Rezension: Dance of Seduction von Vanessa Grant

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MaraLaue

vor 2 Jahren

Klischee, Klischee, Klischee - übelste Klischees
Bewertung: 2 Sterne

Der Inhalt:

Archäologe Ricardo ist überzeugt (die alten Maya-Götter wissen warum), sich nie „irrational leidenschaftlich“ zu verlieben. Aber als er Maria, die als berühmte Tänzerin „La Gitana“ auf der Bühne steht, zum ersten Mal tanzen sieht, ist es um ihn geschehen. Maria ist aber nach einem traumatischen Date „innerlich erstarrt“ und will nie im Leben einen Mann. Doch als sie Ricardo zum ersten Mal im Zuschauerraum sieht, macht er ihr zwar Angst (er ist groß und ernst und deshalb - Achtung Ironie! -, wahrlich zum Fürchten!), aber trotzdem fasziniert er sie. Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Ricardo stellt ihr hartnäckig in bester Stalker-Manier nach, verfolgt sie sogar bis nach Hause, obwohl die Adresse streng geheim gehalten wird (die Autorin bleibt die Antwort schuldig, wie er dieses Geheimnis gelüftet hat), und will Maria gleich heiraten, obwohl er sie zu dem Zeitpunkt kaum kennt. (Achtung Ironie: Wirklich überaus glaubhaft!) Obwohl sie ihn mehrfach zurückweist und nach der ersten Liebesnacht mit ihm Schluss macht, wird natürlich alles gut und sie kriegen sich und wollen gleich ein Baby.

 

Der einzige Grund, warum ich diesem Buch 2 Sterne gebe ist, dass es stilistisch einwandfrei geschrieben ist und sich flüssig liest. Auch die romantischen Szenen sind handwerklich gut geschrieben.

Den Inhalt fand ich nicht nur wegen der Klischees schwer verdaulich.

Besonders missfallen hat mir die Botschaft, dass da nur der „richtige“ Mann kommen muss, um einer vergewaltigten Frau die Angst vorm Sex zu nehmen und alles ist wieder gut - nachdem schon ein Kuss (!) sie in Panik versetzt hat. Das ist ein Schlag ins Gesicht jedes Vergewaltigungsopfers! Und dass der Sex mit dem „richtigen“ Mann dann auch gleich beim ersten Mal klappt und soooo toll ist und die „erkaltete“ Leidenschaft der armen Frau „erweckt“ – schlimmer (und realitätsferner) geht es nicht mehr mit den Klischees! Das ist meiner Meinung nach auch nicht mehr mit der „dichterischen Freiheit“ zu entschuldigen oder damit, dass es sich um Fiktion und nicht um einen Erlebnisbericht handelt. Wenn man sich eines solchen Themas annimmt, dann sollte man es sensibel und wenigstens halbwegs realistisch behandeln. Das geht auch innerhalb einer fiktiven Liebesgeschichte, die dadurch nicht weniger romantisch werden muss, wenn man sich Mühe gibt.

 

Doch damit nicht genug! Die Autorin vermittelt das gefährliche und absolut realitätsfremde Bild, dass eine Frau Ja meint, obwohl sie Nein sagt. Geht’s noch, Ms. Grant??? Maria hat Angst vor Ricardo. Er bestimmt „Du gehörst mir!“, sie sagt mehrfach „Nein!“, was ihn nicht die Bohne interessiert. Beste (südamerikanische) Macho-Manier. Trotzdem trifft sie sich mit ihm und findet ihn ja ganz nett, fährt sogar allein (!) mit ihm zum Strand, wo sie dann händchenhaltend mit ihm im Wasser spaziert. (Trotz Angst? Trotz Trauma? Das halte ich für ein Gerücht!) Und obwohl sie ihn nett und angenehm findet (aber trotzdem noch Angst vor ihm hat - ???), rennt sie anschließend davon, denn sie will ihn ja nicht, stellt aber fest, dass sie ihn doch liebt (wieso eigentlich, wird einem als Leserin nicht klar). Auch sonst benimmt sich die „Heldin“ selten wie eine erwachsene Frau und eher wie ein herumzickender unreifer Teenie mitten in der Pubertät, der seine eigenen Handlungen nicht nachvollziehen kann. (Der Leser kann das erst recht nicht.)

