Leserpreis 2018

Unser Mitmachkrimi "Abwege" Kapitel 7, erster Teil.

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petersplitt

vor 7 Monaten

Plauderecke

Hallo, Ihr Lieben:

Nach dem unser Bösewicht gestern ordentlich zugeschlagen hat, wollen wir mal sehen, wie es mit Bernadette in Köln weitergeht. Hier kommt der erste Teil des siebten Kapitels. Viel Spaß beim Lesen!



SIEBTES KAPITEL


Als Bernadette ins Petit Colonia zurückkam, war es bereits später Nachmittag. Sie fühlte sich wie gerädert, wollte nur noch eine Kleinigkeit essen und sich dann unter die Dusche stellen. Doch es kam ganz anders. Willi wartete bereits aus sie. Er saß in seinem kleinen Empfangsbereich und blätterte im Kölner-Express.

Da hat ein Herr Niedermeyer für Sie angerufen, Kindchen. Ich soll Ihnen ausrichten, Sie möchten doch bitte ihr verfluchtes Handy einschalten.“ Er zwinkerte ihr mit einem Auge zu. Mehrere Fragen gingen Bernadette gleichzeitig durch den Kopf. „Stefan hat angerufen? Aber wie ist das möglich? Woher weiß er denn überhaupt wo ich bin? Und mein Handy?

Sie griff in ihre Handtasche, nahm das kleine Gerät hervor und wischte über das Display. Das Ding rührte sich nicht. Auweia, sie hatte schlichtweg vergessen den Akku zu laden.

Wird sofort erledigt“, sagte sie zu Willi und bedankte sich dafür, dass er Stefans Nachricht an sie weitergeleitet hatte. Plötzlich knurrte ihr Magen. Willi sah sie an und grinste. Bernadette deute auf ihre Magengegend.

Oh Entschuldigung! Den habe ich auch vergessen aufzuladen.“, sagte sie ironisch. Gibt es hier in der Umgebung ein Restaurant, dass Sie mir empfehlen können?“

Willi starte sie an. Dann blickte er auf seine Armbanduhr.

Das wird schwierig mein Liebchen. Um diese Uhrzeit haben die meisten Lokale noch geschlossen. Ich könnte allerdings mit `nem Halven Hahn weiterhelfen. Den hole ich immer Dienstags wenn Giesela zum putzen kommt.

Na ja, Hühnchen ist besser als nichts“, dachte Bernadette und nickte freudig mit dem Kopf. „Abgemacht“, sagte sie und deutete auf ihr Handy. „Ich geh nur schnell nach oben, steck das Ding hier mit dem Ladekabel in die Steckdose und rufe meinen Bekannten an. Danach komme ich wieder runter und wir essen zusammen ihr Geflügel.“

Geflügel?“ Willi sah sie verwundert an, sagte aber kein Wort. Mit dem Handy in der einen und dem Zimmerschlüssel in der anderen Hand stieg Bernadette die Stufen hinauf und marschierte entschlossen auf ihre Zimmertür zu. Sie musste den Schlüssel mehrfach in dem angerosteten Schloss hin und her bewegen, bis die Tür endlich nachgab und aufsprang. Drinnen warf sie ihre Jacke aufs Bett, schloss das Handy an und legte sich daneben. Der Bettrahmen quietschte und der Apparat summte, als sie Stefans Nummer wählte. Es dauerte einen kleinen Moment, dann hatte sie ihn in der Leitung.

Schön das Du dich auch mal meldest“, murrte er. „Ich versuch schon den ganzen Tag dich zu erreichen.“

Das tut mir wirklich leid, Stefan. Ich hab gerade erst festgestellt, dass mein Handy nicht eingeschaltet war. Und jetzt ist natürlich der blöde Akku leer. Aber sag mal, wie hast Du mich überhaupt gefunden?“

Sein Lachen dröhnte aus dem kleinen Apparat. „War gar nicht so einfach“, sagte er.

