Ronja von Rönne Wir kommen

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Inhaltsangabe zu „Wir kommen“ von Ronja von Rönne

„Ronja von Rönne wischt das Blau vom Himmel.“ Georg Diez, Der Spiegel

„Maja ist nicht tot. Wenn Maja gestorben wäre, hätte sie mir davor Bescheid gesagt. Solche Dinge haben wir immer abgesprochen.“

Wenn jemand stirbt, zieht man sich schwarze Kleider an und geht zur Beerdigung. Oder man flieht gemeinsam mit seinen drei Beziehungspartnern und einer Schildkröte ans Meer. Nora entscheidet sich für Letzteres. Als ob Polyamorie helfen würde. Als ob Flucht helfen würde. Als ob man den Dämonen der Vergangenheit so einfach entkommt.

„Wir kommen“ ist ein radikales Buch, rasend komisch in seiner Verzweiflung und poetisch in seiner Grausamkeit – von einer der wichtigsten Autorinnen ihrer Generation.

Zynische Betrachtungen von Menschen, die sich selbst am wichtigsten nehmen. Hat eine gewissen Wiedererkennungsfaktor.

— ulrikerabe

Hat mich nicht restlos überzeugt

— eulenmatz

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    Wir kommen

    eulenmatz

    26. January 2018 um 13:21

    INHALT: In Noras Heimatort gehört es sich, den Nachbarn zu grüßen, den Rasen zu mähen und am Ende des Lebens zu sterben. Dass sich plötzlich ausgerechnet Maja, Noras beste Freundin aus Kindheitstagen, an diese althergebrachten Regeln hält und einfach stirbt, kann Nora nicht glauben. Für eine Beerdigung hat Nora ohnehin keine Zeit: Nachts wecken sie Panikattacken, sie muss sich um eine Schildkröte kümmern und ihre einst so progressive Beziehung zu viert droht auseinanderzubrechen. Und dann fährt auch noch ihr Therapeut in Urlaub. Bis zu seiner Rückkehr soll Nora ihre Tage in einem Tagebuch dokumentieren. Also berichtet sie, wie sie sich mit Karl, Leonie, Jonas und einem schweigenden Kind ans Meer flüchtet, um das Verschworene zwischen ihnen zu retten. Doch statt hoffnungsvoller Zukunft drängt sich immer mehr Noras Vergangenheit in den Vordergrund. Es muss doch etwas geben, denken die vier, das sie wieder zusammenzuschweißen vermag, ein großes Fest etwa. Oder ein Mord. MEINUNG: Ich habe von Ronja von Rönne bereits Heute ist leider schlecht gelesen, wobei dies nicht ganz vergleichbar, denn Wir kommen ist ein Roman, dennoch erkennt man Ronja von Rönnes Erzählerstimme definitiv wieder. Schon bei erst genannter Veröffentlichung bin ich geschwankt zwischen „Super geschrieben. Mehr davon.“ und „Mhm, erreicht mich jetzt gar nicht. Habe ich Morgen schon wieder vergessen.“ Der Einstieg in das Buch gelang mir recht leicht. Auch die Sprache faszinierte mich sofort und ich dachte, dass das hier etwas ganz Großes werden wird. Leider trat dann doch die Ernüchterung ein. Zunächst war für mich gar nicht so klar, ob Maja wirklich tot war. Nora verkaufte es mir in ihrer Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens als könnte es tatsächlich nicht passiert sein. Auf jeden Fall merkt man, dass Maja eine wichtige Person für Nora war. Immer wieder schwelgt Nora in Erinnerungen und lässt den Leser daran teilhaben. In der Gegenwart leidet Nora unter Panikattacken. Ihr Therapeut hat ihr aufgetragen diese zu Papier zu bringen. Das macht sie auch. Das Buch liest sicher daher wie ihr Tagebuch, da es auch in der Ich-Perspektive geschrieben ist. Und hätte Nora nicht schon genug Probleme, kommt noch diese Beziehung zu viert dazu, bei der sofort spürbar ist, dann hier etwas im Ungleichgewicht ist. Die Idee war zumindest mal etwas Neues. Nora war zuerst mit Karl zusammen, ihr Freund aus Kindheitstagen, der auch Maja kannte. Dann kam Leonie mit ihrer kleinen Tochter, die nicht spricht, dazu und Karl führte auch mit Leonie eine Beziehung. Dann gibt es noch Jonas, der scheinbar der Vater von Leonies Kind ist und in den Nora sich dann verliebt. Das Konstrukt ist mehr als schwierig und niemand scheint wirklich glücklich zu sein. In meinen Augen leider ein ziemlich verkorkster Haufen, der Nora nicht den nötigen Halt, Liebe und Geborgenheit bietet. Das wäre ja noch alles ok, wenn es irgendwie eine Handlung gegeben hätte. Für mich war die nicht so richtig erkennbar. Ging es um die Rettung der Vierer-Beziehung oder um den Umgang mit dem Abschied von Maja? Vielleicht etwas von Beidem. Dennoch verliert sich das Buch oft in Belanglosigkeiten und ist dann auch relativ abrupt zu Ende. Für mich mehr ein Tagebuch als ein Roman bzw. eine in sich abgeschlossene Handlung. FAZIT: Hier hat sich leider gezeigt, dass ein großes Sprach- und Schreibtalent wie Ronja von Rönne es definitiv ist, nicht immer ausreicht, um eine Geschichte mit nachvollziehbarer Handlung aufs Papier zu bringen. Trotzdem würde ich gerne noch etwas von ihr lesen wollen. Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

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  • Es lohnt sich.

