Zwei Kurzgeschichten - für Thriller u. Scienc-Fiction Fans!

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Buchmaniac

vor 5 Monaten

Science-Fiction Geschichte - Szene aus meinem Roman - Der lange Weg der Sternenspürer! E-Book Ausgabe.

Viel Spaß beim Lesen.

Getriebeschaden!

Sie würden landen müssen. Ein Hauptaggregat im Getriebesektor funktionierte nicht mehr. Die Reparatur im freien Raum war zu gefährlich. Aus dem Orbit hatte sich der Planet freundlich gezeigt, eine blaugrüne Kugel.

Die Landung der Marie-Curie auf dem weiten Sandfeld vor dem Felsendom entfachte einen mittleren Sandsturm. Nach zehn Minuten legte sich der Aufruhr. Gehalten durch das Anti-Schwerkraftfahrwerk, schwebte das Schiff wenige Zenitmeter über den Boden. Kommandant Trebla-Niest-Nie schaute auf seine Anzeigen. Die braunen Augen in dem hageren Gesicht mit dem langen Bart funkelten im künstlichen Licht der Zentrale. Sein dunkelbraunes Kopffell war zu einem wadenlangen traditionellen Zopf geflochten. Nachdenklich ließ er die Spitzohren durch die Luft kreisen.

»Die Luft ist atembar, die Temperaturen für Haspiri sehr heiß, aber erträglich. Es gibt Anzeichen einer urtümlichen Zivilisation. Während die Techniker das Getriebe reparieren, schauen wir uns um, mit aller gebotenen Vorsicht!«

 

Mit einem dreiköpfigen Team, eine Geologin, ein Biologe, ein Mediker, stand Trebla im Wüstensand des fremden Planeten. Ächzend streckte er seine über zwei Meter große, kräftige Gestalt. Ein Riese selbst für einen Haspiri. Es herrschte Ruhe – unnatürliche Ruhe! Keine Tiere, kein einziger Laut! Die Natur schien erstarrt. Mit einem unbehaglichen Gefühl, blickte Trebla um sich – blieb haften – an dem Höhleneingang des großen Felsendoms. Ein zwanzig Meter hohes Loch, aufgerissen wie ein dunkles, offenes Maul. Trotzdem durchfuhr Trebla eine seltsame, fiebrige Begeisterung.

»Diese Höhle wartet nur darauf, erforscht zu werden! Ich wette wir entdecken etwas ganz Besonderes!« Sie folgten ihm widerspruchslos.

 

Zwei, drei Kilometer entfernt, von der Frontseite des Felsendoms, suchten zehn berittene Männer Schutz. Unruhig blökend tänzelten ihr Kamele hin und her, unter einem Felsen, geformt wie ein halb offenes Dach. Die Männer schlugen die Tücher ihrer langen dunkelblauen Gewänder schützend vor den Mund.

Als sich der Sturm legte, versammelten sie sich in einem Halbkreis. Der Älteste – ein Mann mit eisengrauem Bart, ergriff das Wort.

»Männer – das – was heute den Himmel verdunkelt, und diesen Sturm ausgelöst hat – war nichts Böses! Denn es war eine Himmelskugel. Und nur göttliche Wesen reisen mit den Himmelskugeln. Unsere Legenden sind voll von diesen Ereignissen. Aber diese Himmelskugel ist am dunklen Ort gelandet – und hat IHN geweckt. Ich spüre es! Wir sollten zurück ins Lager reiten. Denn die Himmelsfahrer haben den Kampf mit dem Geist der Unterwelt eröffnet!«

 

Das Wesen mit den vielen Namen schlief! Es schlief nicht in dem Sinne, wie niederes Leben schlief. Es träumte nicht. Es brauchte keine Träume um Ordnung in seinen Geist zu bringen. Es war Geist. Es war negativer Geist. Es war Chaos – und nur Chaos. Nein, das Wesen mit den vielen Namen regenerierte seine Kräfte. Elektromagnetische Wellen flossen in einem steten Strom dahin, folgten unsichtbar dem Muster einer Doppelhelix – fügten sich zusammen zu Psi-Quanten – wurden endlich zu Psionen um komplexe geistige Muster zu formen. Seitdem er sich vor Äonen, vom positiven Teil des Bundes, des allumfassenden Geistfeldes abgespalten hatte – musste er sich alle hundert Jahre regenerieren, sich selber nähren – weil er an der gemeinsamen Kraft nicht mehr teilhaben konnte. Immer wieder versuchte der Bund ihn zu bekämpfen, ihn einzufangen – ihn wieder zu einem Teil seiner Selbst zu machen. Doch der mit den vielen Namen hatte es immer wieder geschafft sich herauszuwinden – und auch das kostete Kraft. Und nun- da war eine Erschütterung! Das Geistwesen rutschte langsam aus seinem Schlafbewusstsein heraus. Es verspürte Hunger! Großen Hunger! Da waren – intelligente Lebewesen – ein Raumschiff – mit einer starken Bio-Komponente. Wenn er das haben könnte! Er würde den Ruf aussenden! Das funktionierte immer.  