Allerdings wusste ich von der Möbelmesse in Köln. Also war mir klar, dass du in den großen Hotels im Zentrum kein Zimmer bekommen würdest. Da habe ich gegoogelt, mich auf die kleineren in den Kölner Außenbezirken konzentriert und einfach begonnen sie systematisch abzuklappern. Auf gut Glück sozusagen.“

Stefan, du bist verrückt. Ich hätte mich heute Abend schon bei dir gemeldet.“.“

Naja, ich wollte halt wissen, wie es dir geht, nur dummerweise stand das Petit-Colonia so ziemlich am Ende auf meiner Liste, aber was soll´s ich habe dich ja gefunden. Und nun erzähl mir mal, ob du etwas über Diana in Erfahrung bringen konntest?“

Er hörte sie seufzen, als sie antwortete: „Nee Stefan, leider nicht. Ich hatte einen total verkorksten Tag heute. Nichts ist so gelaufen, wie ich es mir vorgenommen habe. Stell dir vor, Diana studiert gar nicht mehr an der hiesigen Universität.“

Sie konnte seinen Atem hören. „Was?“ fragte er und es kam ihr so vor, als ob er sie nicht richtig verstanden hätte. „Ich sagte, Diana studiert nicht mehr hier an der Uni. Sie hat schon seit ewigen Zeiten keine Vorlesung besucht und im Studentenwohnheim wohnt sie auch nicht mehr.“

Das gibt es nicht“, tönte es aus ihrem Handy. Dann folgte: „Und was sagt Kommissar Gereon dazu?“

Ach der! Er macht einen auf ratlos und erzählt mir andauernd, dass in einer Großstadt wie Köln täglich Personen verschwinden und dann irgendwann wieder auftauchen. Ist irgendwie ein komischer Kauz. Wahrscheinlich müssen Polizisten so sein. Aber er sieht verdammt gut aus.“

Bernadette! Ich muss mir doch keine Sorgen machen?“ Er hörte wie sie lachte. Es klang sarkastisch. „Sie macht gute Miene zum bösen Spiel“, dachte Stefan.

Nee, mein lieber. Ein Polizist ist jetzt wirklich das letzte, was ich gebrauchen kann. Ich habe Dianas Sachen identifiziert und dann ist mir noch etwas anderes aufgefallen…“

Sie erzählte ihm ausführlich von den Fotos weiterer verschwundener Personen, die sie entdeckt hatte.

Dabei interessieren mich am meisten die aktuellsten Fälle. Ich habe sicherheitshalber eine Aufnahme gemacht.“

Gute Frau! Na dann schick sie mir gleich rüber. Vielleicht kann ich mit den Namen etwas anfangen. Ich checke sie sofort!“ Sein Tonfall wurde ernster. „Sag mal, hast Du das Gefühl, dass zwischen Diana und den verschwundenen Personen auf den Fotos ein Zusammenhang bestehen könnte?“

Bernadette seufzte leise in ihr Smartphone.

Ach Stefan was weiß ich denn? Ich glaube erst einmal gar nichts! Mein Vater hat immer gesagt: Glauben ist etwas für die Pfaffen in der Kirche. Was ich suche sind Informationen, Gerüchte, Verbindungen. Irgendeinen Anhaltspunkt wo ich ansetzen kann. So, und jetzt habe ich genug geschwätzt. Unten beim Hotelier wartet ein halbes Hähnchen auf mich und mein Magen knurrt so laut, dass du es eigentlich bis in die Eifel hören müsstest.“

Alles klar, mein Schatz! Ich will dich auch gar nicht länger aufhalten. Iss erst mal was und dann melde dich später noch mal!“

Das mache ich bestimmt Stefan. Und danke, dass Du für mich da bist. Bis Bald.“

Bis Bald, tönte es noch aus ihrem Handy, dann war die Verbindung beendet. Bernadette überprüfte die Kabelverbindung und legte das Handy angeschlossen auf den Tisch. Danach schnappte sie sich ihre Jacke und ging wieder nach unten. Auf dem Rezeptionstisch stand ein Teller mit einem Roggenbrötchen. Daneben lagen ein Stück Butter und Käse. Von dem guten Willi war keine Spur zu sehen.

