wer ist für euch ein schriftsteller? heutzutage schreibt ja jeder ...

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Hammerstein99

vor 7 Jahren

wer ist für euch ein schriftsteller? heutzutage schreibt ja jeder 2. deutsche ein buch, mittlerweile legt die omma aus buxtehude 10.000 euro springen, um ihre lebenserinnerungen drucken zu lassen,,, was ich ihr von herzen gönne, allerdings finde ich es kurios, wenn sie sich schriftstellerin nennt. für mich ist ein schriftsteller nur jemand, der bei einem richtigen verlag (kein bod, kein selbstverlag, kein druckkostenzuschussverlag) veröffentlicht und zumindest einen teil seines lebensunterhaltes davon bestreitet. wie seht ihr das?

(((auf die frage komme ich, weil in unserer firma jetzt schon unser buchhalter von sich sagt, er sei schriftsteller. :) wie omma hat er aber dafür bezahlt und er wird das geld wohl nie zurückkriegen)))

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

Nach deiner Definition wäre zu Beispiel Kafka kein Schriftsteller. Der hat zu Lebzeiten kaum etwas veröffentlicht und nie davon gelebt. Ich halte ihn aber schon für einen Schriftsteller. Daher sollte man an anderen Kriterien arbeiten, um eine/n Schriftsteller/in zu definieren.

Hammerstein99

vor 7 Jahren

@Ein LovelyBooks-Nutzer

danke für die antwort. deshalb frage ich ja! ich bin mir selber nicht sicher. hat kafka nie geld verdient mit dem schreiben?

dramelia

vor 7 Jahren

Ich unterscheide zwischen Schriftstelleren und Autore. Schriftsteller sind für mich alle Leute, die sich mit dem Schreiben beschäftigen, selbst die Oma aus Buxtehude, die aus Langeweile eine Biografie schreibt, oder der Schüler, der in seiner Freizeit Kurzgeschichten oder FanFictions schreibt. Autoren hingegen sind für mich die Menschen, die mit dem Schreiben ihren Lebensunterhalt verdienen. Daher sind Autoren Schriftsteller, aber Schriftsteller nicht unbedingt Autoren :)

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

Naja, ich denke schon, dass man versteht, was Hammerstein damit meint. Und ich muss dir da nur zustimmen. Ich finde es auch ein bisschen merkwürdig, dass man heutzutage ja wirklich für sehr wenig Aufwand sein eigenes Buch in der Hand halten kann. Ich habe selbst schon ein bisschen vor mich hingeschrieben, das ganze drucken lassen und meiner Schwester zu Weihnachten geschenkt. Das war aber nur zum Spaß und ich würde mich nicht selbst Schriftsteller nennen.
Ich weiß nicht, ob man das so streng definieren kann aber meiner Meinung nach ist ein Schriftsteller jemand, dessen Bücher (Gerdichte, Werke etc.) von Menschen gelesen und (heutzutage) gekauft wird. Der Punkt mit dem Verlag ist mit sicherheit richtig, aber wenn Stephenie Meyer durch einen BoD-Verlag bekannt geworden wäre, würde man sie ja trotzdem als Schriftstellerin bezeichnen.
Auf der anderen Seite wäre die Omma eine Schriftstellerin, wenn ihre Lebenserinnerungen auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste stehen würde :)

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

@dramelia

Die Unterscheidung macht nicht sonderlich viel Sinn: Autor heißt nichts anderes als "Urheber" - und jeder, der schreibt, ist "Urheber" des Geschriebenen.

Hammerstein99

vor 7 Jahren

@dramelia

die unterscheidung würde ich auch treffen, dramelia, aber genau umgekehrt, also so wie zoyd sagt.

kubine

vor 7 Jahren

Was heißt denn richtiger Verlag? Es gibt sicher viele talentierte Autoren/Schriftsteller, die ersteinmal bei keinem großen Verlag unterkommen, Ganz einfach, weil sie unbekannt sind. Hier auf LB haben einige dieser Autoren/Schrifsteller in kleinen Leserunden für ihr Werk geworben und mit dem entsprechendem Feedback sind auch größere Verlage auf sie aufmerksam geworden. Auch viele internationale Bestsellerautoren haben so angefangen, also ihre Bücher selbst verlegen lassen...Anderseits würde ich Dieter Bohlen und Co nicht als begnadete Schriftsteller/Autoren bezeichnen, nur weil entsprechende "richtige" Verlage Interesse an ihrer Biographie u.ä. hatten und sie damit den einen oder anderen Euro verdient haben...

Martin_Andreas_Walser

vor 7 Jahren

Ich denke, eine sehr schwierige Frage. Manche heute hoch gerühmte Schriftsteller haben während ihres Lebens kaum etwas veröffentlicht, andere haben es auf eigene Kosten getan (was heute BoD genannt wird, gab es immer schon), andere stehen ganz oben in Bestsellerlisten - aber ob sie deshalb Schriftsteller genannt werden sollen? Ich denke, grundsätzlich ist dies viel wichtiger: dass jemand schreibt (oder Musik macht oder Bilder malt oder Videos dreht) - wichtig scheint mir, dass man die eigene Krativität aufzuspüren sucht.

