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SusiGo

vor 6 Jahren

Hallo,
in meinem neuen Roman "Die Sprache der Schatten" geht es unter anderem um Gesichtsblindheit, ein Thema, das ich vor einigen Jahren in einem Spiegel-Artikel entdeckt habe. Ich war ganz fasziniert, weil ich nicht wusste, dass es so etwas gibt. Gesichtsblindheit oder Prosopagnosie ist die Unfähigkeit, sich Gesichter zu merken und Menschen daran wiederzuerkennen. Findet ihr das auch interessant? Wie würdet ihr euch fühlen? Wie kommuniziert man, wenn man aus dem Gesicht nichts herauslesen kann?
Ich bin gespannt auf eure Beiträge.

Autor: Susanne Goga
Buch: Die Sprache der Schatten

SusiGo

vor 6 Jahren

@SusiGo

Sorry, es muss natürlich "Die Sprache der Schatten" heißen :-)

Jayzed

vor 6 Jahren

Hallo Susi!

Also mir selbst wird nachgesagt, dass ich 100e Mimiken im Gesicht hab. Darüber haben sich meine Kollegen auf der Arbeit schon oft amüsiert! Ich selbst finde es nicht immer so ganz vorteilhaft, dass man mir jegliche Gefühlsregung im Gesicht ablesen kann, aber ich finde, es gibt mir einen gewissen ehrlichen Charakter.
Mir selbst geht es oft so, dass ich mir sehr wohl Gesichter merke und oft denke: "He, den/die hab ich doch schonmal irgendwo gesehen. Aber wo??" Ich hab dann ein gewisses Déjà - Vu - Erlebnis.
Ich kommuniziere allerdings gar nicht gerne mit Personen, die so gar nichts an Ausdruck im Gesicht hergeben, da kann ich mich ja gleich mit ner steinernen Mauer unterhalten. ^^

Liebe Grüße
Jayzed

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 6 Jahren

Hallo Susi,
Sowas gibts wirklich? Habe vor deinem Beitrag noch nichts darüber gehört, das ist ja ein sehr interessantes Thema. Kann ich das so verstehen das man bei dieser Krankheit sogar Freunde und Familie nicht am Gesicht erkennen kann? Oder nur relativ flüchtige bekanntschaften? Wenn ersteres zutrifft wäre das einfach total komisch, man trifft eine gute freundin auf der Starße und erkennt sie gar nicht, nur am Kleidungsstil und der Stimme... Beim kommunizieren müsste man sich auf die Tonlagen seines Gegenübers konzentrieren, da ist telefonieren bestimmt viel einfacher als ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht... zum Glück hab ich das nicht :)

Daniliesing

vor 6 Jahren

Ich finde das auch richtig spannend und hatte erst jetzt davon gehört. Bisher kannte ich nur, auftretend bei Autisten, dass sie häufig Gesichtszüge nicht deuten können, sie erkennen zwar - aber auch nicht immer - Personen, aber bestimmte Regungen im Gesicht können sie nicht mit den ausgedrückten Gefühlen verbinden.

Gesichter so gar nicht zu 'sehen' stelle ich mir schwierig vor. Andererseits finden Menschen, die blind geboren werden, sich ja noch schwerer zurecht, aber sie schaffen es auch. Vermutlich muss man sich, wenn es ums Erkennen von Menschen geht, dann auf andere Sinne verlassen. Schwierig ist es vor allem, denke ich, wenn Menschen erwarten, dass man sie erkennt, man das aber nicht kann, weil man eben das Gesicht nicht 'sieht'.

Leiraya

vor 6 Jahren

Hab da auch schon mal was drüber gelesen und gesehen und kanns mir nur schrecklich vorstellen mit sowas zu leben. Eine Frau in dem Beitrag hatte immer Listen von Leuten, die sie kennt, dabei, auf denen Merkmale der Personen standen.
Sowas ähnliches, als abgeschwächte Form gibts auch, wenn man sich Gesichter von bekannten Menschen nicht (oder unvollständig) ins Gedächtnis rufen kann.

