Selbstversuch im Selbstverlag

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andreas_heineke

vor 5 Jahren

Ich bin hier neu und wollte mich mal vorstellen. Ich bin Andreas Heineke, Journalist und Sachbuchautor. Jetzt habe ich im Selbstversuch meinen ersten Roman "Der Sound der Provence" bei Epubli veröffentlicht. Über meine Erfahrungen und den ganzen Weg bis zu eigenen Buch berichte ich im Blog vom Magazin "Bücher." Würde mich über ein Erfahrungsaustausch freuen.
Den ersten Teil gibt es hier gleich, wer neugierig ist, kann die Blogs jetzt bei "Bücher" komplett lesen.

andreas_heineke

vor 5 Jahren

Ich muss mit einem Rückblick beginnen, denn seit der Frankfurter Buchmesse ist in meinem Leben nichts mehr so, wie es mal war. „Ja, ich habe verstanden“, habe ich vor mich hingebrabbelt, während ich neben Martin Suter auf der Rolltreppe auf dem Messegelände nach oben gefahren bin. Nach oben ins Licht, an die Stände mit den großen Versprechungen in Halle 3.1 Wie die Parkplatzeinweiser standen die E-Book Betreiber in den Gängen und haben ihre Broschüren verteilt.
„Jetzt das eigene Buch veröffentlichen“, „In drei Schritten zum eigenen Buch“, oder „ Sie schreiben, wir veröffentlichen.“ Es ist die schöne neue Welt für uns Autoren. Alles ist so einfach, so verlockend und nebenbei werden traumhafte Gewinnmagen versprochen. 70% bieten sie, einige sogar 80% und natürlich mit Print on Demand. Das kann kein Verlag leisten. Mit Glück gibt es 8%, dann aber ist man ein Star. Wo der Rest bleibt, darüber darf man gar nicht nachdenken. Ich hätte ab 100 000 verkaufter Exemplare eines Sachbuchs, das ich mal geschrieben habe, gerade mal 6,5% bekommen. Muss ich erwähnen, dass ich natürlich deutlich weniger verkauft habe?
Wer sein Buch jetzt auf den E-Book Portalen anbietet, kann es sogar auch als herkömmliches Buch anbieten. Ist es nicht genau das, wovon wir Autoren träumen? Das Buch im Buchladen oder im Onlineshop, aber eben als Buch? Auf der Buchmesse habe ich schnell verstanden, dass das Buch zwar nie ausstirbt, aber dass das E-Book eben doch die coolere Variante des Lesens ist. Lesen 2.0 eben. Und das leben die E-Book - Produzenten vor. Stolz verkünden sie die immer höheren Verkaufszahlen. „Die Leute lesen sogar wieder mehr, seitdem es E-Books gibt“, strahlen sie wie Kulturbeauftragte.
Ich gehe in das Lesezelt auf der Buchmesse. Hier ist immer was los. Jana Frankenberg ist angekündigt. Sie ist so etwas wie der Morgenstern am Himmel der E-Booker. Das Aushängeschild vom Self-Publisher Epubli. Stolz verkünden die Gründer, dass die Autorin, die eigentlich ganz anders heißt, alles richtig gemacht hat. Ihr Buch, „Liebe, Sex und andere Katastrophen“ ist das, was man einen Bestseller im Markt der E-Reader nennt. Es geht vollkommen überraschend um Sex. Mit unterschiedlichen Männern, bis der richtige dabei ist. Wahrscheinlich kommt der nie, ich habe es nicht zu Ende gelesen. Es ist ein bisschen schlüpfrig, sogar ein bisschen unanständig, wie eine der guten Folgen von Sex and the City. „Vielleicht“, denke ich, als ich im Internet hineinlese, „will man das Buch einfach nicht in der Hand haben, wenn man im Bus sitzt?“ „50 Shades of Grey“ war ja auch erst nur ein E-Book. Aus gutem Grund. Jana Falkenberg lässt sich an diesem Tag entschuldigen, sie ist krank. Im Internet finde ich übrigens auch kein Gesicht zur ihr und irgendwo lese ich, dass sie anonym bleiben will. Gute Besserung.
Doch das Zelt ist gut besucht, die Epubli Gründer nutzen die Gunst der Stunde, denn sie gehen davon aus, dass ich nicht der einzige Autor im Publikum bin. Stimmt, wegen des Inhalts sitze ich nicht da. In der „Frage-und-Antwort-Stunde“ erzählen sie viel über ihre Idee und über den neuen E-Book Markt. Sie geben viele Tipps. „Lassen sie das Buch lektorieren“, „bauen sie ein schönes Cover“, und „machen sie Werbung. Bei Facebook, Twitter und so.“ Die beiden sind mir sympathisch, sie sind Autorenfänger. Ich bin ihnen verfallen. Ich werde es probieren, ich brauche nur ein Cover, das Buch ist fast fertig.

