Warum sind Anthologien und Erzählungssammlungen keine erfolgreiche...

Neuer Beitrag

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

Warum sind Anthologien und Erzählungssammlungen keine erfolgreichen Formate auf dem Buchmarkt? Gerade die Kurzform und fein geschliffene Miniaturen bieten sich doch dazu an, das Können eines Autors unter Beweis zu stellen. Außerdem kann man auf diese Art viele Autoren kennenlernen, die man - eben in Anthologien - sonst vielleicht garnicht entdeckt hätte. Mir kommt es so vor als würden viele moderne Autoren über die relative Unschärfe von Romanen leichter grundlegende Mängel an Fähigkeit kaschieren können.

SuSanne

vor 6 Jahren

Da m.E. auch viel Minderwertiges verwurstet wird. Es gibt aber auch sehr erfolgreiche Reihen. Das Anhängen klappt gerade mal wieder nicht; z.B. FRÜHER WAR MEHR LAMETTA und dergleichen

Bücher: Früher war mehr Lametta,... und 1 weiteres Buch

SuSanne

vor 6 Jahren

@SuSanne

Anhängen ging dann doch - trotz HOPPLA-Anzeige

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

Ich nehme an weil sich KGs weniger gut verkaufen bzw. weniger gelesen werden. Sie sind "out". Kurzgeschichten zu lesen ist mühsam, man muss sich immer wieder neu darauf einstellen, kaum ist man drinnen ist es schon wieder vorbei. Fordert also nicht nur den Autor sondern auch den Leser in gewisser Weise.
Da verkauft sich eine künstlich aufgeblasene Trilogie unter bekanntem Namen besser.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

@Ein LovelyBooks-Nutzer

Du hast schon Recht. Serienromane und Fantasywelten, die einen Anschluss an schon vorgegebene Figuren und Ideen erlauben erleichtern außerdem wohl ungemein den Schreibprozess. Während ein Autor, der eine gute eigene Idee hat ja quasi aus dem Nichts heraus etwas schreibt, bieten solche Trilogien immer eine Anschlussmöglichkeit... da kehrt fast schon wie in Comedyserien über irgendwelche Familien eine Alltagsituation ein, die dem Leser gestattet mitzuleben und die über Vertrautheit auch gleich den Absatz sichert.
Außerdem ist es ökonomisch gesehen wahrscheinlich "verschwenderisch", wenn man eine gute Idee auf 10 Seiten ausreizt, wenn man daraus auch einen ganzen Roman mit 300 Seiten machen kann.
Wie gesagt, ich finde das schade, weil ich Erzählungen wirklich für eine unglaublich vielseitige Form halte. Da lässt es sich viel leichter experimentieren.
Und was du über das "Fordern" sagst, also die Anstrengung und die Aufmerksamkeit, die die Erzählung dem Leser abverlangt... Seltsam, ich liebe Bücher die mich fordern... :)

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

@Ein LovelyBooks-Nutzer

ggg Als würde hinter einem Verlag ein idiologischer Gedanke stehen, und kein kommerzieller. Der Masochismus Vergnügen an etwas zu haben, das fordert bzw. anstrengend ist, bringt wahrscheinlich nicht den gewünschten Absatz. :-) Außer bei den Klassikern und Preisträgern, die verkaufen sich von selbst. Mir kommt vor, es wird lieber auf Nummer sicher gegangen, als zu experimentieren. Andererseits verlange ich als Leser nicht von jedem Romanautor, dass er auch KGs schreiben können muss. (ist das ein deutscher Satz?) ^^

Lilitu

vor 6 Jahren

Es spielt, denke ich, auch die Vorliebe des Lesers eine Rolle. Manch einer kann sich nicht mit Kurzgeschichten anfreunden, wie andere nicht mit Lyrik. Wie Exlibris es beschrieben hat, "stört" mich an Kurzgeschichten auch, dass ich sie zu schnell durch habe und dan dennoch mit meinem Lesepensum nicht zufrieden bin. Wenn man dann eine Kurzgeschichte nach der anderen liest, kommt man evtl. durcheinander oder tut den Kurzgeschichten Unrecht, wenn man von der einen zur anderen springt. Mittlerweile habe ich mich darauf verlegt, Kurzgeschichtensammlungen als "Nebenlektüre" zu lesen. Ich lese pro Tag etwa eine Kurzgeschichte und wenn ich nicht genug gelesen habe dann halt noch etwas in einem Roman. Darüber hinaus kann nicht jeder Autor Kurzgeschichten schreiben, denn nur weil sie kurz sind heißt es ja nicht, dass sie einfacher gelingen als lange Romane. Ich schätze wie bei Romanen auch, gibt es bei Kurzgeschichten bessere und schlechtere.

Lilitu

vor 6 Jahren

Nachtrag: Für einen Verlag ist es wahrscheinlich auch einfacher einen Roman-Autor zu finden und seinen Roman oder eine Trilogie zu veröffentlichen, als ein dutzend Kurzgeschichtenautoren zu finden für ein einziges Buch. Ein Autor pro Buch macht vielleicht weniger Arbeit als mehrere Autoren.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

@ Lilitu Stimmt schon, es muss natürlich zu Lust und Laune passen. ich mach es mit den KGs genauso, als Nebenlektüre.

Autor: F. Scott Fitzgerald
Buch: Gesammelte Erzählungen - Kassette

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

@Lilitu

Du hast ernsthaft sowas wie ein "Lesepensum" :) ? :) ? Sowas krieg ich nicht hin... Erstens bin ich viel zu undiszipliniert und zweitens ist das wohl sehr schwer zum Handhaben... Wenn ich irgendeinen schwierigen Aufsatz lese oder so, dann gibts Texte, bei denen ich (bei voller Konzentration) 4 oder 5 Seiten am Tag lese... Kann mich an Stellen bei Hegel erinnern, die derart arg waren, dass einfach nicht mehr ging...

