Unser Mitmachkrimi "Abwege", Kapitel 8

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petersplitt

vor 6 Monaten

Plauderecke

Hallo, Ihr Lieben. Wir haben jetzt einen neuen Namen für die typische Kölner Kneipe und zwar Mannis Rästaurang. Das gibt es wirklich. Ich habe heute das Okay des Besitzers bekommen und darf den Namen in unserem Krimi verwenden.

Hier kommt das achte Kapitel. Diesmal wieder mit unserem Bösewicht und für Thrillerfans. Entscheidet selbst ob die Geschichte ein Krimi oder ein Thriller werden soll....Viel spaß beim Lesen.



ACHTES KAPITEL

Horst Schürmann hatte die Prüfung nicht bestanden. Sie hatte ihm den Tod gebracht. Vielleicht hätte er sogar eine Überlebenschance gehabt, wäre er nicht hypernervös gewesen und hätte er nicht mit zittrigen Händen verzweifelt versucht, genau den einen Schlüssel zu finden, auf den es ankam. So schnappte die Falle nach genau drei Minuten zu und verrichtete ihre tödliche Arbeit. Schürmanns Augen traten hervor, als sie ihn zermalmte, genauso wie es sein Peiniger geplant hatte. Der verfolgte die groteske Szene über einen Bildschirm von seinem Überwachungsraum aus. Und es verschaffte ihm einen ganz besonderes Glücksgefühl, mit anzusehen, wie der schmierige Anwalt um sein erbärmliches Dasein kämpfte und verlor. In Gedanken hakte er den Namen Schürmann von seiner Liste ab. Doch das musste noch nicht alles gewesen sein. Er überlegte, was er mit dem Leichnam anfangen konnte. Am besten zerstückelt unter die Leute bringen. Das bringt noch einen zusätzlichen Nervenkitzel.

Allerdings wollte er die Leichenteile nicht dort lassen, wo man sie all zu leicht finden würde, aber auch nicht so gut verstecken, dass sie monatelang unentdeckt blieben. Er musste die Balance finden und genau das war der schwierigste Teil seines makabren Spiels. Die blutigen Teile wie ein Puzzle an verschiedenen Orten zu verteilen und gleichzeitig darauf zu achten, dass er nicht gesehen wurde, erforderte ein ganz besonderes Geschick. Und die Orte sollten zu einem ganz bestimmten Bezirk gehören, dem Bezirk von Kommissar Gereon! Er steckte den blutigen Körper in einen Plastiksack und brachte ihn in einen ganz bestimmten Raum. Sein umfunktioniertes Badezimmer!

Hier hatte er aus Gründen der Sauberkeit auch die Kreissäge aufgestellt. Blutspritzer versauen die unmittelbare Umgebung in Sekunden, deshalb war ein gefliester Boden mit einem Ablauf, der direkt in die Kanalisation führte, eine durchaus nützliche Errungenschaft. Er spürte eine freudige Erregung in sich aufsteigen, als er die Säge anwarf. Sie fraß sich durch Fleisch und Knochen, und mitten durch Horst Schürmann. Das restliche Blut, dass noch in ihm war, spritze auf den gefliesten Boden. Selbst die Säge war blutig, als er sie schließlich von dem Torso wegzog. Er blickte auf seine Armbanduhr. Es war 21 Uhr, Zeit um nach Hause zu fahren. Er nickte mir grausamer Genugtuung. Bestimmt würde seine Frau schon auf ihn warten.

Nur gut, dass sie die Geschichte mit den Überstunden und den Sonderschichten geschluckt hat! So bleibt mir stets genügend Freiraum für meine Spielchen, beziehungsweise für die Vorbereitungen darauf. Bisher war alles Bestens gelaufen und sie hatte keinen Verdacht geschöpft, wenn er länger von zu Hause wegblieb, -oder erst spät am Abend heim kam. Ganz im Gegenteil, dann war sie besonders zugänglich und verwöhnte ihn umso mehr. Schließlich war die verdammte Arbeit an allem schuld!


