Unser Mitmachkrimi "Abgründe" Kapitel 24

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petersplitt

vor 4 Monaten

Liebe Fb-Freunde: Hier kommt das Kapitel 24 unseres Mitmachkrimis „Abgründe“

Viel Spaß beim Lesen...


VIERUNDZWANZIGSTES KAPITEL

Als sie aufwachte, regnete es draußen. Bernadette lugte durch ihre halbgeöffneten Lider auf die Uhr. „Das kann doch wohl nicht wahr sein“, dachte sie und beugte sich so weit vor, bis sie die roten Ziffern direkt vor ihrer Nase tanzen sah. „Verdammt, schon kurz vor zehn, ich habe verschlafen!“

Sie nahm ihr Handy zur Hand und schaltete ihren Lieblingssender ein. „Es ist zehn Uhr, wir senden Nachrichten“, sagte der Sprecher. Ihr Blick fiel auf den Fußboden und streifte die leere Rotweinflasche, die dort lag. Sofort wurde ihr alles klar. Sie erinnerte sich vage daran, dass sie Julia nach einem Streit im belgischen Viertel einfach hatte stehenlassen. Weil die und ihr „sauberer“ Vorgesetzter sie in einen Streifenwagen gesperrt hatten, wo sie vor sich hin schmoren musste. Natürlich trug Julia nicht die alleinige Schuld daran, sondern zum größten Teil hatte Bernadette diese Ungeheuerlichkeit diesem neunmal klugen Gereon zu verdanken. Aber das schlimmste war, dass ihr niemand Glauben schenkte. Dabei hatte sie das Gesicht des Pfarrers eindeutig erkannt. Aus Frust hatte sie sich eine Flasche Rotwein aufs Zimmer kommen lassen und den gesamten Inhalt einsam und alleine vernichtet. Danach hatte sie sich schlafen gelegt und das Resultat konnte man ihr heute ansehen. Entschlossen griff sie zum Telefon und wählt die eins für Rezeption. Die Dame am Empfang grüßte freundlich und fragte sie nach ihren Wünschen.

Ich brauche dringend einen starken Kaffee“, sagte Bernadette.

Aber sicher gern Frau Meyfarth. Ich gebe den Auftrag gleich an den Zimmerservice weiter. Darf es sonst noch etwas sein? Brot, Eier, Käse vielleicht?“

Nein, vielen Dank. Ein starker Kaffee reicht.“

Scheußliches Wetter heute, nicht wahr?“, sagte die Dame am Empfang. „Der Kaffee kommt gleich. Ich wünsche Ihnen trotzdem einen angenehmen Aufenthalt in Köln.“ Damit war das Gespräch zu Ende. Bernadette kroch zurück unter die Bettdecke und war in wenigen Sekunden wieder eingeschlafen. Sie fuhr erst entgeistert hoch, als der Zimmerservice an ihre Tür klopfte. Irritiert blickte sie in ihrem Zimmer umher. „Ich bin tatsächlich noch einmal eingenickt“, dachte sie. „Und ich habe von Diana geträumt. Sie war irgendwo eingesperrt und rang mit dem Tode. Sie schauderte, schüttelte sich, stieg aus dem Bett und ging zur Tür. Der Knabe vom Zimmerservice hatte geduldig gewartet. Sie gab ihm ein Trinkgeld, stellte das Tablett auf den Tisch und führte die Kaffeetasse an ihre Lippen. Der Kaffee war heiß und stark. Genauso wie sie ihn liebte. Sie blieb noch einen Augenblick im Bett sitzen und dachte an das, was sie geträumt hatte. Es war kein richtiger Traum gewesen, mehr eine Szene. „Hat mich Diana in meinem Unterbewusstsein um Hilfe gebeten?“

Sie wollte gerade aufstehen und ins Bad gehen, als ihr Handy klingelte. Es war Julia. Bernadette zögerte kurz als sie ihr Anruferbild sah, nahm das Gespräch aber dann doch an. Julia begrüßte Bernadette leicht unterkühlt. Dabei meldete sie sich mit ihrem offiziellen Dienstgrad.

