Mitmachkrimi erster teil des fünften Kapitels...

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petersplitt

vor 5 Monaten

Plauderecke

Das fünfte Kapitel ist wieder etwas länger. Hier kommt der erste Teil.



FÜNFTES KAPITEL


Am nächsten Tag fuhr Bernadette nach Köln. Es dauerte beinahe eine Ewigkeit, bis sie das Zentrum der Stadt erreichte. Unzählige Baustellen auf der Autobahn machten ein zügiges Vorankommen unmöglich. Überall wurde vergrößert, erweitert und ausgebaut, was das Zeug hielt. Erst nach dem Autobahnkreuz Köln-Ost lief der Verkehr ein wenig flüssiger. Sie bog in die Kanalstraße ein und sah den Dom vor sich.

Köln hat wirklich ein ganz eigenes Flair“, dachte sie. Plötzlich fiel ihr ein, dass sie bei all der Aufregung um ihre Schwester ganz vergessen hatte, für sich ein Hotelzimmer zu reservieren und in Deutz war gerade Möbelmesse.

Na dann Mahlzeit, Bernadette. Das hast du ja wieder prima hinbekommen“, rügte sie sich selbst. „Die großen Hotels kann ich getrost vergessen, aber wo bekomme ich jetzt ein freies Zimmer her, verdammt noch mal?“

Sie fuhr langsam weiter und überlegte rechts ranzufahren und mit ihrem Smartphone auf Airbnb ein Zimmer zu suchen, aber hinter ihr hupte bereits jemand, weil sie nicht schneller fuhr. „So viel zu den freundlichen Kölnern.“

Vor dem Hauptbahnhof sah sie einen Taxistand. „Das ist es. Die Taxifahrer müssten doch eigentlich wissen, wo in der Stadt noch eine Unterkunft zu bekommen ist!“

Sie hielt auf dem Taxistreifen, ließ das Seitenfenster herunter und rief dem erst besten Fahrer etwas zu.

Hier kannst du aber nicht stehen bleiben, Liebchen“, bekam sie als Antwort. Bernadette spürte, wie sie rot wurde. „Nur ganz kurz bitte! Ich bin auf der Suche nach einem freien Hotelzimmer.“

Der Mann sah sie an. Seine Augen signalisierten Mitleid. „Auweia, das sieht aber gar nicht gut für dich aus. Im Moment findet in Deutz die Möbelmesse statt. Da geht hier im Zentrum überhaupt nichts. Aber warte mal, nicht verzagen, Jupp fragen! Ich ruf `nen Kollege an. Der ist in Nippes unterwegs. Vielleicht hat der eine Idee.“

Aber in Nippes war auch nichts zu bekommen, doch zehn Minuten später hatte jemand für sie ein freies Zimmer im Stadtteil Dünnwald gefunden. Hastig notierte sie sich die Adresse und bedankte sich bei dem Taxifahrer für dessen Hilfe.

Die Kölner haben ihr Herz also doch am rechten Fleck“, dachte Bernadette, gab die Adresse in ihr Navi ein, setzte den Blinker und kurvte mit ihrem Wagen einmal rund um den Dom herum. Danach leitete sie das Navi Stadtauswärts Richtung Mühlheim und Dünnwald.

Das Hotel mit dem freien Zimmer hieß Petit Colonia und lag in der Nähe des Stadtwaldes. Es war ein unscheinbares Gebäude aus den 50er Jahren, welches seine besten Zeiten schon lange hinter sich hatte. Bernadette parkte ihren Stadtflitzer auf dem Seitenstreifen, stieg aus und ging nach hinten um die Heckklappe zu öffnen und ihr Gepäck herauszuholen. Doch ein älterer Herr kam ihr entgegen. Er trug eine Baskenmütze.

Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?“ fragte er mit freundlicher Stimme.