    Wir kommen

    JoD

    26. November 2017 um 07:51

    Vorab: Das Buch hat mir sehr gefallen. Die Sprache ist einfach und eingängig und doch, so scheint es, sehr bewusst gewählt. Der Roman berührt, indem er dem Leser das Gefühl gibt, sich in der zwischen Zynismus, Selbstreflektion und tiefer Traurigkeit verhedderten Gedankenwelt eines anderen Menschen zu befinden. Die Protagonistin beschreibt ihr Leben wie das eines anderen und kreist dabei doch um Ergebnisse und Erkenntnisse herum. Sie drückt sich davor, das Erahnte auszusprechen, aus greifbarer Angst, es könnte sonst reale Wahrheit werden und nach Konsequenzen verlangen.Bedenkt man das Alter der Autorin, freut man sich darauf, was man potentiell noch zu lesen bekommen wird.Trotzdem: es stört etwas an dem Buch. Es ist ein Gefühl, das mich bei Christian Krachts „Faserland“ ebenso umgetrieben hat wie bei Martin Walsers „Ohne einander“. Ein Gefühl des „was hat das mit mir zu tun?“. Die Personen in „Wir kommen“ sind so egozentrisch und selbstfixiert, dass sie spontanes Kopfschütteln hervorrufen. Es geht den Protagonisten nur und ausschließlich um die eigene Selbstverwirklichung. Das Kind, das der Roman als stumme Randfigur führt, ist nichts als eine Projektionsfläche der eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Neurosen der Erwachsenen. Was ist die Botschaft dieser Überzeichnung von Egoismen. Das ist Die „Generation Y“? Auffällig ist, dass alle Charaktere in der Welt der Kunst und Kreativität ihr offenbar auskömmliches Einkommen finden. Auf der Party, auf die das Buch hinläuft, bestätigt und ironisiert die Autorin diesen Ansatz, indem sie gar „ehemalige Zukunftsforscher“ auftreten lässt. Die Gäste der Party sind dabei ebenso egomanisch wie die Protagonisten selbst.Damit lässt das Buch den im konventionellen Bürgertum sein Dasein fristenden Leser mit dem Gefühl zurück, die Welt der Kreativen, Künstler und Kulturschaffenden, also all jener, die nicht morgens um 08:00 in einem Büro sein müssen, sei durchsetzt von selbstfixierten Neurotikern und ganz viel Traurigkeit, die mühsam mit intellektuellem Glanz übermalt wird.Dies alles ist mitnichten Kritik an der Qualität des Buches, welches sich in jedem Fall zu lesen lohnt. Der Blick in die Erlebnis-Blase der kreativ-schaffenden ist kein schlechter. Gleichwohl darf man gespannt sein, in welchem Mikrokosmos das nächste Buch der Autorin spielt.

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  • Der Einblick in ein Panikattackentagebuch

    Wir kommen

    Linatost

    17. September 2017 um 08:10

    Ich mag die Idee des Buches sehr. Wir lesen das Tagebuch von Nora, in das Sie immer schreibt, wenn eine Panikattacke sie gerade überrollt. Sie ist seit ihrer frühen Jugend mit Karl zusammen. Sie beide verbindet das gemeinsame Aufwachsen und eine Freundschaft zu einem Wildfang namens Maja. Aber leider schien das nicht mehr für die Liebe zu reichen und statt sich zu trennen, brachte Karl neue Menschen in die Beziehung. Jetzt führen sie eine Beziehung zu viert, weil es besser als eine Beziehung zu zweit ist, weil dann wirklich immer irgendjemand für irgendjemanden da ist! Nur Leider passen diese vier so gar nicht zu einander und das einzige was eine Weile funktioniert ist, nicht allein sein zu müssen. Da hilft auch eine Strandurlaub und eine Party um zu zeigen wie toll sie sind nicht mehr. Auch wenn der nüchterne Schreibstil aus der Ich Perspektive mich wirklich begeistern konnte brauchte ich ein paar Seiten um rein zu kommen. Dann konnte mich dieses Buch aber durchaus faszinieren. Nora ist eine kluge, witzige Protagonistin. Völlig nüchtern erzählt Sie und von ihrem verbrachten Tagen und stellt dabei ihre Beobachtungen an.

