.

Aber es war nicht sein Ärger.

Er lächelte und fuhr weiter in Richtung Zentrum davon.


Grausig, nicht wahr? Aber in diesem Kapitel spricht unser Bösewicht von einem Finale. Welche Gemeinheiten für seine Gefangenen könnte er noch ausgeheckt haben? Welche Prüfungen sollen sie bestehen? Schickt mir Eure Vorschläge und Anregungen...

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