Rezensionsexemplare und ihre Verpflichtungen

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Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

Ich habe mir mal die Freiheit genommen, die Diskussion, die im Thread "Abgebrochene Bücher rezensieren?" aufgeflammt ist, hier her zu verlagern, weil sie im Grunde nichts mehr mit der Anfangsfrage zu tun hat (es geht nicht mehr darum, ob man abgebrochene Bücher rezensieren kann, sondern eher umgekehrt, ob man Rezensionsexemplare abbrechen darf).
Mich selbst interessiert es nämlich durchaus, wie Rezensenten, gerne aber auch "normale" Leser die Vergabe von Rezensionsexemplaren sehen. Welche Verpflichtungen gehen Rezensenten eurer Meinung nach ein, wenn sie Freiexemplare anfordern? Und wie ist das mit gewonnenen Büchern oder Rezensionsexemplaren, die man unangefordert vom Verlag erhält?

Cat_Lewis

vor 6 Jahren

Ich bekomme als Rezensentin und Betreiberin eines Bücherblogs ab und zu Rezensionsexemplare zugeschickt, die ich dann gerne auch rezensiere. Diese suche ich mir allerdings auch selber aus und überlege vorher an hand der Leseprobe, ob mir dieses Buch wirklich gefallen könnte, da ich mittlerweile schon 2 mal auf die Nase gefallen bin.
Das erste Buch hat mir nicht allzu sehr gefallen, ich habe es allerdings trotzdem gut bewertet, da ich mich damals noch nicht so getraut habe, etwas negatives zu sagen.
Den zweiten Fall habe ich bereits in dem anderen besagten Thread erläutert - das Buch hat mir absolut nicht gefallen, ich war ehrlich, dem Verlag hat es nicht gepasst.
Daraufhin habe auch ich mich mit der Frage beschäftigt: Welche Erwartungshaltung haben die Verlage?

Ich habe neulich 2 Bücher unaufgefordert zugeschickt bekommen. Ein Comic, ein Comiczeichenkurs. Ich fands toll, da ich mich früher sehr intensiv mit soetwas beschäftigt habe. Ich habe beide Bücher sofort rezensiert, der Zeichenkurs hat eine sehr gute Bewerung bekommen. Der Comic dagegen war ein Reinfall. Ich habe beide Rezensionen an die zuständige Pressefrau geschickt - sie konnte super damit umgehen, dass ich das eine Buch nicht mochte. Ich bin ehrlich gesagt auch sehr froh drüber, da ich persönlich keine Lust habe, mich mit Verlagen auf Grund meiner ehrlichen Meinung streiten zu müssen.

Wenn ich allerdings ein Buch anfordere, lese ich es auch bis zum Schluss. Schließlich erwartet der Verlag ja auch meine Rezension - als Gegenpart sozusagen. Dabei kommt es nicht drauf an, wie ich das Buch finde. Mir ist das persönlich sehr wichtig, auch meine Rezensionen abzuliefern.

Ich habe auch schon gehört, dass manche Leute nur rezensieren, weil sie Gratis-Bücher bekommen wollen. Diese Haltung finde ich einfach unverschämt.
Ich rezensiere Bücher, weil ich anderen Leuten meine Meinung dazu vermitteln möchte und sie (was größtenteils bei meinen Rezensionen der Fall ist) auch zum Kauf animieren möchte. Dies ist denke ich auch der Grundgedanke bei Rezensionsexemplaren.

In letzter Zeit habe ich öfters Absagen von Verlagen bekommen, mit dem Argument, sie geben nichts mehr an Buchblogger heraus. In letzter Zeit sind so viele Blögs aus dem Boden aufgeschossen, dass es einfach zu viele für die Verlage werden, das kann ich auch absolut verstehen und akzeptiere die Absagen.

