Claudius Pläging Häkchen-Harakiri

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Inhaltsangabe zu „Häkchen-Harakiri“ von Claudius Pläging

Konrad könnte glücklich sein. Stattdessen vergrault er seine Freundin und schmeißt im Affekt seinen ungeliebten Job als Pressetexter hin. Wenn schon bei Null anfangen, dann auf ganzer Linie – Männerlogik eben. Nur kurz badet er in Selbstmitleid, dann schreibt er eine To-do-Liste: zehn Dinge, die er noch nie getan hat, aber schon immer tun wollte – oder auch nicht. Es gibt eben Dinge, die ein Mann tun muss. Auf der Jagd nach Häkchen stürzt er sich in das Abenteuer seines Lebens und stolpert von einer skurrilen Situation in die nächste: Wie trinkt man mit der soeben verstorbenen Nachbarin einen Kaffee? Wie bricht man ohne jeden Grund eine Prügelei vom Zaun? Und wie hält man sich bei alldem seine besorgten Eltern vom Leib? Konrad ist stets um Haltung und Würde bemüht – doch die Liste kennt keine Gnade. Ein erfrischender Roman – mal locker-leicht, mal bitter-süß, doch immer höchst amüsant. Und, mal ehrlich: Sind wir nicht alle ein bisschen Konrad?

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  • Rezension zu "Häkchen-Harakiri" von Claudius Pläging

    Häkchen-Harakiri
    Saari

    Saari

    „Sie hatte sich für diesen Abend extra geschminkt und einen engen Rock angezogen. Konrad mochte es nicht, wenn Frauen sich für einen Abend aufwendig ‚zurechtmachten‘, wie Sandra es immer nannte. Als hätte der Tag bis dahin nicht gegolten.“ Was den Leser bei „Häkchen-Harakiri“ erwartet, ist keine außergewöhnliche Geschichte mit noch nie dagewesenen Protagonisten. Die Besonderheit liegt darin, dass der Autor Claudius Pläging eine fantastische Beobachtungsgabe und einen genauen Blick für die Absurdität des Alltags hat (ich denke da zum Beispiel an die Szenen im Supermarkt und in der WG – einfach herrlich!). Ein wunderbar komischer und grotesker Einstieg führt dazu, Seite um Seite zu lesen, bis man (leider viel zu schnell) beim tollen Ende angelangt ist, das wiederum zum Anfang wird. Pläging hat hier wirklich eine raffinierte Struktur für seine Geschichte gefunden. Hinzu kommen sein erzählerisches Können sowie sein trockener und subtiler Humor – ohne diese Schenkelklopfermentalität, die andere männliche Autoren, die sich dem „lustigen Roman“ verschrieben haben, so gerne gebrauchen. „Häkchen-Harakiri“ ist ein kurzweiliges Buch, das trotz seiner gerade einmal 132 Seiten prall gefüllt ist: mit viel Leben, mindestens genauso viel Witz und einer Prise Melancholie. Am meisten beeindruckt hat mich jedoch, dass der Roman vor allem durch seinen Realitätsbezug besticht – es braucht eben nicht immer die buntesten Settings und abgedrehtesten Figuren. Geschichten, die das Leben schreibt, sind manchmal die interessantesten. Volle 5 Sterne!