Annilane

vor 5 Jahren

Hallo Andreas!
Hier bist du genau richtig, wenn es um die Werbung geht. Mit deinem Roman könntest du hier eine Leserunde veranstallten und dir dabei die Meinungen einiger Leser zunutze machen. Denn wenn du erst mal gute Rezensionen bekommen hast, dann lässt sich ein Buch auch bestimmt besser verkaufen.Logischerweise...ich kaufe mir ja auch kein Buch, dass schlecht bewertet wurden ist. Und solche Leserunden machen auch verdammt viel Spaß. Wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Glück mit der Veröffentlichung deines Romanes.
LG :)

andreas_heineke

vor 5 Jahren

@Annilane

Liebe Annilane,
das ist echt nett von Dir. Vielen Dank.
Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wie man das macht....
Liebe Grüße

Annilane

vor 5 Jahren

Wende dich am besten an eine Person von LB. Die können dir auf jeden Fall weiterhelfen. Organiesieren ja zum Teil die Leserunden. Dich hat doch bestimmt jemand auf deinem Profil begrüßt. Ich würde da einfach mal per PN nachfragen.
Schönen Abend noch und gutes gelingen ;)

andreas_heineke

vor 5 Jahren

Ein Buch und seine Geschichte Teil 2
"Der Sound der Provence"
http://www.epubli.de/shop/autor/Andreas-Heineke/5136


Dann der Abend auf der Frankfurter Buchmesse. Jeder will auf die wichtigsten Parties. Ich hatte Glück, eine Freundin hat mich bei der Fischer-Party eingeschleust. „Hier sind sie alle“, hat sie gesagt, die ganzen Verleger. „Die brauche ich nicht mehr“, habe ich bei mir gedacht und vom Tablett ein Glas Weißwein genommen, „ich bin jetzt Self-Publisher.“
Und dann hatte ich diese schicksalhafte Begegnung. Ich lernte Andreas kennen, einen Buchcoverdesigner, einer, der den Markt richtig gut kennt, der aber vor allem weiß, wie ein Buch aussehen muss. Ich erfahre, dass die Leute im Buchladen nicht länger als eine Sekunde ein Buch anschauen und falls sie danach greifen, es nicht länger als acht Sekunden in der Hand halten. „Ich finde das irgendwie ernüchternd“, sage ich, „Mein Buch wird als E-Book nicht größer als eine Briefmarke im Onlineshop zu sehen sein.“
Durch meinen Kopf rauscht eine Bilderwelt. Pinien, Rosé, Weinberge, Steinmauern, Lavendel, Rockmusiker. Meine Frau hat im Urlaub mal einen pinkfarbenen Renault in der Provence aus dem Auto fotografiert. Cooles Bild, passt perfekt zu meinem Provenceroman, den ich geschrieben habe. Ich erzähle Andreas davon. „Was kostet so ein Buchcover eigentlich?“ Die Summe, die ich höre, übersteigt mein Budget. Normalerweise zahlt das ja auch der Verlag. „Ach so.“
Aber ohne Cover braucht man das Buch gar nicht anzubieten, auch wenn es auf dem Bildschirm des Readers keine große Rolle spielt. Für den Verkauf, für die Sekunde, wenn die Maus über das Buchcover rauscht, muss es stimmen. Über Buchgestaltung muss ich noch viel lernen.
Dann trinken wir zusammen. „Eigentlich“, erzählt mir ein Kollege aus der Markus Lanz Redaktion, „steht hier auch immer Ralf Husmann, aber der ist wohl auf einer anderen Party.“ Ich muss an sein Buchcover mit der Banane denken und frage mich, was das mit seinem Buch zu tun hat. Dann trinken wir weiter, alle zusammen, es wird später, der Abend immer lustiger. Andreas meint inzwischen, in mir einen Promi ausgemacht zu haben. Er sagt, ich sehe aus wie Jan Josef Liefers. Er will ein Foto von uns. Ich gebe mein erstes Autogramm. Dann fragt er mich, worum es in meinem Buch denn eigentlich geht. „Selbst schuld“, denke ich. „Gibt es etwas schlimmeres, als wenn jemand einem auf einer Party der Frankfurter Buchmesse den Inhalt seines Romans vermitteln will? Ich probiere es: „Es geht um einen Talentscout in einer Plattenfirma. Der hat vor 10 Jahren mal einen Hit entdeckt. Nur leider war der Künstler schwierig und hat sich aus dem Business zurückgezogen. Jetzt kommt so eine Art Robbie Williams und will ein Duett mit ihm aufnehmen. Meine Hauptfigur reist in die Provence, wo der Sänger glücklich mit seiner Tochter lebt, in die mein Held sich verliebt. Doch in dem Leben des ehemaligen Musikers spielt Musik überhaupt keine Rolle mehr. Er ist Hobbykoch und Gourmet geworden und genießt das Leben und es ist ein besseres. Da muss ein urbaner Musikmanager ohne französisch Kenntnisse in einem provencalischen Dorf leben, um einen Musiker zurück auf die Bühne zu bringen und eine Lebensentscheidung für sich fällen.“
„So in etwa ist das“, hänge ich dran und nehme noch einen Schluck.
Andreas hört mir tatsächlich zu. Er gibt mir seine Nummer und sagt: „Klingt nett, melde dich mal.“ „Was für ein netter Mensch“, denke ich und rufe ein Taxi.