 

»Beim Sternendämon«, flüsterte Trebla, als er durch den riesigen Höhleneingang trat. »Hier findet unser gesamtes Raumschiff Platz!« Nur die Lichtfinger ihrer integrierten Hydrontiumleuchten wiesen ihnen in der stockfinsteren Höhle den Weg. Vorsichtshalber hatten sie die Helme ihrer Einsatzanzüge geschlossen. Trebla spürte schlagartig einen dumpfen Druck, ein Ziehen in seinem Geist. Aber er blieb merkwürdig gleichgültig. Er zuckte noch nicht einmal zusammen, als er eine Stimme in seinem Kopf flüstern hörte – »komm her! Komm her!« Seltsam zielstrebig führte er das Team in einen rechts abgehenden niedrigen Gang, gerade noch groß genug für einen Haspiri. Anderthalb Stunden quetschten sie sich durch den engen Durchlass, endlich mündete der Gang in eine kleine, dreißig Meter breite Grotte. Trebla warf einen neugierigen Blick hinein – und – nichts! Gar nichts war in dieser kleinen Nebenhöhle. Der Boden, die Wände bestanden aus Sandstein. Die Decke – aus schwarzem glänzendem Basalt! Aber – sie bewegte sich! Verdammt die Decke – stürzte sie ein? Nein sie waberte, sie glühte! Er glaubte zwei rötliche Augen, Feuerrädern gleich, dort zu sehen. Ihm wurde schlecht. Der Druck im Kopf stellte sich wieder ein! Sein Atem ging schwer. Er wollte sich herumwerfen! Doch – es – ging nicht! Beim feurigen Dämon was ist das? Dann sah er – wie das – Etwas – sich verwandelte in eine schwarze flimmernde Wolke! Die roten Feuerräder richteten sich auf ihn. Er wollte fliehen – aber konnte sich nicht bewegen!

Das schwarze Ding dehnte sich aus, rief nach ihm. »Komm zu mir!« Hölzern, wie ein Roboter, stolperte er der Wolke entgegen.

 »Geh nicht, schrie es in ihm, Gefahr!« Aber, er konnte nicht anders.

»Ewiges Leben! Macht, viel Macht! Du wirst ein mächtiger Führer! Komm zu mir!«

Ein Schritt – noch ein Schritt! Schweiß perlte seine Stirn hinunter – er konnte trotz seines Raumanzugs kaum noch atmen – der Druck auf seinen Kopf nahm zu. Seine Gedanken zogen sich wie Kaugummi!

Mit letzter Kraft ignorierte er die Lockung, warf sich endlich herum. Keuchend nahm er sein Team wieder wahr. Sie standen dort, erstarrt wie bleiche Skulpturen! Nigolo-Eg, die Geologin – lag am Boden. »Lauft«, - schrie Trebla! »Lauft weg!« Er spürte erneut, dass etwas nach ihm griff. Er machte einen mühsamen Schritt vorwärts – packte die Geologin – und warf sie keuchend über seine Schultern!

»Los! Bewegt euch!«

Endlich kam Leben in die Haspiri. Sie liefen mühsam – dann schneller – rannten – stolperten – rappelten sich auf! In ihren Ohren diese, kichernde Stimme!

»Lauft nur! Ich werde euch einholen! Ich werde dieses beseelte Schiff bekommen und herrschen! Kein Wesen entkommt mir – wenn ich es nicht will! Denn ich bin Lefuet – ich bin Natas – ich bin der ″Dunkle Magier″ – der Fluch der Galaxis. Ihr habt mich geweckt! Und an euch werde ich mich stärken! Ich bin – der ich bin! Ich bin Legion!«

Stoßweise atmend stolperte Trebla-Niest-Nie aus der Höhle. Helles Sonnenlicht blendete ihn. Nach Luft schnappend, ließ er die Geologin von seiner Schulter gleiten.

Sie war noch immer bewusstlos. Trebla spürte sein Herz schmerzhaft gegen die Rippen klopfen. Er sank in die Knie, stützte sich mit den Armen im Sand ab. Der Druck in seinem Geist war verschwunden! Hinter ihm stolperten die anderen, erschöpft aus der Höhle.

Trebla aktivierte sein Armbandkom! »Ste-Phen! Hol uns, hol uns ins Schiff! Auf der Stelle! Benutze von mir aus den Traktorstrahl. Schnell! Etwas Schreckliches ist geschehen!«

 

Trebla lief mit großen Schritten in seiner Kabine auf und ab. Körperlich hatte er sich erholt. Nur Nigolo-Eg die Geologin war noch nicht bei Bewusstsein. Ihr Zustand war ernst. Mit bleichem Gesicht blieb Trebla vor dem Sessel seines Freundes und zweiten Kommandanten stehen. »Ste-Phen – da war ein Wesen in dieser Höhle, rein geistiger Natur! Und es war negativ. Ich habe es gespürt! Die anderen von der Zentralecrew haben es gespürt! Du weißt genau, dass alle in der Schiffszentrale eine leichte Psi-Begabung haben! Sonst hätten wir uns niemals lösen können. Dieses Wesen wird uns folgen, wenn es vollständig erwacht ist. Es will das Schiff haben, es will die Biokomponente des Bordcomputers übernehmen! Verstehst du, was das bedeutet? Wir müssen starten Ste-Phen – sofort!«

Hart stellte Ste-Phen das Glas auf den kleinen Beistelltisch, das Wasser schwappte heraus. »Wir können nicht starten Trebla!«

Ste-Phen schüttelte seinen Kopf so heftig, das der rote Zopf wie eine Peitsche hin und her flog.