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    • 3
    Saari

    Saari

    09. February 2013 um 10:40
  • Rezension zu "Häkchen-Harakiri" von Claudius Pläging

    Häkchen-Harakiri
    Fortunatus_Holzapfel

    Fortunatus_Holzapfel

    10. August 2012 um 14:53

    Häkchen-Harakiri? Titel und Cover werfen erstmal Fragen auf. Das ist ja nicht unbedingt schlecht für ein Buch, schließlich fordern Fragen Antworten und der Griff zum Buch ist somit schon psychologisch bestens vorbereitet. Und die Lektüre von Claudius Plägings „Häkchen-Harakiri“ lohnt sich. Der Inhalt ist schnell umrissen: Der etwas trantütige Endzwanziger Konrad Roth aus Berlin verliert erst seine Freundin und schließlich seine Arbeit als Pressetexter. Er erstellt eine To-do-Liste mit zehn mehr oder weniger kuriosen Aufgaben. Auf knapp hundert Seiten darf der Leser schließlich Konrad dabei beobachten, wie der etwa eine Prügelei anzettelt, mit seiner toten Nachbarin Kaffee trinkt oder in eine Wohngemeinschaft zieht. Ein recht simpler Plot, der eine platte Aneinanderreihung von Lustigkeiten befürchten lässt, dessen Umsetzung aber schlichtweg gelungen ist, weil eben dies nicht der Fall ist. Das hat zwei Gründe: Erstens besitzt Konrad als Typus des sympathischen Versagers ein hohes Identifikationspotential für alle Studienabrecher und lustlos Gescheiterten, die der Moloch Berlin am Fließband zu produzieren scheint. Wer ähnlich biographisch beschlagen ist, wird dieses Buch also nur kopfnickend zu Ende lesen können. Dieses Phänomen wiederum hat seine Ursache in Zweitens, der präzisen Beobachtungsgabe des Autors, denn über eine schnörkellos klare Sprache wird reichlich Menschenkenntnis transportiert, die oftmals humorig, nie aber zynisch ist. Menschenkenntnis, ein nur manchmal etwas klamaukiger Witz und eine wohldosierte Portion schwarzer Humor machen „Häkchen-Harakiri“ zu einer angenehmen und kurzweiligen Lektüre. Uneingeschränkte Empfehlung, gerade auch für Menschen, die ohne eine To-do-Liste wohl verhungern würden.

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  • Rezension zu "Häkchen-Harakiri" von Claudius Pläging

    Häkchen-Harakiri
    momo15

    momo15

    05. December 2011 um 19:58

    Häkchen-Harakiri wurde mir mit strahlenden Augen und einer Menge Begeisterung empfohlen. Meist ist es ja so, dass Bücher die einem auf diese Art ans Herz gelegt werden nun ja, meist sehr anders empfunden werden. Dies kann ich nun beim Häkchen-Harakiri gar nicht bestätigen. Das Buch ist witzig, unterhaltsam und gleichzeitig hat es mich zum Nachdenken gebracht. Hier haben wir das Beispiel Liebeskummer, wie er wohl jeder Mensch mal durchgemacht hat. Aber das wirklich beeindruckende an der Geschichte war, dass Konrad sich eine To-Do-Liste angefertigt hat, um sich über die nun neue Zeit, die angebrochen war hinüber zu helfen. Schließlich war man plötzlich wieder "frei". Also was tun? Schon allein 10 Punkte für die Liste zusammenzustellen war schwer. Nun hat Konrad eine Liste, die er teilweise fast zwanghaft abarbeitet. Das alles ist dennoch sehr unterhaltsam und man stellt fest, mit welchen alltäglichen Problemen man konfrontiert wird. Unsere Bahn gerät wohl nicht nur durch Liebeskummer durcheinander, auch ein Trauerfall oder eine Geburt können das Leben gehörig auf den Kopf stellen. Als Beispiel auch das Verliebt-Sein. Als ich Konrads Geschichte so gelesen habe, hat sich mir die Frage aufgedrängt, ob wir nicht alle mal eine to-do-liste brauchen, um vielleicht auch einen klareren Blick auf die Dinge zu bekommen. Claudius Pläging hat mir sehr unterhaltsame Momente geschenkt und ich habe die Seiten förmlich verschlungen. Das hat mir wirkliche Freude im teilweise sehr hektischen, grauen Alltag gebracht!