SusiGo

vor 6 Jahren

@Leiraya

Antwort an alle: Ja, das gibt es und ist gar nicht mal so selten. In den meisten Fällen ist diese Wahrnehmungsstörung angeboren, sie kann aber auch durch Unfälle, Schlaganfälle etc. ausgelöst werden. Sie tritt unterschiedlich stark auf - manche haben nur Schwierigkeiten, sich Personen am Gesicht zu merken, andere erkennen sich nicht einmal selbst im Spiegel. Ich habe von einem Mann gelesen, der jedes Tier seiner Schafherde am Gesicht erkennen konnte, nicht aber andere Menschen. Das beweist, dass die Erkennung menschlicher Gesichter wohl in einem anderen Teil des Gehirns abläuft.
Im Alltag haben die Leute z.B. Probleme, bei Filmen die Handlung zu verfolgen, weil sie die Schauspieler nicht wiedererkennen. Und natürlich auch, wenn ihnen Freunde, Kollegen, Verwandte begegnen. Sie orientieren sich an Stimme, Haltung, Kleidung etc.

sabatayn76

vor 6 Jahren

Da ich vor wenigen Monaten eine Prüfung im Fach Neurochirurgie absolvieren musste, habe ich mich (mal wieder) näher mit Neuropsychologie beschäftigt und bin da natürlich auch auf Agnosien gestoßen. Prosopagnosie ist mir somit ein geläufiger Begriff. Umso spannender finde ich es, dass es nun ein Buch gibt, das dieses Thema belletristisch verarbeitet. Ich selbst bin nicht sonderlich gut im Gesichtererkennen bei Leuten, die ich nur kurz gesehen habe. Da hab ich schon einige peinliche Sachen erlebt, z.B. habe ich einen Preisträger, der einen 20-minütigen Vortrag gehalten hat, nicht wiedererkannt, er mich aber schon, obwohl ich nur im Auditorium saß...

SusiGo

vor 6 Jahren

@sabatayn76

Danke für deinen interessanten Beitrag. Mein Buch ist zwar ein historischer Roman aus einer Zeit, in der sich die Wissenschaft noch kaum mit dem Thema beschäftigt hat, aber ich hoffe, dass ich es glaubwürdig dargestellt habe. Vielleicht hast du eine schwache Form dieses Wahrnehmungsstörung, das kann ja wohl sehr unterschiedlich sein.

rumble-bee

vor 6 Jahren

Oho! Liebe SusiGo, davon habe ich in der Tat schon mal gehört. Hast Du in der vorbereitungsphase für Dein Buch vielleicht auch die Bücher von Oliver Sacks gelesen? Er ist ein sehr bekannter Neurologe, der informative und lesbare Sachbücher zu seinem Fachgebiet verfasst. "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" litt nämlich genau an der Störung, die Du hier beschreibst! Das war faszinierend zu lesen. Dieser Mann hatte wohl mit sich selber weniger ein Problem, hat aber natürlich laufend Leute vor den Kopf gestoßen. Und dadurch ist die Störung überhaupt erst aufgefallen. Ich hänge das Buch mal an; es enthält haufenweise ähnlicher Fälle.

Autor: Oliver Sacks
Buch: Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte

sabatayn76

vor 6 Jahren

SusiGo schreibt:
Danke für deinen interessanten Beitrag. Mein Buch ist zwar ein historischer Roman aus einer Zeit, in der sich die Wissenschaft noch kaum mit dem Thema beschäftigt hat, aber ich hoffe, dass ich es glaubwürdig dargestellt habe. Vielleicht hast du eine schwache Form dieses Wahrnehmungsstörung, das kann ja wohl sehr unterschiedlich sein.