 

Dann die Liebesnacht. Maria lässt sich angeblich nur darauf ein in der Überzeugung, wenn sie sich Ricardo einmal hingegeben hat, wird er das Interesse an ihr verlieren und sie verlassen. Frage: Glaubt die Autorin wirklich, dass eine erwachsene (!) Frau Ende zwanzig derart naiv sein kann? Aber gut, so was gibt es vielleicht tatsächlich. Nur als Heldin eines Liebesromans taugt so eine Figur wirklich nicht. Trotz Marias Trauma und ihrer Angst wird der Sex natürlich toll, aber hinterher hat Maria Angst vor ihrer eigenen Courage und macht mit Ricardo „endgültig“ Schluss (glaubt der Leser keine Sekunde!) – nur um ein paar Wochen später reumütig zu ihm zurückzukriechen, weil sie ihn ja liebt und ohne ihn nicht leben kann. (Wie vorhersehbar!!!) Und der darauf folgende Sex gilt beiderseitig als Akt zur Zeugung eines Babys. Klischeehafter geht es wirklich nicht mehr!

Zwar schreibt das Genre vor, dass vor dem Happy End alles drohen sollte endgültig zu scheitern, um die Spannung zu erhöhen. Aber das kann man erheblich glaubwürdiger schreiben, wenn man sich die Mühe macht, anstatt der Klischees und an den Haaren herbeigezogenen „Begründungen“ einen echten Konflikt auftauchen zu lassen. Derer gibt es in Beziehungen schließlich genug. Die Autorin hat sogar einen eingebaut: Wegen eines Gerüchtes glaubt Maria, dass Ricardo eine andere Frau liebt. Warum die Autorin das nicht als den zentralen und erheblich glaubhafteren Konfliktpunkt für Marias Ablehnung genommen hat, bleibt ebenso ihr Geheimnis wie die Frage, ob sie wirklich glaubt, ihre Leser mit dieser geballten Anhäufung von Klischees und einer auch ohne diese Klischees völlig unglaubhaften Liebesgeschichte begeistern zu können.

 

Noch ein paar Worte zu den handwerklichen Schwächen. Die Charaktere bleiben blass. Ihre Handlungsmotive werden (mir) selbst am Ende, wo die beiden sich einander erklären, beim besten Willen nicht klar und sind (für mich) unausgegoren und deshalb in keiner Weise nachvollziehbar. Die meisten Dialoge sind nichtssagend und ohne echten Inhalt, ebenso einige Handlungen.

Letztes Mako: Es soll ein Liebesroman sein. Die Liebe kommt nur am Rande vor und wirkt derart konstruiert und deshalb unglaubhaft, dass sie nicht einmal für die Realität taugt (die ja manchmal die unglaublichsten Geschichten schreibt), geschweige denn für einen LIEBESroman, bei dem die Liebe im Mittelpunkt stehen sollte. Liebe auf den ersten Blick gibt es, keine Frage! Aber die kann und sollte man erheblich glaubhafter darstellen. Mich hat der Roman leider in keiner Weise überzeugt.


PS: Der Grund, warum ich das nicht als Rezension veröffentlichen konnte, ist, dass das System das Buch nicht kennt und deshalb den Text nicht als Rezension annehmen wollte. Liegt vielleicht daran, dass Vanessa Grants Bücher noch nicht auf Deutsch erschienen sind.  Wenn dieser Roman für die Autorin typisch sein sollte, ist das definitiv kein Verlust.

 


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