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  • Rezension zu "Häkchen-Harakiri" von Claudius Pläging

    Häkchen-Harakiri
    Laure

    Laure

    07. October 2011 um 11:43

    Haben Sie schon mal jemanden laut in der Bahn auflachen sehen, obwohl er allein war? Solche unkontrollierten Gefühlsausbrüche sind an diesem weitestgehend emotionslosen Ort eher überraschend. Wahrscheinlich dachten Sie, derjenige sei verrückt, bis Sie ein Buch in seiner Hand gesehen haben. Eben das ist mir geschehen, als ich morgens das Buch „Häkchen Harakiri – Die To-do-Liste des Konrad Roth“ von Claudius Pläging in der S-Bahn las. Der 130-Seiten starke Roman strotz vor Witz, Charme und Sarkasmus, aber nicht auf die abgelutschte, angestrengte Weise, wie sie in so einigen typischen Frauenbüchern für 40+ den müden Leser immer wieder plakativ aufgetischt wird. Die Witze in diesem Buch sind treffsicher pointiert, nicht künstlich überspitzt und großzügig verteilt. Ein regelrechtes Lach-Feuerwerk wird Seite für Seite gezündet und das ist keineswegs übertrieben. Ich hatte mich gerade drei Seiten lang herrlich über eine beschriebene Supermarkt-Situation (hörbar) amüsiert und dachte, dass jetzt erst mal ein Kapitel lang Ruhe folgt, wie es in so vielen „lustigen“ Büchern der Fall ist, aber der Autor Claudius Pläging setzt direkt für die nächste Lachsalve an. Das Buch handelt, wie etliche Kunsterzeugnisse auf dieser Welt, über die Liebe bzw. über das, was von einer Liebe übrig bleibt, wenn ein Teil der Beziehung sich des anderen Teils entledigen will. Bei „Häkchen Harakiri“ beginnt alles damit, dass Konrad Roth von seiner Freundin Henriette beim Onanieren zu Spongebob entdeckt wird. Zugegeben, das ist auch eine absurde Situation. Konrad nimmt sich nach dieser Schmach vor, eine To-do-Liste mit Aufgaben zu schreiben, die er niemals im Leben tun wollte. Eine Form der Selbstkasteiung, um möglichst gestärkt aus der Sache herauszukommen. Da wäre der Sex mit einer Prostituierten, das Leben in einer WG oder auch das Klauen in der Kaufhalle. Ein Aufgabenkatalog, der das übliche 0815-Trennungsroman-Repertoire im Schatten stehen lässt. Besonders hervorzuheben ist bei diesem strukturellen Geniestreich, dass der erste Satz des Buches gleichzeitig der letzte ist. Wer sich an solchen raffinierten Konstruktionen erfreuen kann, wird auch hier auf seine Kosten kommen – so auch ich. Wie oft bekommt man schon ein Buch geliefert, welches man in einer Endlosschleife lesen kann? Sprachlich merkt man dem Autor seinen Beruf als Sketche-Schreiber an. Die Witze sitzen und jede bizarre Situation wirkt wie aus einer Fernsehserie perfekt inszeniert. Sogar Freunde des Wortspiels werden begeistert sein, denn Pläging spielt in zahlreichen Stellen virtuos mit Worten, die ihre Wirkung selten verfehlen. Der Roman besticht durch seinen Witz und seine Raffinesse. Die eine oder andere Stelle ist zu oberflächlich und schnell abgehakt und hätte noch länger ausgearbeitet sein können. Ich war schnell durch, nach meinem Geschmack zu schnell, war aber dennoch begeistert, denn ich habe selten so viel gelacht bei einem Buch. Wer witzige Unterhaltung sucht und dabei auch sprachlich nicht zu kurz kommen möchte, dem sei dieses Buch wärmstens von mir ans Herz gelegt. Zusammengefasst: ein Geniestreich!

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  • Rezension zu "Häkchen-Harakiri" von Claudius Pläging

    Häkchen-Harakiri
    Surreal

    Surreal

    24. May 2011 um 15:51

    Liebeskummer. Ein Problem, dass jeder kennt und jeder fürchtet. Ob man nun seinen Kummer in Alkohol ertränkt oder sein neustes Glück in Schokolade sucht. Egal welche Methode man wählt, man versucht, sich immer irgendwie abzulenken. Doch was ist die erfolgversprechendste Ablenkung? Claudius Pläging, der schon mit dem Hauptpreis des Jungen Literaturforums Hessen/Thüringen ausgezeichnet wurde, eröffnet uns mit seinem Debüt-Roman „Häkchen-Harakiri“ eine komplett neue, skurrile, ja auch herausfordernde Strategie. Zumindest für Konrad Roth. Konrad, der Held unserer Geschichte, ist ein introvertierter Durchschnittstyp, der täglich aufs Neuste mit seiner Paranoia zu kämpfen hat. Dann verlässt ihn auch noch seine Freundin und von seinem gekündigten Job nimmt er nur eine Sache mit: To-Do-Listen. Konrad mag To-Do-Listen. Also schreibt er zehn Aufgaben auf, die ihn von seinem Liebeskummer ablenken sollen. Doch mit dieser Liste fordert sich Konrad selbst heraus. Er schreibt hauptsächlich unangenehme Dinge auf. Stehlen im Supermarkt, in einer WG wohnen, eine Prügelei anfangen. Es sind Aufgaben, die gegen Konrads ganze Natur gehen. Einfach Dinge, zu denen er sich zwingen muss. Aber weil sie auf der Liste stehen, bestimmen sie nun Konrads Alltag. Mit einer witzigen, ironischen und temporeichen Sprache wird der Leser mitten in Konrads Abenteuer hineingesogen und wird bis zur letzten Seite auch nicht mehr herausgelassen. Pläging hat es geschafft, einen sehr humorvollen Roman auf gerade mal 130 Seiten festzuhalten und den Leser dazu zu bringen, nach „MEHR“ zu schreien. „Häkchen-Harakiri“ ist einfach ein toller Zeitvertreib für verregnete Tage, für Sonnenbäder unter freiem Himmel und natürlich auch perfekt als Ablenkung von Liebeskummer. Denn, ob man nun will oder nicht, die Lachmuskeln haben bei diesem Roman wieder mehr zu tun!

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  • Rezension zu "Häkchen-Harakiri" von Claudius Pläging

    Häkchen-Harakiri
    Ternolawitschman

    Ternolawitschman

    11. May 2011 um 14:18

    Mit Konrad Roth hat Claudius Pläging in Häkchen-Harakiri eine Figur des modernen deutschen Großstadtheldentums erschaffen. Kopfweh statt Bienen im Arsch, ganz leicht verdrehte Prinzipien und ein Riesentalent im Fettnäpfchentreten. Aber eins ist er vor allem: konsequent. Und so kündigt er, als seine Freundin ihn verlässt, gleich noch seinen Job dazu. Sein Motto: Wenn schon bei Null anfangen, dann auf ganzer Linie. Und in der freien Zeit erstellt er sich eine To-do-Liste mit 10 Dingen, die man normal nicht macht und besonders Konrad normal nie machen würde: Im Supermarkt klauen oder eine Prügelei anfangen. Als Leser kann man kaum erwarten, wie die skurrilen Ideen in die Tat umgesetzt werden. Ein superlustiges Buch! Zum Glück ist es für TV-Autoren nicht mehr ungewöhnlich, mit ihren Ideen auch in die Öffentlichkeit zu treten. Und so hat sich auch Claudius Pläging an sein erstes Buch gemacht, in dem er den von Neurosen und Sonderlichkeiten gelenkten Konrad nach und nach skurrile Situationen abklappern lässt. Ein bisschen Herr Lehmann, ein bisschen Monk und ein klein wenig Amélie Poulain. Konrad Roth ist einer dieser sympathischen Loser, denen man einfach gerne beim Denken und Nichtfunktionieren zuschaut. Gerade die Innenansichten Konrads und das Verhältnis zu Familie, Freunden und Arbeitskollegen sind gnadenlose Realsatire auf ganz gewöhnlichen Menschen und ganz normale Alltagssituationen. Und das funktioniert einfach perfekt, denn der Klappentext hat definitiv recht: Wir sind alle ein bisschen Konrad. Aber nicht nur die Figuren, sondern auch die Aufgaben sind urkomisch. Besonders wenn Konrad, der schon panische Angst hat, in einem Supermarkt einzukaufen, plötzlich versucht, dort etwas zu stehlen und sich einen Schlachtplan zurechtlegt und die schlimmsten Konsequenzen ausmalt, kugelt man sich fast vom Stuhl. Oder wenn die WG, die keine Wohn- sondern eine Wohlfül-, Witz- und Weiterkommensgemeinschaft ist, mit dem Außenseiter Konrad konfrontiert wird... einfache und reale Sachen werden hier auf erfrischende Weise auf die Spitze getrieben. Eigentlich bietet aber die Rahmenhandlung die lustigsten Szenen. Und weil man ebendiese Situationen kennt und sie schon durchlebt hat, ist es ein Vergnügen mal zu lesen, wie man alltägliche Aufgaben auch lösen kann – oder besser nicht löst. Man sollte aber mit den ersten Sätzen zuhause anfangen und nicht gleich in der U-Bahn loslegen. Denn man muss aufpassen, nicht sofort laut loszuprusten, wenn Pläging seine Geschichte startet und Konrad in Schlamassel um Schlamassel schliddern lässt. Ein Buch, bei dem man sich schon beim ersten Mal freut, die einzelnen Szenen wieder zu lesen. Und es ist ein Beweis dafür, dass Bücher auch (und oft auch besser als Filme) wunderbare Komödien erzählen können. Hoffentlich folgt von Konrad Roth oder Claudius Pläging noch mehr!