Ist das jetzt ein dienstlicher Anruf?“ fragte Bernadette. Sie sprang aus dem Bett und öffnete die Vorhänge. Draußen war alles grau in grau. Der Himmel war wolkenverhangen und es goss in Strömen. Das Wetter passte zu ihrer Stimmung.

Ja, ist es! Ich rufe im Auftrag von Gereon an. Er will dich gleich nach der Mittagspause in seinem Büro sehen. Ansonsten lässt er dich von einem Streifenwagen abholen, hat er gesagt.“

Bei diesem Sauwetter? Da schickt man doch noch nicht einmal einen Hund vor die Tür und der beordert mich ins Präsidium?“

Das ist nicht meine Schuld Bernadette. Du wärst besser gestern Abend direkt mit uns gefahren!“

Gestern Abend? Nachdem ihr mich wie eine Kriminelle in euren Streifenwagen gesperrt habt?“

Das war nur zu deiner eigenen Sicherheit, Bernadette. Gereon wollte sicherstellen, dass dir nichts passiert.“

Wie nobel von ihm! So nennt man das also! Und seid wann kümmert sich der große Kommissar darum, wie es mir geht? Meine Aussagen haben ihn doch noch nie interessiert. Beim letzten Mal hat er mir sogar zu verstehen gegeben, dass ich meine Nase nicht überall hineinstecken soll. Hast du das schon vergessen?“

Nein, habe ich nicht! Gereon geht der Arsch im Moment auf Grundeis und er muss irgendwie spitz bekommen haben, dass du jemanden gesehen hast. Und jetzt will er natürlich unbedingt mit dir sprechen.“

Naja, wenn das so ist, dann muss ich ja wohl…“

Julia lachte. „Kriegst auch einen Kaffee von mir zur Wiedergutmachung.“

Angenommen! Bin schon so gut wie unterwegs.“

Bernadette zog ihren Schlafanzug aus, ging unter die Dusche und ließ sich das warme Wasser über den Kopf laufen. Dabei überlegte sie, ob sie sich richtig verhielt? „Blödsinn“, dachte sie. „Ich mache mir einfach zu viele Gedanken.“

Sie tapste aus der Dusche und wickelte sich in ein flauschiges Badetuch. Dann schlüpfte sie in Unterwäsche, Jeans und Bluse, trug ihr gewohntes Makeup auf und stylte sich die Haare. Eine halbe Stunde später war sie fertig. Sie überlegte noch kurz ans Frühstücksbuffet zu gehen, aber dafür war es bereits zu spät. Also marschierte sie direkt zu ihrem Wagen und fuhr los. Unterwegs dachte sie darüber nach, in wie fern dieser Brand in der Villa etwas mit dem Verschwinden ihrer Schwester zu tun haben könnte, aber ihr fiel keine passende Antwort dazu ein. Und der Pfarrer? Was hatte der damit zu tun? Sie war sich vollkommen sicher, ihn unter den Schaulustigen erkannt zu haben. Natürlich hatte er anders ausgesehen, als in der schwarzen Robe, die er sonst immer trug. Aber er war es und damit basta und nur Gott allein wusste, was der Geistliche mit dem Brand in Gründerzeitvilla zu tun hatte. Eine Dreiviertelstunde später bog sie in den Walter-Paul Ring ein, wo sich der gläserne Vorbau des Kölner Polizeipräsidiums über den Grüngürtel der Stadt hob. Sie parkte den kleinen Fiat auf einem der freien Besucherparkplätze und betrat das Gebäude. Diesmal war Ingrid Goldmeyer am Empfang betont freundlich zu ihr.

Die Herren warten im Einsatzraum auf sie. Der befindet sich im dritten Stock“, fügte sie schnell hinzu und deutete auf den Aufzug.

Einsatzraum, wie sich das schon anhört! Typisch Gereon“, dachte Bernadette, bedankte sich und wollte zum Aufzug gehen. Doch wieder zog sie die Pinnwand mit den Fotos der vermissten Personen magisch an. Auch diesmal blieb sie stehen und betrachtete die Aufnahmen.

