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Unser Mitmachkrimi "Abwege" Kapitel 17

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petersplitt

vor 7 Monaten

Plauderecke

Hallo, Ihr Lieben: Hier kommt das siebzehnte Kapitel unseres Mitmachkrimis.

Heute kommt Gisela Schmitz zum Einsatz. Sie ist die langjährige Putzfrau von Willi, dem Besitzer des Petit Colonia Hotels. Viel Spaß beim Lesen...



Siebzehntes Kapitel

Das zweimal wöchentlich stattfindende Treffen mit den Kollegen seiner Abteilung, gehörte zu den Pflichten, die Kommissar Gereon weniger gern erledigte. Mit der Zeit hatte er zu akzeptieren gelernt, dass jedes Meeting automatisch auf einen Kompetenzkampf hinauslief, doch das hieß ja nicht, dass ihm diese Veranstaltung gefallen musste. Einziger positiver Aspekt heute war die Anwesenheit der Polizeipsychologin Stephanie von Kampen. Insgeheim hatte er sich darauf gefreut, sie zu sehen. Steffi war eine gute Mitarbeiterin, professionell und ausgesprochen kollegial. Sie wusste auf die Belange ihrer Mitarbeiter einzugehen und war dazu auch noch eine Augenweide. Er rutschte nervös auf seinem Stuhl hin und her und versuchte sie nicht näher zu beachten. Auf dem langen Tisch lag ein Stadtplan von Köln. In ihm stecken kleine rote Fähnchen. Sie markierten jene Stellen, an denen die Körperteile des Anwalts gefunden worden waren. Gereon nahm einen Filzstift und kennzeichnete sie zusätzlich. „Könnt ihr die Gemeinsamkeit erkennen?“, fragte er. Julia Brück und Klaus Behringer beugten sich vor und betrachteten den roten Kreis.

Die Fundorte liegen alle in unserem Bezirk“, bemerkte Julia schnell.

Sehr gut kombiniert! Anscheinend will uns da jemand Schürmann als Hardcore-Puzzle servieren und zwar auf einem goldenen Tablett.“

Da ist was dran, Gerd“, erwiderte Julia. „Jedenfalls hat er sich nicht viel Mühe gegeben, um die Leichenteile zu verstecken. Wenn ich nur wüsste, was das zu bedeuten hat?“

Gereon brummte. „Das ist doch offensichtlich! Er will, dass wir sie finden, will das unser Gerichtsmediziner den Leichnam wieder zusammensetzen!“

Und warum?“ fragte Klaus.

Da fragst du am besten unsere Psychologin“, antwortete Gereon.

Er will uns zeigen, dass er es kann“, mischte sich Stephanie von Kampen ohne Umschweife in das Gespräch ein. Gereon bekundete seine Zustimmung indem er seine Augenbrauen in gespielter Lässigkeit in die Höhe zog und sie anlächelte. Stephanie erwiderte sein Lächeln sofort. „Er sieht heute schlecht aus, blass und diese tiefen AugenränderSicher arbeitet er zu viel“, dachte sie mitleidsvoll, doch Gereon schenkte ihrem Lächeln eine andere Bedeutung. Zum ersten Mal spürte er es wieder, dieses gewisse Kribbeln in der Magengegend. Es war genauso wie damals, als er zum ersten Mal seine Frau getroffen hatte. Es war nicht leicht, sich wieder auf den Fall zu konzentrieren.

Also“, sagte er zu Julia. „Du hast die Vermisstenmeldungen reingekriegt und ich die Körperteile. Wir müssen jetzt überprüfen, ob es da eine Verbindung gibt. Dazu möchte ich, dass Klaus wieder auf die Straße geht. Wir benötigen dringend jemanden, der in unserem Bezirk die Augen offen hält. Irgendwelche Einwände?“

Alles Okay Chef“, antwortete Julia. Klaus sagte kein Wort. Er schmollte.