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  • Rezension zu "Häkchen-Harakiri" von Claudius Pläging

    Häkchen-Harakiri
    AArndt

    AArndt

    09. May 2011 um 10:50

    Wie wird man Liebeskummer wieder los – das ist eine der Hauptfragen dieses Romanes. Indem man eine To-Do-Liste schreibt und unangenehme Dinge tut, um sich abzulenken. So denkt jedenfalls Konrad Roth, der Held der Geschichte, und zeigt sich dabei überaus kreativ. Er will mit der toten Nachbarin einen Kaffee trinken, das WG-Leben ausprobieren, allein verreisen usw. Auch nervige Zeitgenossen werden aufs Korn genommen, wie ehemalige Mitschüler, die so übereifrig Jahrgangstreffen organisieren, dass Konrad sich zu dem verständlichen Satz hinreißen lässt: „Ein Wunder, dass sie nicht auch die Toten heranschaffen.“ So wunderbare Dinge, wie einen Dienstleister für die Abwicklung einer gescheiterten Beziehung zu bestellen, wünscht man sich manchmal selbst. Konrad hasst Partys und zieht sich gern in seinen alten Sessel zurück, um die Nachbarn im Haus gegenüber zu beobachten. Er nennt sie liebevoll seine „Fische im Aquarium“. Er ist sich auch nicht zu schade, zuzugeben, dass er in der Schulzeit ein Außenseiter war, wenige Freunde hat oder nicht auf WG-Leben steht. Andererseits ist Konrad ein ganz normaler junger Mann Anfang Dreißig – und auf der Suche nach sich selbst. Bislang drückte er sich davor, erwachsen zu werden, doch diesen Prozess kann er nicht mehr aufhalten. Der Roman hat mich aber vor allem überzeugt, weil Konrad Roth eindeutig Schwächen zeigen darf. Oft habe ich richtig gelacht während des Lesens. Köstlich die Lektion darüber, wie man ab sofort jeden Small Talk mit Leichtigkeit meistern kann. Der Erzähl-Ton schwankt konsequent zwischen witzig und ironisch, gleitet aber nie ins Zynische ab. „Häkchen Harakiri“ ist ein im besten Sinne richtig altmodisch erzählter Roman, der bei allem Klamauk erstaunlich ernsthaft daherkommt. Er enthält unzählige witzige Formulierungen und komische Einfälle, die das Lesen unbedingt lohnen. Es gibt keine nennenswerten Längen. Diese unterhaltsame, leichte Lektüre bleibt jederzeit auf einem stilvollen Niveau und auf der Seite seines Helden, nimmt ihn nie zu ernst, aber gibt ihn auch niemals dem Spott preis. Die positive Grundstimmung des Buches und witzige Sprache ließen mich das Buch in einem Rutsch durchlesen. Für die Rezension habe ich es dann nochmals zur Hand genommen. Fazit: Auch nach mehrmaligem Lesen nutzt sich der humorvolle Grundton der Erzählung nicht ab. Ich werde den Roman uneingeschränkt auch Freunden empfehlen. Ein kleiner Nebeneffekt: Seitdem ich das Buch gelesen habe, habe ich das Schreiben von To-Do-Listen wieder für mich entdeckt. Wird es eine Fortsetzung geben? Ich wünsche es mir.