»Ich habe mich erkundigt. Ich habe es gesehen! Sie brauchen für dieses verdammte Getriebe mindestens drei Tage!«

 Trebla-Niest-Nie keuchte erschöpft – »wir haben – nur noch Stunden!«

Ste-Phens Gesicht mit den runden, jungenhaften Zügen, war jetzt ebenso bleich. Seine Faust krampfte sich zitternd um den schmalen Spitzbart. »Dann sind wir verloren!«

»Nein!« Treblas Miene versteinerte. »Nein, ich habe eine Idee. Wenn unsere Körper schon sterben müssen, unsere geistige Substanz und das Schiff, wird er nicht bekommen. Aber wir müssen ohne Verzögerung handeln!« 

Als alle gekommen waren, der letzte Platz im Saal besetzt war, fing Trebla-Niest-Nie an zu reden. Kurz, sachlich, emotionslos erläuterte er die Situation!

»Soll das heißen«, meldete sich der blondfellige Techniker Lo-Pas, »das die Mehrheit der Mannschaft sich davonmachen soll? Nur die Zentralecrew verbleibt hier mit zwei Freiwilligen? Kommandant – warum wollt ihr das tun? Lassen sie uns zusammen das Schiff verteidigen. Verdammt, wir sind über hundert Männer und Frauen!«

Trebla seufzte. »Lo-Pas, darum geht es nicht! Wir können das Schiff nicht mit konventionellen Waffen verteidigen. Wir kämpfen gegen eine geistige Wesenheit! Wenn ihr euch nicht aufmacht, überlebt hier keiner. Wir haben nur noch wenig Zeit. Wir werden dafür sorgen, das ER das Schiff nicht bekommt. Seine Macht wächst sonst ins Unermessliche! Ihr müsst gehen!«

Eine Sekunde war es still, dann sagte der Haspiri mit belegter Stimme.

»Ich verstehe Kommandant. Aber ich werde zu den Freiwilligen gehören, nach denen sie gefragt haben!«

Eine Frau stellte sich neben ihn. »Ich auch.«

Trebla nickte müde. »Danke. Lasst uns sofort anfangen!«

Dann drehte er sich um, die anderen mit ihm. Heftiger Applaus folgte ihnen.

Die Haspiri arbeiteten flink, präzise entfernten sie den Traktorstrahlprojektor aus der Schiffszentrale. Trebla beförderte ihn zusammen mit Ste-Phen in die große Höhle und verankerte das Gerät mit Haken in der Felswand. Die schwere Arbeit machte es ihm leichter, die Zukunft auszublenden.

»Punkt zwei! Holt die Desintegratoren!«, befahl er. Schwitzend schleppten sie die schweren Desintegratoren an den Rand der Höhle, stellten sie auf kreisförmige Rundumstreuung. Zischend fuhr der bläuliche Strahl aus den Rohren und fuhr durch den massiven Höhlenboden wie Butter. Heftig krachend polterte Gestein in den riesigen Hohlraum. »Gut!«, schrie Ste-Phen.

»Weiter, jetzt kommt es drauf an!« Er beeilte sich, mit den anderen ins Raumschiff zu kommen. 

Im Wüstensand stehend betätigte Lo-Pas die Fernbedienung und richtete sie auf den Traktorstrahlprojektor. Die Luft flimmerte, etwas schoss aus Mündung des Projektors heraus, fand seinen Weg unter die riesige Raumschiffkugel. Er berührte das nächste Sensorfeld, und schwerfällig, langsam, bewegte sich das Schiff, dicht über den Boden schwebend auf die Höhle zu, passierte den Durchgang. Nur wenig Luft lassend, zwischen dem Rand des Höhleneingangs und der metallenen Wandung. Schließlich schwebte das Schiff über dem künstlich geschaffenen Loch. Lo-Pas sprach in sein Armbandkom. »Kommandant«, sagte er. »Ihr könnt euch absinken lassen.« Die Kugel verharrte einige Sekunden lang und sank dann langsam in den Untergrund.

Aus Lo-Pas Armbandkom drang Treblas heisere, zitternde Stimme.

»Ihr – ihr wisst, was zu tun ist!«

»Ja – Trebla! Ich – ich wünsche euch stellvertretend für die gesamte Mannschaft …«

»Geschenkt! Vergesst nur nicht uns lobend zu erwähnen. Wir wollen schließlich in den Legenden dieser Bevölkerung eine Rolle spielen!«

»Klar – werden wir tun. Wir erzählen – die – tollsten Geschichten – über euch! Wir sehen uns!«

Raues Lachen – »spätestens beim Bund der Gehirne! Legt endlich los. Ende!«

Lo-Pas winkte seiner Gefährtin. Gemeinsam wuchteten sie den Desintegrator hoch, richteten ihn erneut aus – lösten die Sensoren und schmolzen den Steinboden schließlich wieder zusammen. Innerhalb einer Viertelstunde bildete sich über dem Loch, eine dünne aber massive Steinplatte. Eine Zeit lang starrten sie noch auf die Höhle, mit düsteren, zusammengezogenen Brauen. Dann stieß Lo-Pas die Frau an.

»Komm! Wir müssen los. Die andern warten hinter den Felsen.« Sie nahmen ihre Übelebenspacks und verschwanden. Zwei kleiner werdende Punkte am Horizont.

Unter der Erde, in der Zentrale war es still. Jeder wusste was geschehen würde. Zwei Männer hatten den Eingang der großen unterirdischen Höhle von innen mit ihren Desintegratoren zusammengeschmolzen, und standen nun verloren zwischen Kommandogalerie und Ausgang.

Wortlos gab Trebla seinen Code ein und riegelte die Zentrale hermetisch ab. Nur eins war noch zu tun. Geschlossen lehnten sie sich in ihren Sesseln zurück. Ste-Phen schaute Trebla an. Seine Lippen bebten. Er war nicht mehr in der Lage seinen Gurt zu schließen. Mit einer heftigen Bewegung schlug er die Hände vors Gesicht und brach in Schluchzen aus.