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  • Generationenroman der keiner sein will - eigentlich

    Wir kommen

    BookLover00

    29. March 2017 um 22:14

    Ich bin Rönne-Fan! Ein schmaler Debütroman dem es an spritzigen ironischen aber trotzdem fesselnder Sätzen nicht fehlt. Als Mittzwanziger (Generation Y und so) hat mich das Thema gleich angesprochen, nicht aus dem Grund, dass die polyamoröse Liebesbeziehung eben nun mal zu meiner Generation passt, sondern weil ich mich mit den Charakteren identifizieren kann und der Leser in der Geschichte auf eine schöne Weise gefangen wird. Schreibstil ist einzigartig und es macht einfach Spaß dem Gedankenfluss von Ronja zu folgen! Ganz klare Leseempfehlung! 

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  • Farblose Charaktere, alles vorhersehbar, schwieriger Stil: Ein Debut sinnfrei und depressiv

    Wir kommen

    stadtschreiber

    19. January 2017 um 14:04

    "Wir kommen“ ist der Debütroman der Bloggerin und Journalistin Ronja von Rönne. Seit 2012 betreibt sie ihren Blog „Sudelheft“, seit 2015 ist sie als Journalistin für „Die Welt“ tätig.Zur HandlungAls Noras Therapeut in den Urlaub fährt, erhält sie die Aufgabe, diese Zeit in einem Tagebuch zu dokumentieren. So will sie die Gründe für ihre nächtlichen Panikattacken ergründen. Nach der Todesnachricht ihrer Schulfreundin Maja reagiert Nora mit Verleugnung und auch ihre früher so moderne Viererbeziehung steht auf der Kippe. Um deren Ende zu verhindern, fährt Nora mit Leonie, deren schweigsamer Tochter, Karl und Jonas in ein Haus am Meer. Als sie merken, dass diese Flucht allein ihre Viererbeziehung nicht rettet, planen sie ein großes Fest, um sich ihr Glück zu verdeutlichen. Beurteilung Das schlichte Cover weckte meine Neugierde: Wer kommt und wohin? Noras Tagebuch beginnt spannend und vielversprechend. Doch leider gelingt es Ronja von Rönne nicht, diese Spannung zu halten. Vor allem fehlten mir unvorhersehbare Wendungen. Sämtliche Figuren wirken deprimiert und unausstehlich, so dass ich mit niemanden mitfiebern kann. Der Umgang miteinander ist leiblos. Und da wundern sich die Figuren noch, dass ihre Viererbeziehung zum Scheitern verurteilt ist?! Probleme und andere wichtige Dinge werden totgeschwiegen. Selbst wer der Vater von Leonies Tochter ist, interessiert niemanden, denn dann hätte man ja tatsächlich etwas zu besprechen. Der Schreibstil will hipp und modern wie ein gewaltiger Blogbeitrag herüberkommen. Sicher gibt es Leser für diesen Stil. Ich empfand es mit der Zeit als anstrengend. Von Rönne sagt viel und philosophiert herum, ohne jedoch wirklich etwas auszusagen. Dabei gäbe es Potenzial in der Handlung. Positiv: von Rönne gelingt es, den heutigen Zeitgeist der hippen Gesellschaft einzufangen. Die Protagonisten feiern eine große Party, um daran erinnert zu werden, wie gut sie es in ihrer Viererbeziehung haben und wie glücklich sie doch sind. Außendarstellung vom Feinsten. Was wirklich wichtig ist, bleibt auf der Strecke. Egal, wie kaputt ihre Beziehung ist, der Schein wird immer gewahrt. Der Schluss ist ebenso vorhersehbar wie hoffnungslos. Fazit Ein Roman wie ein extrem langer, depressiver Blogbeitrag, dessen Sinn weitestgehend hinter Geplänkel verborgen bleibt. Danke an die Autorin der Rezension Sarina Wood www.sarina-wood.de

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  • Gelungenes Debut

    Wir kommen

    Arunika_Senarath

    13. January 2017 um 20:27

    Einfach anders und deshalb interessant

  • Wir kommen

    Wir kommen

    Sumsi1990

    30. December 2016 um 20:09

    Nora führt eine Viererbeziehung mit ihrem Exfreund Karl, Jonas und der jungen Mutter Leonie. Beruflich ist sie Schauspielerin und gehört einem eigenen, kreativen, offenen und psychisch labilen Teil der Jugendgesellschaft an. Die Geschichte entführt uns in Noras Leben, das sicher bei einigen Lesern ein Unbehagen auslöst. Sie verhält sich verantwortungslos, ist unzufrieden, unorientiert und egoistisch! Im Fokus des Romans steht die Beziehung zu Noras Schulfreundin Maja, welche offensichtlich gestorben ist, auch wenn die Protagonistin dies nicht wahrhaben will. Deren Geschichte wird in einigen Rückblenden in die Schulzeit aufgearbeitet.Da das Verhältnis in der monogamen Beziehung der 4 Freunde in der Gegenwart nicht besonders rosig ist, entschließen sich diese alles stehen und liegen zu lassen, um gemeinsam Urlaub in Karls Strandhaus zu machen. Doch ist dieser Ausflug für den Zusammenhalt der vier schwierigen Menschen nicht förderlich...Das Buch ist leicht zu lesen und stellt vom Schreibstil her keine Herausforderung dar. Ich mag jedoch Romane, die einfach, aber mit Tiefgang sind. Ebenso bin ich sehr interessiert an anormalen Lebensformen und mag Kritik an unserer verzogenen Generation. Man sollte bei diesem Buch jedoch ein Händchen für "zwischen den Zeilen lesen" haben!Mir hat das Buch gut gefallen und ich froh es gelesen zu haben. Jedoch ist es für mich kein Roman, der mich noch lange beschäftigen wird und wohl auch schnell wieder vergessen sein wird! Außerdem war mir das Ende ein wenig zu kurz und zu viele Punkte sind schlussendlich offen geblieben!

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  • Locker, flott und pointiert

    Wir kommen

    solveig

    25. November 2016 um 17:56

      Das Leben  -  ein Spiel, in dem jeder Mensch seine Rolle spielt? „Heute hatten wir alle gut performt, unsere Rollen gefunden, die schon morgen wieder bröckeln würden…“   -  in diesem Statement von Nora, der Protagonistin, schwingt eine gehörige Portiuon von Ironie mit. „Wir“, das sind die Ich-Erzählerin Nora, ihr Partner Jonas und das befreundete Paar Leonie und Karl. Sie leben in einer offenen, progressiv scheinenden Vierer-Beziehung, die sich gegen die traditionelle Paarbeziehung richtet. Sehr offen und nicht ohne Humor schildert Nora in Tagebuchform ihr Bündnis, das den jungen Leuten ein Gefühl der Sicherheit verleiht. Es bedeutet für sie „…eine klassische Beziehung, nur eben verteilt auf vier Säulen, damit nicht alles sofort zusammenkracht, wenn einer schwächelt."  Dennoch, auf lange Sicht lassen sich „traditionelle“ Gefühle wie Liebe oder Eifersucht nicht unterdrücken, ebensowenig wie die Angst vor dem Altwerden. Locker, aber pointiert schreibt die junge Autorin Ronja von Rönne über das in jeder Generation wiederkehrende Gefühl, vieles anders machen zu wollen als die Eltern, um ihre Probleme zu lösen. Sie macht dem Leser klar: jung sein bedeutet nicht, sorgenfrei zu sein! Aber sie dramatisiert auch nicht. Noras gegenwärtiges Leben, erzählt in ihrem Tagebuch, wird von einer viel älteren, sicherlich  der wichtigsten und prägendsten Beziehung in ihrem Leben überblendet: die Kinder- und Jugendfreundschaft zu Maja, die ihr stets sagte, was sie tun sollte und Entscheidungen abnahm. Aber Maja ist gestorben, und Nora ist unfähig, ihre Entscheidungen selbst zu treffen. Und so läuft alles äußerlich scheinbar gut weiter, während es in ihrem Inneren brodelt. Bis schließlich doch etwas passiert…

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  • Ein Roman über die Gegenwart, über Chaos und psychische Instabilität.

    Wir kommen

    Osilla

    05. November 2016 um 16:59

    Wir […] stritten über Zeug, das uns beschäftigt, weil uns sonst wenig beschäftigt. (Seite 24)Wir kommen behandelt aktuelle Themen die wohl viele hier und da betreffen. Wo steht man im Leben? Wo will man hin? Ist man glücklich mit seinem Leben? Wie ändere ich etwas in meinem Leben, was mich unglücklich macht, aber doch mein Leben strukturiert? Es handelt sich um einen Roman mit wenig Handlung aber viel Innendarstellung. Die Meinungen der Leser werden wohl stark auseinanderdriften. Entweder man mag es, oder man mag es nicht. Ronja von Rönne (1992 geboren) lebt in Berlin und Grassau. Sie arbeitet als Redakteurin im Feuilleton der Welt und bloggt auf ihrer Seite, dem Sudelheft. Der Roman Wir kommen ist ihr Debüt. Nora ist die Hauptfigur von Wir kommen. Ihre Freundin Maja aus Kindheitstagen ist tot, doch das will und kann Nora nicht glauben. Da Nora nachts immer wieder Panikattacken hat, geht sie zum Therapeuten. Doch zu allem Unglück in ihrem Leben macht dieser nun Urlaub und rät ihr, ihre Gefühle in einem Tagebuch festzuhalten. Und genau diese Tagebucheinträge gestalten das Buch. Nora berichtet also über ihr Leben, welches keine besonderen Höhepunkte aufzuweisen scheint. Sie befindet sich mit Karl, Leonie und Jonas in einer Vierer-Beziehung, die keinen von ihnen glücklich zu machen scheint. Außerdem ist da noch Leonies Tochter, ein immerzu schweigendes Kind. Ihre Beziehung droht auseinander zu brechen und so beschließen sie, selbst eine Auszeit am Meer zu machen und flüchten regelrecht aus ihrem Alltag. Zunächst einmal muss ich zugeben, dass bei der Durchsicht des Verlagsprogramms bei mir erst einmal kein Interesse an diesem Werk geweckt wurde. Erst durch einen erneuten Hinweis in Form des Blogger Newsletters wurde ich auf dieses Buch aufmerksam. Genau genommen hat das Thema Mutismus mein Interesse an dem Buch geweckt. Ich bin selbst Mutter eines zeitweise schweigenden Kindes und da hat mich das Thema gleich interessiert. Vielleicht bin ich deshalb mit einer falschen Hoffnung in dieses Buch gestartet. Denn das schweigende Kind ist eigentlich nur Beiwerk einer Geschichte um das völlig chaotische und aus den Fugen geratene Leben vierer Personen.  Wir seien vier Egoisten, die sich vor lauter Angst aneinanderklammerten, obwohl wir uns eigentlich hassten. Es gebe kein Konzept, und es habe nie eins gegeben, denn Angst-vor-allein-Sein sei kein Konzept, sondern feige. (Seite 182) Die Melancholie in der Gruppe ist deutlich spürbar: „heute hatten wir alle gut performt, unsere Rollen gefunden, die schon Morgen wieder bröckeln würden“ (Seite 62). Nora ist zutiefst verzweifelt, sie kann und will ihr Leben nicht selbst bestimmen und so begibt sie sich immer wieder in die Abhängigkeit anderer. Zunächst in Majas, dann ins Karls. Außerdem flüchtet sie sich in Tagträume. Die Panikattacken in der Nacht scheinen auf ein tiefes Trauma hinzuweisen. Das Mädchen Emma-Lou, welches kaum spricht, scheint in Nora eine Stütze zu suchen. Doch Nora kann diese Stütze nicht sein, da sie selbst kurz vor dem Zusammenbruch steht. Merkwürdig ist hier die Position, die Nora einnimmt. Zum einen scheint sie zu spüren, dass der Mutismus des Mädchens krankhaft ist und empfindet Mitleid mir ihm, doch gleichzeitig ist sie nicht in der Lage ihre Meinung und ihre Gefühle darüber und über ihr eigenes Dasein zu äußern. Die Geschichte treibt vor sich hin. Die Protagonisten strampeln im seichten Gewässer „um zu retten, was schon kaputt schien“ (Seite 81) „und das letzte, was [Nora] wollte, war loslassen“ (Seite 68).Am Ende der Erzählung werden einige offene Fragen aufgelöst. Was hat es mit Maja und ihrem Tod auf sich? Wer ist der Vater von Emma-Lou? Eigentlich ist der Höhepunkt der Erzählung der Schluss und man fragt sich, ob nach dem ständigen Chaos wirklich so leicht eine heile Welt entstehen kann. Insgesamt war das Buch für mich eher mittelmäßig und ich konnte mich einfach nicht mitreißen lassen. Für mich ergab das Verhalten der Protagonisten keinen Sinn. Das Thema des mutistischen Kindes ist ein Beiwerk, das meines Erachtens zur Handlung nicht wirklich etwas beitrug. Auch, das Leonie keine Anstalten macht, ihrem Kind zu helfen, wirkt für mich unglaubwürdig. Mein Fazit, kann man lesen, muss man aber nicht. Schade, denn eigentlich ist die Geschichte dahinter wirklich vielversprechend.

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  • Ein Roman über die Gegenwart, über Chaos und psychische Instabilität.