Auf einmal öffnete sich die Tür und Staatsanwalt Heller betrat den Raum. Dunkle Haare, einsachtzig groß, breite Schultern, einen kleinen Schnurrbart unter der Nase, strenger Blick, Dokumentenmappe in der rechten Hand.

Ich war noch bei Gericht“, murmelte er anstelle eines Grußes, schnappte sich den noch letzten freien Holzstuhl und setzte sich unaufgefordert an den langen Tisch.

Trinken Sie Kaffee?“ fragte Julia und verdiente sich dafür einen strafenden Blick von Kommissar Gereon.

Klingt gut, mit Milch und Zucker bitte“, sagte der Staatsanwalt und legte demonstrativ die Dokumente, die er mitgebracht hatte auf den Tisch.

Kommt sofort“, sagte Julia gut gelaunt und holte die Glaskanne aus der kleinen Kaffeemaschine, die auf der Fensterbank stand.

Wir haben nur Plörre, Kaffeesahne und Würfelzucker“, sagte sie und grinste frech.

Schon in Ordnung“, erwiderte der Staatsanwalt. Dann wandte er sich an Kommissar Gereon. „Ich hab hier die Akte“, sagte er. „Vielleicht möchten Sie mal einen Blick hineinwerfen?“

Ich kenne die Akte bereits“, sagte Gereon ohne ihn eines Blickes zu würdigen.

Dann verstehen Sie sicher auch, dass ich den Kerl der das getan hat haben will!“

Ich auch!“

Aber nicht so wie ich ihn haben will. Das ist mein Bezirk, mein Aushängeschild, verstehen Sie?“

Mein Gott was für ein Lackaffe“, dachte Gereon sagte aber:“ Darauf würde ich nicht wetten.“

Sie warfen sich noch weitere Nettigkeiten an den Kopf, während sich Ingrid Goldmeyer zwei Stockwerke tiefer bereits auf die Mittagspause vorbereitete. Auf einmal trat eine unscheinbar wirkende Frau an den Empfang.

Wo geht es denn hier zum Kommissar?“, fragte sie mit resoluter Stimme. Ingrid hatte sie überhaupt nicht hereinkommen sehen, zu sehr war sie mit ihrer Handtasche beschäftigt, in der sie gerade versuchte einige Dinge zu verstauen. Genervt blickte sie auf. Die Dame machte Anstalten an ihr vorbeizugehen.

Hey momentmal, halt!“ rief Ingrid. „Dies hier ist ein Polizeirevier, da können Sie nicht so einfach durchmarschieren. Ich muss Sie vorher anmelden, wo brennt es denn?““

Ich möchte einen der Herren Kommissare sprechen“, sagte sie.

Gut, dann machen wir jetzt ein Ratespiel. Ich nenne Ihnen die Namen und Sie sagen mir zu wem sie wollen: Wagner, Reich, Cord oder Gereon?“

Die Dame zuckte mit den Achseln. „Ich nehme den letzten.“

Gereon! Einen Moment bitte, ich werde nachfragen, ob er zu sprechen ist.“

Sie griff zum Telefonhörer. Die Frau verstand nicht was sie sprach, es schien auch nicht sonderlich wichtig zu sein, denn nach wenigen Sekunden drehte sie sich wieder zu ihr um. Der Kommissar befindet sich zurzeit in einem Meeting“, sagte sie. „Außerdem ist er momentan sehr beschäftigt, am besten, Sie lassen sich einen Termin geben.“

Ohne sie weiter zu beachten, wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder ihrer riesigen Handtasche zu, in der sie nun versuchte, eine Tupperdose unterzubringen.

Hören Sie!“ Die Dame vor der Glasscheibe schien über sich hinauszuwachsen.

Es ist wirklich wichtig, ich muss auf der Stelle einen der Kommissare sprechen!“

Ingrid Goldmeyer hob den Kopf und stieß einen Seufzer aus. Damit schien sie andeuten zu wollen, dass sie daran gewöhnt war, dass man ständig etwas von ihr wollte.