»Ob wir, ob wir wohl Helden sind?«

Trebla versuchte das Zittern seiner Hände zu beherrschen, seine Stimme war tonlos.

»Klar Ste-Phen, wir sind Helden! Das sind wir bestimmt! Schnall dich jetzt an!«

»Trebla – ich – ich habe Angst!«

»Ste-Phen, ich auch! Aber – wir können jetzt nicht mehr zurück! Wir müssen es tun! Wir schaffen das. Schnall dich an, gib mir die Hand. Gebt euch alle die Hand. Nehmt Verbindung auf, denkt intensiv!«

Ste-Phen beruhigte sich. Mit steinerner Miene schnallte er sich fest. Sie reichten sich die Hände.

»Sol-Choi I schalte die Vakuumpumpen ein!«

»Willst du das wirklich, tun Trebla?«

»Verdammt Sol-Choi – ja! Wir haben nicht mehr viel Zeit«

Fast schien es als sei die freundliche Computerstimme bekümmert.

»Wie ihr wollt!«

Ein lautes, zischendes Geräusch kündigte das Ereignis an. Zuerst spürte Trebla gar nichts. Dann wurde sein Atem schwerer – die Brust zu eng – Schmerzen! Seine Hand umkrampfte die seines Freundes. Er hörte ein Wimmern, sein Wimmern! Die Schmerzen schwanden – ihm wurde schwindelig – alles drehte sich. Es wurde immer dunkler – sein Bewusstsein schwand – seine Gedanken zerfetzten. Auf Wiedersehen – meine süße Blonde – bald nicht – mehr – da! Das Nichts – stürze ins Nichts – Ste-Phen denkt weiter – denkt als Team – ja – ich bin hier – ich sehe euch – weiter so! Die Schwärze wurde heller. Er sah – sah die Zentrale aus der Vogelperspektive. Er fühlte – die Hände der anderen. Sah ihre semitransparenten Körper, blickte auf die leeren Körperhüllen unter ihnen – und verstand. Freude durchflute ihn! Sie hatten es geschafft! Sie hatten es wirklich geschafft. Er fasste die Hände der anderen fester – konzentrierte sich – spürte ihre Gedanken. »Jetzt – muss – es – geschehen!«

Dunkle Wolken zogen über den Himmel – ein heftiger Sturm – kicherndes – raunendes Wispern lag in der Luft! Heftigste Gewitter entluden sich! Blitze zuckten – Donner hallte, wie zornige Schreie! Die Wüste tobte! Die Beduinen kauerten sich angsterfüllt um ihre Feuer und nahmen die erschöpften Fremden in die Mitte. Doch so schnell es gekommen war, so schnell war es vorbei. Die Sonne kam zurück – Sturm und Regen legten sich. Die Gewitter zogen ab. Sogar Tiere tauchten auf und fingen langsam an ihre alten Plätze wieder in Besitz zu nehmen. Die Fremden wurden freundlich aufgenommen. Denn die Beduinen glaubten, dass sie den dunklen Ort gesäubert hätten! Und eigentlich stimmte es ja auch.

Lo-Pas, den sie aus irgendeinem Grund als Führer ansahen, fand sich umringt von lachendem Hirtenvolk. Er hob die Hand und gebot Schweigen.

»Meine Freunde – wir danken euch für eure Gastfreundschaft – und ich möchte euch dafür eine Geschichte erzählen! Es ist die ″Legende der Marie-Curie!″ Sie handelt von tapferen Männern und Frauen.«

Autor: Ute Mrozinski
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Buchmaniac

vor 5 Monaten

Dieser Kurzthriller ist eine der Geschichten die ich gerade für einen Kurzgeschichtenband aus meiner Feder bzw. Tastatur zusammengestellt habe.
Schmökert doch mal rein.
Meinung ist gefragt.

Lies doch mal! Der Thriller - Böser Fehler!

Zur Geschichte:
Diese Geschichte wird in der Ich-Perspektive, aus der Sicht des Mörders Hannes erzählt. Doch das Ende diktiert ihm der junge Arbeitslose Ahmed, der eine Entscheidung treffen muss.