Oh ja bitte, das wäre sehr freundlich von Ihnen, vielen Dank. Gehören Sie zum Hotel?“

Genau so ist es, mein Fräulein. Wenn Sie gestatten, ich bin der Willi. Mir gehört dieses Traumschloß.“

Er schnappte sich ihren Koffer und trug ihn ins Hotel. Bernadette folgte ihm, nur bewaffnet mit ihrer Handtasche. Darin befanden sich ihre Schminksachen, ihr Handy, und vorsichtshalber eine Sprühdose mit Pfefferspray zur Selbstverteidigung. Das erste, was ihr beim Betreten des Hotels auffiel, war eine alte Standuhr. Sie stand im Flur und war nicht zu übersehen. Bernadette blieb davor stehen und bewunderte die Rarität.

Die habe ich von meinem Großvater geerbt“, erklärte Willi nicht ganz ohne Stolz. Die Rezeption befand sich im Hochparterre. Willi stellte den Koffer ab und zwängte seinen fülligen Leib hinter einen abgenutzten Empfangstisch.

Ich hoffe, Sie haben noch ein freies Zimmer für mich,“ sagte Bernadette ein wenig besorgt.

Äwer secher dat! Junge Damen sind bei mir stets herzlich willkommen.“ Er lachte und fügte schnell hinzu: „Nein, aber im Ernst, heutzutage bin ich nur noch sehr selten ausgebucht. Die großen Hotels in der Innenstadt machen mir sehr zu schaffen. Na Sie wissen schon …“

Natürlich wusste Bernadette was er meinte. Und mehr noch, als sie das Zimmer sah. Es war winzig und vollgestellt mit alten Möbeln. Wahrscheinlich stammten sie noch aus der Jugendzeit des Besitzers. Das Doppelbett war ohne Kopfteil. Der Schrank: Zweitürig, schräg, schäbig. Die Kommode mit Spiegelaufsatz: wackelig, eine Schublade fehlte. Desweiteren gab es: Zwei kleine Nachttische, einen rechteckigen Tisch, sowie zwei Stühle. Alles abgenutzt, wackelnd und aus dem gleichen hässlichen Nussbaumimitat gefertigt. Das ganze erbärmliche Bild des Raumes rundete eine Blümchentapete aus den 70er Jahren ab. Sie bestand im Wesentlichen aus den Farben Grün und Braun. Mit einem Seufzer ließ sich Bernadette auf das Bett fallen. „Na wenigstens scheint die Matratze in Ordnung zu sein und die Bettwäsche ist sauber“, dachte sie.

Passt Ihnen das Zimmer?“, fragte Willi ein wenig besorgt.

Bernadette zuckte zusammen. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass Willi zurückgekommen war. In der rechten Hand trug er ihren Koffer.

J..ja, dd…doch“, stammelte sie.

Prima. Dann müssen Sie nur noch das Meldeformular ausfüllen. Ordnung muss schließlich sein.“

Wieder lachte er und stellte den Koffer mit einer Kraft auf den Boden, die sie ihm niemals zugetraut hätte. Dann schien ihm noch etwas einzufallen. „Wie lange wollen Sie eigentlich bleiben?“, fragte er.

Wenn ich das wüsste?“, dachte Bernadette, sagte aber: „Vielleicht eine Woche.“

Sie wusste, dass spätestens dann die Möbelmesse in Deutz zu Ende war und sie mit Leichtigkeit ein anderes Hotelzimmer finden würde. Das heißt, für den Fall, dass sie bis dahin immer noch nichts von Diana gehört hatte.

Apropos...es kann ja nicht schaden, wenn ich ihm ein Foto von ihr zeige. Immerhin lebt Willi seit ewigen Zeiten hier in Köln und die Welt kann manchmal so verdammt klein sein.“ Sie griff in ihre Handtasche, zog ein Foto heraus, auf welchem sie zusammen mit ihrer Schwester zu sehen war, hielt es ihm hin und deutete auf die junge Dame an ihrer Seite.