Gerade diese Anstrengung an Literatur und gerade das Fordernde daran gefällt mir dann aber so... Klar, das ist bei philosophischen Büchern häufiger der Fall als bei Belletristik, aber auch da gibt ja Bücher, durch die man sich durchkämpfen muss.

Eben ich glaube, sogar dass es schwerer ist (oder zuindest gleich schwer) vorzeigbare Erzählungen zu schreiben... Weil jeder Fehler schon wegen der Übersichtlichkeit schwerer wiegt... Einem Roman kann man einige Fehler verzeihen :)

silbereule

vor 6 Jahren

stimmt schon, es nervt irgendwie, dass man sich gerade mit einer Geschichte angefreundet hat und sie schon wieder vorbei ist und man sich neu in etwas anderes lesen muss.
Mir geht das zur Zeit so mit *eine Trillion Euro* - sind neckische Geschichten, aber eben nur für zwischendurch - im Bus, beim Arzt oder auf dem Klo.....ich denke auch, solche Bücher fängt man zwar an, liest sie aber nie zu Ende.

Autor: Andreas Eschbach
Buch: Eine Trillion Euro

Lilitu

vor 6 Jahren

@Ein LovelyBooks-Nutzer

@ALF: Naja, es ist kein striktes "Lesepensum", aber ich setzte mir als Ziel etwa 100 Seiten pro Tag zu lesen. Wenn es sonst viel zu tun gibt, es stressig ist usw., wird es klar weniger, aber das ist mein persönlicher Anhaltspunkt.
Die 100 Seiten sind auch mehr für Belletristik gedacht. Bei Fachbüchern sind 50 Seiten mein Anhaltspunkt.
Je nach Schwierigkeitsgrad des Textes oder wenn mir ein Buch nicht so sehr gefällt, variiert mein "Lesepensum" natürlich auch

LESE-ESEL

vor 6 Jahren

Ich lese ganz gerne auch mal kürzere Geschichten - so als Häppchen zwischen zwei Büchern... Meine Bitte: Leg doch mal 'ne Bücherliste an mit guten Titeln - vielleicht lassen sich so Anthologie-Perlen finden!

Buchhandlung_am_Schaefersee

vor 6 Jahren

Gute Frage! Habe ich mir auch schon oft gestellt. Alle Antowrten hier bieten auch gute Gründe. Trotzdem finde ich das irgendwie schade.
Fast genausowenig verkaufen sich übrigens auch Erzählbände, die Erzählungen und Kurzgeschichten eines einzelnen Autors enthalten. Es gibt grandiose Beispiel von Haruki Murakami, Raymond Carver oder Patricia Highsmith, die sich wirklich zu entdecken lohnen. Da hat man auch weniger das Problem, dass man so schnell wieder aus einer Geschichte raus ist und sich umgewöhnen muss, denn meistens entwickelt sich so eine Art Erzählkosmos (ich weiß nicht, wie ich sonst ausdrücken soll), den man mit jeder neuen Geschichte besser erkennt.
Genauso unbeliebt beim Lesepublikum sind auch Dramen (Theaterstücke) und Lyrik. Schade, schade.

Autoren: Haruki Murakami,... und 3 weitere Autoren

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

@Buchhandlung_am_Schaefersee

Sehe das wirklich genauso. Natürlich, ich meinte auch die Erzählbände von einzelnen Autoren. Offensichtlich eignen sich solche Sachen wohl nurnoch zur Zwangsbeglückung von Schulklassen :) Lyrik ist wohl sowieso ein absoluter Ladenhüter, weshalb in den meisten Buchhandlungen schon nurnoch ein kleiner Kasten oder vielleicht sogar nurnoch ein Kastenfach für Lyrik bereitsteht. Wenns da nicht noch Reclam-Ausgaben geben würde, dann könnte man fast glauben, das überhaupt keiner mehr Gedichte liest.

Und dabei gibt es doch aber zu all diesen Schreibformen auch wirklich unterhaltsame Beispiele, die sich nicht in vermeintlicher "Hochkultur" verlieren. Alleine im Science-Fiction-Bereich gibt es unglaublich gute Beispiele für Erzählungsbände (um mal auch etwas "trivialere" Sachen zu nennen): mir fallen da auf Anhieb ein paar Sachen ein, die schon nahezu philosophisch sind: Erzählungen in zwei Bänden von James Ballard im Heyne Verlag (sowas erwartet man von Heyne sonst garnicht :) "Vom Leben und Tod Gottes" ) oder vor kurzem erschienen, ebenfalls bei Heyne (!!!) Cordwainer Smith, "Was aus den Menschen wurde". Seltsamerweise haben diese Populärformen offensichtlich auch keine guten Verkaufszahlen...

Witzigerweise gibts dann aber viele tolle Erzählungssammlungen total günstig. Gleiches gilt für Dramensammlungen (wohingegen dann aber neue Dramen vollkommen unsichtbar auf dem Markt sind...)

Meiner Meinung nach werden da unglaublich innovative Formen der Literatur total stiefmütterlich behandelt... Wer zum Beispiel kauft sich schon einen Essayband? Dabei ist das eine der wunderbarsten Mischformen, die es überhaupt gibt: Dichtung, Philosophie und Wissenschaft manchmal in einem...

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

Ein paar Beispiele für brillante Erzählungssammlungen von einzelnen Autoren:

Autoren: Alexander Kluge,... und 2 weitere Autoren
Bücher: Was aus den Menschen wurde,... und 2 weitere Bücher
Neuer Beitrag

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks