Unser Mitmachkrimi "Abwege" Teil 1 von Kapitel 15

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petersplitt

vor 5 Monaten

Plauderecke

Hallo, Ihr Lieben: Weiter geht’s. Hier kommt der erste Teil von Kapitel 15. Viel Spaß beim Lesen.




FÜNFZEHNTES KAPITEL

Sie waren im Kino gewesen und hatten sich danach noch einen Absacker in der Altstadt gegönnt. Dabei hatten sie angefangen zu streiten, mit leisen, flüsternden Stimmen, doch an Hand ihrer Gesten merkte jeder in dem Lokal sofort, was mit ihnen los war. Es ging um den Film, den sie am Abend gesehen hatten. Sie behauptete, dass die Originalfassung aus den 50er Jahren wesentlich authentischer gewesen sei, er bewunderte die High-Tec Szenen des modernen Films. Sie stritten noch immer, als sie sich schon längst auf dem Nachhauseweg befanden. Und diesmal war der Anlass ein wesentlich ernsteres Thema. Es ging um das, worum sie sich fast immer stritten. Ums liebe Geld. Mittlerweile war es 22.30Uhr, doch die Straßen leerten sich noch lange nicht. Überall hingen junge Leute herum. Die meisten wollten einfach nur Spaß haben. Ein paar halbwüchsige Mädchen kamen ihnen entgegen. Sie hatten sich für die Disco aufgedonnert und sahen so aus wie kleine Lolitas. Er drehte sich zu ihnen um…und hatte schon den nächsten Ärger mit seiner Partnerin am Hals.

Würde es dir gefallen, wenn ich auch so herumlaufe?“ fragte sie gereizt.

Warum nicht“, erwiderte er und grinste. „Würde vielleicht etwas Schwung in unser Liebesleben bringen.“

Lustmolch“, keifte sie ihn an. Sie gingen zu dem Apartmenthaus in dem sie wohnten. Ein Mann kam heraus. Sie beachteten ihn nicht, waren zu sehr mit ihrem Streit beschäftigt. „Du gibst immer so viel Geld für unnütze Dinge aus“, schimpfte er.

Und du bist ein alter Geizhals“, kontere sie.

Bin ich nicht. Ich finde es nur nicht gut, dass du so verschwenderisch bist.“

Ich finde nichts Falsches daran, wenn man sich ab und zu mal etwas gönnt, das hebt das Selbstwertgefühl. Wenn ich mich danach fühle, dann kaufe ich mir etwas.“

Genau das ist das Problem. Leider fühlst du dich viel zu häufig danach…“

Sie standen vor dem Aufzug und stritten sich weiter. Die Türen öffneten sich. Zuerst dachten sie noch, da hätte jemand seinen Müll einfach stehen lassen - Plastiktüten vom Aldi.Die Leute hatten immer weniger Anstand. Doch dann sahen sie, dass eine der Tüten an einer Stelle eingerissen war und ein zerfetzter Streifen blutigen Fleisches heraushing. Kurz darauf verstanden sie, dass sie auf die blutigen Reste eines Menschen blickten. Sie schrie aus Leibeskräften und beide rannten sie als sei der Teufel hinter ihnen her hinaus auf die Straße, wo er zu seinem Handy griff und den Notruf wählte. Die Einsatzzentrale reagierte sofort, beorderte Julia Brück und Klaus Behringer zu der angegebenen Adresse. Als sie sahen, was los war, informierte einer der beiden die Spurensicherung, währen der andere versuchte das leichenblasse Pärchen zu beruhigen.


Etwa zur gleichen Zeit lag Bernadette in ihrem Bett und hörte die alte Standuhr im Erdgeschoss elfmal schlagen. Körperlich fühlte sie sich ausgelaugt und groggy, aber ihr Verstand lief immer noch auf Hochtouren. Ihre Gedanken kreisten um Willi, den Hotelier und sie begriff, dass sie erst zur Ruhe kommen würde, wenn sie das Chaos in ihrem Kopf beseitigt hatte. „Was, wenn er doch nicht tot ist? Schwachsinn, er ist tot!“

Sie wälzte sie sich zuerst auf die linke Seite, dann auf die rechte, aber es half ihr nicht. Sie konnte einfach nicht einschlafen. Also machte sie einen Satz aus dem Bett, warf sich in ihren flauschigen Morgenmantel und schlüpfte durch die Tür hinaus auf den Flur. „Ich könnte es mit einem Tee versuchen“, sagte sie zu sich selbst. Warme Milch war ihr zuwider. Vor dem Nachbarzimmer blieb sie stehen und horchte. Drinnen war alles still. Sie zwang sich weiterzugehen und war im Begriff die Treppe hinunter zu schleichen. „Vielleicht sollte ich mir doch lieber etwas Hartes genehmigen, einen Whisky zum Beispiel, oder doch einfach noch ein bisschen Fernsehen?“

Fast lautlos bewegte sie sich voran. Seltsam, die Tür zum Empfang steht offen, obwohl ich mich ganz genau daran erinnere, sie geschlossen zu haben. Na, ja, vielleicht habe ich es auch vergessen. Bin im Moment ein wenig durch den Wind.

Sie blieb einen Moment stehen. Plötzlich war da ein grelles Licht. Es blendete sie, zwang sie dazu, sich die Hände vor die Augen zu halten. Bernadette bewegte sich wie in Trance, nicht wissend, woher dieses Licht kam. Bevor sie schreien konnte, erstarrte sie. Der Lichtstrahl bewegte sich jetzt von ihr weg. „Eine Taschenlampe“, ging es ihr durch den Kopf. „Wer hat zu dieser Stunde noch etwas hier im Empfang zu suchen?“ Ein Gefühl der Angst beschlich ihren Körper und blieb dann in ihrer Kehle stecken. Fast schon reflexartig drehte sie sich um und rannte zurück, die Treppe hinauf. „Willi“, schrie sie in panischer Angst.

Was zum Teufel ist denn hier los?“ fragte eine sympathische Stimme. „Haben Sie schlecht geträumt, oder warum schreien Sie so?“

Atemlos wie sie war, hatte sie Mühe, ihre Emotionen in Worte zu fassen.

W…wer sind Sie“? fragte sie stotternd.

Oh, ich bitte vielmals um Entschuldigung“, sagte der Mann. „Ich dachte, Sie wüssten Bescheid. Hat Ihnen Julia denn nichts gesagt?“

Bernadette sah den Mann mit großen Augen an. „Julia?“ fragte sie ungläubig. „Sie sind doch nicht etwa von der…?“

Spurensicherung, ganz genau. Mein Name ist Jochen Balzer.“

Sie starrte ihn ungläubig an. „Um diese Uhrzeit noch? Na Sie haben vielleicht Nerven! Das hätte doch auch Zeit bis Morgen gehabt!“ Sie war wütend, weil er sie so erschreckt hatte.

Die Tür unten war verschlossen und da bin ich durch den Nebeneingang hinten am Empfang....“

Wie ein Einbrecher? Und so jemand will bei der Polizei arbeiten? Gehen Sie immer so sanft zu Werke?“

Julia meinte, ich sollte diskret vorgehen.“

Diskret nennen Sie das? Zu Tode erschreckt haben Sie mich!“

Das tut mir wirklich sehr leid. Wie gesagt, ich dachte, Sie wüssten Bescheid. Sie sind doch Frau Meyfarth, nicht wahr?“

Bernadette nickte mit dem Kopf. „Haben Sie wenigstens etwas gefunden?“

Noch nicht. Ich bin wohl ein bisschen spät dran, aber ich habe zuerst das Grundstück neben der Kirche abgesucht.“

Ja und?“

Blutspuren habe ich keine gefunden. Aber da hat eindeutig etwas im Gras gelegen. Etwas, dass in einer Decke oder in einem Sack abtransportiert worden sein muss. Ich habe entsprechende Fasern gefunden. Die gebe ich Morgen gleich ins Labor.“

Also doch!“, sagte Bernadette. Ihre Stimme klang etwas beschwichtigender.

Eigentlich sollte ich Sie abholen und zusammen mit Ihnen zu dem Grundstück gehen, aber da war ein freier Parkplatz direkt vor der Kirche und da bin ich halt sofort hin. Was da allerdings genau gelegen hat, kann ich natürlich nicht sagen. Ich bin dann zu Fuß hierher und habe mich hier drinnen ein wenig umgesehen. Unten am Eingang befinden sich jede Menge Spuren, Fingerabdrücken, von denen auch einige abgewischt worden sind. Hinter dem Empfang waren nur wenige Fingerabdrücke und die stammen, so wie es aussieht, alle von ein und derselben Person.“

Die können ja nur von dem armen Willi stammen“, sagte Bernadette.

Das werden wir bald wissen. Julia hatte noch von einer Nachricht gesprochen, Beziehungsweise von Zweien? Davon soll eine wieder verschwunden sein? Ehrlich gesagt, ich blicke da nicht mehr durch.“

Jetzt musste Bernadette lachen.

Das kommt davon, wenn man Nachts hier herumschleicht! Aber es ist tatsächlich so“, erklärte sie. „Jemand hat mir die Nachricht unter die Tür hindurchgeschoben. Sie war allerdings nicht mehr da als ich mit Julia zurückkam und nach ihr suchte. Dafür lag dann auf dem Empfangstresen eine neue Nachricht. Möchten Sie sie sehen? Sie liegt oben in meinem Zimmer.“

Sicher, wenn es Ihnen nicht zu viele Umstände bereitet?“

Nein, kommen Sie nur mit. Ich bin jetzt sowieso hellwach. Eigentlich wollte ich mir etwas zu trinken holen.“

Sie gingen in ihr Zimmer und Bernadette zeigte ihm den Zettel mit der Nachricht. Jochen warf einen Blick drauf und runzelte die Stirn.

Den Zettel würde ich gerne mitnehmen“, sagte er bestimmend. „Kommt alles ins Labor, verstehen Sie?“

Bernadette nickte zustimmend. „Sie sind der Profi.“

Außerdem würde ich gern ein paar Proben nehmen, und dann sind Sie mich auch schon wieder los. Sind Sie eigentlich der einzige Gast in diesem Hotel?“

Nein, noch sind wir hier zu dritt. Ein Vertreter wohnt im Zimmer mit der Nummer 15 und ein junges Paar schräg gegenüber.“ Sie zeigte auf die entsprechenden Türen.

Ich reise allerdings morgen ab. Die Möbelmesse ist zu Ende. Mit Sicherheit werde ich jetzt auch woanders ein Zimmer bekommen.“

Jochen stimmte ihr zu. „Das hätte ich an Ihrer Stelle schon längst getan, bei dieser Absteige! Haben Sie denn keine Angst?“

Äh...nö! Bernadette zeigte ihm das Pfefferspray und beobachtete ihn dabei, wie er sich ein Paar Plastikhandschuhe überzog und mit diversen Pinseln und Pülverchen bewaffnet in ihrem Zimmer auf und ab ging. Hier und da steckte er etwas in kleine Plastikbeutel, bearbeitete die Türschwelle, das Schloss, nahm Proben von dem Wollteppich auf dem Fußboden. Dann war er fertig. Sie gab ihm den Zettel mit Willis angeblicher Nachricht und verabschiedete sich von ihm. „Mensch, was für eine Nacht!“ dachte sie, bevor sie zu Bett ging und einschlief.

Am nächsten Morgen wachte sie erschrocken auf. Sie fuhr im Bett hoch und musste sich erst einmal zurechtfinden. Ungläubig blinzelte sie auf den Wecker. „Was, schon 11Uhr? Verdammt, verdammt, verdammt! Ich wollte doch heute noch umziehen.“

Dann fielen ihr die Ereignisse der letzten beiden Tage ein. Sie war joggen gegangen und hatte den armen Willi gefunden. Der Ausdruck seiner toten Augen verfolgten sie bis heute. Oder hatte sie das alles nur geträumt? Hatte das Verschwinden von Diana sie einfach überfordert? Aber was war mit der Warnung und den Infos, die sie von Tanja Gutenberg bekommen hatte. Waren das alles nur Hirngespinste? Und dann auch noch dieser Jochen Balzer. Was für eine Type! Kommt mitten in der Nacht, wie ein Einbrecher hierher und blendet mich mit seiner Taschenlampe. „Kann denn niemals etwas normal laufen?“

Ein schlimmer Gedanke kletterte in ihr hoch. Was, wenn die Bestie, die den Willi ermordet hat, auch für das Verschwinden ihrer Schwester verantwortlich war? Das Schwein durfte nicht davonkommen, nicht einfach so. Das würde sie niemals zulassen. Sie schlug die Decke zurück und kroch aus dem Bett. Danach holte sie tief Luft und konzentrierte sich auf ihr weiteres Vorhaben. Willi war nicht zurückgekehrt, so wie es in seiner Nachricht gestanden hatte. Als erstes würde sie diese Bruchbude hier verlassen, danach mit Stefan telefonieren und sich später mit Julia treffen. Die Polizistin musste unbedingt erfahren, was sie über die speziellen Partys in Erfahrung gebracht hatte. Bernadette duschte und packte ihre Sachen in den Koffer. Dann checkte sie sich selber aus. Diesmal gab es keinen Willi, der ihr den Koffer ans Auto schleppte. Selbst war die Frau. Sie legte den Schlüssel auf die Theke der Rezeption und zog die Tür hinter sich zu. Hiermit war für sie das Kapitel Petit-Colonia beendet.

Draußen regnete es. Bernadette ließ das Fenster auf der Fahrerseite nur einen Spaltbreit hinunter, um keine Tropfen hereinzulassen. Dann fuhr sie los. Ihr Ziel war das Rhine Palace-Hotel. Es lag in der Innenstadt.

Eine Dreiviertelstunde später war sie da und lenkte ihren kleinen roten Bomber auf den Gästeparkplatz. Hier standen zwei Mercedes, ein BMW, ein Jaguar und ein Audi. „Das sieht mir nach einer ganz anderen Kundschaft aus“, dachte sie und parkte ihren Kleinwagen mit gebürtigem Abstand zu den vornehmen Nobelkarossen. Sie ging zur Rezeption und erkundigte sich nach den Preisen. Hinter dem Empfang stand eine junge Blondine in einem kurzen Minirock. „Zu jung, zu blond, zu kurz“, urteilte Bernadette und hatte bereits vergessen, was ihr die Göre gesagt hatte.

Verzeihung, wie viel haben Sie gesagt, macht das?“ fragte sie die Blondine, die im Höchstfall wie Sechzehn aussah.

150 Euro die Nacht“, wiederholte die junge Dame brav. Dabei kaute sie lässig auf einem Kaugummi und rieb sich einen Schuh an ihrem Bein. Bernadette konnte sehen, dass der Absatz verdammt hoch war.

Das sprengt ein wenig meine Portokasse“, dachte sie, aber sei`s drum. Nach dem Chaos der vergangenen Tage darf ich mir auch etwas gönnen.

Geht das in Ordnung?“, fragte die junge Angestellte. „Es ist allerdings ein Doppelzimmer. Ich fürchte, etwas anderes ist bei uns im Moment nicht frei.“

Nein, das ist schon O.k.“, bestätigte Bernadette. Sie war gespannt auf das Zimmer. „Lassen Sie ihren Autoschlüssel hier“, sagte die Blondine. „Es wird sich gleich jemand um ihr Gepäck kümmern. Wenn ich Sie dann noch um Ihre Kreditkarte bitten dürfte? Bernadette reichte sie ihr.

Außerdem haben wir ein Schwimmbad im Untergeschoss, sowie eine Wellness und Spa-Oase. Beides steht zu ihrer freien Verfügung. Dort gibt es auch eine Kosmetikerin, aber die ist kostenpflichtig.“ Die junge Dame gab ihr die Kreditkarte zurück.

Bernadette fuhr sich durchs Haar. Es wirkte stumpf und fettig. „Ein wenig Auffrischung kann mir wirklich nicht schaden“, dachte sie. Die Blondine am Empfang gab ihr eine Lochkarte. „Zimmer 102, das ist der Zimmerschlüssel. Stecken Sie ihn einfach in die Vorrichtung und die Tür öffnet sich automatisch.“

Was für ein Unterschied zu Willis Absteige“, dachte Bernadette, während sie zum Aufzug ging und in den zweiten Stock fuhr. Ihr Zimmer befand sich auf der rechten Seite. Bernadette steckte die Lochkarte ins Schloss, doch nichts geschah. Sie zog die Karte wieder heraus, drehte sie um und versuchte es noch einmal. Jetzt sprang die Tür auf. Sie betrat das Zimmer und staunte. Es war ganz in hellem Holz gehalten und dezent beleuchtet. Das große Bett war frisch bezogen worden. Auf dem Kopfkissen saß ein Schwan, den jemand kunstvoll aus einem weißen Handtuch gezaubert hatte. Der Kleiderschrank war geräumig, stabil und farblich auf die Inneneinrichtung abgestimmt. Ein Blick aus dem Fenster gab die Sicht auf einen kleinen Garten frei. Bernadette ließ sich auf das große Bett sinken und betrachtete das bunte Gemälde an der Wand. Abstrakte Kunst. Es wirkte irgendwie beruhigend.

Hier lässt es sich aushalten!“ dachte sie. Auf einmal klopfte es an der Tür. „Zimmerservice“, rief eine junge Stimme. Ein Page brachte ihr Gepäck. Sie bedankte sich und drückte ihm einen 5 Euro Schein in die Hand. Sie wusste nicht, ob das angemessen war, aber so hatte sie es einmal in einem Film gesehen.

