Wer kennt "Graphik Novels" (zB Kafka/Die Verwandlung oder Proust/v...

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LESE-ESEL

vor 7 Jahren

Wer kennt "Graphik Novels" (zB Kafka/Die Verwandlung oder Proust/verlorene Zeit)? Sollte man davon einige kennen, weil sie neue Perspektiven auf die Romane öffnen können - oder sind es Literaturumsetzungen für Leute, die das Buch niemals lesen würden? Welche Graphic Novel wäre zum Einstieg besonders geeignet?

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

Graphic Novels sind KEINE Übersetzungen von etablierter Literatur ins Comicformat! Das kann zwar vorkommen (Beispiele wurden ja bereits genannt), ist ansonten aber eher selten der Fall. Im Grunde besitzt der Begriff "Graphic Novel " nicht einmal eine eindeutige Definition sondern versammelt einfach nur etwas snobistisch alle "höherwertigen" Comics unter einem Banner und suggeriert damit implizit, alle anderen Comics seien minderwertig. Rein preislich betrachtet mag das auch zutreffen (Graphic Novels sind teuer!), ansonsten ist es aber ausgemachter Blödsinn. Das denke nicht nur ich, das denken auch viele Künstler, die Graphic Novels produzieren oder produziert haben. Folgen wir aber mal dieser Definition, die eigentlich keine ist, dann ist eine Graphic Novel ein Comic mit komplexer Handlung sowie relativ viel Text, Figuren und Handlungssträngen. Also: Weg von der "Klolektüre", hin zur "ernsthaften" Literatur: Der Comic für den Bildungsbürger und Intellektuellen.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

Aber zur eigentlichen Frage: Sowohl als auch. Natürlich kann eine gut gemachte Graphic Novel neue Perspektiven eröffnen (wohl aber auch alte einreißen: Fantasie ist fragil. ;)), natürlich gibt es aber auch Leute, die zwar die Graphic Novel mit Genuss lesen werden, um die literarischen Vorlagen aber weiterhin einen großen Bogen machen. Oder aber erst über die grafische Umsetzung auf den Geschmack kommen. Meiner Erfahrung nach lohnen sich Graphic Novels mit literarischer Vorlage (die beiden obigen kenne ich allerdings nicht) aber nur sehr selten - das ist so ähnlich wie mit Buchverfilmungen. Deshalb: Lieber gleich zu einer Graphic Novel mit eigener Handlung greifen, davon hat man mehr. Jedenfalls wenn man sich von seinem Literatur-Dogma mal für ein paar Stunden freimachen und den Künstler und Feingeist in sich selbst wiederentdecken kann.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

@Ein LovelyBooks-Nutzer

Graphic Novels unterscheiden sich nicht grundsätzlich durch eine wie auch immer geartete "Höherwertigkeit" von anderen Comics, sondern dadurch, dass sie eine längere und v.a. abgeschlossene Handlung erzählen, wie ein Roman eben. Comics hingegen erzählen in der Regel in Serie. Wobei an ein Graphic Novel natürlich auch mehrere Teile anschließen können.
Allerdings ist es meiner (zugegebenermaßen beschränkten) Kenntnis nach tatsächlich so, dass Graphic Novels in der Regel höheren Ansprüchen genügen und auch genügen wollen, so dass sie grob schon als Comics für Intellektuelle verstanden werden. Das finde ich meiner Erfahrung nach nicht falsch, den Rückschluss auf die Minderwertigkeit herkömmlicher Comics hingegen schon.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

@Ein LovelyBooks-Nutzer

Widerspricht meiner Aussage jetzt wo genau?

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

@Ein LovelyBooks-Nutzer

Na, in der Definition. Ich wollte nur die typische romanhafte Abgeschlossenheit der Handlung ergänzen.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

@Ein LovelyBooks-Nutzer

Wobei es hier durchaus auch Ausnahmen von der "Regel" gibt. Bekanntestes Beispiel dafür dürfte die Sandman-Reihe sein. Zumal es ja durchaus auch in sich geschlossene Comics gibt. Jede Menge sogar. Weitaus typischer ist dann vermutlich die von dir ebenfalls genannte Länge, denn anders als der klassische Comic entstehen Graphic Novels (meistens!) nicht mit eindeutigen Seitenvorgaben - der Künstler kann sich also nach Gutdünken austoben. ;) Aber wie gesagt: Der Begriff ist eigentlich ein Konstrukt des Buchhandels und eine hohle Phrase. Alles, was sich an vermeintlich typischen Merkmalen anführen ließe, ist es bei näherer Betrachtung nämlich nicht.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

@Ein LovelyBooks-Nutzer

Ja, du hast wohl recht. Dennoch finde ich persönlich die Bezeichnung schon hilfreich, genereriert sie doch eine gewisse Erwartung an das Werk (wie eben Länge, Komplexität, "Tiefgang"), die ja meist auch eingelöst wird. Ich greife doch eher zu einem als Graphic Novel ausgezeichneten Comic, weil in dem Fall die Chance erhöht ist, dass meine "gehobenen" Ansprüche erfüllt werden (ohne jetzt allzu snobistisch klingen zu wollen, aber ich bin literarisch halt vor allem an Klassiker gewöhnt).
All das wird LESE-ESEL aber wohl nicht weiterhelfen. Allerdings bin ich positiv überrascht, dass man hier auch solche Diskussionen führen kann.

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