Böser Fehler
Hannes…
Ich liege wach im Bett, die Augen geschlossen.
Ich spüre, die ausströmende Liebe, die Wärme ihres schlanken, wohlgeformten Körpers, das sanfte Streicheln ihres wallenden blonden Haares.
Ich öffne die Lieder und blicke in ihre grünen unergründlichen Augen, sehe die vollen Lippen in dem schmalen Oval ihres Gesichtes. Mit aller Macht versuche ich die Imagination des Traumes beizubehalten. Doch er wird durchscheinender, zerfetzt. Seufzend, flüsternd, schlage ich die Augen auf – »Belinda!«
Doch ich erhalte keine Antwort. Langsam drehe ich den Kopf zur rechten Seite des Bettes. Niemand liegt dort! Das Kissen ist eingedrückt, zeigt noch schwach den Abdruck ihres Kopfes. Die Bettdecke ist nachlässig verdreht, zusammengerollt, wie eine Wurst. Ein Lächeln umspielt meine Mundwinkel. Wie macht sie das bloß? Einen kostbaren Augenblick, vergrabe ich mich in ihr Kissen, atme ihren Duft.
Doch schließlich schwinge ich mich aus dem Bett, hebe das seidige, weiße Nachthemd mit den Spaghettiträgern von dem flauschigen Bettläufer und lege es ordentlich zusammengefaltet aufs Bett. Schön zu sein, heißt nicht perfekt zu sein.
Doch sie ist schließlich meine Belinda. Bestimmt hat sie geduscht, Kaffee aufgesetzt. Wahrscheinlich steht sie in dieser Minute im Morgenmantel am Fenster, trinkt eine erste Tasse, betritt gleich leise wieder das Schlafzimmer um mich sanft zu wecken.
Ich werde gleichmäßig atmen, so tun als ob ich schlafe. Sie wird sich über mich beugen, lächelnd meine Wange, ihre Hände werden hinunter gleiten, tiefer viel tiefer! In dem Bewusstsein, in dem Bewusstsein das ich mitnichten schlafe…
Lächelnd in diesen morgendlichen Tagtraum versunken, schaue ich in den länglichen Spiegel neben ihrem Bett. Dieser Typ im Spiegel, fünfzig Jahre, zwanzig Jahre älter als seine schöne Geliebte, kann sich sehen lassen.
Eine kräftige Gestalt, ein schmales, asketisches Gesicht, blauen Augen und volle dunkelblonde Haare, die bis in den Nacken hinein wachsen.
Lautlos öffne ich die Türe. Doch niemand steht an dem großen Panoramafenster des eleganten Frühstückszimmers.
Keine Kaffeemaschine blubbert in der Küchenzeile. Nirgendwo etwas zu sehen von meiner blonden Fee. Frierend, trotz des warmen Sommermorgens schlinge ich die Arme um die Schultern. Wo ist sie? Plötzlich komme ich mir lächerlich vor in meiner Nacktheit. Endlich, während ich noch erstarrt, im Türrahmen stehe, sehe ich es. Das kleine Notebook! Es steht nicht schräg auf seinem angestammten Platz, damit ich während des Frühstücks die Online-Zeitung lesen kann, sondern umgedreht mitten auf dem Tisch. Der Twitter-Kanal blinkt mir entgegen.
So wie ich bin, trete ich näher an den Tisch und lese. Magensäure steigt mir nach oben durch die Kehle. Mir wird übel.
Ich ertrage deine Eifersucht nicht!
Das ist keine Liebe, das ist krank.
Versuche nicht mich zu finden.
Ich bin bei Freunden.
Keine Unterschrift. Doch wer sonst soll diese Nachricht geschrieben haben? Ich hätte es wissen müssen. Ich…diese Schlampe!
Mein Körper zittert. Ich stütze mich schwer auf die Tischplatte neben dem Computer.
»Ich liebe dich Hannes. Ich werde dich nie betrügen. Deine Eifersucht ist grundlos!«
Süße Sprüche. Lügen!
»Schlampe!« Donnernd kracht meine Faust auf den Tisch.
Ich atme schwer. Kalter Schweiß tritt auf meine Stirn.
Mein Blick wandert unruhig durch den Raum.
Ich sehe…handgefertigte, exklusive Eichenmöbel.
Ich fixiere das große Panoramafenster, beruhige mich etwas beim Anblick des gut gepflegten Parks, der sich dahinter auftut.
Mein Herz schlägt gleichmäßiger als ich den üppigen Rasen betrachte, die dicht stehenden Bäume, den Teich mit den Seerosen.
Das alles, ihr jetziges Aussehen, die Kosmetika, die Kleider, Theater, Oper, Reisen, Bildung, höchstes Niveau, hatte sie mir zu verdanken. Sie gehört mir!
Denn ich bin es doch gewesen, der sie von der arbeitslosen Studentin zur Disponentin bei Medika gemacht hat? Weil ich dort Manager bin! Natürlich! Und jetzt das…
Erinnerungen überfallen mich wie brutale Straßenräuber.
»Treffen wir uns am Montagabend auf ein Bier, bei Addi? S. Schleifer!«
Bebend, stand ich gestern Abend mit ihrem Smartphone in der Hand, in diesem Zimmer. Ich wollte sie nicht kontrollieren. Doch ich muss es tun. Sie ist so schwach!
»Wer ist Sebastian Schleifer?«, schleuderte ich ihr ins Gesicht. »Wer ist dieser Typ. Gut aussehend, jünger als ich. Hat er mehr Geld? Fickt er besser? Ein Freund aus Kindertagen – lächerlich.«
Spionage hatte sie ihm vorgeworfen! Ihre Empörung war billig. Schuld in ihren zusammengekniffenen Augen, Lügen schienen sich in ihrem Mund zusammenzuballen, ließen ihn zittern!
Blass, stumm, nahm sie ihre Strickjacke und ging aus dem Haus.
»Geh nicht. Geh nicht! Es tut mir leid. Oh Himmel, es tut mir so verdammt leid!«
Wie ein gefangenes Tier lief ich durch das Haus, schaute immer wieder durch das Fenster auf die Straße, vor mich hin murmelnd wie ein Geisteskranker
Ich war zu sorglos Ich hätte sie besser beschützen müssen, vor ihren Dämonen, die sie immer wieder in die Arme anderer Männer zu treiben schienen. Spät in der Nacht kam sie dann zurück.