Insgesamt würde mich aber auch interessieren, wie viele Leute dieser ganzen Bücherblogs nicht einfach nur diesen Blog betreiben, um an "kostenlose Bücher" heran zu kommen...?

eifelmini

vor 6 Jahren

Also, ich kann ruhigen Gewissens behaupten, dass ich meinen Blog nicht betreibe um Leseexemplare von Büchern zu bekommen! :-)
Ich habe keinen reinen Bücherblog, sondern ich schreibe über das, was mir gerade in den Sinn kommt. Das können lustige Begegnung, Kuriositäten im Internet, Veranstaltungen oder Erfahrungsberichte mit Online-Shops o.ä. sein. Ich habe auch schon Produkttests gemacht.

An der Vielfalt desen, worüber ich schreibe, merkt man ja, dass es mir nicht nur um Bücher geht. ;-) Natürlich freue ich mich, wenn ich hier bei lovelybooks ein Buch gewinne oder ein Rezensionsexemplar von einem Verlag zugeschickt bekomme. Ich kaufe aber auch mindestens genauso viele Bücher selbst und sage trotzdem meine Meinung dazu.

Wenn ich ein Rezensionsexemplar erhalte, schreibe ich selbstverständlich eine Rezension darüber. Dabei schmiere ich niemandem Honig um den Mund, sondern sage offen und ehrlich meine Meinung, denn das ist der Grund warum ich mit dem Bloggen angefangen habe!
Schlechte Erfahrungen habe ich damit bisher noch nicht gemacht, habe aber bisher auch noch nicht viele Bücher gelesen, die mir nicht gefallen haben. ;-)

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Gwyneth

vor 6 Jahren

sunlight schreibt:
Ich bewundere die Leute, die ihren Blog regelmäßig aktualisieren und auch noch viel lesen. Wie machen die das nur? Über LB bin ich auf - Achtung Werbung - Ada und Ailis' Blog gestoßen und da schaue ich schon 1-2x pro Woche vorbei. Die beiden liegen meist auf meiner Linie und davon profitiere ich ziemlich.

Manchmal frage ich mich aber auch, wie manche das schaffen. Ist wirklich bewundernswert.
Ich habe momentan frei, daher lese ich ein Buch innerhalb von 1-2 Tagen und dann kommt auch direkt die Rezi, so lange ich nicht gereade einen größeren Ausflug geplant habe. Wie manche das aber mit Job, Kind und Haushalt so gut hinbekommen.. wow. Da würde ich wohl kläglich versagen.

Daniliesing

vor 6 Jahren

@Gwyneth

Da muss ich mal drauf achten. Mir ist das bisher tatsächlich noch gar nicht aufgefallen. Ich sehe meist eher 'ellenlange' Rezensionen, was überhaupt nicht negativ gemeint ist. Bei mir variiert es übrigens von Buch zu Buch, ob ich eher eine lange Rezension oder eine kürzere lesen möchte. Ich freue mich also immer, wenn es beides gibt :-)

Gwyneth

vor 6 Jahren

@Daniliesing

Ja, das ist bei mir auch so :) Manchmal wirds richtig lang, manchmal eher kurz.. aber 10 Zeilen ohne auf irgendwas wirklich einzugehen, gabs bei mir noch nicht. Solche "Rezensionen" helfen mir leider auch nicht, da meist die Begründungen fehlen. Im Allgemeinen mag ich aber auch sowohl kurze Rezensionen, als auch etwas längere.. so lange sie gut geschrieben sind. :)

Gospelsinger

vor 6 Jahren

@Gwyneth und Daniliesing: Ich gehöre zu denen, die sehr viel lesen und rezensieren, trotz Kindern, Haushalt und Elternarbeit. Mein "Rezept", trotzdem Zeit zum Lesen aus dem Tag zu quetschen: Ich lese auch unterwegs, also in Bus und U-Bahn, und, vor allem, ich sehe so gut wie gar nicht fern. Ein normaler Fernsehabend reicht für 1/2-1 Buch...

Was die Länge der Rezensionen angeht, schreibe ich auch eher prägnant und kurz, weil ich die umgekehrt auch am liebsten lese (Ausnahmen bestätigen die Regel). Aber das hängt auch vom Buch ab. Es gibt auch seeehr lange Rezis auf meinem Blog (Sarrazin!).