Hammerstein99

vor 7 Jahren

@kubine

und? in dem moment, da die verlage auf sie aufmerksam werden, wären sie ja nach meiner definition schriftsteller, oder? ;-)

dieter bohlen schreibt seine biografie ja gar nicht. der erzählt das einem journalisten, der sie niederschreibt.

Sokrates

vor 7 Jahren

Ich denke, wir leben in einer Zeit, in der sich viele sehr gerne selbst darstellen. Dazu gehört offensichtlich auch in einer konsumorientierten Gesellschaft, etwas zu schreiben und es zu publizieren, also zu verkaufen. Dabei sind m.E. Geld verdienen und Interesse am Bekanntwerden bei vielen Schriftstellern gleichstark von Interesse. Und wenn der Inhalt zwischen den zwei Buchdeckeln halbwegs in den Mainstream passt, findet sich auch ein bekannter, größerer Verlag, der das Buch veröffentlicht. Schade nur für die vielen kleineren Schriftsteller, die oftmals mit viel eigenem (auch finanziellem) Engagement ihre Texte veröffentlichen müssen; u.U. auch nie von einem großen Verlag angenommen werden, weil sie - laut Lektorat - nur einen kleinen Leserkreis (= Geschmack) ansprechen. Den Verlagen geht es oftmals nur ums Verdienen, weniger ums das Schaffen von Kultur, deshalb wird auch nur nach speziellen Genres gesucht und veröffentlicht... Was meint ihr?

Sokrates

vor 7 Jahren

Und: ich meine, Schriftsteller und Autor sind synonym verwendbar. Allerdings würde ich da nicht mehr von einem Schriftsteller/Autor sprechen, wo man nur noch Dritten das eigene Leben diktiert hat und das Schreiben jemand anderen überlassen wurde, vgl. oben Bohlen und Co. Das hat nur noch was mit Öffentlichkeitsverliebtheit zu tun, nicht mit Schriftstellerei...

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

@Ein LovelyBooks-Nutzer

zoyd: Naja, auch wenn es nicht ganz stimmt, ein wenig ist an dem alten Klischee von Kafka als Depri, der seine Texte immer gleich in die Schublade sperrt und erst später "entdeckt" wird, schon dran. Er hat zwar schon zu Lebzeiten veröffentlicht (wenn auch nur etwa ein Viertel von dem, was wir heute von ihm kennen) und war unter anderen Schriftsteller recht bekannt, aber der Verkaufserfolg hielt sich in Grenzen.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

Ich habe ein Buch geschrieben, einen Verlag gefunden und ein paar Euro damit verdient. Schriftsteller bin ich dennoch nicht. Denn es ist nicht mein Beruf. Schriftsteller sind Menschen, die bereit sind, jahrelang auf Hartz IV-Niveau zu leben; immer in der Hoffnung, irgendwann den Durchbruch zu schaffen, der dann doch nur den wenigsten gelingt. (Kein Wunder bei 60.000 Neuerscheinungen im Jahr allein in Deutschland):

Autor: Frank Jöricke
Bücher: Mein liebestoller Onkel, mein kleinkrimineller Vetter und der Rest der Baggage,... und 1 weiteres Buch

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

Ich finde es äußerst interessant, dass die hier versammelten Antworten sich bis auf kleinere Ausnahmen tatsächlich in ihrer Definition bzw. Kriterien komplett auf das kapitalistische System beziehen. Gibt es nicht auch andere Deutungsweisen?

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

@Ein LovelyBooks-Nutzer

OK, drehen wir den Spieß mal um und betrachten das Ganze aus Sicht des Lesers: Ein Schriftsteller ist ein Mensch, der die Wirklichkeit hinter der "Wirklichkeit" zeigt (weshalb Jonathan Franzens Mittelschicht-Romane so großartig sind), der im Kopf des Lesers (Um-)Denkprozesse in Gang setzt (weshalb Hermann Hesse von jeder nachwachsenden Generation neu entdeckt wird), der in der Beschreibung einer Epoche und ihrer Menschen immer auch das Allgemeingültige vermittelt (weshalb die Familienmitglieder der Buddenbrooks so zeitlos wirken, obwohl es die hanseatische Kaufmannswelt des 19. Jahrhunderts lang schon nicht mehr gibt).

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

@Ein LovelyBooks-Nutzer

Das gefällt mir schon viel besser. Da kann man sich zwar weiter drüber streiten aber zumindest erweitert es erst mal den Horizont.

Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 7 Jahren

Ich kann der Definition: "Ich bin kein Schriftsteller, weil ich das nicht mein Job ist, obwohl ich veröffentlicht habe und schreibe" nicht zustimmen.
Denn ich sehe mich als Schriftstellerin, da ich bereits mehrere Bücher publiziert habe und Schreiben meine Passion ist. Es ist aber nicht mein Beruf. Ich bin Studentin.

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