Das gibt es doch gar nicht“, murmelte sie. Verspricht mir groß ein halbes Brathähnchen und stellt mir dann einen Teller mit einem Brötchen auf den Tisch. Der hat sie wohl nicht mehr alle. „Willi, Willi sind Sie hier irgendwo?“

Keine Antwort. Der Hotelier war ausgeflogen. Bernadette ließ das Brötchen Brötchen sein und ging auf die Straße. Irgendwo musste es doch zumindest eine Imbissbude oder eine verdammte Kneipe geben.

Eine Ecke weiter hatte sie eine gefunden, saß ganz allein an einem kleinen Tisch und blies Trübsal. Die typische Kölner Kneipe lag unweit der Stadtgrenze zu Leverkusen Schlebusch. Das Licht war schummrig, was irgendwie genau zu ihrer Stimmung passte. Es war verdammt noch mal nicht klug gewesen, alleine nach Köln zu fahren. So etwas kann ich wieder nur bringen. „Nur eine Verrückte begibt sich ohne jegliche Vorbereitung in eine Großstadt.“ Sie dachte noch weiter über ihr Vorgehen nach, als sie von jemandem angesprochen wurde.

Na, was für eine Laus ist Ihnen denn über die Leber gelaufen?““

Die Stimme kam von irgendwo hinter ihr. Bernadette zuckte zusammen und drehte sich abrupt um. Ein Gesicht, das sie schon einmal gesehen hatte, lächelte sie an. Es gehörte der jungen Polizistin, die im Polizeipräsidium am Empfang gestanden hatte.

Wie klein die Welt doch ist, nicht wahr“, sagte sie und nahm einfach an ihrem Tisch Platz.

Bernadette war sprachlos. „

Auch ein Bier? Ich lade Sie ein.“

Bernadette stand eher der Sinn nach etwas Essbarem, aber dennoch willigte sie ein. „E…ein Kölsch vielleicht“, stammelte sie.

Kölsch klingt gut“, sagte die junge Polizistin und hob zwei Finger in die Höhe. Der Wirt verstand sofort was sie meinte und stellte zwei Gläser in die Nähe seines Zapfhahnes. Er beobachtete wie die gelbe Flüssigkeit den Schaum verdrängte, wartete noch einen Moment, bis sich die weiße Haube gebildete hatte, dann kam er zu ihnen herüber und stellte zwei perfekt gezapfte Biere auf ihren Tisch. „Prost, Mädels“, sagte er, bevor er zurück zu seinem Tresen huschte.

Julia Brück“, stellte sich die junge Polizistin vor. „Aber sag einfach Julia zu mir. In einer echt kölschen Kneipe sind wir alle per Du.“

Bernadette nickte nur. „Angenehm, ich bin Bernadette Meyfarth.“ Warum musste sie von den tausend Kneipen, die es in Köln gab, ausgerechnet hier auf die Polizistin treffen? Julia versuchte es indes weiter mit freundlichen Smalltalk.

Die meisten Besucher haben eine völlig falsche Vorstellung von unseren Kneipen“, erklärte sie. „Der Kölner geht nicht zum saufen in die Kneipe.. Es geht ihm vielmehr um Geselligkeit und um soziale Kontakte. Man trifft sich mit Freunden und Bekannten, hält ein Schwätzchen und erfährt die ultimativen Neuigkeiten. Das gilt für Polizisten genauso, wie für zivile Bürger. Kölle hat sich noch immer einen Teil von Menschlichkeit bewahrt.“

Sie blickte Bernadette an. „Lass mich raten, Du kommst aus der Eifel, nicht wahr?“

Julias sympathische Leichtigkeit zeigte Wirkung.