Da ich mir die Rezensionsexemplare aussuche, kommt es recht selten vor, dass mir ein Buch so gar nicht gefällt, erst recht nicht, dass ich es abbreche. Würde ich bei Reziexemplaren auch nicht. Wenn ich ein Buch dann aber doch mal schlecht oder sogar grottenschlecht finde, schreibe ich das auch in die Rezi und veröffentliche das auch so. Meine Rezis schreibe ich zwar als Gegenleistung für das Reziexemplar, aber in erster Linie für andere Leserinnen und Leser, nicht für den Verlag. Bisher hatte ich damit noch nie Probleme mit den Verlagen.

NiliBine70

vor 6 Jahren

Zuerst mal: Ich habe KEINEN Blog, dazu hab ich einfach keine Zeit, aber selbst wenn, ich würde ungern den Ruf weghaben, mein Blog nur zu betreiben, weil ich angeblich Bücher umsonst haben möchte. Ich finde es sehr fatal, dass gerade die Blogs neueren Datums mit diesem Makel leben müssen, dass unterschwellig von den alten Hasen oftmals so gedacht wird. Wobei ich wahrlich nicht abstreiten möchte, dass es diese Blogs oder Blogbetreiber gibt. Aber gibts nicht überall schwarze Schafe?

Dann zu dem Thema Rezensionsexemplare oder die Pflichten.
Ich empfinde es als wahnsinnigen Segen, dass die Verlage so spitze sind, dass sie Leseexemplare ausgeben, manche ja auch wirklich sehr sehr freigiebig. Und ich fühle mich auch ein wenig geschmeichelt, wenn Verlage mit mir auf diese Art und Weise zusammenarbeiten. Ich rezensiere diese Bücher für eine andere Plattform und da dann auch ausschließlich.

Und da schreibe ich auch ganz ehrlich, aber mit fairen Worten, dass mir ein Buch nicht gefällt. Es ist immerhin meine ganz persönliche Meinung und was für mich bildlich gesprochen ein Griff ins Klo sein kann, ist vielleicht bei jemand anderen ein echtes Highlight, alles schon erlebt! Aber bisher war das für mich noch nie ein wirklicher Nachteil.

Ich lese 99,9 % der Bücher, die ich bekomme, besitze wie auch immer, bis zum Schluss. Und wenn ich wirklich mal eins habe, dass einfach "unlesbar" ist, dann wird das mit vernünftigen Worten auch in der Rezi erwähnt. Ich denke, mir was zurechtzulügen, ist nicht im Sinne des Ganzen und bringt weder Verlag, noch das Buch/den Autoren weiter.

Um zu viele Bücher zu vermeiden, die mir nicht liegen oder meinen Genres nicht entsprechen, geb ich das bei den Verlagen an und im Großen kommen dann auch nur die Titel, die in diese Bereiche fallen. Und es kann auch mal sein, dass ein Titel ungefragt kommt, aber dann auch aus meinen Interessengebieten. Wo ich dann wiederum sage, ist doch unheimlich toll!!!

Was die Länge der Rezis angeht, da kommt es auf viele viele Faktoren an. Wie mich das Buch gepackt hat, wieviel ich schreiben kann, ohne zu viel zu spoilern, Tagesform....Aber ich finde es traurig, dass manche glauben, wenn sie einen Roman als Rezi schreiben, bürge das von Qualität...man kann auch seitenlang gar nichts erzählen ;-)

Ich würd sagen, unter dem Strich ist Rezensieren eine dermaßen individuelle Sache und wirkliche Richtlinien gibt es da einfach nicht. Dafür sind wir doch alle viel zu verschieden und empfinden auch genauso!

Gwyneth

vor 6 Jahren

@NiliBine70

Das hast du ganz klasse geschrieben! :) Da stimme ich dir 100% zu.

Gospelsinger

vor 6 Jahren

Tolles Schlusswort, NiliBine!

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