Unser Mitmachkrimi "Abgründe" Kapitel 25

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petersplitt

vor 4 Monaten

Hallo, Ihr Lieben: Hier kommt Kapitel 25 unseres Mitmachkrimis „Abgründe“.

Viel Spaß beim Lesen...



FÜNFUNDZWANZIGSTES KAPITEL

Kommissar Gereon stellte seinen Wagen auf dem Parkplatz der Gerichtsmedizin im Stadtteil Braunsfeld ab. Umgeben von Lagerhäusern und Altmetallhalden befand sich die Anlage keine zehn Minuten vom Bahnhof entfernt. Er war nicht der Erste, der hier eintraf. Auf dem Parkplatz standen bereits zwei Streifenwagen der Kreispolizeibehörde, das graue Fahrzeug des Gerichtsmediziners sowie etliche zivile Fahrzeuge. Brandstiftung und Mord sprachen sich eben besonders schnell herum. Balzer hatte ihm bereits am Telefon erzählt, was geschehen war. Mit nur wenigen Worten hatte er die grausigen Einzelheiten beschrieben, Gereon hatte sich jedoch von dessen scheinbar gefühlslosen Tonfall nicht täuschen lassen. Er wusste was ihn erwartete. Im Foyer des Gebäudes hielten sich mehrere Pressefritzen auf. Sie kamen auf ihn zu, brachten ihre Kameras in Stellung und knipsten drauf los, was das Zeug hielt. Dann kamen die Fragen, auf die er nicht antworten wollte, oder aber keine Antwort wusste. Er fluchte und ließ sie einfach stehen. Ein Mann in einem weißen Kittel brachte ihn die die Obduktionshalle, in der man die verkohlte Leiche auf einem kalten Aluminiumtisch aufgebahrt hatte. Gereon fröstelte. Nicht nur wegen dem , was ihm jetzt bevorstand, sondern vor allem wegen der eisigen Temperatur, die hier vorherrschte. Balzers Assistent war gerade dabei den Rumpf der Leiche zu untersuchen. Der Anblick war wenig erfreulich. Gereon hasste ihn, wie die Pest. Balzer kam auf ihn zu und grüßte freundlich.

Alles im Lot, Gerd?“ fragte er, als er den Kommissar erreichte.

Nicht wirklich! Echt beschissen ist noch vornehm ausgedrückt. Wie kann man nur hier freiwillig arbeiten?“, antwortete Gereon.

Balzer grinste. „Ist halb so schlimm, Gerd. Gerichtsmediziner ist ein Job, wie jeder andere auch. Aber die Frau tut mir wirklich leid. War noch viel zu jung um zu sterben. Ihr müsst das Schwein unbedingt finden!“

Gereon nickte gedankenversunken und sah einen Moment lang weg. Schließlich meinte er leise: „Der Gebissabdruck, nicht wahr? Dadurch habt ihr sie identifizieren können?“

Balzer bestätigte seine Vermutung mit einem Handzeichen. Schweigend standen sie beisammen. Gereon konnte nichts anderes tun, als seinen Blick durch die kalte Halle schweifen zu lassen. Neben dem Seziertisch standen zwei Flaschen Kölsch. Die eine leer, die andere angefangen. Verschiedene Sezierinstrumente lagen kreuz und quer verteilt auf kleinen, rollenden Containern herum. Auf den Regalen standen gläserne Behälter, die wie Einmachgläser aussahen und mit seltsamen Gebilden gefüllt waren. Beim näheren hinsehen bemerkte er, dass es sich um konservierte menschliche Körperteile handelte.

Die stehen jetzt auch schon seit 15 Jahren hier rum“, meinte Balzer. „Sind noch Andenken an den Serienmörder Egon Schubert!“

Gereon sah sich die Gefäße genauer an. Deren Inhalte sahen ziemlich ekelerregend aus. „Und die stammen tatsächlich von seinen damaligen Opfern? Ich wusste gar nicht, dass ihr die Reste hier unten aufbewahrt?“, fragte er.

Soweit wir die Körperteile jemandem zuordnen konnten, haben wir sie natürlich zur Bestattung freigegeben, aber diese hier sind halt übrig geblieben und bieten anschauliches Material für unsere Auszubildenden.“

Oder abschreckendes, dachte Gereon. „Sag mal was ist eigentlich aus dem Kerl geworden?“ fragte er den Gerichtsmediziner.

Soviel ich weiß, sitzt er noch in Rheinbach ein“, antwortete Balzer.

Das lässt sich ja leicht überprüfen, wird Zeit, dass ich von hier verschwinde!“ dachte Gereon. Mit einem Mal hatte er es sehr eilig.