Er entschloss sich mit dem Arm des Leichnams anzufangen, steckte ihn in eine Plastiktüte von Aldi und ließ die anderen Leichenteile in seinem provisorischen Badezimmer zurück. Ein prüfender Blick auf den Bildschirm in seinem Überwachungsraum zeigte ihm, dass alles in Ordnung war, wenigstens in seinem Sinne. Die meisten seiner Gäste lagen lethargisch auf dem Boden oder starrten die Wände an. Routinemäßig überprüfte er seine Sicherheitsvorkehrungen, schloss die Türen ab, ging durch den kurzen Tunnel und stieg die ausgetretene Steintreppe hinauf. Sorgfältig schloss er auch noch die letzte Tür ab, dann schlich er durch den Wald und ging zu dem kleinen Parkplatz, auf dem er seinen Wagen abgestellt hatte. Eine halbe Stunde später fuhr er durch die Straßen von Köln, - langsam, erwartungsvoll. Auf den Straßen war viel los. Menschen standen vor den Bars und tranken Bier. Die meisten waren Geschäftsleute, die nach getaner Arbeit noch nicht gleich nach Hause gehen wollten, oder auswärtige Besucher. Die Randalierer würden erst später kommen. Das waren jene Jugendlichen, die sich bewusst betranken um danach richtigen Ärger machten. Vielleicht würden sie Mülltonnen umwerfen...und darin einen Arm finden! Na, wie wär das Jungs? Würde euch das gefallen?

Er grinste hämisch.

Das waren nicht seine Probleme. Er fuhr ein Stückchen weiter, steuerte Richtung Innenstadt bog links ab und musterte das Nachtleben. Die Straßen waren prallgefüllt mit Menschen. Auf der rechten Seite gab es ein Sexkino, dann kam ein durchgehend geöffneter Supermarkt. Im kam eine Idee. Perfekt, dort werde ich meinen Sondermüll ablegen.

An der nächsten Ecke hielt er brav vor einer roten Ampel. Er wollte nicht, dass irgendein eifriger Polizist ihn wegen einer Lappalie anhielt und wohlmöglich die Plastiktüte mit dem Arm fand. Kurz darauf bog er rechts ab. Noch eine Ampel! Köln war die Stadt der Ampeln. Er wartete das sie umschaltete und fuhr bei Grün um den Block. Jetzt befand er sich wieder auf den Kölner Ringen. Von hier gingen kleine Seitenstraßen ab. Es waren alles Einbahnstraßen. Er nahm die erst beste. Zwischen dem Supermarkt und dem Sexshop gab es eine Durchfahrt. Ein Kerl in einem Kittel stand genau in der Einmündung und zündete sich eine Zigarette an. Der Mann fuhr weiter... langsam, immer im Kreis herum, bis die Durchfahrt und der Bürgersteig leer waren. Er parkte den Wagen, lies jedoch den Motor laufen, öffnete die Tür, stieg aus, schlich um den Wagen herum zum Kofferraum, nahm den Plastikbeutel mit dem Arm heraus und ging rasch zu den Einkaufswagen des Supermarktes. Er schob den letzten Wagen leicht nach hinten, ließ die Plastiktüte hineinfallen, ging zurück zu seinem Wagen, startete und fuhr langsam los.

Ein Teil weniger”, sagte er sich.


Kurze Zeit später war er zuhause.

Ich bin da“,, rief er, noch während er zur Tür hereinkam. Keine Antwort. Stattdessen drang ihm der Klang einer Gitarre entgegen. Er trat an die Garderobe, zog seine Jacke aus und blickte in den Spiegel. Im Grunde genommen sah er noch genauso aus wie früher. Die Haut um sein Kinn herum mochte ein klein wenig schlaffer geworden sein und ein paar graue Streifen durchzogen sein Haar. Das war fast alles. Nur die kleinen Fältchen, die sich am Rande seiner Augen gebildet hatten, deuteten auf eine Veränderung hin. Das Gitarrenspiel wurde immer lauter. Seine Frau saß im Wohnzimmer und übte Akkorde. Mit ihren geflochtenen Zöpfen, den pinkfarbenen Short und den hohen Korksandalen sah sie wesentlich jünger aus, als die vierundvierzig Jahre, die sie bereits hinter sich gebracht hatte. Sie bemerkte ihn, hörte sofort auf zu spielen und sagte ironisch: „Musst du dich so anschleichen, mein Schatz? Du weißt doch dass ich es nicht mag, gestört zu werden, wenn ich ein neues Lied einstudiere. Wie war dein Tag heute?“