Also schön“, sagte sie. „Ich werde noch einmal nachfragen, ob jemand für Sie Zeit hat. Bitte nehmen Sie inzwischen Platz.“ Dabei deutete Sie auf einen vergilbten Stuhl, der in der Nähe des Empfangs stand. Die Dame hockte sich auf die Kante des unbequemen Holzstuhls und beobachtete, wie die Empfangsdame mit gespielter Anstrengung wieder nach dem Telefon griff, den Hörer an ihr Ohr presste und ihr demonstrativ den Rücken zeigte. Keine Minute später drehte sie sich wieder zu ihr hin und legte auf.

Frau Brück wird sich gleich Ihrer annehmen. Sie ist zwar nur die Assistentin des Kommissars, dafür aber die erste Wahl!“ Sie kniff ein Auge zusammen. „Der Fahrstuhl befindet sich gleich dort drüben. Zweite Etage, Zimmer 36.“

Die Dame bedankte sich, ging zum Aufzug, wartete geduldig bis er kam und fuhr nach oben. Zimmer 36 fand sie auf Anhieb. Sie klopfte an die Tür, doch nichts tat sich. Sie drückte die Klinke hinunter, doch die Tür war verschlossen. Sie überlegte noch, was sie tun konnte, als eine junge Dame mit einem langen blonden Zopf um die Ecke gesaust kam. Sie wedelte mit einem Schlüssel. „Da bin ich schon. Treten Sie ein, was kann ich für Sie tun?“

Im Grunde genommen war Julia froh über die unerwartete Ablenkung. Fast den ganzen Vormittag hatte sie außerhalb ihres Büros verbracht. Zuerst hatte sie Gereons Meeting beigewohnt, danach war sie bei Günter im Archiv gewesen und zuletzt bei der Spurensicherung. Jochen Balzer hatte auf der Grünfläche bei der Kirche Reste von Jutefasern gefunden. Demnach wäre es möglich, dass jemand den Hotelier Willi in einem Sack oder etwas ähnlichem abtransportiert hatte. Die Spuren innerhalb des Hotels indes hatten noch keine Hinweise ergeben.

Schmitz, ist meine Name. Gisela Schmitz. Ich bin hier, weil ich jemanden als vermisst melden möchte, und weil Sie nach ihm suchen sollen.“.

Julia grinste und deutete auf einen freien Stuhl. „Nehmen Sie doch Platz Frau Schmitz. Und jetzt ganz langsam. So schnell schießen die Preußen nicht. Erzählen Sie mir bitte von Anfang an...“

Es geht um den Willi... äh, ich meine den Eigentümer des Petit-Colonia-Hotels.“

Julia war auf einmal hellwach. Sie stellte alle Antennen auf Empfang. „Sagen Sie das noch einmal!“

Der Willi…also, da will mir jemand weiß machen, dass er verreist sei. Aber den Jung kenne ich besser. Willi und verreisen? Nie im Leben! Er würde niemals sein Hotelchen im Stich lassen. Wissen Sie, ich bin die Putzfrau und mache schon über 30 Jahre bei ihm sauber.“

Sie schluchzte.

Verstehen Sie Frau Polizistin. ich bin in großer Sorge um ihn.“

Das kriegen wir schon hin, Frau Schmitz.“ Julia schaltete ihren Rechner ein und hörte Gisela zu, während der Apparat hochfuhr.

So...ich nehme jetzt ein Protokoll auf, drucke es aus und alles geht seinen gewohnten Weg“, klärte sie ihre Besucherin auf.

Das heißt, Sie werden sofort nach ihm suchen?“ fragte Gisela.

Erst wenn der Hotelier mehr als zweiundsiebzig Stunden verschwunden ist, aber dann geht sofort eine Suchmeldung raus und alle Streifenwagen werden informiert.“

Julia bemerkte die Enttäuschung, die sich auf Giselas Gesicht breit machte.

Das bedeutet also, dass Sie vor morgen früh nichts unternehmen werden?“

Julia nickte vorsichtig. Es war das automatische Beamtennicken, das Verständnis signalisieren sollte, Gisela Schmitz jedoch noch mehr aufbrachte.

Aber bis dahin kann doch alles Mögliche passiert sein“, sagte sie verärgert. Julia dachte einen momentlang nach. Dann fragte sie. „Wie kommen Sie eigentlich darauf, dass Willi verreist sein könnte?“

Immer wenn ich bei ihm putzen war und Willi dringend weg musste, hat er mir eine Nachricht hinterlegt. Das war so etwas wie eine geheime Absprache.“

Eine Nachricht sagen Sie?“

Ja, einen Zettel oder irgendetwas, damit ich Bescheid weiß.“

Einen Moment bitte, Frau Schmitz. Ich bin gleich wieder bei Ihnen!“ Sie eilte zu Gereons Schreibtisch und suchte die Klarsichthülle mit der Nachricht, die Bernadette auf dem Empfangstisch des Hotels gefunden hatten. Sie lag in der obersten Schublade. Augenblicklich war sie wieder zurück. Gisela Schmitz plapperte unaufhörlich weiter. „Wissen Sie, mir fehlt noch das Putzgeld für eine ganze Woche. Ich verstehe das nicht. Damit muss ich meinen Lebensunterhalt bestreiten.“

Als sie den Zettel sah riss sie ihn Julia förmlich aus der Hand. Ihre eigenen Hände zitterten.

Das ist seine Schrift“, sagte sie noch beim lesen. Dann schüttelte sie den Kopf und blickte Julia wütend an. „Da stimmt was nicht“, sagte sie laut. „Hier steht, dass er dringend in einer Familienangelegenheit verreisen musste, aber Willi hat aber überhaupt keinen Anhang mehr. Da will mich jemand veräppeln und mich um meine Kohle bringen!“

Julia versuchte ruhig zu bleiben. „Sind Sie sich da ganz sicher, Frau Schmitz? Bitte überlegen Sie genau.“

Sie atmete tief durch. „Doch Frau Polizistin, das weiß ich ganz genau. Manchmal hat er zu tief ins Glas geschaut, weil er so einsam war. Ich meine an Feiertagen und so weiter. Ihm muss etwas passiert sein!“

Tränen liefen ihre Wangen hinunter. Gisela zog ein Tempo aus ihrer Handtasche und wischte sie ab. Dann schnäuzte sie sich die Nase. Sie sah elendig aus.

Was werden Sie jetzt tun?“

Julia versuchte sie zu beruhigen. „Wir warten noch bis morgen Mittag und werden dann Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um ihn zu finden. Wer kümmert sich eigentlich in der Zwischenzeit um das Hotel?“

Na ich, wer denn sonst? Der Willi hat doch niemanden außer mir.“

Gut, aber Sie rufen mich sofort an, wenn sich irgendetwas tut.“

Julia gab ihr ihre Karte. „Ich bin mir sicher, dass wir ihn finden werden“, sagte sie. Es klang irgendwie abgedroschen und hilflos. Eine unheilvolle Stille machte sich breit, als sich Gisela Schmitz von ihrem Stuhl erhob, sich kurz bedankte und den Raum verließ. Julia blickte ihr kopfschüttelnd hinterher. Es war nicht immer einfach Polizistin zu sein.

Als sie ein wenig später das Polizeipräsidium verließ, war der Himmel pechschwarz. In Kürze würde es ein heftiges Gewitter geben. Die bunten Neonschilder der Kneipen und Geschäfte kamen ihr wie Hohn vor. Das normale Leben ging einfach weiter. Sie versuchte nicht daran zu denken, dass irgendwo da draußen ein Wahnsinniger herumlungerte, der Menschen entführte und dann wer weiß was mit ihnen anstellte.


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