Sieht man mir das an?“ Bernadette lächelte schwach. „Aus Köttelbach, das liegt bei Kelberg in der Vulkaneifel“, fügte sie schnell noch hinzu.

Julia prustete laut los. „Ah, kenne ich. Schöne Landschaft. Ich bin ein paarmal dort gewesen. Die Maare und so weiter…“

Sie machte eine kleine Pause und nippte an ihrem Bier. Es war offensichtlich, dass sie darauf wartete, dass Bernadette etwas sagte. Als sie es nicht tat, erzählte sie weiter: „Ein Schulfreund von mir hat mal dort gewohnt und ab und zu habe ich ihn besucht, Dann bin ich mit dem Motorrad hingefahren. Du weißt schon, über Adenau und den Nürnburgring...“

Bernadette kannte die Strecke. „Du fährst Motorrad?“, fragte sie fasziniert.

Aber klar doch, warum denn nicht? Was die Männer können, kann ich schon lange! Du bist wegen deiner Schwester hier, richtig?“

Bernadette nickte. „Ja, das stimmt. Sie ist verschwunden und dazu hat mir Kommissar Gereon eine merkwürdige Geschichte erzählt.“

Das herrenlose Kanu und die Sachen am Fühlinger See, ich weiß Bescheid. Ich war selbst vor Ort.“

Bernadette blickte Julia mit großen Augen an. „Was denn, Du warst dabei?“, fragte sie.

In der Tat. Ich hatte Spätschicht, verstehst du? Aber mach dir mal keine Sorgen. Das wird schon wieder. Bestimmt taucht deine Schwester bald irgendwo auf.“

Bernadette schenkte ihr ein erleichtertes Lächeln. Sie spürte, dass sie mit Julia auf einer Wellenlänge lag, wollte ihr gerade etwas von Diana erzählen, als ihre Aufmerksamkeit auf etwas gelenkt wurde, was draußen vor der Kneipe stattfand. Aus ihren Augenwinkeln nahm sie wahr, wie sich jemand einem der Fenster näherte. Ein Schatten verdunkelte den Schankraum, eine Frau blieb stehen und winkte dem Wirt zu, was dieser mit einer freundlichen Handbewegung quittierte. Doch so schnell wie der Schatten gekommen war, verschwand er auch wieder.

Da ist sie!,“ keuchte Bernadette und sprang auf. Julia blickte sie erschrocken an.

Ist etwas nicht in Ordnung“, fragte sie besorgt.

Sie ist es...! Diana!“ rief sie laut und lief auf die Tür zu..

Wer?“

Sie bekam keine Antwort. Bernadette öffnete die schwere Kneipentür und war mit einem Satz auf der Straße. „Diana“, brüllte sie und schaute zuerst nach links, dann nach rechts. Kopflos rannte sie los.

Diana, bitte...!“

Sie lief ziellos durch die Menschenmenge und wusste bereits nach wenigen Minuten nicht mehr wo sie war. „Diana“, rief sie wieder in die Menge. Einige Passanten drehten sich um und schauten fragend in ihre Richtung, bevor sie weitergingen. „Diana!“ ihre Rufe wurden lauter. Jetzt stand sie an einer Hauptstraße. Autos rauschten an ihr vorbei. Auf einmal kamen ihr die Worte des Kommissars in den Sinn: „Personen verschwinden manchmal einfach und nehmen sich eine Auszeit. Wir ziehen durchaus in Betracht, dass ihre Schwester einen Unfall erlitten haben könnte.“


Frage: Wir brauchen einen Namen für die typische Kölner Kneipe und den Wirt. Im Moment heißt die Kneipe Balthasar und der Wirt Charly. Habt Ihr bessere Vorschläge?


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