    Wir kommen

    thesmallnoble

    14. July 2016 um 22:53

    "Wir […] stritten über Zeug, das uns beschäftigt, weil uns sonst wenig beschäftigt." (Seite 24)Wir kommen behandelt aktuelle Themen, die wohl viele Menschen betreffen. Wo steht man im Leben? Wo will man hin? Ist man glücklich mit seinem Leben? Wie ändere ich etwas in meinem Leben, was mich unglücklich macht, aber doch mein Leben strukturiert? Es handelt sich um einen Roman mit wenig Handlung, aber viel Innendarstellung. Die Meinungen der Leser werden wohl stark auseinanderdriften. Entweder man mag es, oder man mag es nicht.Ronja von Rönne lebt in Berlin und Grassau. Sie arbeitet als Redakteurin im Feuilleton der Welt und betreibt ihren Blog Sudelheft. Der Roman Wir kommen ist ihr Debüt.Nora ist die Hauptfigur. Ihre Freundin Maja aus Kindheitstagen ist tot, doch das will und kann Nora nicht glauben. Da Nora nachts immer wieder Panikattacken hat, geht sie zum Therapeuten. Doch zu allem Unglück in ihrem Leben macht dieser nun Urlaub und rät ihr, ihre Gefühle in einem Tagebuch festzuhalten. Und genau diese Tagebucheinträge gestalten das Buch. Nora berichtet also über ihr Leben, welches keine besonderen Höhepunkte aufzuweisen scheint. Sie befindet sich mit Karl, Leonie und Jonas in einer Vierer-Beziehung, die keinen von ihnen glücklich macht. Außerdem ist da noch Leonies Tochter, ein immerzu schweigendes Kind. Ihre Beziehung droht auseinander zu brechen und so beschließen sie, selbst eine Auszeit am Meer zu nehmen und flüchten regelrecht aus ihrem Alltag.Zunächst einmal muss ich zugeben, dass bei der Durchsicht des Verlagsprogramms bei mir erst einmal kein Interesse an diesem Werk geweckt wurde. Erst durch einen erneuten Hinweis in Form eines Verlags- und Literaturblogseminars wurde ich auf dieses Buch aufmerksam. Genau genommen hat das Thema Mutismus mein Interesse an dem Buch geweckt. "Wir seien vier Egoisten, die sich vor lauter Angst aneinanderklammerten, obwohl wir uns eigentlich hassten. Es gebe kein Konzept, und es habe nie eins gegeben, denn Angst-vor-allein-Sein sei kein Konzept, sondern feige." (Seite 182)Die Melancholie in der Gruppe ist deutlich spürbar: „heute hatten wir alle gut performt, unsere Rollen gefunden, die schon Morgen wieder bröckeln würden“ (Seite 62). Nora ist zutiefst verzweifelt, sie kann und will ihr Leben nicht selbst bestimmen und so begibt sie sich immer wieder in die Abhängigkeit anderer. Zunächst in Majas, dann ins Karls. Außerdem flüchtet sie sich in Tagträume. Die Panikattacken in der Nacht scheinen auf ein tiefes Trauma hinzuweisen. Das Mädchen Emma-Lou, welches kaum spricht, scheint in Nora eine Stütze zu suchen. Doch Nora kann diese Stütze nicht sein, da sie selbst kurz vor dem Zusammenbruch steht. Merkwürdig ist hier die Position, die Nora einnimmt. Zum einen scheint sie zu spüren, dass der Mutismus des Mädchens krankhaft ist und empfindet Mitleid mir ihm, doch gleichzeitig ist sie nicht in der Lage ihre Meinung und ihre Gefühle darüber und über ihr eigenes Dasein zu äußern. Die Geschichte treibt vor sich hin. Die Protagonisten strampeln im seichten Gewässer „um zu retten, was schon kaputt schien“ (Seite 81) „und das letzte, was [Nora] wollte, war loslassen“ (Seite 68).Am Ende der Erzählung werden einige offene Fragen aufgelöst. Was hat es mit Maja und ihrem Tod auf sich? Wer ist der Vater von Emma-Lou? Eigentlich ist der Höhepunkt der Erzählung der Schluss und man fragt sich, ob nach dem ständigen Chaos wirklich so leicht eine heile Welt entstehen kann.Insgesamt war das Buch für mich eher mittelmäßig und ich konnte mich einfach nicht mitreißen lassen. Für mich ergab das Verhalten der Protagonisten keinen Sinn. Das Thema des mutistischen Kindes ist ein Beiwerk, das meines Erachtens zur Handlung nicht wirklich etwas beitrug. Auch, dass Leonie keine Anstalten macht, ihrem Kind zu helfen, wirkt für mich unglaubwürdig. Mein Fazit: kann man lesen, muss man aber nicht. Schade, denn eigentlich ist die Geschichte dahinter wirklich vielversprechend.

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  • Weil Nora eben etwas verarbeitet.

    Wir kommen

    Drea_lohnt

    14. July 2016 um 13:26

    Ich habe in den Rezensionen so oft gelesen dass das Buch sich hinzieht. Ich finde die Grundstimmung drückt gut aus, wie es Nora geht, ohne dass es dem Leser ständig vorbuchstabiert wird. Das nicht Reden, das nicht Handeln, die Panikattacken - alles Anzeichen eines kraftzehrenden Verarbeitungsprozesses. Denn Maja soll ja schließlich tot sein. Das ist der Anfangssatz des Klappentextes und jeder zweiten Rezension hier. Und Maja war Noras Freundin. Und wir lesen Noras Therapietagebuch. All das Eindrückliche, dass sie mit Maja erlebt hat. Und wie es im Leben funktioniert, ist sie selbst eben die Letzte die merkt, was sie da verarbeitet und was in ihr vorgeht.Ja das Buch ist anstrengend, aber ich finde es gelungen. Ich mag die Metaphern und ich mag den schwarzen Humor der Autorin.Ich hab auch einen Blogpost geschrieben, wenn ihr mal schauen möchtet:http://lohntdaslesen.de/rezension-wir-kommen

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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    • 2951
  • Nicht mein Fall

