Social Reading

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miadonna

vor 6 Jahren

Mich faziniert (ich weiß, da bin ich noch etwas alleine mit meiner Begeisterung) das Thema 'Social Reading'. Und zwar aus folgenden Gründen, ich bin vor Jahren auf die Plattform 'soundcloud.com' gestoßen. Dort können Musiker Musikstücke hochladen, diese werden als Tonspur angezeigt und man kann sie sich dort direkt anhören. In der Tonspur kann man an der Stelle kommentieren, die einem gefällt und man sieht dort alle Kommentare von anderen Hörern. Folgendes ist passiert, ich hoffe, ich bringe es rüber, ich höre mir also ein Stück eines meiner Lieblingskünstler an, plötzlich ploppen die Kommentare auf und das liest sich dann so: ja maaaaan gudde launeeee hihi Oder so: soulful song! cool!!! respect. Oder: Sweet groove, thank you for the DL
Ich habe die Kommentare gelesen und es war wie auf einem Konzert, es kribbelte, weil alle anderen vor Begeisterung klatschen und mitjolen. Das Erlebnis alleine 'Musikhören' ist für mich so zum Gemeinschaftserlebnis geworden.

Das zweite leider traurige Erlebnis in die Richtung hatte ich mit dem Buch 'Shantaram'. Also ich habe das Buch gelesen, die Handlung spielt in Mumbai. Es gab dann zur selben Zeit den Terroranschlag in Mumbai und auf Twitter wurden Augenzeugenberichte gepostet. Orte, die im Buch beschrieben wurden, waren Ziele des Angriffs. Das war extrem, die Twittermeldungen von Leuten vor Ort und meine genaue Vorstellung aus diesem Buch, wie dieser Ort aussieht und was für Leute sich dort aufhalten, wer sie sind und was sie tun. Völlige Vermischung von Realität und Fiktion. Shantaram war dadurch nicht mehr eine 'leblose Geschichte' und Mumbai und die Menschen dort nicht mehr irgendein Ort. Das hat mir gezeigt, wie durch 'Echtzeit Kommentare' eine fiktionale Geschichte 'lebendig' wird. Ist natürlich jetzt ein sehr krasses Beispiel.

Das dritte Erlebnis in die Richtung hatte ich beim Eurovisions Contest vor 2 Jahren, ich saß vorm Rechner und in meiner Twitter Timeline fielen mir immer wieder sehr lustige Bemerkungen auf, die über die Teilnehmer des Contests gemacht wurden. Das ging soweit, dass ich den Fernseher angeschaltet habe, um mir mit eigenen Augen die Performance anzuschauen. Ohne die Twittermeldungen hätte mich das Ganze nicht interessiert, erst die Kommentare und der Austausch haben mir den 'Mehrwert' geliefert.

Ich hatte noch ein paar andere ähnliche Erlebnisse und irgendwie haben sich diese Erlebnisse mit der Fragestellung vermengt, wie 'Lesen' in Zukunft aussehen könnte. Vom Einzelerlebnis zum Gemeinschaftserlebnis, aber so, dass wirklich ein Mehrwert für den Leser entsteht. Tja und diese Frage faziniert mich wirklich ungemein. Das Mississippi Update ist ein weiterer kleinerer Schritt in die Richtung, vor allem, wenn der Stream erstmal in eBooks integriert werden kann.

Wer sich mal einlesen möchte, hier was zur Buchfrage in eBooks:
http://netzwertig.com/2010/10/07/buchfrage-widget-lovelybooks-bringt-das-social-web-zu-e-books/
Aber die meisten Initiativen kommen natürlich aus dem englischsprachigen Raum:
http://www.techwatch.co.uk/2010/12/12/kobo-reading-life-brings-social-aspects-to-e-books/
http://www.lesen.net/ebooks/social-reading-plattform-copia-geht-live-4499/
http://e2bu.com/the-meaning-of-social-reading-and-where-its-headed/?

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