Das ist meine Schwester Diana. Ich bin auf der Suche nach ihr. Sie kennen sie nicht zufällig?“

Willi griff nach dem Foto und warf einen Blick darauf. „Schönes Mädchen“, sagte er anerkennend. „Ein bisschen jünger als sie, was?“

Acht Jahre.“

Und sie soll hier in Köln sein?“

Ja, sie studiert an der Uni. Kommt sie Ihnen vielleicht bekannt vor?“

Willi schüttelte den Kopf. „Ich wünschte es wäre so, aber leider nein. Ich kenne sie nicht. Aber das will überhaupt nichts heißen, wo Köln doch so verdammt groß ist. Worum suchen Sie eigentlich nach ihr?“

Bernadette hatte keine Lust ihm die Einzelheiten zu erzählen. „Sagen wir einfach, weil ich seit längerer Zeit nichts von ihr gehört habe“, antwortete sie postwendend.

Ach so, jetzt versteh ich. Unstimmigkeiten unter Geschwistern sollen ja häufiger vorkomme als man denkt. Übrigens gehen die meiste Studenten zum Abfeiern in die Altstadt. Vielleich sollten Sie dort einmal nachfragen.“

Prima Idee, das werde ich tun. Vielen Dank für den Tipp. Soll ich Ihnen die Woche im Voraus bezahlen oder lieber jeden Tag einzeln?“

Das können Sie halten wie Sie wollen junge Dame, Hauptsache ich bekomme mein Geld. Das Zimmer kostet 20 Euro die Nacht.“ Er wandte sich zum gehen, blieb aber auf der Türschwelle noch einmal stehen und sah sie an.

Also dann genießen Sie ihren Aufenthalt im schönen Kölle“, sagte er bevor er hinaus auf den Flur trat. Drinnen sah sich Bernadette das Zimmer genauer an. „Naja, mehr als 20 Euro die Nacht ist diese Kammer auch wirklich nicht wert!“

Die Einrichtung war ihr so ziemlich egal. Hauptsache, es gab ein sauberes Bett und ein eigenes Bad. Sie bugsierte ihren Koffer vor das Bett und fing an auszupacken. Die Türen des alten Kleiderschranks waren verzogen und ließen sich nur schwer öffnen. Drinnen roch es muffig nach altem Holz. Sie überlegte, so viele Kleidungsstücke wie möglich auf die wenigen Bügel zu verteilen, die in dem alten Schrank hingen, verwarf den Gedanken aber schnell und legte stattdessen das, was sie benötigte, auf die Matratze neben sich. „Was zum Teufel tue ich eigentlich hier?“ fragte sie sich, während sie einen Blick in den Spiegel oberhalb der kleinen Kommode warf und feststellte, dass sie abgespannt aussah. Schnell ging sie ins Bad. Das Waschbecken war winzig, die Wände mit hellgrünen Kacheln gefliest. Sie drehte den Wasserhahn auf und wusch sich die Hände. Danach überprüfte sie ihr Make-up, ging zurück in ihr Zimmer und schob ihren Koffer unter den Holztisch, weil er ihr woanders im Weg war. Danach stellte sie die beiden Stühle davor, schnappte sich Jacke und Handtasche und ging hinaus.

Willi war gerade dabei ihre Anmeldung in einen Ordner zu heften. Er grüßte sie freundlich, sie erwiderte seinen Gruß, ging nach unten, stieg in ihren roten Flitzer und fuhr los.

Keine dreiviertel Stunde später stand sie vor einem alten Stadthaus im Kölner Ortsteil Lindenthal, welches den Studenten als Wohnheim diente. Während sie das Gebäude in Augenschein nahm und plötzlich spürte, wie sich ein Anfall von Nervosität in ihr breit machen wollte, trat ein Mann in einem blauen Overall aus dem Schatten des Eingangs, griff nach zwei Mülltonen, die seitlich davon aufgestellt waren und schob sie an die Straße.

Der Hausmeister!“ kam es ihr in den Sinn. Sie holte tief Luft und ging auf ihn zu, noch bevor er wieder in dem Hauseingang verschwinden konnte.