Kann ich noch etwas für Sie tun?“ fragte der Page. Bernadette schüttelte den Kopf, hielt dann inne. „Oder doch, warten Sie.“

Hastig griff sie in ihre Handtasche und zog das Foto ihrer Schwester heraus. „Haben Sie zufällig diese junge Dame hier schon einmal gesehen?“

Der junge Mann nahm ihr das Foto aus der Hand und hielt es ans Licht des Fensters. Er zögerte einen Augenblick, dann sagte er: „Ich glaube, sie ist schon einmal hier gewesen, Gnädige Frau. Ich kann mich aber auch irren. Am besten Sie fragen bei der Rezeption nach.“

Sind Sie sicher?“

Bernadette bedrängte ihn. Der Page trat einen Schritt zurück. „Wie ich bereits sagte, bitte wenden Sie sich an die Rezeption.“

Vielen Dank, das werde ich tun“, sagte sie und dachte nach. Was sie jetzt brauchte war eine erfrischende Dusche. Sie ging ins Bad und blieb wie angewurzelt im Türrahmen stehen. Das Bad war Luxus pur. Neben einer Dusche gab es auch eine Badewanne. Und alles war in hellen Marmor gehalten.

Na dann nichts wie hinein“, sagte sie sich, drehte das Wasser auf und griff nach der Flasche mit dem Shampoo. Sie regelte die Wassertemperatur und stieg, als die Wanne voll war, in das wohltemperierte Nass. Sofort spürte sie, wie sich ihr Körper entspannte. Sie ließ etwas von dem Shampoo in ihre Hand laufen und massierte es in ihre Kopfhaut ein. Es prickelte und roch nach exotischen Blumen. Sie seifte sich ihren nackten Oberkörper ein und genoss den weißen Schaum auf ihrer Haut. Derweilen ratterten in ihrem Kopf die Fragen weiter.

Ob Diana wirklich hier gewesen ist? Dieses Hotel ist nicht gerade Studentenstandard, falls sie aber in Begleitung eines gutsituierten Mannes...?

Der Gedanke durchfuhr sie wie ein Stromstoß. Vor Schreck ließ sie die Seife fallen. Das machte Sinn, auch wenn sonst gar nichts einen Sinn machte. Sie stieg aus der Wanne und trocknete sich ab. In diesem Moment klingelte ihr Handy. Sie fand das kleine Ding in ihrer Handtasche. „Hallo? Stefan!, Gott sei Dank!“

Hallo Bernadette, sag mal wo steckst Du eigentlich? Ich hab verdammt noch mal auf deinen Anruf gewartet.“

In der Zwischenzeit ist viel passiert, Stefan. Ich bin umgezogen.“

Wie umgezogen?“

Na in ein anderes Hotel.“

War dir das Petit Colonia nicht mehr gut genug? Ich mein dieser Hotelier schien doch ganz nett zu sein.“

Willi ist tot.“

Wie bitte? Bernadette, was erzählst du mir da?“ Seine Stimme klang besorgt.

Hörzu Stefan. Hier gehen merkwürdiger Dinge vor sich, aber ich verstehe die Zusammenhänge nicht.“

So, verstehst du nicht. Und was sagt die Polizei dazu?“

Ach die Polizei! Kommissar Gereon hatte alle Hände voll zu tun mit irgendwelchen Leichenteilen, die jemand in seiner Umgebung verstreut, aber seine junge Kollegin hilft mir wo sie kann.“

Eine junge Polizistin?“

Ja, sie heißt Julia Brück. Ich habe mich mit ihr angefreundet.“

Sie hörte, wie er tief ausatmete. „Na dann bin ich ja beruhigt. Gibt es etwas Neues von Diana?“

In der Tat, das gibt es.“

Ist nicht wahr, hast du sie gefunden?“

Das nicht, aber ich habe mit einer Studienkollegin von ihr gesprochen. Wusstest du übrigens, dass hier in Köln private Sexpartys stattfinden?“

Sie hörte wie er lachte. „Meine liebe Bernadette, in welchem Jahrhundert lebst du eigentlich? In jeder Stadt gibt es private Sexpartys.“

So? Davon habe ich bisher nichts gewusst. Auch nicht, dass man sich dort verkleiden muss, um eingelassen zu werden.“

Wie kommst du denn da drauf?“

Eine von Dianas Kommilitonen hat mich aufgeklärt. Angeblich sollen diese Partys in der High Society stattfinden.“

