Worin begründet Thomas Mann die Schicksalshaftigkeit des Untergang...

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Nemo

vor 7 Jahren

Worin begründet Thomas Mann die Schicksalshaftigkeit des Untergangs der Familie Buddenbrook?

ChiefC

vor 7 Jahren

Hmm, was ist mit diesem Rätselwort gemeint?
Die Buddenbrooks gehen unter, weil sie sich in einer Zeit, die zunehmend von knallharten Neureichen regiert wird, immer mehr vergeistigen, immer mehr von nüchternen kaufmännischen Grundsätzen abweichen. Thomas ist schon weicher als sein Vater, hat aber die Zügel noch in der Hand. Seine Schwester Toni ist zu impulsiv, sein Bruder Christian als Taugenichts und Hypochonder völlig aus der Lübecker Spur. Thomas heiratet Gerda, die sich nur geistigen Interessen widmet und diese Veranlagung an Hanno weitergibt, der sich als völlig lebensuntüchtig erweist und jung stirbt, nachdem er bereits als Kind unter die Familienchronik einen "Schlussstrich" gezogen hat. Die Buddenbrooks sind einfach nicht mit der Zeit gegangen, was sie einem nicht unbedingt unsympathisch macht. Thomas Mann karikiert sich in ihrer Darstellung auch selbst. Denn er war als Schulversager und Schriftsteller ja auch nicht unbedingt der Traumsohn für einen Lübecker Kaufmann.

Nemo

vor 7 Jahren

@ChiefC

Herzlichen Dank für Deine Antwort; in diesem Forum der Bücherleser muss ausgerechnet ein Hund die erste Antwort geben ;-)
Dass ein Familienbetrieb in Finanznöte kommt, dass einer alteingesessenen Patrizierfamilie auch mal das Wasser durch Neuankömmlinge abgegraben werden kann - all das ist ja eigentlich nichts so besonderes. Was interessant ist, war für mich, dass Thomas Mann bereits im ersten Drittel des Buches andeutet, der Verfall der Buddenbrooks sei unvermeidlich, also schicksalshaft. Immer wieder streut er kleine Hinweise ein (z. B. wenn er die Hagenströms als "die Kommenden" bezeichnet - oder eben Hanno einen Schlussstrich unter die Familienchronik ziehen lässt). Dass die Budddenbrooks ja nicht nur Kaufleute sein können, sondern auch auf anderen Gebieten reüssieren und so die Familienehre wahren könnten, das lässt er anscheinend nicht gelten. Warum ausgerechnet die wiefen Buddenbrooks nicht mit der Zeit gehen wollen oder können, lässt der Autor ebenfalls offen. Das ist es also, weshalb ich die "Schicksalshaftigkeit" hier so gewollt hineinkomponiert finde - und das eigentlich nicht in allen Belangen nachvollziehbar.

ChiefC

vor 7 Jahren

Hallo Nemo, man darf bei allem Grübeln über Deutungsmöglichkeiten nie vergessen, dass bei Thomas Mann IRONIE groß geschrieben ist. Wie gesagt, er selbst war ja alles andere als andere als das, was sich so ein nüchterner Kaufmann erst mal als Mustersohn vorstellt. Dass natürlich ein Literaturnobelpreis letztlich viel glanzvoller ist als noch so viele erfolgreiche Geschäftsabschlüsse und ein noch so erfolgreiches Leben in einer Stadt, die letzttlich halt doch nur Provinz ist, ist doch klar - zumindest uns.

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