Also wenn mich hier niemand mehr braucht, dann fahre ich jetzt wieder ins Präsidium!“

Balzer zog eine Fläppe. „Niemand braucht dich hier Gerd. „Wir haben eine verkohlte Leiche und die Reste von Horst Schürmann auf den Aluminiumtischen liegen, aber niemand braucht dich hier! Sag mir verdammt noch mal die Wahrheit! Gibt es eine Verbindung zwischen den beiden Fällen und hast du einen Schimmer, wer dafür verantwortlich ist?“

Gereon zuckte mit den Achseln.

Das genau versuche ich ja gerade herauszufinden“, erwiderte er. „Vielleicht ist es jemand, den keiner auf der Liste hat. Ruf mich an, wenn du noch etwas für mich hast, hörst du!“

Damit verschwand in Richtung Ausgang. Auf dem Weg zu seinem Dienstwagen überlegte er ob Julia mit ihrer Vermutung nicht vielleicht doch richtig lag. War hier ein Nachahmungstäter am Werk?


Julia hatte ihr Versprechen eingelöst und Bernadette auf einen Kaffee in die Polizeikantine eingeladen.

Tut mir leid, wegen gestern“, sagte Bernadette. „Ich hätte nicht so hysterisch reagieren sollen. Kann ja verstehen, dass du in den Dienstmodus schalten musstest. Du bist nun einmal Polizistin durch und durch...“

Schwammdrüber“, erwiderte Julia, lachte und trank von dem Gebräu, dass sich Kaffee nannte. Sekunden später wurde sie wieder ernst.

Rita und Manni zusammen auf einer Sexparty, dass konnte ja nicht gutgehen!“

Ist das jetzt so etwas wie ein böser Albtraum?“

Nein, eine Feststellung. Die beiden waren in der alten Gründerzeitvilla und jetzt ist Rita tot. Ich vermute sie ist noch einmal zurück auf die Party gegangen, nachdem sie Manni nach Hause gebracht hat.“

Gibt es dafür Beweise?“

Noch nicht.“

Aber der Brand war eindeutig gelegt worden?“

Gereon geht davon aus. Anscheinend hat Balzer entsprechende Spuren gefunden. Ich habe allerdings noch nicht persönlich mit ihm sprechen können. Du hast ja mitbekommen, wie er reagiert hat.“

Bernadette stieß einen Seufzer aus. „Das habe ich in der Tat. Seine Reaktion ist ziemlich krass ausgefallen, wenn du mich fragst. Das war doch nicht normal!“

Ich befürchte, ihm wächst im Moment alles über den Kopf.“

Aber er ist doch Kriminalkommissar!“

Und ein erfahrener dazu. Man sollte ihn niemals unterschätzen, auch wenn er manchmal unkonzentriert und etwas brummig rüber kommt. Es würde mich gar nicht wundern, wenn er in den nächsten Tagen noch ein Ass aus dem Ärmel zieht.“

Bernadette starrte sie fragend an. „Was meinst du damit? Glaubst du er weiß, wer der Täter ist?“

Julia hob die Schulter an. „Keine Ahnung. Ich denke nur, dass er gewaltig unter Druck steht. Die Herren Sengel und Heller wollen Ergebnisse sehen. Besonders weil jetzt schon wieder zwei Personen verschwunden sind.“

Ich weiß, ich habe die neuen Fotos unten an der Pinnwand gesehen.“

Beierle und Blasius heißen die beiden. Der eine ist Arzt und der andere irgend so ein hohes Tier bei einer Versicherungsgesellschaft. Womit sie übrigens ausgezeichnet ins Beuteschema unseres Täters passen. Beierle und Blasius wird so einiges nachgesagt....“

… „und sind beide namhafte Persönlichkeiten“, ergänzte Bernadette nachdenklich. „Das ist es Julia, genau dort müsst ihr ansetzen!“

Julia sah Bernadette ratlos an. „Und wie stellst du dir das vor? Sollen wir jeden Zugehörigen der Kölner High Society unter die Lupe nehmen?“

Warum denn nicht? Nur jemand mit viel Kohle kann sich eine Villa im belgischen Viertel leisten.“

Da ist viel Wahres dran.“

Weiß man eigentlich schon wem genau die Villa gehört hat?“

Irgendeinem Politiker. Gereon macht ein Geheimnis draus. Er soll ihn selbst benachrichtigt haben, sagen die Kollegen. Naja, Gereon weiß schon was er tut.“

Na hoffentlich!“

Eine Zeitlang schwiegen sie sich an und tranken Kaffee. Dann kam Bernadette wieder auf ihre Beobachtung zurück.

Und der Pfarrer?“ fragte sie plötzlich.

Julia blickte sie scharf an. „Nun, was soll mit ihm sein?“

Ich habe ihn an der Brandstelle gesehen, das weißt du doch! In seinem Blick war so etwas wie Wahnsinn!“

Ach was, das glaube ich nicht. Du hast geträumt, Bernadette. Bist du dir überhaupt sicher, dass du ihn gesehen hast?“

Absolut positiv!“

Vielleicht war es jemand, der dem Pfarrer sehr ähnlich sah?“

Er war es, Wenn ich es dir doch sage!“

Julia sah Bernadette an und zögerte. „Gereon kennt ihn gut“, sagte sie dann ganz leise vor sich hin. Bernadette fuhr hoch, starrte sie an. „Was hast du gesagt?“

Nur dass er ihn kennt. Vödisch ist Gereons Halbbruder!“

Peng, das saß.“ Bernadette brauchte einige Sekunden um sich zu sammeln. Nur langsam fand sie ihre Sprache wieder.

Ist nicht wahr! Jetzt kann ich auch seine Reaktion verstehen.“

Du hast mit deinem Verdacht bei ihm genau ins Schwarze getroffen, aber das bleibt unter uns, verstanden!“

Bernadette zählte eins und eins zusammen. Tausend Fragen gingen ihr durch den Kopf. „Und die Nachricht?“, war die erste. „Die Kirche liegt doch in der Nähe des Petit Colonia Hotels. Was, wenn mir Vödisch die Nachricht geschickt hat?“

Warum hätte er das tun sollen?“

Vielleicht um mich zu warnen? Wenn ich das wüsste....“

Und dann lässt er sie wieder verschwinden und gibt sie dir erneut? Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn!“

Keine Ahnung, Julia. Hier ergibt vieles überhaupt keinen Sinn. Aber seine Story von der Pflanzenerde, die er sich vom Nachbargrundstück geholt haben will, kam mir von Anfang an erfunden vor. Wir haben uns doch dort gründlich umgesehen, ein Briefumschlag hätte uns doch auffallen müssen!“

Dann hat ihn eben jemand verloren!“

Daran habe ich auch schon gedacht“, erwiderte Bernadette leise. „Jemand muss den Briefumschlag verloren haben, als er den armen Willi weggeschafft hat und der Pfarrer hat den Kuvert gefunden. Er weiß davon!“

Julia fühlte sich zunehmend unwohl in ihrer Haut. „Das könnte bedeuten, dass er jemanden deckt“, sagte sie nachdenklich.

Das denke ich auch!“

Mir schwant Übles, Bernadette, wir bewegen uns da auf verdammt dünnem Eis!“

Julia musste sich eingestehen, dass sie sich im Allgemeinen gerne von Bernadettes Schlussfolgerungen überzeugen ließ, aber in diesem Fall...Musste es denn ausgerechnet Gereons Halbbruder sein? Bernadette war bereits weiter mit ihren Gedankenspielchen.

Seit wann ist Vödisch eigentlich Pfarrer“, wollte sie wissen.

So genau weiß ich das nicht. Seit vierzehn oder fünfzehn Jahren vielleicht. Aber das lässt sich leicht nachprüfen“, antwortete Julia.

Bernadette reagierte prompt. „Und was fällt dir zu fünfzehn Jahren ein?“

Julia überlegte. Dann verstand sie worauf Bernadette hinaus wollte. Die Jahresangabe 15 hatte bereits woanders eine Rolle gespielt. Ihr wurde heiß und kalt zugleich.

Schluss jetzt damit Bernadette! Das sind Hirngespinste!“

Aber Bernadette ließ sich nicht beirren. „Und wenn Vödisch den Serienmörder Schubert persönlich kennt?“

Julia zuckte mit den Achseln. Ihr ging dieses Gespräch sichtlich zu weit. Bernadette spürte sofort, dass sie ein wenig über das Ziel hinausgeschossen war und versuchte zurück zu rudern.

Ich meine ja nur. Wenn wir beweisen können, dass sich Vödisch und Schubert kennen, dann hätten wir doch etwas in der Hand um Gereon zu überzeugen?“

Julia sagte kein Wort. Bernadette wertete ihr Schweigen als Zustimmung.

Ich glaube wir haben den Schuldigen, bist du nicht auch der Meinung?“

Julia reagierte beinahe panisch. Sie stand auf und ging ans Fenster. „Du sollst damit aufhören, habe ich gesagt!“

Draußen regnete es noch immer und der Feierabendverkehr setzte ein. Langsam glaubte sie im falschen Film zu sein, und doch passte alles irgendwie zusammen. Leider viel zu Gut. Auf einmal wandte sie sich wieder an Bernadette. Ihre Augen blitzten.