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  • Rezension zu "Häkchen-Harakiri" von Claudius Pläging

    Häkchen-Harakiri
    Dirk-Radtke

    Dirk-Radtke

    25. April 2011 um 23:10

    Konrad Roth ist ein Durchschnittstyp, der sein Leben aufgrund selbstangeeigneter Ängste und Phobien in ein komplexes Wirrwarr verstrickt hat. Alltägliche Situationen gestalten sich als kaum überwindbare Herausforderungen, welche der Protagonist jedoch in komplizierten Manövern zu überwinden weiß. Inmitten dessen Ohrfeigt ihn das Schicksal, als seine Freundin ihn während einer peinlichen Handlung erwischt und verlässt. Für Konrad bricht eine Welt zusammen, die er nun konsequent reduziert, seinen Job an den Nagel hängt, um mit Hilfe einer selbsterstellten, 10 Punkte umfassenden, To-do-Liste sein Leben in eine neue Bahn zu lenken. Doch diese Liste gebietet ihm die Realisation diverser Dinge, vor denen er sich bislang gedrückt hat, sie aber in seinem Innersten gerne gelebt haben wollte… An dieser Stelle beginnt eine wunderbare, humorvolle Geschichte, welche den Leser von den ersten Worten an in den Bann zieht, der Gesichtsmuskulatur ein dauerhaftes Grinsen aufzwingt, und den Händen befiehlt, das Buch nicht mehr wegzulegen! Der Autor Claudius Pläging hat mit seinem Erstling „Häkchen-Harakiri“ einen bemerkenswerten Roman geschrieben, der sich mit Witz und Heiterkeit von manch anderer Gegenwartslektüre abhebt! Durch seinen lockeren Schreibstil gleitet der Leser ungebremst durch die Seiten, auf denen ihn würziger, knackiger und niveauvoller Humor erwartet, und die Bauchmuskeln nach Beenden der Lektüre um einiges gestrafft hat. Comedy vom Feinsten, wenn auch ein wenig kurz, dafür aber brillant, und in jeder Hinsicht auf den Punkt gebracht! Ein Buch zum genießen und ablachen, ich bin schon sehr auf den Nachfolger gespannt!

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  • Rezension zu "Häkchen-Harakiri" von Claudius Pläging

    Häkchen-Harakiri
    thomas_manegold

    thomas_manegold

    22. April 2011 um 20:47

    Bei diesem Buch war ich mit Satz und Layout betraut. Das Projekt betreute die Lektorin Dana Grünzig. Das Buch stand langezeit in einer Urform bei BookRikks zur allgemeinen Verfügung. Dort entdeckte es der Autor Dirk Radtke, der es seinem Verlag empfahl. Periplaneta hat sich sofort in Plägings Gegenwartsnovelle verliebt. Herausgekommen ist ein Buch, rund wie ein Buslenker. Es erzählt die Geschichte eines Mannes, der von seiner Freundin verlassen wird und sich darauf hin eine To- Do-Liste anlegt mit Dingen, die er schon immer mal machen wollte, weil eben diese Dinge jeder Mann mal getan haben muss, wie er glaubt... in einer WG wohnen, für Sex bezahlen etc. "Häkchen Harakiri" beschreibt entzückend, wie diese Dinge umgesetzt werden. Extrem unterhaltsam und wohl das Buch mit dem besten ersten Satz aller Zeiten und mit dem besten letzten Satz... Es dürfte sich auch für jene lohnen, die es in der ersten Version als "To Do" kennen.

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