    Wir kommen

    TanyBee

    17. June 2016 um 13:46

    Nora lebt in einer ungewöhnlichen Beziehung: nämlich zu viert. Zwei Männer, zwei Frauen. Eigentlich sogar zu fünft, denn Leonie hat ein Kind. Das mag jung und wild klingen, in Wirklichkeit ist es in letzter Zeit eher anstrengend. Außerdem hat Nora nachts Panikattacken, der Therapeut rät ihr, ein Tagebuch darüber zu führen. Vielleicht kann ein Urlaub am Meer alles retten? Wir erleben die Geschichte aus Noras Perspektive, es scheint das Tagebuch gegen die Panikattacken zu sein, dass wir hier lesen. In Rückblenden erfahren wir auch etwas über ihre Kindheit und Jugend und von Maja. Maja war damals ihre Freundin und sie hat sie zu allerlei wildem Unsinn angestiftet. Nun zu meiner persönlichen Meinung: Nora ist mir furchtbar auf den Geist gegangen. Einerseits sucht sie einen Sinn im Leben, wie es wohl alle jungen Menschen tun. Sie ist überfordert mit den vielen Möglichkeiten, die ihr das Leben bietet und möchte am liebsten in Schockstarre ausharren, bis jemand kommt und ihr sagt: „So, nun steh mal auf und geh duschen.“ Auch die Viererbeziehung scheint nicht von ihr gewählt, sondern ist einzig aus der Angst vor Veränderung und Einsamkeit entstanden. Am meisten leid getan hat mir in diesem Buch das Kind, das völlig unbeachtet bleibt, während vier egozentrische Erwachsene um sich selbst kreisen. Zum Glück ist Jonas wenigstens etwas vernünftiger als die anderen und nimmt sich ihrer an. Der Schreibstil der Autorin ist eigentlich ganz angenehm und zwischendurch gibt es immer wieder tolle Sätze, die mitten ins Schwarze treffen. Es gibt auch viele Sätze, die sehr lustig sind. Aber insgesamt hat mich das Buch nur deprimiert und genervt. Vielleicht gehöre ich auch einfach einer anderen Generation an und stehe zu sehr mitten im Leben, um dieses Buch zu verstehen und gut zu finden. Fazit: Es gibt sicher eine Zielgruppe für dieses Buch, aber ich gehöre nicht dazu. Weil mir die Sprache der Autorin gut gefallen hat, gebe ich drei Sterne, die Handlung hätte weniger verdient.

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  • ....wenn Pessimisten Urlaub machen...

    Wir kommen

    Literaturchaos

    06. June 2016 um 20:20

    Ronja von Rönne war mir bis zu diesem Buch gänzlich unbekannt, hat aber anscheinend durch ihren Blog namens "Sudelheft", in dem sie über ihre - vielleicht nicht für jeden nachvollziehbare - Sicht der Dinge auf die Themen des Alltags schreibt, eine große Fangemeinde. Vermutlich deshalb wurde dieses Buch schon vor dem Erscheinen durch Presse, Internet und Werbung hochgehypt. Ich persönlich bin jedoch völlig unvoreingenommen an die Sache herangegangen, da mir der Name Ronja von Rönne, wie schon erwähnt, nichts sagte. Im Endeffekt kann ich aber nun sagen, dass Frau von Rönnes Art zu schreiben in kleineren Dosen, eben als Blog, mit Sicherheit funktioniert - 200 Seiten am Stück funktionierten bei mir jedoch nur mit Pausen dazwischen. Der Schreibstil der Autorin ist durchaus unterhaltsam und hat mich gerade zu Anfang des Romans oft zum Schmunzeln gebracht, dann verliert sich die angepriesene Schnodderigkeit und Kaltschnäuzigkeit allerdings immer mehr. Denn Frau von Rönne schreibt mitunter viel, hat dabei allerdings recht wenig zu sagen. Wiederholt sich oft, schweift immer wieder ab und kommt einfach nicht auf den Punkt. Dieses Abschweifen kann durchaus auch unterhaltsam sein, ist jedoch größtenteils sehr zäh. Vor allem fragt man sich als Leser dann doch hier und da "Was genau will sie mir jetzt eigentlich mitteilen?". Die Geschichte des Buches ist schnell erzählt: Zwei Frauen, zwei Männer, ein Kind, eine Schildkröte. Nora, Leonie, Karl, Jonas, Emma - Lou und 390 Gramm. Erzählt wird das Ganze aus Noras Sicht. Nora war mal mit Karl zusammen, der aber nun mit Leonie und ihrer Tochter Emma - Lou, die nie spricht, zusammenwohnt, was ihn nicht daran hindert, immer noch mit Nora ins Bett zu hüpfen, die ja eigentlich mit Jonas zusammen ist, der allerdings auch regen intimen Umgang mit Leonie pflegt. Karl, der gerade an einem Ratgeber über Glück schreibt (Ausgerechnet!), hat beschlossen, dass jeder mit jedem darf. Karl hat auch beschlossen, dass alle zusammen auf unbestimmte Zeit in den Urlaub in sein Strandhaus fahren. Also - Ihr ahnt es schon - fahren alle zusammen in den Urlaub in sein Strand Haus und lassen dort ihr Leben weiter ungenutzt an sich vorbeigleiten. Ganz genau so, wie sie es zuhause auch machen. Die Hauptprotagonistin Nora legt ein derart unterwürfigen Verhalten an den Tag, dass man sie am liebsten packen und schütteln möchte. Sie katzbuckelt, nimmt alles hin, stellt nichts in Frage, ist die Passivität in Person. (Übertroffen nur noch von Leonie, die ganz gerne mal über längere Zeit ihren Kopf gegen die Wand schlägt und sich auch von Karl schlagen lässt....) Wenn man nun bedenkt, dass Nora durch ihre Arbeit beim Fernsehen eine Person ist, die in der Öffentlichkeit steht, dann passt es meiner Meinung nach überhaupt gar nicht zusammen, dass sie dermassen unsicher ist und offenbar keinerlei Selbstbewusstsein hat. In einem zweiten Erzählstrang geht es um Maja, Noras Jugendfreundin, die offenbar gestorben ist. Nora will das trotz offizieller Einladung zur Beerdigung nicht wahrhaben, denn solche Dinge hat man schließlich immer miteinander abgesprochen. Und so schreibt sie eine Mail nach der anderen an Maja und fragt sich tatsächlich, warum keine Antwort kommt. Dass Nora schon lange in psychologischer Behandlung ist, wundert daher gar nicht. Bei Rückblenden in die Jugendjahre der beiden Mädchen, in denen stets Maja die Tonangebende und Bestimmende für jeden legalen und auch illegalen Blödsinn war und Nora die passive Mitläuferin (Was für eine Überraschung!), verfällt die Autorin leider in eine Art teenie-tussihaftes Gelabere, das mich persönlich ziemlich genervt hat. Unter'm Strich kann ich zu diesem Buch sagen, dass Ronja von Rönne offenbar versucht, zu polarisieren, indem sie alle ihre Protagonisten anders darstellt. Anders als üblich, anders als jene Leute, mit denen Du und ich befreundet sind oder befreundet sein wollen, jedoch gleich in ihrer Andersartigkeit: ignorant, egomanisch, passiv, depressiv, destruktiv, psychisch labil, rücksichtslos, negativ denkend. Sympathie mit den Figuren? Fehlanzeige! Die einzige "Protagonistin", die mir in diesem Buch als normal und positiv erschien, ist eine Schildkröte namens "390 Gramm". Und die ist am Ende tot....