Oh! Da sind ja noch zwei neue Gesichter hinzugekommen!“ wunderte sie sich und las die Namen der betreffenden Personen laut vor. Da waren die Herren Kurt Beierle und Ralf Blasius. Es ging also weiter. Sie nahm sich vor, bei nächster Gelegenheit mit Julia über die beiden zu sprechen, stieg in den Aufzug und fuhr nach oben. Im Einsatzraum drehten sich alle Köpfe in ihre Richtung. Anscheinend wussten man hier bestens über sie Bescheid. Kommissar Gereon begrüßte sie reserviert freundlich und verwies seinen ungeliebten weiblichen Dauergast auf einen der Besucherstühle. Der versprochene Kaffee ließ auf sich warten. Stattdessen machte Bernadette ihre Aussage. Brav berichtete sie von ihren Beobachtungen an der Brandstelle. Aber es war nicht Gereon, der ihre Aussage aufnahm, sondern der Kollege Behringer. Gereon saß mit Julia vor einem unaufgeräumten Schreibtisch und diskutierte die Sachlage. Ab und zu blickte sie hinüber zu Bernadette. Die hatte sich das Ganze ein wenig anders vorgestellt. Als Klaus Behringer erkannte, was sie da zu Protokoll brachte, wandte er sich umgehend an seinen Vorgesetzten.

Sie will einen Pfarrer gesehen haben, Gerd!“, sagte er aufgeregt.

Wie bitte?“ Gereon drehte sich um und ließ alles stehen und liegen.

Wen wollen Sie gesehen haben Frau Meyfarth?“

Bernadette versuchte es mit einem unschuldigen Gesichtsausdruck.

Ich habe Pfarrer Vödisch von der Herrmann-Joseph-Kirche gesehen“, sagte sie als sei das keine Besonderheit. Die Polizisten sahen sich an, keiner sagte einen Ton, dann brach es aus Gereon heraus.

Warum nicht den Herrgott persönlich? Jetzt geht es los! Ja sind wir denn hier in einem Kindergarten? Sie glauben wohl, Sie können uns auch jeden Mist erzählen, Frau Meyfarth!“

Bernadette starrte ihn mit offenem Mund an. Sie wahr unfähig etwas zu erwidern. Dafür nahm Gereon Julia unter Beschuss. „Julia, die Aufnahme von den Schaulustigen, aber ein bisschen zackig!“, sagte er schroff, erhob sich und marschierte nach draußen. Julia blickte ihren Kollegen Klaus an. „Was war das denn jetzt?“ fragte sie. Klaus zuckte mit den Achseln. „Keine Ahnung, vielleicht hat Frau Meyfarth einen wunden Punkt bei ihm getroffen. Ist verdammt komisch drauf, der Alte in letzter Zeit.“

Ich habe ihn wirklich gesehen“, flüsterte Bernadette. „Als ich auf der verdammten Rückbank dieses blöden Streifenwagens saß!“

Und wann ist Ihnen klar geworden, dass es der Pfarrer war?“ fragte Klaus und versuchte die Stimmung zu glätten.

Vödisch stand da und starrte in die Flammen. Sie hätten seine Fratze sehen sollen. Er hat sich an dem Feuer ergötzt.“

Klaus verzog keine Miene. „Und Sie haben ihn sofort erkannt?“ fragte er vorsichtig.

Nein, nicht sofort. Er war ja auch anders angezogen. Aber als der Feuerschein auf sein Gesicht fiel, da habe ihn erkannt. Und mir ist vor Schreck die Luft weggeblieben, das können Sie mir glauben.“

Klaus sah sie nachdenklich an und schüttelte den Kopf. „Ich werde Ihre Aussage zu Protokoll nehmen, Frau Meyfarth, aber was danach damit geschieht, dass entscheidet einzig und allein Gereon.“

Das hört sich ja sehr ermutigend an“, murrte Bernadette. „Und deshalb hat er mich extra hier aufs Präsidium bestellt!“

Ach vergiss ihn einfach“, sagte Julia. Es ist gut, dass du gekommen bist. Komm, sehen wir uns die Aufnahmen an. Vielleicht bringen die uns weiter...“