Viel Arbeit, wie immer“, erwiderte er. „Deshalb ist es auch etwas später geworden. Bekomme ich heute keinen Kuss?“

Aber klar bekommst du den. Sie legte die Gitarre auf das Sofa, stand auf, umarmte ihn und drückte ihm einen dicken Schmatzer auf die Wange. Sie duftete nach Blumen. Er liebte ihren Duft, liebte sie einfach um ihrer selbst willen. Genauso wie damals, als er sie kennengelernt hatte. Das war bei einer Tanzveranstaltung gewesen. Sie hatte einfach hinreißend ausgesehen, in ihrem schwarz-roten Dress und den klirrenden Metallarmreifen, die sie trug. Immer wieder hatte er sie beobachtet. So wie ein Raubtier seine Beute beobachtete. Wie sie sich bewegte und auf ihren hohen Absätzen gekonnte Pirouetten drehte und dazu mit einem großen, bunten Hut wedelte. Und er hatte sich vorgestellt, dass sie nur für ihn tanzte, mit all ihrer Leidenschaft. Aber mit der Zeit hatte sich alles verändert. Auch er selbst war ein anderer geworden. Er versuchte ihr ein Lächeln zu entlocken, indem er irgendeine alberne Grimasse schnitt, aber sie hatte ihre Aufmerksamkeit bereits wieder auf ihre Gitarre gerichtet und schlug dazu die ersten Akkorde an. Es klang irgendwie nach Stairway to Heaven von Led Zeppelin.

Hört sich toll an“, sagte er und fand, das sein Kommentar irgendwie unecht ausfiel. Sie strahlte ihn an. „Gefällt es dir?“

Ja sehr.“ Wieder eine Lüge. Das Geklimper ging ihm ganz schön auf die Nerven. Er ließ seinen Blick durch das riesige Wohnzimmerfenster auf den Garten gleiten. Dies hier war seine heile Welt, sein trautes Heim. Draußen war Krieg. Es gab so viele Schurken auf der Welt, Menschen, die keine Daseinsberechtigung hatten und noch nicht einmal ihr eigenes Leben schätzten. Er drehte sich wieder zu ihr hin. Sie hatte ihren Blick weiter stur auf die Gitarre gerichtet und versuchte einen besonders schweren Akkord zu greifen. Als er das Wohnzimmer verließ und durch den Flur in die Küche ging, erklang erneut der Refrain von Stairway to Heaven in seine Ohren. Er nahm sich ein Bier aus dem Kühlschrank, trank es im Stehen und dachte daran, wie sein Leben früher war. Es wäre eine Erleichterung zu glauben, er könnte wieder zur Normalität zurückkehren, aber das war nur eine Illusion.

Das Gitarrenspiel verstummte und sogleich stand sie in der Küche.

Ich habe einen Gemüseauflauf mit viel Käse vorbereitet, oder alternativ kannst du auch eine Pizza von Mario haben“, sagte sie augenzwinkernd.

Danke, der Auflauf ist mir lieber. Ich habe vielleicht einen Hunger...“

Prima, er muss nur kurz aufgewärmt werden. Ich räume noch schnell die Gitarre weg und dann geht es sofort los..“

Er fing an den Tisch zu decken, sie kam zurück, schlich sich von hinten an ihn heran und griff ihm herausfordernd zwischen die Beine.

Vorspeise oder Dessert?“, fragte sie frech.

Er rollte mit den Augen. „Auch wenn du dich jetzt hier völlig nackt auf den Tisch legst, ich habe einen Bärenhunger.“

Spielverderber“, erwiderte sie und ging schmollend auf den Herd zu, in dem der Auflauf brutzelte.

Danach aßen sie Überbackenes, tranken Rotwein und redeten über dieses und jenes. Er beklagte sich über die Anhäufung von Überstunden in der letzten Zeit. Sie hörte gehorsam zu und bestätigte ihn in seiner Meinung. Kurz darauf gingen sie zusammen ins Bett und liebten sich. Auch wenn er sie sehr mochte, es war nicht mehr als Routine für ihn. Den ersehnten Kick brachte es ihm schon lange nicht mehr. Den holte er sich jetzt woanders...

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