Die blonden Haare zerzaust, stand sie schweigend im Wohnzimmer, mit geröteten Augen. Sie hatte geweint. Sie hatte bereut, Angst gehabt ihn zu verlieren. Natürlich sagte sie es nicht. Aber er war sich so sicher gewesen.
Er schloss sie in die Arme, tröstend, nachsichtig, zerknirscht.
In dieser Nacht kam sie zu ihm zurück Sie liebten sich heftig. Vor dem Kaminfeuer im Wohnzimmer. Doch am frühen Morgen mussten ihre Dämonen sie wieder eingeholt haben. Sie war heimlich aufgestanden, hatte diese Twitternachricht geschrieben und verschwunden. So musste es gewesen sein!
Mit zusammengepressten Lippen, lasse ich mich in einen der schwarzen Ledersessel in der Essecke fallen. Ich muss herausfinden wo dieser Sebastian Schleifer wohnt. Dieser Dämon, dieser Incubus!
Ich weiß auch schon wie. Ich habe mir seine Telefonnummer gemerkt und den Standort den er bei Google eingegeben hat. Belinda hatte den Straßennamen farbig markiert. Sie ist doch so was von naiv. In so vielen Dingen. Die süße Belinda. Ich muss retten!
Nur Minuten später sitze ich in meinem Mercedes Cabriolet und fahre aus der Villensiedlung hinaus, auf die Hauptverkehrsstraße. Schwarzes T-Shirt, schwarze Designerjeans. Die richtige Kleidung für einen warmen Sonntagmorgen. Doch warum überzieht sich mein Körper mit einer Gänsehaut, wieso beginne ich zu frösteln?
Aber vielleicht ist das ja auch normal, wenn man auf Dämonenjagd geht - oder? Minutenlang brause ich über die Landstraße, fahre ein gefährliches Slalomspiel, indem ich immer wieder andere Wagen überhole. Bis ich endlich nach links abbiegen kann, zum Stadtzentrum.
Meinen Wagen stelle ich in einer kleinen Nebenstraße ab, die wie ein zu kurz geratener Arm aus der Hauptstraße herausragt.
Ein freudloses Kichern ergreift von mir Besitz, als ich den sperrig wirkenden aber leeren Pappkarton vom Beifahrersitz nehme und ihn mir unter den linken Arm klemme.
Die wenigen Meter bis zu der breiten, lebendigen Verkehrs- und Einkaufsstraße gehe ich zu Fuß. Nur kurz muss ich mich orientieren, Haus Nr. 123, Am Alten Bunker.
Eine neu erbaute Geschäfts- und Wohngegend. Die Häuser sind in einer auf alt getrimmten, soliden Backsteinfassade gehalten. Mit scheinbar doppelverglasten Fenstern. Der Innenhof, ist begrünt wie ein Park. Kein billiges Vergnügen. Geld hat dieses Schwein also auch. Journalist ist dieser Typ, hatte in seinem Profil gestanden. Wirtschaftsjournalist bei der Management-Gazette. Wohl einer dieser smarten Boys! Verliere dich nicht in deinem Hass und deiner Wut. Packe den Dämon bei den Hörnern. Tu etwas!
Hastig konzentriere ich mich auf die Klingeln die neben der Haustüre in die Backsteinfassade eingebaut worden sind. Nach einer Minute habe ich den Namen auf einem der silbern blitzenden Klingelschilder gefunden. S. Schleifer! Bebend rücke ich den leeren Packkarton unter meinem Arm zurecht, dann presse ich den Klingelknopf bis zum Anschlag. Nichts geschieht.
Meine Hand greift in die rechte Hosentasche krampft sich um kühles Metall.
Zögernd trete ich einen Schritt nach hinten und beginne mich langsam umzudrehen. Plötzlich knackt die Sprechanlage. Eine verschlafene Männerstimme fragt, krächzend - »wer ist da?«
Flucht, ist mein erster Impuls. Bloß weg hier! Zurück ins Auto, zu meinem schönen ruhigen Anwesen. Soll sie doch bei diesem Schleifer bleiben. Ich bin viel zu gut für sie. Aber sie hat mich gedemütigt! Sie gehört mir. Sie ist mein Geschöpf!
»Paketpost!«, ruft er mit heiserer Stimme.
»Ich erwarte kein Paket!«, die Männerstimme klingt misstrauisch.
»Wenn sie Sebastian Schleifer sind, dann habe ich hier ein Paket für sie«, sage ich mit fester Stimme.
Ein Seufzen dringt durch die Sprechanlage. »Okay kommen sie hoch. Zweite Etage.«
Ich zucke zusammen als ein durchdringendes Summen ertönte.
Ich drücke gegen die Glastüre, den Karton unter dem rechten Arm, die linke Hand in die Hosentasche versenkt, stürme ich die Treppen hinauf, springe den Ereignissen entgegen. Mein Ohren summen. In meinem Kopf scheint es zu pochen. Doch dann passiert es wieder. Als ich den Flur der zweiten Etage erreiche, werde ich ruhig, sehr ruhig. Die Wohnung befindet sich auf der rechten Seite. Ein junger, sehr großer, kräftiger Mann in einem weißen Frotteebademantel steht im Türrahmen. Das kurze, pechschwarze Haar wirkt zerzaust, die dunklen Augen in dem kantigen Gesicht, noch verschleiert, starrt er mir finster entgegen.
Im Hintergrund, am Ende eines Flurs, erkenne ich eine schlanke, leicht bekleidete Frauengestalt mit langen, blonden Haaren – Belinda!
Nun gibt es keinen Zweifel mehr, keinen Skrupel.
Wortlos lasse ich den Karton fallen, ziehe die Linke aus der Hosentasche und drücke ab! Ein dröhnender Knall lässt mich fast taub werden.
Sebastian Schleifers Augen weiten sich vor Furcht und Überraschung. Er streckt den Arm nach der Türklinke aus. Doch es gelingt ihm nicht mehr die Türe zu schließen.
Die Kugel trifft ihn mitten in die Brust. Ein Schrei voller Schmerz und Entsetzen. Blut spritzt aus der Wunde und besudelt mein T-Shirt. Dämonenblut!
Im Hintergrund ertönt ein zweiter Schrei, hell, voller Furcht. Belinda!
Achtlos springe ich über Sebastians regungslosen Körper. Den rechten Arm nach vorne ausgestreckt schreie ich
»Belinda, los! Gib mir deine Hand, wir müssen hier weg!«
