Unser Mitmachkrimi "Abwege" Kapitel 16

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petersplitt

vor 6 Monaten

Plauderecke

Hallo, Ihr Lieben: Hier kommt Kapitel 16 unseres Mitmachkrimis. Heute erfahren wir etwas über den Staatsanwalt. Ich freue mich über Eure Anregungen und Kritiken. Viel Spaß beim Lesen....



SECHZEHNTES KAPITEL

Als Staatsanwalt Jürgen Heller erwachte und seine Hand nach seiner Frau ausstreckte, stellte er fest, dass ihre Bettseite leer war. Ihr Laken fühlte sich kühl an. Sein Kopf brummte, als hätte er am Abend zuvor zu viel getrunken, aber er wusste woher das kam. Er richtete sich auf und blickte auf den kleinen Radiowecker, der auf seiner Nachtkonsole stand. Zu seiner Überraschung zeigte das Gerät bereits 7.30 Uhr an. Er hatte verschlafen. „Das Meeting, verdammt! Das wird knapp, dachte er, schaltete das Radio ein und eilte ins Bad. Unter der heißen Dusche versuchte er einen kurzen Moment später seinen Kopf klar zu bekommen. Gedanklich bereitete er sich auf eine wenig erfreuliche Unterhaltung mit seinen Kollegen vor, als die Meldung kam. Er hörte sie noch im Bad. Abrupt ließ er seinen Rasierer fallen, ging nach draußen und drehte den Radiowecker lauter. Völlig verblüfft betrachtete er sich in dem großen Spiegel, der über ihrem Ehebett hing, während er der Stimme des Nachrichtensprechers lauschte. Der Mann sprach mit dem typischen rheinischen Dialekt und rasselte seinen Text ungeheuer schnell herunter. „Serie von vermissten Personen in Köln reißt nicht ab! Wie wir aus verlässlicher Quelle erfahren haben, werden seit Kurzem weitere Personen in Köln vermisst...“

Verdammte Geier“, sagte Heller fluchend und stellte das Radio ab. „Die sind wirklich schneller als die Polizei erlaubt. Wird seit Kurzem vermisst, was soll das denn heißen? Verfluchte Klugschreiberlinge.“ Er zog sich an und ging nach unten in die Küche. Auf dem Küchentresen standen ein Teller mit Käsebroten und ein Becher Kaffee. Daneben lag die neuste Ausgabe des Kölner Express. Er rümpfte die Nase. Für den neusten Klatsch der Boulevardpresse hatte er jetzt überhaupt keine Zeit. Er nahm sich eine Brotschnitte, schlürfte einen Schluck Kaffee und lief unruhig durch die Wohnung. Seine Frau war im Wohnzimmer. Sie saß inmitten alter Zeitungsausschnitte auf dem Fußboden und wühlte in dem Korb herum, in dem sie normalerweise das Altpapier aufbewahrten. Als sie ihn bemerkte, zuckte sie erschrocken zusammen.

Oh, hallo Liebling, ich habe dich gar nicht kommen hören“, sagte sie

Falls irgendetwas mit ihr nicht in Ordnung war, so ließ ihre Stimme nicht darauf schließen. „Ich habe bereits Frühstück gemacht!“

Bereits ist gut, dachte Heller, der wusste, dass er schon reichlich spät dran war.

Bist du schon lange auf? “fragte er.

Sie sah ihn verstört an. „Ja, ich konnte nicht mehr schlafen.“

Auf einmal sprudelten die Worte nur so aus ihr heraus. „Ich bin mitten in der Nacht aufgewacht und aufgestanden, weil ich Durst hatte. Dabei habe ich aus dem Fenster gesehen. Komischerweise brannte im Nachbarhaus gegenüber noch Licht. Und dann sah ich Dieter, wie er ein paar Plastiksäcke zu seinem Transporter schleppte. Einer davon ist plötzlich aufgerissen und ich habe gesehen was drin war: Eine Motorsäge.“ Er merkte wie sie zitterte.

Halt, einen Augenblick mal“, sagte er barsch. „Ich komm da nicht ganz mit.“

Er hob eine Hand in die Höhe, um ihren Redefluss zu stoppen. Gleichzeitig versuchte er aus dem schlau zu werden, was sie ihm soeben erzählt hatte.

Unser lieber, netter Nachbar hat also spät in der Nacht ein paar Sachen in seinen Transporter geladen, ja und? Deshalb glaubst du, dass er etwas im Schilde führt?“

Das ist doch gut möglich“, entgegnete sie. „Sieh dir das hier mal an...“

Sie stand auf und hielt ihm einen Zeitungsausschnitt unter die Nase. In ihrem bunten Jogginganzug sah sie aus, wie ein kleines Schulmädchen.

