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MarkusVeith

vor 3 Jahren

"Menschenfischer", mein zweites Baby, das den Weg in die Bücherregale fand, ist ein Thriller und entstand nach einem Gespräch mit einer guten Freundin im Westpark. Jana erzählte mir damals von einem Typen, der in Bonn durch sein befremdliches Verhalten bekannt geworden sei. So kamen wir zur Aufzählung verschiedenster seltsamer Gestalten, die wir selbst gesehen oder von denen wir gehört haben. 
Es ist verblüffend, wie die Gesellschaft mit Menschen umgeht, die sie nicht versteht, weil sie andersartig sind. Im allgemeinen wird Individualität zwar gelobt, doch wenn Zeitgenossen zu anders sind, werden sie als Kranke oder gar Spinner verspottet. Es ist eine Tatsache, dass es diese anomalen Gestalten in jeder Stadt gibt, ja, dass sie nahezu lokalprominent sind. (Sogar in der Literatur werden sie genannt; z.B. in Stadt aus Glas von Paul Auster.)
Ich habe mir das Gedankenspiel erlaubt: Was wäre, wenn diese Andersartigen eine heimliche Organisation bilden?
Auf die Frage, worum es in „Menschenfischer“ geht, antworte ich meist: Um Gerüchte. Und hier beginnt das Experimentelle, worauf ich wieder einmal nicht verzichten konnte:
Der Roman ist in vier Kapitel gegliedert: Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag. Der gesamte Karfreitag besteht aus dem Interview, das Patric mit Elisa führt und das in Realzeit acht Stunden dauert. Eine Art ‚moderierter Dialog’; die unglaubliche Geschichte der Susanne Nemus (die Elisa Hain teilweise auch nur ‚hintenrum’ erfahren hat) wird also in wörtlicher Rede erzählt. Man bekommt sie aus zweiter bis dritter Hand erzählt.
Ich verrate nur so viel: Der Effekt ist nicht nur enorm spannend, er ist in diesem Roman auch absolut notwendig.
„Menschenfischer“ hat ziemlich viel Hirnschmalz gekostet. Denn hinter der anfangs simpel erscheinenden Grundidee taten sich während des Schreibprozesses phantastische Abgründe auf. Die Aufgabe, die verstrickten Elemente logisch und vor allem übersichtlich zu sortieren, dabei keinen Faden zu verlieren und den Spannungsaufbau nicht außer Acht zu lassen, war eine anderthalb Jahre andauernde Herkulesarbeit, die mich mehrere Male verzweifeln ließ. Auch die Wahl des Titels passierte etliche Stationen. Irrwitzigerweise war meine allererste Idee schon "Menschenfischer", dieser wechselte wegen der vielen Anspielungen auf Goethes "Faust" und mit Hinblick auf das Thema 'Gerüchte' zu "Des Pudels Kern", wechselte dann zu dem poetischen, aber doch recht verwirrenden "Wald zwischen den Bäumen", um dann letztendlich wieder bei "Menschenfischer" zu landen.
Übrigens: Wo der Roman spielt, ist zwar nicht explizit hervorgehoben, da ich den Eindruck vermitteln möchte, dass es die Menschenfischer in jeder Stadt geben könnte, doch steht eindeutig Dortmund Pate; wer meine Heimatstadt kennt, wird das erkennen. Spielorte sind der Hellweg und andere Stellen in der City: Mayersche Buchhandlung, Corso-Passage, Karstadt-Parkhaus, Franziskuskirche, Stadtgarten, etc. Das Clubhaus entspricht einem leer stehenden Gebäude am Dortmunder Feld, das Clochard dem kleinen Café Anno 1900 gleich neben der WAZ-/WR-Redaktion.

Vielleicht noch interessant: Es ist schon ein kurioses Ding, dass ich in dem Jahr, in dem dieses Buch - dessen Hauptprotagonist den Faust gespielt und diese Rolle sehr verinnerlich hat - erschienen ist, gleichfalls im Frankenland erstmals als Faust auf der Bühne stehe.

Autor: Markus Veith
Buch: Menschenfischer
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