Doch Belindas Gesicht verzerrt sich vor Angst und Abscheu. Sie versteht nicht! Er hat sich in ihr Denken geschlichen.
Rückwärts stolpernd weicht sie vor mir zurück, in ein kleines Wohnzimmer, mit schwarzer Ledergarnitur, hindurch zwischen zwei Sesseln. Dabei stolper sie fast über einen Glastisch, mitt rudernden Armen fängt sie sich wieder. Ihre Flucht endet schließlich an der Rückwand, vor einem großen, zweiflügligen Fenster.
Schwer atmend stößt sie mit dem Rücken gegen die Fensterbank. »Du hast ihn erschossen«, schluchzt sie. »Du Monster!«
Ich lasse den linken Arm mit der Waffe sinken.
»Belinda«, schreie ich. »Er hat dich beeinflusst. Er hat dich von mir entfernt. Er ist der Dämon. Ich musste ihn erschießen.«
»Du bist wahnsinnig!«
Mit geweiteten Augen wirft sie sich zu den Fenstern herum. Packt den Griff, zieht den Fensterflügel nach innen auf und klettert auf die Fensterbank, dabei hält sie sich krampfhaft, an dem Regenabflussrohr auf der rechten Fensterseite fest.
Was macht sie da, verdammt noch mal?
Ich sehe wie ihr Blick sich nach unten richtet, auf den Balkon unmittelbar unter ihr. Da ist mir plötzlich klar was sie will.
»Nein Belinda«, stoße ich hervor, »nicht! Du wirst…«
Mein ausgestreckter Arm berührt gerade noch ihre Schulter, da lässt sie los und stößt sich ab.
Alles läuft ab wie in Zeitlupe.
Ihr Körper fällt, kracht auf die steinerne Umfassung des unter ihr liegenden Balkons, wird zurückgeschleudert, stürzt hart auf den steinernen Plattenweg des Hinterhofes. Merkwürdig verrenkt, bleibt sie regungslos dort liegen.
Ich – verstehe – es nicht! Ich starre sekundenlang aus dem Fenster, auf die zerstörte, zerschmetterte Silhouette, dieser… einstmals schönen Frau. Ein zerbrochenes, blondes Bündel! Es ist als ob mein Blut sich in Eis verwandelt, als ob mein Herz gefriert!
»Be- Belinda«, stotterte ich! Oh Gott Belinda!«
Sie ist tot! Meine Belinda ist tot. Der Geist des Dämons hat sie getötet!
Panik schwappt wie heißes Wasser durch meinen Körper.
Ich muss weg hier. Mehr stolpernd als laufend durchquere ich den Raum. In der Diele springe ich über Sebastian Schleifers Leichnam. Meine Hand greift schon nach der Türklinke, da schließt sich etwas wie Eisenklammern um meinen rechten Fußknöchel. Ich stoße einen lauten Schrei aus, stolpere, kann mich mit den Armen rudernd, gerade noch fangen.
Entsetzt starre ich nach unten, auf die bleiche Hand, den blutbesudelten Körper Sebastian Schleifers, der ausgestreckt auf der Seite liegt.
»Du Idiot«, krächzt Sebastian. »Du bist so ein verdammter Idiot! Ich stehe nicht auf Frauen. Ich bin schwul verdammt noch mal!«
Dann löst sich die Hand plötzlich von meinem Knöchel. Die Stimme geht in ein Gurgeln über und versiegt ganz. Sebastians Kopf fällt haltlos zur Seite.
Heißes Entsetzen packt mich. Hastig wende ich mich ab, reiße die Türe auf und stürme ins Treppenhaus.
Sebastian Schleifer ist tot, Belinda ist tot. Ich habe zwei Menschen auf dem Gewissen. Ich bin es, den der Dämon in seinen Klauen trägt. Die ganze Zeit war immer ich es gewesen. Die Erkenntnis lässt mich aufheulen.
Am Fuß der Treppe stoppe ich abrupt. Ich höre Schritte hinter den Türen im Hausflur. Ich sehe Augen hinter den Spionen. Sicher werden jetzt Hände gezückt, die zitternd die Hundertzehn wählen. Die Schreie, die Schüsse sind doch bestimmt aufgefallen! Doch das ficht mich nicht mehr an! Schlagartig wird es ruhig in meinem Kopf. Sollen sie kommen. Ich bin bereit! Der Dämon hat mich verlassen. Ich weiß nun genau was ich tun muss.
Wieder schließt sich meine rechte Hand um das kühle Metall, das nun wieder seinen Platz in meiner Hosentasche gefunden hat. Gelassen gehe ich die letzen Stufen der Treppe hinunter, packe den breiten Knauf der gläsernen Haustüre und betrete den Bürgersteig
Es ist zehn Uhr, an einem heißen Sommermorgen. Hitze flimmert über den Asphalt, legt eine wabernde, durchsichtige Scheibe aus feuchter Luft über die Fahrbahn.
Zwischen den Häusern vermischt sich die Hitze, mit den Abgasen der Autos zu einer fatalen, ungesunden Allianz.
Dort ist es dem Bösen ein Leichtes, in die unachtsamen Köpfe der Menschen einzudringen, und wenn ich ihn vernichten will, muss ich ruhig bleiben. Ich bin verloren doch andere können gerettet werden. Es wird Opfer fordern, doch ich muss es tun! . Das heiße, harte Licht des Tages foltert meine Augen. Gepeinigt kneife ich sie zusammen.
Das Geräusch von tappenden, klappernden, klackernden, absatzbewehrten Füßen, quengelnden Kindern, genervten, schreienden Müttern, kichernden, lärmenden Teenagern, schlagenden Autotüren, dem stetigen Brummen von Motoren, alles dringt gleichzeitig auf mich ein.
Jedes Geräusch scheint einzeln in meine Wahrnehmung einzudringen, sich aufzusummieren, nicht in Vergessenheit zu geraten, sich mit dem Bild dieser lärmenden, vor Lebewesen überquellenden Straße zu verbinden. In der Ferne ertönte die grelle Sirene eines Krankenwagens.
Eine unerträgliche Tortur der Sinne, die der Dämon da für mich aufspielt wie eine teuflische, dissonante Morgenmelodie. Eine Melodie die mich hindern soll meine Pflicht zu tun. Ich ziehe das kühle Metall aus meiner Hosentasche, richte es in die Menge, höre schon das Kreischen des schwarzen Drachens. Doch ich werde es nicht zulassen! Nie mehr…