Bernadette und Klaus setzten sich zu ihr vor den Laptop. Julia betätigte die Playtaste. Die ersten Aufnahmen kamen und waren undeutlich. Nur ganz langsam schwenkte die Linse der Kamera über das Gelände. Erst nach links, dann nach rechts und wieder zurück. Die Bilder wurden allmählich besser, doch von einem Kerl in einem Kapuzenpulli war weit und breit nichts zu sehen. Bernadette war enttäuscht, doch Julia forderte sie auf, weiter auf den Monitor zu schauen. Vorsichtshalber hatten sie die Schaulustigen von mehreren Seiten aus gefilmt. Bernadette sah noch intensiver hin, ließ Bild für Bild vor ihren Augen vorbeilaufen. Auf einmal erfasste die Kamera einen Ausschnitt des Mannes, um den es ihr ging. Leider hatte er sein Gesicht gerade abgewandt. Sie sah die hochgeschlagene Kapuze, darunter eine Hakennase und einen kurzen Ausschnitt seines Kinns. Das meiste von ihm blieb allerdings hinter einem Mann in einem grellgelben Hemd verborgen, weshalb es auch nichts brachte, den Ausschnitt zu vergrößern. Und an den Mann im gelben Hemd konnte sie sich beim besten Willen nicht erinnern.

Wir sollten herausfinden, wer das ist!“ meinte Julia. „Vielleicht ist dem Typen irgendetwas aufgefallen. Die Kollegen sollen eine Vergrößerung anfertigen, dann gebe ich das Bild an jeden Streifenpolizist weiter. Irgendjemand wird ihn sicher erkennen.“

Das gebe ich sofort in Auftrag“, erwiderte Klaus. Weiß man eigentlich schon, wem die abgebrannte Villa gehört hat?“

Julia murmelte etwas von einem Abgeordneten, der bereits benachrichtigt worden sei und wollte gerade eine Erklärung abgeben, als das Telefon klingelte. Ihre Hand griff automatisch zum Hörer.

Ja“, meldete sie sich knapp.“

Julchen bist du das?“, fragte Jochen Balzer.“

Na wer denn sonst“, antwortete Julia.

Ist Gereon nicht da?“

Nein, im Moment nicht. Soll ich ihm etwas ausrichten?“

Gern! Wir haben soeben die verkohlte Leiche identifizieren können. Es handelt sich um eine Rita Schäfer. Der Leichnam ist also weiblich.“

Bei dem Namen Rita riss Julia die Augen auf. Obwohl es in Köln, mehrere Frauen mit diesem Namen geben musste, stand für sie von vorneherein fest, dass es sich bei der toten Frau nur um Mannis Aushilfe handeln konnte. Es passte einfach alles zu gut zusammen. Bernadette und Klaus bemerkten Julias Gemütswandel sofort.

Danke “, hörten sie Julia sagen. Dann folgte eine Pause. Julia war schneeweiß im Gesicht. Sie atmete tief durch. „Weiß man schon wie lange sie dort gelegen hat?“, fragte sie dann.

Nein, noch nicht. Ich weiß nur, dass die Todesursache nicht der Brand gewesen ist“, antworte Balzer.

Auweia!“ Der zweite Schlag kam genauso überraschend wie der erste. Klaus kratze sich das Kinn. Irgendetwas lief gewaltig schief in dieser neugegründeten Soko, aber ihm erzählte natürlich keiner etwas. Trotzdem bereitete er sich gedanklich schon mal auf Überstunden vor.

Willst du dir die Leiche ansehen?“, fragte Balzer am Telefon.

I...ich weiß nicht“, stotterte Julia. Das fällt eigentlich in Gereons Zuständigkeitsbereich.“

In Ordnung, dann versuche ich ihn über sein Handy zu erreichen. Bis später, Julia.“

Julia legte auf ohne ein Wort zu sagen. Klaus und Bernadette starrten sie an. In ihren Blicken herrschte Unverständnis. Unverständnis darüber, dass augenscheinlich etwas Schlimmes geschehen war.

Rita ist tot“, flüsterte Julia in die beiden fragenden Gesichter hinein. Klaus wusste nicht, wen sie meinte, doch diesmal war es Bernadette, die vor Schreck laut aufschrie. Nur langsam stellte sich die Erkenntnis ein, dass sie jemand getötet haben musste, nachdem sie mit Manni auf der frivolen Party gewesen war. Die Frage war nur wer so etwas tat und warum. Die Sache wurde immer mysteriöser und was besonders bedrohlich war, der Täter kam ihnen langsam gefährlich nahe.


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