Hallo, hören Sie. Kann ich Sie bitte einen Moment sprechen?“

Der Mann drehte sich um und sah sie verdutzt an.

Was gibt es denn, junge Dame. Ich habe meine Zeit nicht gestohlen!“

Noch so ein freundlicher Kölner“, dachte Bernadette und spürte plötzlich den berühmten Kloß in ihrem Hals sitzen. So nah war sie ihrer Schwester schon lange nicht mehr gewesen.

Bitte entschuldigen Sie. Sie sind doch hier der Hausmeister, nicht wahr? Ich bin auf der Suche nach meiner Schwester Diana. Sie soll hier wohnen. Wenn Sie so freundlich wären und sich einmal dieses Foto hier anschauen würden. Ich bin mir sicher, sie kommt Ihnen bekannt vor.“

Die fleischige Hand des Hausmeisters griff nach dem Foto. Er betrachtete es eine Weile, dann schüttelte er mit dem Kopf. „Ich kann nicht behaupten, dass ich sie kenne“, sagte er bestimmt. Bernadette rutschte das Herz in die Hose.

Sind Sie sich da ganz sicher?“, fragte sie ungläubig. „Sie ist Studentin hier an der Uni! Sie müssen sie doch schon einmal gesehen haben.“

Die Uni liegt am Albertus-Magnus-Platz. Das ist noch ein gutes Stück von hier entfernt, junge Dame. Und wenn ich Ihnen sage, dass ich das Mädel auf dem Foto nicht kenne, dann kenne ich es auch nicht! Schließlich gibt es hier hunderte von Studenten und ihre Schwester kann genauso gut auch woanders wohnen.“

Sofort schossen Bernadette Tränen in die Augen.

Herr Kowalski…“, flötete eine schrille Stimme hinter ihr. Eine stämmige junge Frau hatte den Hausmeister gesichtet und befand sich im Begriff, den armen Mann in Beschlag zu nehmen. Mit einer eindeutigen Geste deutete sie auf ein Apartment zu ihrer Rechten und zog ihn entschlossen mit sich. Bernadette stand allein auf der Straße und fühlte sich einsam und verlassen. Wie in aller Welt sollte sie so Diana finden?

Einige junge Leute zogen lachend an ihr vorbei. Es waren Studenten.

E…einen Moment bitte.“ Bernadette reagierte beinahe panisch. Wild mit den Armen gestikulierend hielt sie ihnen das Foto ihrer Schwester entgegen.

Bitte! Nur einen kurzen Moment. Ich suche meine Schwester. Haben Sie sie vielleicht schon mal gesehen?“

Die jungen Leute sahen sich an. Ihre Blicke waren eindeutig. Was wollte diese Verrückte von ihnen? Sie schüttelten ihre Köpfen, lachten und gingen weiter. Ein junger Mann drehte sich nochmals um und rief ihr etwas zu.

Versuchen Sie es doch bei der Universitätsverwaltung. Dort sind alle Studenten registriert. Wenn ihre Schwester hier studiert, dann muss sie dort eingetragen sein.“

Gute Idee!“ Bernadette ging zurück zu ihrem Wagen, setzte sich hinter das Lenkrad und fuhr noch ein gutes Stück die Universitätsstraße hinunter. Am Ende bog sie rechts ab. Den Uni-Campus am Albertus-Magnus-Platz konnte sie gar nicht verfehlen. Es war der größte Gebäudekomplex weit du breit. Sie parkte ihren Wagen auf dem Parkplatz, löste einen Parkschein für eine halbe Stunde und betrat das Unigelände. Hier begab sie sich auf ein völlig unbekanntes Terrain.Frage: Bernadette fährt nach Köln. Welches Auto passt zu ihr? (Marke, Farbe, Kosename )

  1. Frage: Bernadette fährt nach Köln. Welches Auto passt zu ihr? (Marke, Farbe, Kosename )

  2. Frage: Gefällt Euch der Name „Willi“ für einen Hotelier?





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