Da hab ich auch schon mal drüber nachgedacht. Auf der anderen Seite erkenne ich Leute manchmal überraschend gut. Einmal habe ich zum Beispiel die Mutter einer Bekannten an der Kasse "erkannt". Ich hatte sie vorher nie gesehen, aber ich fand, sie sah ihrer Tochter so ähnlich. Also habe ich sie angesprochen, ob sie die Mutter von H. wäre. Sie war arg überrascht, ich hatte aber Recht. Ich glaube, ich bin manchmal einfach nicht aufmerksam genug, um mich an Leute zu erinnern, und dann wieder überraschend aufmerksam.

rumble-bee: Stimmt, Oliver Sachs passt da natürlich wie die Faust aufs Auge. Sehr empfehlenswert!

SusiGo

vor 6 Jahren

@rumble-bee

Ja, das Buch habe ich gelesen. Und im Internet gibt es auch viele interessante Seiten dazu, von Wissenschaftlern und Betroffenen. Wer sich näher damit beschäftigen möchte, kann sich gern bei mir melden. An der Uni Münster gibt es auch einen Professor, der sehr viel auf diesem Gebiet forscht.

aba

vor 6 Jahren

Ich finde dieses Thema sehr interessant.
Und die Beiträge hier natürlich auch.
Über Prosopagnosie hatte ich vorher nie gehört.
Tatsächlich aber habe ich schon daran gedacht, dass ich Schwierigkeiten habe, mir manche Gesichter zu merken.
Seit meiner Kindheit musste ich mich immer sehr anstrengen, wenn ich jemand gesehen habe und mir das Gesicht bekannt vorkam aber ich konnte diese Person nicht einordnen.
Natürlich passiert das nicht, wenn ich diese Person öfters sehe oder treffe.
Sehr oft ist es so, dass ich jemand nicht erkenne, wenn ich diese Person ausserhalb der für mich gewohnten Umbegung sehe. Zum Beispiel, die Supermarktkassiererin, die ich fast täglich im Supermarkt an der Kasse sehe, wir grüßen uns freundlich und wechseln ein paar Worte miteinander. Einmal habe ich sie im Kino gesehen und sie grüßt mich wieder ganz freundlich. An meinem verdutzten Gesicht musste sie gesehen haben, dass ich überhaupt nicht wußte, wer sie war! Sie lachte und sagte, wer sie war. Für mich eine Überraschung!
Aber.... ich denke, das wird ganz normal sein.... es ist nicht so eine richtige Krankheit wie die Prosopagnosie.
Vor ganz ganz langer Zeit habe ich einen Beitrag im Fernsehen gesehen, in dem über einen kleinen Jungen erzählt wurde, der einen Unfall hatte und für mehrere Monate ins Koma gefallen war. Als er wieder erwachte, konnte er sich an alles erinnern, aber seine Eltern hat er nicht wieder erkannt, doch aber deren Stimmen.... das muss diese Krankheit gewesen sein, in diesem Fall durch den Unfall verursacht.

Ihr Buch kommt auf meine Wunschliste!
Das Thema hier als Roman behandelt und im 18. Jahrhundert, hört sich sehr spanndend an!

loewe

vor 6 Jahren

Das hört sich aber auch nach einem spannenden Thema an, und das hast Du in einem historischen Roman untergebracht...Wie werden die Menschen damals mit dieser Krankheit umgegangen sein? Mal wieder Wuli Zuwachs, ich brauch echt mehr Freizeit zum Lesen:-)

SusiGo

vor 6 Jahren

Eigentlich gilt es nicht als Krankheit, sondern als Wahrnehmungsstörung. Wie häufig es war, weiß ich nicht. Ich habe mir natürlich einen Fall ausgedacht, der möglichst dramatisch ist. Viele Menschen leben ganz gut damit, sie bauen sich Eselsbrücken mit Frisur, Haltung, Kleidung etc. Aber schwierig ist die Sache schon. Würde mich freuen, wenn du den Roman lesen würdest.
Liebe Grüße,
Susanne

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