Warum sind die deutschen Buchtitel so oft eigentlich so anders als...

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Kati Katinka

vor 7 Jahren

Warum sind die deutschen Buchtitel so oft eigentlich so anders als die Original im Englischen etc.? Verfälscht das nicht die Wirkung des Buches?

Heldin-mit-Happy-End

vor 7 Jahren

Das habe ich mich auch schon oft gefragt... Keine Ahnung, warum die Verlage das machen! Ich finde, die Originaltitel passen oft viel besser und man sollte sie so genau wie möglich ins Deutsche übersetzen.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

Manchmal klingen sie im Deutschen nicht besonders gut, wenn man sie einfach wortwörtlich übersetzt. Oder die Bedeutung ist leicht anders, wenn es sich im Original um Redewendungen oder ähnliches handelt, so dass die Wirkung des Buches gerade dann verfälscht würde, wenn man wörtlich übersetzen würde.
Oft versteh ich es aber auch nicht, warum der Titel so geändert wird (Da Vinci-Code vs. Sakrileg, Film Club vs. Unser allerbestes Jahr (was noch nicht mal inhaltlich stimmt) ).

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Faun

vor 7 Jahren

Mag sein, dass einige Titel schlecht ins Deutsche zu übersetzen sind, aber oft sind schlicht und ergreifend die Übersetzungen einfach nur schlecht (wie oft auch die Übersetzung des gesamten Buches; krasses Beispiel: "Der Fänger im Roggen" in der Übersetzung von Heinrich Böll), wie z.B. bei John Irvings "The Cider House Rules": Ich gebe zu, dass es möglicherweise hierfür keine wohlklingende deutsche Übersetzung gibt, aber daraus so einen "reißerischen" Titel wie "Gottes Werk und Teufels Beitrag" zu machen, ist einfach nur erbärmlich (zumal hier noch eine Stelle im Buch falsch übersetzt wurde: dort heißt es nämlich im Original "god's work and the devil's work", also "Gottes Werk und des Teufels Werk"). Daher kann ich nur jedem raten, nach Möglichkeit immer dem Original den Vorzug zu geben!!!

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

@dramelia

ja das stimmt, aber gerade bei Twilight ist mir das mit der Übersetzung auch aufgefallen.

Rheinzwitter

vor 7 Jahren

@Faun

Bei Böll geb ich dir recht, allerdings hatte er nur eine schon zensierte Fassung zu Verfügung, insofern gibt nur die etwas altväterliche Sprache Anlass zur Kritik. - "Gottes Werk und Teufels Beitrag" ist nicht mehr reißerisch als wörtlich "Gottes Werk und des Teufels Werk", ganz im Gegenteil, die deutsche Übertragung des Titels halte ich für gelungener. Die große Übersetzerin Swetlana Geier hat einmal gesagt, "Übersetzen heiße für sie, zwei Sprachen einander durch Interpretation ähnlich zu machen". Ziel sollte es sein, den Atem und den Rhythmus des Originals wiederzugeben ohne den Inhalt zu verfälschen. Außerdem habe ich die Vermutung, dass viele hemdsärmelig formulierte Originale erst durch die Übersetzung an Stil gewinnen. Und dem Original dem Vorzug geben? Selbst wenn ich perfekt Englisch spräche und vielleicht sogar Russisch, selbst dann würde ich mir m. E. den "Ulysses" oder "Verbrechen und Strafe" (Schuld und Sühne) nicht im Original antun wollen.