http://www.epubli.de/shop/autor/Andreas-Heineke/5136

andreas_heineke

vor 5 Jahren

Die Geschichte meines Buchs.
http://www.epubli.de/shop/autor/Andreas-Heineke/5136

Die Buchmesse ist inzwischen lange vorbei. Ich habe jetzt zwei Wochen an meinem Roman gearbeitet. Heute habe ich zum Hörer gegriffen und meinen neuen Freund Andreas angerufen. Das habe ich getan, nachdem ich meiner Frau das Cover meines Buchs mit ihrem Foto vom pinkfarbenen Renault gezeigt habe. „Das kannst du so nicht machen.“
Andreas erinnert sich an mich, nennt mich Jan Josef Liefers. Er will noch einmal den Inhalt meines Buchs und den Titel. „In Frankreich isst man Schnecken“, sage ich. Er sagt erst nichts.
„Das ist ein Roman, in dem es auch um die Liebe geht, oder?“
„Ja, auch. Irgendwie“, sage ich.
„Nee, ich mein nur. Klingt ja nicht gerade nach großen Emotionen und das Wort Schnecke ist auch irgendwie scheiße. Das klingt so, als hätte Daniela Katzenberger eine Frankreich-Reise gemacht und jetzt schreibt sie darüber.“
„Das ist hart“, sage ich.
Andreas muntert mich auf. „Du musst noch mal drüber nachdenken. Die Provence ist doch wichtig“, sagt er. „Das muss irgendwie in den Titel und Liebe darf da auch drin vorkommen. Die meisten Leser sind Leserinnen. Ich würde das kommerziell lösen.“
Was mir einfällt, klingt irgendwie nach Vorabendserien im ZDF, und das sage ich auch.
„Wer soll dein Buch eigentlich lesen?“, fragt Andreas mich.
Eine genaue Antwort habe ich nicht. Ich traue mich nicht zu sagen, dass ich da noch nie drüber nachgedacht habe. Ich habe einfach einen Provence-Roman geschrieben.
„Dafür gibt es ja auch Leute wie mich“, sagt der Graphiker. Sein Lachen klingt aufmunternd. Er bietet mir seine Hilfe an, will mal ein Buchcover für mich entwerfen.
„Irgendetwas Gefühliges“, sagt er.
„Normalerweise macht das ja ein Verlag“, sagt er noch.
„Ich brauche keinen Verlag“, antworte ich, aber ich habe Dinge schon mit mehr Überzeugung gesagt.

