Urknall? - Vergiss es!

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BenMcMountain

vor 3 Jahren

                    URKNALL? - VERGISS ES!


Eine philosophische Spekulation

1.


Eine Ewigkeit hatte er geschlafen. - Geschlafen? - Nur ein Homo Sapiens würde das so ausdrücken, weil er sich die Ewigkeit nicht vorstellen kann, denn die Ewigkeit enthält keine Zeit. Sie dauert nicht an. Sie ist nicht „lang“. In der Ewigkeit gibt es keine aufeinander folgenden Geschehnisse. Sie bewegt sich nicht. Sie ist statisch.

Nein, „schlafen“ war nicht der richtige Ausdruck dafür. Nichts könnte von der Wahrheit weiter entfernt sein. Es war ein Zustand des vollkommenen Wissens, ein Zustand von Erhabenheit und Ekstase zugleich, aber auch ein Status der perfekten Musse, ein Status Nascendi, sein Urzustand. Er war sich selbst genug, kannte kein GUT und kein BÖSE. Er wusste, dass er alles wissen konnte, wenn er es wissen wollte - ER, der ein unerschöpfliches Potential besass für jede nur mögliche Ursache -, ein Potential jedoch, das völlig ungenutzt blieb.

Aber nun wollte er aktiv werden und eine Wirkung erzielen, um sich daran zu erfreuen und dabei gleichzeitig von sich selbst wegschauen zu können. Dazu musste er eine Identität annehmen, die zu dem Spiel passte, das er zu spielen gedachte. Als erstes erschuf er sich einen Gesichtspunkt, den er einnahm. Er WAR jetzt dieser Gesichtspunkt. Das machte seine erste grundlegende, namenlose Identität aus. Aus diesem Gesichtspunkt heraus erschuf er sich einen Raum, indem er diesen mit postulierten Punkten abgrenzte und dem Raum somit eine klare Dimension verlieh.

Er wählte einen ganz gewöhnlichen, drei-dimensionalen Raum. Nun hatte er bereits etwas erschaffen, das er betrachten konnte, einen grossen, formvollendeten, kugelförmigen Raum. Aber nun bemerkte er, dass er alleine war. Und das machte ihm keine Freude. Er brauchte Gesellschaft, wollte mit anderen Wesen in Kommunikation gehen, wollte Eindruck machen, bewundert werden. Das war die Wirkung, die er erzielen wollte. Und so dachte er sich etwas sehr Ästhetisches aus, das andern bestimmt gefallen würde, ja gefallen musste. Also machte er sich ans Werk.

Als erstes erschuf er einen kugelförmigen Körper, der ein wunderschönes, hellgelbes Licht ausstrahlte, dann, in einer angemessenen Entfernung, einen zweiten in der Farbe Blau, der nun vom ersten auf einer Seite beschienen wurde und dort grün aufleuchtete. Dann erschuf er noch einen dritten in der Farbe Rot, der auf einer Seite orange aufflammte.

Er betrachtete seine Schöpfung und fand sie grossartig - einfach perfekt. Er konnte diese nach Belieben erscheinen und wieder verschwinden lassen und war nun sehr glücklich darüber, dass er etwas hatte, das er anschauen konnte. Aber jetzt wollte er unbedingt sein Werk einem anderen Wesen zeigen.


Hallo, ist da jemand?“ dachte er, liess diese Frage als reine Vorstellung ausströmen und war überrascht, dass er sofort eine Antwort bekam.

Klar ist da jemand! Was glaubst du denn, es gäbe nur dich allein?“

Nein, nein, ich bin froh, dass es dich gibt! Schau’ mal, ich habe etwas sehr Schönes gemacht. Gefällt es dir?“

Ja, schon...., scheint ganz in Ordnung zu sein ... Ist mir nur etwas zu einfach....! Bist du wirklich ein so simples Wesen, oder war das Absicht?“

Das reichte, um ihn verstummen zu lassen. Er zog sich zurück und liess sein Werk verschwinden, indem er es einfach nicht mehr erschuf. Er fühlte sich leicht verstimmt. „Dem werde ich es noch zeigen; ich bin nicht simpel!“ dachte er und begann sofort mit etwas Neuem.