Ahmed…
Mit halbgeschlossenen Augen sitze ich auf den steinernen Stufen des Internetcafés starre auf mein Smartphone wische mich durch die bunte Welt, der Netzwerke. Doch es interessiert mich nicht wirklich. Egal wie viel Likes ihr mir gebt. Ihr könnt mir auch keine Arbeit besorgen – oder?
Vielleicht nehme ich Abduls Angebot an. Eine Strähne meiner dunklen Locken kitzelt mir in den Augen. Sie stören mich. Wirklich. Ich sollte sie abschneiden. Wenn ich Abduls Angebot annehmen will, werde ich das müssen. Das tragen die da alle. Auch einen langen Bart muss ich mir dann wachsen lassen.
Ich unterbreche meine Gedanken, hebe den Kopf und mustere die Vorübergehenden und besonders ihre freischwingenden Handtaschen.
Doch heute scheint keine potenzielle Beute im Anmarsch. Ping! Ich wende mich wieder meinem Smartphone zu. Eine Nachricht! Abdul hat geschrieben. Aber das ist eigentlich nicht sein richtiger Namen. Wie er wirklich heißt, weiß ich eigentlich nicht. Und das schärfste ist, er ist Deutscher. Er ist so deutsch, wie man sie sich gemeinhin vorstellt.
Blond, blauäugig. Dann hört es aber auch schon auf. Langer Bart, langes Gewand Kampfname Abdul.
»Komm zu uns Ahmed. Mahmud dein Bruder war glücklich bei uns. Wir lassen keinen fallen. Wir lassen keinen hungern oder ohne Arbeit. Wir finden etwas für dich. Wir kämpfen für einander. Wir sind wie eine Familie!«
»Ich habe nichts zu verlieren«, murmele ich.
Doch nicht hier. Man weiß nicht wer einen beobachtet. Hastig springe ich auf um mich ins Café zu verdrücken, da öffnet sich der Hauseingang zwei Schritte weiter. Jemand vollkommen in Schwarz gekleidet, blond Sonnenbrille, die Hände lässig in den Hosentaschen versenkt, tritt heraus. Markenklamotten! Um die fünfzig, kräftig. Aber Blondie ich bin achtzehn, habe keine Lehrstelle und ebenfalls kräftig. Vielleicht kannst du mir… Mit diesem Schönling stimmt etwas nicht! Dieser Gesichtsausdruck. Ich kenne diese Leere, ich habe sie in den Augen meines Bruders gesehen, bevor der Sprengstoffgürtel ihn zerrissen hat. Mitten auf dieser Straße.
Blondie bleibt neben mir stehen, lächelt, zieht seine rechte Hand aus der Hosentasche. Sein Arm schnellte nach vorne. Etwas blitzt metallisch auf. Nein!
Mein Körper schnellt nach oben. Ich drehe mich wie ein Kreisel nach rechts, stoße mit dem Kopf zuerst gegen die linke Seite, unterhalb des Rippenbogens, lande hart auf ihm. Beide brüllend stürzen wir zu Boden.
Panische Schritte auf dem Asphalt, Schreie. Eine Polizeisirene ertönt. Noch immer umklammert der Fremde die Waffe.
»Ich bin tot«, denke ich. »Gleich bin ich tot!«
Die Hand mit der Waffe, schwebt plötzlich vor meinem Gesicht. Doch dann sinkt der Arm des Fremden herunter, drückt die Waffe mit einer schnellen Bewegung gegen seine eigene Schläfe. Eine leise, krächzende Stimme dringt in mein Bewusstsein. »Fehler«, sagt der Mann, »ich habe – einen Fehler gemacht!«
Ohrenbetäubender Lärm. Der Kopf des blonden Fremden fällt zur Seite. Blut läüft über den Asphalt.
Die Sirenen werden lauter. Reifen quietschen, Türen schlagen, dringliche Stimmen, harte Schritte laufen über das Pflaster.
»Ja«, flüstere ich leise. »Tatsächlich Fehler, böser Fehler. Du hast den Tod gewählt, für alle, für dich. Abdul kann mich mal. Ich wähle das Leben.«

Autor: Ute Mrozinski
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