http://www.epubli.de/shop/autor/Andreas-Heineke/5136

andreas_heineke

vor 5 Jahren

Liebe Blogger und Kritiker,
ich blogge hier über meine Selbsterfahrung mein eigenes Buch als E-Book zu veröffentlichen. Ich erzähle von den Anfängen bis zur Veröffentlichung. Vielleicht hilft es insbesondere den Autoren, die vielleicht auch die neuen Medien nutzen möchten, um Ihr Buch zu veröffentlichen. Ich freue mich über viele Anregungen, Kritikern und Followern und Facebook-Teiler. Demnächst eröffne ich hier auch eine Leserunde. Viel Spaß.

andreas_heineke

vor 5 Jahren

Und wie versprochen, geht die Geschichte hier weiter:

Heute habe ich mich mit der Seite von Epubli beschäftigt. „Buchdruck von morgen“ steht da. Und „Mein Buch, einfach schön.“ Ein Bild zeigt eine Frau mit einem E-Reader in der Hand. Der junge Mann, der an ihrem Rücken sitzt, schreibt ein Buch. „Ja“, denke ich, „Fotos sagen oft mehr als Worte.“ Ich lese alles genau durch, auch den Autorenvertrag. Immerhin komme ich da in sieben Tagen wieder raus, wenn es nicht läuft. Die Infos, die ich auf der Seite bekomme, sind genau die, die mir die beiden Gründer auf der Buchmesse gegeben haben. Es gibt zwei Varianten. Wenn ich mein Buch nur bei Epubli reinstellen will und das Standardpaket wähle, kostet es mich nichts. Epubli verdient dann genau wie ich an jedem Buch. Ich bekomme 80%. Ich will mein Buch aber überall reinstellen, auch bei Amazon und I-Tunes und wähle das Paket „Epubli Plus.“ Ich kaufe eine ISBN Nummer für 19,95 im Jahr. Jetzt kann ich mein Buch in allen möglichen Layouts gestalten und drucken lassen. Sogar ein einziges Exemplar. Ich wähle ein Hardcover als Alternative zum E-Book und spüre, wie mir das Herz aufgeht, wenn ich daran denke, es mir per Post zuschicken zu lassen. Ein Roman von mir als richtiges Buch. Es kostet 16,25 bei einer Seitenstärke von 210 Seiten. Nicht gerade günstig. Wenn ich 25 Stück kaufe, noch 15,11€. Ein Zahlenspiel. „Aber wo will ich das denn verkaufen?“, frage ich mich. Das ist genau der Punkt. Ich muss irgendwie in den Handel, zumindest in die Buchläden, die ich kenne und in die ich gehe. Lesungen wären auch nicht schlecht. Ich fange für einen Moment an, ans Geschäft zu denken. Wenn ich 10 Bücher für 16,25 einkaufe und sie im Laden für, sagen wir, 19,25 verkaufe, hätte ich mit meiner Erstauflage 30 Euro verdient. Doch die Leute müssen erst einmal zu meinem Buch greifen, wenn es neben „50 Shades of Grey“ und dem neuen Ralf Husmann liegt. Ich verstehe plötzlich Verlagsarbeit und Vertrieb, verdränge aber den Gedanken, denn darum geht es mir nicht.
Am Abend bekomme ich eine Mail von Andreas. „Von Liebe stand nichts im Rezept“ schlägt er als Titel vor. Und den Hinweis, dass ich bloß ein Taschenbuch und kein Hardcover drucken soll. Hardcover kauft kein Mensch mehr, schon gar nicht, wenn es sich um einen leichten Sommerroman handelt. Eigentlich sollte ich mich damit gar nicht beschäftigen, denn ich will ja ein E-Book machen und kein herkömmliches Buch veröffentlichen. Manchmal muss ich mich da selbst dran erinnern. Ich fühle mich irgendwie alt und konservativ. „Reiß Dich zusammen, denke ich, ich bin Self -Publisher. Nachher werde ich meine Literaturagentin anrufen. Diesen Anruf schiebe ich seit der Buchmesse vor mich hin. Sie ist eine Geschäftsfrau. Ich bin gespannt, was sie sagt, wenn ich von meinem Selbstversuch berichte.

Das Buch gibt es bei Epubli, Google oder Amazon. Als Taschenbuch und E-Book
http://www.epubli.de/shop/autor/Andreas-Heineke/5136

Autor: Andreas Heineke
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