Na klar, Vödisch gehört irgendeinem Geheimbund an. Er predigt Hassreden von seiner Kanzel aus und bringt Menschen um!“

Das könnte ich mir gut vorstellen. Vielleicht ist er der Anführer einer Sekte, will die Welt verbessern, entführt alle Bösewichter und bestraft sie. Warum denn nicht? Das könnte er sich doch von Schubert abgeguckt haben.“

Jetzt spinnst du aber wirklich Bernadette!“

Tue ich nicht! Es ist nur so ein Scheißgefühl, dass ich habe. Diese Fanatiker sind brandgefährlich!

Ach was, deine Theorie klingt mir viel zu amerikanisch! So etwas gibt es doch nur in Filmen.“

„„Und die Vermissten? Ihre Zahl steigt doch beinahe täglich an!“

Das stimmt nicht ganz. Auch vor einem Jahr sind bereits mehrere Personen als vermisst gemeldet worden. Ihre Fotos müssten noch unten an der Pinnwand hängen. Gereon hat die Fälle selbst bearbeitet. Leider ist bei seinen Ermittlungen nicht viel herausgekommen.“

Und es sind keine Leichen aufgetaucht?“

Nein, nicht eine einzige.“

Und das macht dich nicht stutzig?“

Wieso sollte es?“

Was waren das denn für Personen? Ich meine männlich oder weiblich?“

Soviel ich weiß waren es ausschließlich Frauen.“

Alte Frauen, junge Frauen, oder was?“

Junge Frauen. Studentinnen.“

Was?“

Bernadette sprang förmlich in die Luft. „Und da klingelt es nicht bei dir?“

Julia sah sie an. „Verdammt noch mal, beruhige dich Bernadette. Ich glaube das einfach nicht! Ich glaube einfach nicht, das Gereon etwas damit zu tun hat!“

Und wenn er auch jemanden deckt?“

Du denkst an seinen Halbbruder?“

Ja!“

Das würde er niemals tun. Er ist…“

…„viel zu sehr Polizist. Ja ich weiß schon. Aber denk doch mal nach. Ausgerechnet wieder Studentinnen! Klingen da bei dir nicht sämtliche Alarmglocken? Nachdem was wir heute erfahren haben, passt einfach alles zusammen, wie die Faust aufs Auge!.“

Julia wurde ganz still. „Du meinst die Sexpartys, nicht wahr? Du glaubst, dass jemand dem Sodom und Gomorra ein Ende bereiten wollte.“

…„und danach seinen Tätigkeitsbereich auf alle Bösewichte der Stadt ausgeweitet hat. Jetzt hast du`s begriffen!“

Julia riss die Augen auf und Bernadette legte noch einen Zahn zu.

Denk doch mal an den Fall Schubert zurück: Die fehlenden Protokollseiten, in dem er über seine Motive spricht, der lange Arm Gottes, und so weiter... auf so etwas kann doch nur ein Pfarrer kommen.“

Julia zitterte am ganzen Leib. „Wehe uns, wenn das wahr ist, Bernadette!. Das Thema Vödisch ist ein ganz heißes Eisen. Ich hoffe nur, wir verbrennen uns nicht die Finger an ihm.“

Darüber werde ich nachdenken.“

Denken allein reicht aber nicht Bernadette.“

Ich weiß. Deshalb sollten wir schleunigst mit dem Pfarrer reden.“

Nicht wir, ich meine Liebe!“

Bernadette grunzte. Das war manchmal ihre Art zu lachen.

Du solltest Komikerin werden, Julia!“

Ich weiß, ich bin schon auf dem besten Wege dahin.“

Gut, dann fahre ich jetzt zurück in mein Hotel, wenn du nichts dagegen hast.“

Hab ich nicht. Soll ich dich noch zum Ausgang bringen?“

Danke, ist nicht nötig, ich finde den Weg im Schlaf. Wünsche Dir weiterhin ein schönes Schaffen!“

Ciao Bernadette und Danke für deinen Besuch.“ Julia drückte ein Auge zu.

Gern geschehen“, erwiderte sie und warf ihr eine Kusshand zu, ehe sie den Raum verließ und auf den Flur hinaus trat. Hier kam ihr Klaus Behringer entgegen. In den Händen hielt er eine Colaflasche.

Ist das ein beschissener Tag heute!“ , sagte Bernadette, ließ ihn einfach stehen und stieg in den Aufzug.


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