Faun

vor 7 Jahren

@Rheinzwitter

Ok, das entschuldigt vielleicht Böll, aber nicht den Rowohlt-Verlag, der die "zensierte" Übersetzung noch bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts aufgelegt hat. - Warum ist die deutsche Übersetzung gelungener? Meiner Ansicht nach wird der Teufel damit zu Unrecht auf einen bloßen "Beitrag" reduziert. Und warum beläßt man es nicht bei dem - nur auf den ersten Blick - unspektakulären Titel? Irving wird sich schon Etwas bei der Titelvergabe gedacht haben! - Sicher gibt es Bücher, bei denen die Übersetzung besser ist als das Original, aber dann ist doch offenbar die Qualität des Originals so gering, dass das Buch erst gar nicht lesenswert ist, weder im Original noch in der Übersetzung. - Und warum würdest du dir die beiden genannten Werke nicht im Original "antun" wollen? Ich habe zuerst Joyce in der Übersetzung von Wollschläger gelesen (sicher eine großartige Übersetzungsleistung) und danach im Original; die Übersetzung habe ich danach verkauft. Das Problem bei einer Übersetzung ist doch u.a. immer, dass der Übersetzer letztendlich nicht (genau) weiß, ob eine Formulierung eine oder mehrere bestimmte Anspielung(en) beinhaltet und ob diese überhaupt (alle) in einer Übersetzung zum Tragen kommen; es sei denn, der Übersetzer betreibt umfängliche Nachforschungen bis hin zur Diskussion mit dem Autor. Aber gerade heutzutage hat ein Übersetzer wohl in der Regel gar nicht die Zeit (gemessen am Honorar), sich wie beispielsweise Arno Schmidt in der Heide in seine Zettelkästen zurückzuziehen, um gar diverse Mammutübersetzungen (Poe, Cooper, Bulwer) in die Maschine zu klimpern. - Was ich allerdings oft sehr hilfreich finde: Zweisprachige Bücher wie z.B. die Shakespeare-Ausgaben bei dtv oder Finnegans Wake, denn dieses Werk möchte nicht mal ich mir (nur) im Original antun. ;-)

Rheinzwitter

vor 7 Jahren

@Faun

Sicher denken sich sowohl Autor als auch Verlag (hoffentlich) etwas bei der Titelvergabe, und speziell bei Irving halte ich die Angleichung rein akustisch für gelungener, sie rollt leichter von der Zunge und geht besser ins Ohr als eine wörtliche Übersetzung (als jemand, der oft und gern vorliest, sehe ich das vielleicht anders) - aber da werden wir wohl keinen Konsens erreichen ':-) - Ich erwarte tatsächlich, dass ein Übersetzer annnähernd alle Untertöne, Anspielungen und Redewendungen kennt oder wenigstens sorgfältig recherchiert, gleichwohl ist es ein Dilemma, dass dieses Kunsthandwerk schlecht entlohnt wird, so dass sich der Berufsstand wohl in jene spaltet, die ihn als reinen (Neben-)Job ansehen, die ihre Arbeit also mit der laschen Haltung nachgehen, die die Konnotation des Begriffs "(Neben-)job" haben kann, und in jene kleine Gruppe von Idealisten, für die das Übersetzen eine Berufung ist; Swetlana Geier hat 15 Jahre für ihre "Interpretation" der 5 Hauptwerke Dostojewskijs gebraucht - eine solche Mammutaufgabe kann man sich wohl nur - ja, was - aufbürden?, wenn man dafür brennt und gleichzeitig einer Haupttätigkeit nachgeht, um den Lebensunterhalt zu sichern. Aber ich komme vom Thema ab. Warum ich mir das Original nicht antun würde? Weil ich nunmal Deutscher bin und in Deutsch denke. Selbst wenn die nötigen Fremdsprachenkenntisse perfekt wären, würde ich die Originalfassung gedanklich übersetzen, um den Originaltext zu erfassen. Da bliebe für mich der Spaß auf der Strecke. - Meine Güte, schon wieder 01:00 morgens. Gute Nacht! :-)

Faun

vor 7 Jahren

@Rheinzwitter

Stimmt, was den Nicht-Konsens betrifft. ;-) - Ich bin übrigens auch Deutscher und mein Englisch ist bestimmt nicht perfekt, aber wenn ich ein englischsprachiges Buch im Original lese, muss ich gedanklich nichts übersetzen, sondern ich "denke" dann auch englisch, sonst würde es auch letztlich keinen Spaß machen, ein Buch im Original zu lesen.

Faun

vor 7 Jahren

@Faun

Da fällt mir übrigens noch ein übles Beispiel ein, diesmal kein Buch, sondern eine TV-Miniserie: In "Lost in Austen" wird eine Leserin von "Pride and Prejudice" unvermutet ins 18./19. Jahrhundert der Buchhandlung versetzt, welche von ihr gewalting in "Unordnung" gebracht wird,während die Buchheldin Elizabeth Bennett ins England des 21. Jahrhunderts gelangt. Die deutsche Übersetzung des Titels lautet "Wenn Jane Austen wüßte". Das tut mir in den Ohren weh! ;-)

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