Nun erweiterte er seinen Raum ins nahezu Unermessliche und setzte eine Sonne hinein, dann eine zweite, dritte und so weiter, und liess diese in gehörigem Abstand zueinander auf verschiedenen Umlaufbahnen um ein gemeinsames Zentrum kreisen. Das Zentrum war leer, das Zentrum war er selbst. Zu jeder einzelnen Sonne fügte er noch ein paar Trabanten hinzu, die somit ihr eigenes Zentrum erhielten. Und er erschuf eine immer grössere Anzahl solcher Systeme. In einem rasenden Tempo verdoppelte, vervielfachte er sie, eine riesige Anzahl davon, bis diese, von einem anderen Standpunkt aus gesehen, im Detail kaum mehr oder nur noch als Punkte in einem Nebel zu erkennen waren, und das Gebilde, als Ganzes betrachtet, eine bestimmte Form annahm, die Form einer tellerartigen Galaxie. Jetzt war er höchst zufrieden mit sich selbst und glücklich. Niemand sollte mehr sagen, er sei simpel!

Aber nun hatte er ein Problem. Sein Werk blieb nicht einfach von sich aus bestehen. Er musste es in jedem Augenblick neu kreieren, damit er es betrachten konnte. Er wollte aber, dass es bestehen blieb, ohne ständig die Kontrolle darüber aufrechterhalten zu müssen. Er musste etwas erfinden, das bewirkte, dass seine Schöpfung ihre Form und Funktion beibehielt.

Nachdem er also sein Universum mit einer Galaxie ausgestattet hatte, war es notwendig, zu vergessen, dass ER SELBST sie geschaffen hatte, und dies wiederum bedingte eine abrupte Abkehr von seiner Allwissenheit. Ein zumindest teilweises Nicht-Wissen war jetzt unerlässlich, damit sein Universum bestehen blieb, denn wenn er jetzt für seine Schöpfung die volle Verantwortung übernommen hätte, wäre dies das Ende davon gewesen. Er musste sogar sich selbst einbilden, jemand anders hätte dies alles bewirkt, denn das war eine der möglichen Bedingungen dafür, dass sich Zeit und damit auch Fortbestand einstellen konnten. - Hatte nicht das andere Wesen ihn indirekt dazu veranlasst, etwas zu erschaffen, das er nicht mehr völlig unter Kontrolle haben konnte? Ja..., so musste es gewesen sein! Der andere hatte dies bewirkt und trug somit die Verantwortung dafür.


Und so hielt die erste grosse Lüge Einzug in seine Welt. Denn die absolute Wahrheit war ganz simpel: VOLLE VERANTWORTUNG FÜR SEINE EIGENE SCHÖPFUNG, und das wiederum wäre ein NICHTS, - das heisst: die völlige Abwesenheit von Materie, Energie, Raum und Zeit, - und ER SELBST als unerschöpfliches Potential!


Aber er hatte seine Entscheidung getroffen. Er wollte etwas HABEN. Und tatsächlich, er hatte es geschafft! Nun besass er etwas, das für sich allein zu bestehen schien, ohne dass er sich ständig darum kümmern musste, ein Perpetuum mobile, ein Mechanismus, der automatisch ablief. Aber der Preis dafür war Unwissenheit. Er musste so tun, als wisse er es nicht besser. Also begann sein Untergang.




2.


Eine gewaltige Zeitspanne lag seither dazwischen. - Aber das ist wiederum ganz falsch ausgedrückt, denn da er sein eigenes Universum besass, war sein Begriff von Zeit genauso individuell wie das derjenigen Wesen, mit denen er Kontakt hatte. Er selbst hatte die Zeit durchaus unter Kontrolle. Da gab es manchmal kleine Veränderungen in seinem Universum, die „eine halbe Ewigkeit“ zu dauern schienen, wenn er das so wollte, und andererseits grosse Umwälzungen, die kaum einen Augenblick beanspruchten. - Sein Universum hatte inzwischen die Form einer spiralförmigen Galaxie angenommen.

Es fand nunmehr ein reger Austausch statt zwischen den einzelnen Gesichtspunkten, oder besser gesagt, den Wesen, die alle ihren eigenen Geschmack an Kreativität offenbarten. Er hatte aus anderen Universen interessante Dinge und neue Ideen geborgt, indem er diese einfach duplizierte und in seiner eigenen Welt verwendete. Da gab es gewaltige Sternhaufen in skurrilen Formen, Doppelstern-Systeme, Gasriesen und vieles mehr, was ein Universum ausmacht. Niemandem wäre es jetzt noch in den Sinn gekommen, ihn „simpel“ zu nennen. Tatsächlich wurden die Verwicklungen immer komplexer, und die Tücke bestand jetzt eher in der Schwierigkeit, den Überblick zu behalten.

Und es kam die Zeit, wo diese mannigfaltig erschaffenen Formen aufgrund der ständigen Kommunikation untereinander immer realer und damit auch massiver wurden. Es gab die ersten Zusammenstösse von Welten, wobei eine grosse Verwirrung entstand über die Frage, wem nun eigentlich was gehörte. Immer mehr solcher Kollisionen passierten, und an ein genaues Aussortieren der Verantwortlichkeiten war kaum mehr zu denken. Eine Aufhebung einzelner, individueller Welten schien nicht mehr möglich zu sein. Für alle Wesen wurde dies nun zu einem grossen Problem, weil sie kaum mehr fähig waren, an ihren eigenen Kreationen etwas zu ändern, ohne die Zustimmung der anderen Wesen zu erhalten. Die gegenseitige Abhängigkeit machte ihnen bös zu schaffen. Und so standen sie schliesslich vor der alles entscheidenden Frage: Was sollen wir mit diesem Universum anfangen?

Die einzig plausible Antwort auf diese Frage wurde nun offenkundig: Ein gemeinsames Universum musste definiert und aufrechterhalten werden! Dazu gehörte Einigkeit über Gesetze und Funktion, und ein kollektives Zeitverständnis. Nach und nach stellte sich heraus, dass die geläufigsten Meinungen und Postulate darüber, wie ein Universum sich verhalten sollte, Oberhand gewannen und sich allmählich durchsetzten. Newtons Gesetze der Schwerkraft, die Trägheit von Massen, die Konservierung von Energie, usw., wurden geboren und stabilisiert, d.h. übereingestimmt.

Das gemeinsame Zeitverständnis richtete sich nach der durchschnittlichen Vibration von Atomen der Materie in diesem nun physikalischen Universum. Diese Vibration war im ganzen Universum spürbar und wurde zum Singsang oder „Ohrwurm“ für alle Wesen, die darin verwickelt waren. Damit wurde allen eine gemeinsame Zeit aufgezwungen, die nun für alle Zeiten repräsentativ sein würde. Die individuelle Zeit wurde dann anhand von Veränderung der Position von Partikeln, d.h. Sternen, Planeten etc., gemessen. Das Universum wuchs und wurde, weil es das Gesetz der Konservierung von Energie enthielt, zu einem stetig expandierenden Universum.


3.


Nun aber gab es eine Anzahl von Wesen – eine Minderheit zwar -, die damit nicht übereinstimmte. Sie waren der Ansicht, dass die Gesetze dieses gemeinschaftlichen Universums äusserst einschränkend, dumm und materialistisch seien und über kurz oder lang dazu führen mussten, dass das physikalische Universum zu einem Irrgarten wurde, und somit zu einer gefährlichen Falle für alle Wesen, die sich damit identifizierten. Sie waren die Nonkonformisten der Schöpfung. Sie lehnten sich dagegen auf, spalteten sich ab und taten sich zu einer Gruppe zusammen, kreierten ein separates Universum, das sie zwar ebenfalls gemeinsam benutzen konnten, das ihnen aber gleichzeitig die volle Freiheit liess, ihre eigenen individuellen Gesichtspunkte zu behalten und weiter zu entwickeln.

Es entstand also ein paralleles Universum - oder besser ausgedrückt, ein darum herumliegendes, miteinschliessendes -, das zwar dem physikalischen Universum in mancher Hinsicht glich, aber von der Funktion her ganz anders definiert und aufgebaut war. Insbesondere fehlte in dieser separaten Welt jenes verhängnisvolle Gesetz, das ein expandierendes Universum bewirkte, nämlich die Konservierung von Energie. Aber auch alle anderen Gesetze konnten je nach Bedürfnis abgeändert oder aufgehoben werden. Diese höher gestellte Welt sollte im Laufe der Zeit zur eigentlichen Basis werden für alle bedeutenden Philosophien und Religionen im physikalische Universum, denn die dort drin gefangenen Wesen verloren nach und nach ihre natürlichen Fähigkeiten, wurden immer schwächer und benötigten je länger je mehr dringend Hilfe.

Und tatsächlich, das physikalische Universum machte in den darauf folgenden Äonen eine verhängnisvolle Entwicklung durch. Je mehr Wesen sich darin verstrickten und je grösser es wurde, desto massiver wurde seine Materie. Die physikalischen Gesetze kamen voll zur Anwendung und wirkten sich entsprechend chaotisch aus. Galaxien kollidierten miteinander, riesige Sonnen explodierten und schufen gigantische Nebel und neue Planeten, die ihrerseits wieder neue Systeme bildeten. Das physikalische Universum entwickelte ein Eigenleben, eine automatisch ablaufende Maschinerie, die nicht mehr zu kontrollieren war. Es wurde zu einem riesengroßen Labyrinth aus Massen und Energien, in dem sich die geistigen Wesen immer weniger zurechtfinden konnten. Sie verloren ihre eigenen, ursprünglich spirituellen Orientierungspunkte, und wurden immer mehr abhängig von Formen und Objekten, um sich danach ausrichten zu können.

Je grösser diese Abhängigkeit wurde, desto eher neigten sie dazu, sich selbst als Teil von Massen und Energien zu betrachten. Mit anderen Worten, ein geistiges Wesen wurde in dem Masse vom physikalischen Universum überwältigt, wie es mit diesem übereinstimmte und dieses als die eigentliche Wirklichkeit und Wahrheit betrachtete. Und damit wurde auch sein geistiges Potential und Bewusstsein immer mehr eingeschränkt.

Im Laufe der Zeit kühlten sich einige Planeten soweit ab, dass sie bereit waren, Leben in Form von primitiven Organismen zu empfangen. Dieses rudimentäre organische Leben wurde zuerst von den geistigen Wesen geschaffen, die in diesem Universum gefangen waren. Sie opferten sozusagen einen Teil ihrer selbst, um Materie mit Lebensenergie auszustatten. Diese Lebensenergie, gewissermassen vermengt mit geeigneter Materie, bildete den Beginn der Protoplasma-Linien, die zuerst einmal aus ganz primitiven Einzellern bestanden. Das Protoplasma folgte einem ganz bestimmten Zyklus, nämlich Empfängnis, Geburt, Fortpflanzung und entwickelte sich so durch Millionen von Jahren der Evolution zu immer höheren - d.h. grösseren und komplexeren - Organismen, die ihrerseits wieder ihre genetischen Linien fortsetzten, ergänzten und perfektionierten.

Es blieb den Wesen im physikalischen Universum gar nichts anderes übrig, als einen grossangelegten Lebens-Zyklus in Gang zu bringen, der ihnen in ferner Zukunft erlauben würde, geeignete und zweckmässige Körper übernehmen zu können, mit deren Hilfe sie - und das war ihre einzige Hoffnung -, eines Tages wieder fähig sein würden, in grösserem Masse Ursache zu sein über Materie, Energie, Raum und Zeit.

Sie mussten von nun an Sorge dafür tragen, dass dieser Lebensstrom nicht abriss. Und damit kamen auch die zwei Faktoren GUT und BÖSE mit ins Spiel. Gut war alles, was dem Leben im Allgemeinen förderlich war, böse war alles, was das Leben zerstörte oder dessen Fortschritt behinderte. Eine Dualität war entstanden. Die kleinste Einheit von irgendetwas, was das organische Leben betraf, wurde ZWEI: gut und böse, richtig und falsch, schön und hässlich, usw.

Nun gab es aber viele Wesen, die nicht so lange warten wollten, bis geeignete Körper vorhanden waren. Sie wollten das Spiel des Lebens spielen, koste es was es wolle, und übernahmen, ohne die Folgen zu bedenken, tierische Körper. Die anderen, noch nicht in solchem Masse degeneriert und immer noch fähig, auch ohne einen Fleischkörper zu bewohnen, bis zu einem bestimmten Grad Ursache zu sein über Materie, Energie, Raum und Zeit, warteten lieber ab, bis die Evolution soweit fortgeschritten war, um menschenähnliche Körper zu produzieren. Sie waren es, die die Evolution vorantrieben und dafür sorgten, dass eine Vielfalt von Spezies entstand und dass die Entwicklung eine ganz bestimmte Richtung einschlug. Sie erschufen die verschiedenen Rassen nach ihrem eigenen, speziellen Geschmack.

DAS LEBEN SELBST, zwar eingeschlossen in diesem Universum, aber versehen mit seiner innewohnenden, unauslöschlichen Sehnsucht nach Unsterblichkeit, hatte gar keine andere Wahl, als die Herausforderung auf die eine oder andere Art anzunehmen. Das Spiel des Lebens hatte einen neuen Namen und eine vermeintlich neue Funktion erhalten. Die Rückeroberung des physikalischen Universums hatte begonnen und war in vollem Gange. Überleben war jetzt das Gebot der Stunde.

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