Möglich wär`s. Das sind auch bloß Menschen.“

Dir ist aber auch nichts fremd, was mein Lieber?“

Vergiss bitte nicht, dass ich Journalist bin. Also was ist jetzt mit Diana?“

Möglicherweise ist sie irgendwie darin verwickelt. Zusammen mit einer anderen Studentin. Ihr Name ist Sabine Hartmann.“

Sabine Hartmann? Warte mal. Die gehört doch auch zu den Vermissten. Das könnte eine Spur sein. Über einen anderen habe ich bereits etwas gefunden. Ich meine Horst Schürmann, den Anwalt. Soll ein richtiges Scheusal sein und ziemlich viel Dreck am Stecken haben.“

Ich habe von ihm gehört und du meinst, er könnte absichtlich verschwunden sein?“

Möglich wär`s. Oder aber jemand hat ihn kalt gemacht.“

Sag das nochmal.“

Was?“

Na das, was du gerade gesagt hast.“

Das ihn jemand umgebracht haben könnte?“

Mensch Stefan, das könnte es ein. Vielleicht läuft da draußen irgend so ein Psychopath herum, der glaubt, er müsse den großen Richter spielen.“

Du meinst er bestraft seine Opfer?“

Das wäre doch möglich?“

Liebste Bernadette, deine Fantasie möchte ich haben. Willst du nicht lieber zurückkommen?“

Ich gehe nirgendwohin, bevor ich nicht meine Schwester gefunden habe, dass das mal klar ist!“

Stefan legte eine kurze Pause ein. „Ist ja schon gut. Lass uns Schluss machen für heute. Ich versuche noch etwas mehr herauszubekommen. Du scheinst ja dort, wo du jetzt bist, erst einmal sicher zu sein. Aber ab jetzt telefonieren wir täglich miteinander, verstanden?“

Verstanden, Herr General! Ich halte dich auf dem Laufenden.“

Habe ich den Satz nicht vorher schon einmal gehört?

Schon möglich.“

Aber heute bleibst du doch im Hotel, oder?“

Wieso? Ich bin doch nicht krank oder schwanger!“

Hörzu, du bestellst dir etwas Leckeres zu Essen auf dein Zimmer und dann gehst du einmal früh zu Bett.“

Ich weiß nicht. Ich wollte mich eigentlich noch mit Julia treffen.“

Julia hin und Julia her. Kannst du denn nicht einmal das tun, was ich dir sage?“

Offenbar nicht. Und jetzt hör bitte auf dir Sorgen zu machen!“

Ich glaube, ich kann nicht anders.“

Ich ruf dich morgen an Stefan..“

Bestimmt?“

Ja, ganz bestimmt, ciao.“

Pass gut auf dich auf Bernie!“

Sie knurrte, als er aufgelegt, -und sie ihr Handy auf das Bett geworfen hatte. Stefan war viel mehr als ein herzensguter Freund, er war ein Kümmerer. Und Kümmerer konnten manchmal gewaltig nerven.

Er hatte unrecht, entschied sie, als sie sich die Haare mit dem Handtuch trocken rieb. Sie war sehr wohl in der Lage noch auszugehen. Die digitale Uhr auf dem Sideboard zeigte 15.30 Uhr an. Julia arbeitete bis 17.00 Uhr, ihr würde also noch genügend Zeit bleiben, um sie vor dem Polizeipräsidium abzufangen. „Na die wird Augen machen, wenn sie mich sieht.“

Sie kämmte sich ihr Haar, legte frisches Make-Up auf und entschied sich für ein lässiges Outfit, ehe sie losging. Jeans, Bluse, Strickjacke und die neuen Turnschuhe, die sie sich erst kürzlich in Daun gekauft hatte. Dann schnappte sie sich ihren kleinen Rucksack das Handy, den Autoschlüssel, verließ ihr Zimmer und ging zum Aufzug. Der kam aus dem vierten Stock. Sie öffnete die Tür und stieg ein. Anscheinend war sie nicht die einzige, die nach unten wollte. Ein Mann hielt eine junge Dame in seinen Armen und lächelte sie an. Er sah gepflegt aus und sein Rasierwasser roch nach Geld. Als sich die junge Dame für einen Augenblick umdrehte und zu ihr hinsah, spürte Bernadette das Blut in ihren Adern gefrieren. „Diana?“ fragte sie vorsichtig.



Frage: Bernadette zieht in ein anderes Hotel. Es ist von anderem Kaliber als das Petit Colonia. Gefällt Euch der Name Rhine-Palace? Oder habt Ihr einen Besseren?

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