Nun sieh schon hin“, drängte sie und zeigte auf eine bestimmte Seite des Kölner Stadtanzeigers. Es war die Titelseite, geschmückt mit einem Artikel über die Taten des Serienmörders Schubert. Allerdings lagen die Morde mehr als 15 Jahre zurück. „Verdammt! Wer gräbt denn solch alten Kamellen aus“, fragte sich Heller, während er den Artikel überflog.

Ist schon gut Liebes. Das Ganze liegt 15 Jahre zurück.“

Aber in dem Artikel steht doch auch etwas von Parallelen zu den Personen, die aktuell verschwunden sind.“

Nicht du auch noch!“ Er spürte, wie es in ihm brodelte. „Und was möchtest du mir damit sagen?“ fragte er ungeduldig.

Das ist doch ganz einfach. Unser Nachbar hat bis gestern eine Motorsäge besessen. Was, wenn er die Vermissten gefangengenommen und zerstückelt hat?“ Jetzt musste er laut loslachen. „Das ist doch völlig absurd. Wie kommst du nur darauf, dass Dieter ein Massenmörder sein könnte? Kümmere dich nicht um ungelegte Eier!“

Er sprach diesen Satz in gespielt schaurigem Tonfall, aber sie fand das gar nicht komisch. Sie lächelte nicht einmal.

Freut mich zusehen, wie ernst du meine Befürchtungen nimmst“, sagte sie gekränkt.

Aber Liebes!“

Mit einer abrupten Bewegung faltete sie die Zeitung zusammen. „Ich hab dir nur von Dieters nächtlicher Aktion erzählen wollen!“ Sie schmollte und sah ihn nicht mehr an. Heller kaute weiter an seinem Käsebrot. Fast tat sie ihm leid.

Ich bedaure, dass ich dich ausgelacht habe, aber dein Verdacht ist einfach verrückt!“ Ihre Augen funkelten ihn an. „So verrückt wie ich es bin, wolltest du wohl sagen? Ich bin keine hysterische Kuh!“

Sicher nicht!“

Aber gemeint hast du`s.“ Er fragte sich, wie es nur dazu kommen konnte, dass ihre Unterhaltungen immer in einem Streit endeten. Verärgert kaute er zu Ende und schwieg für einen Augenblick.

Das mit dem Kommentar tut mir wirklich leid“, versuchte er die Wogen zu glätten.

Das fällt dir ja besonders früh ein!“ Mit einem Knall stellte sie ihre Tasse auf die Arbeitsplatte und eilte aus dem Zimmer. Er folgte ihr.

Aber Liebes, so warte doch, lass uns reden...“

Nein!“ Sie rannte die Treppe hinauf und knallte die Schlafzimmertür zu. Das Geräusch, dass sie dabei verursachte, ließ ihn zusammenzucken. Er zog Schuhe und Jacke an, atmete dabei immer wieder heftig ein und aus, und wehre sich gegen den Drang, einfach laut loszubrüllen. „Ihr verfluchtes, unkontrollierbares Temperament“, dachte er. Schließlich siegte die Einsicht. Er ging wieder nach oben und suchte sie. Als er die Tür zu ihrem gemeinsamen Schlafzimmer öffnete, lag sie auf dem Bett und starrte gegen die Zimmerdecke. Sein Eintreten verursachte, dass sie sich abrupt aufsetzte und ihre Beine über die Bettkante schwang. Schon wollte er sich auf einen neuen Schwall ihrer Wutausbrüche gefasst machen, doch diesmal sagte sie einfach nur: „Es tut mir leid Liebling, meine Nerven liegen blank.“ Und genau das brachte ihn wieder aus dem Gleichgewicht. Das lief nun schon über Jahre so, praktisch seitdem er sie geheiratet hatte. Sie ging ins Bad und er hörte, wie sie die Dusche aufdrehte und anfing zu singen. „Das Meeting, verdammt noch mal! Ich muss los Liebes“, rief er ihr zu. Für ihn war es aller höchste Zeit aufzubrechen und ins Präsidium zu fahren. Er verließ das Haus, doch als er sich auf dem Schotterweg befand, der zu seiner Garageneinfahrt führte, ertappte er sich selbst dabei, wie er hinüber zum Nachbarhaus schielte. Die Vorhänge der Parterrewohnung waren noch zugezogen, doch der Lieferwagen stand nicht mehr auf dem Gehsteig. Wahrscheinlich ist Dieter damit zur Arbeit gefahren. Was für ein Blödsinn!“, dachte er, als er ein wenig später in seinen Wagen stieg und losfuhr.


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