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  • Wir kommen

    Wir kommen

    rallus

    Maja ist tot. Jedenfalls kam da so eine Karte. Aber das kann nicht sein, da Maja immer vorher Bescheid gegeben hat wenn sie etwas tut. Wie war das eigentlich noch als man jung war? Oder wie ist das eigentlich heute, wenn man jung ist? Da muss man doch cool und anders sein. Sich hervorheben, etwas Neues tun, hip sein. Und das wird immer schwieriger. “Heute schleppte sich dahin und wollte einfach nicht morgen werden. Wir lagen zu viert auf der Couchlandschaft und sahen auf den Fernseher und stritten über Zeug, das uns beschäftigte, weil uns sonst wenig beschäftigte. Es ging vage um Politik, Popkultur, Geschlechterrollen und Literatur.” Die vier, um die es in diesem Buch geht, sind Jonas, Karl, Leonie und Nora, die Ich-Erzählerin. Ach ja, Leonie hat ein Kind, Emma-Lou, das nicht spricht. Alle vier sind jung, haben eine gute Arbeitsstelle oder sind selbstständig und leben in einer Viererbeziehung zusammen. Alle haben miteinander Sex, wobei dies nur zart angedeutet wird und nicht wichtig ist. Alle vier langweilen sich. “Später blätterte er auf meinem Bett in einem Erziehungsratgeber. Ich sah ihm einige Zeit dabei zu, dann sortierte ich meine Bücher nach Farben. Ihm machte es Sorgen, dass Emma-Lou so wenig spricht. Mir macht es Sorgen, dass er in meinem Bett ein fremdes Kind interessanter findet als mich.” Um ihre Beziehungen aufzufrischen, fahren sie in ein Haus am Strand um dort zusammen – ja was? Den Sinn des Lebens herausfinden, zu philosophieren? Den Dingen Sinn aufzuladen? “Ich vertrieb mir die Zeit damit, Dinge mit Symbolik und Metaphorik zu beladen. Schweigen? Metapher. Intakte Matratzen? Metapher. Gemeinsames Lied? Wie trinkt der andere seinen Kaffee? Metapher, Metapher, Metapher. Lauter Dinge, die krampfhaft versuchen, mehr zu sein, als sie nun einmal sind, nämlich gottverdammter Kaffee oder eine gottverdammte Matratze. Dinge, die sich irgendwann dafür rächen würden, dass wir sie mit Metaphorik beladen.” Maja wusste früher immer, was zu tun war. Maja hatte auf alles eine Antwort, aber Maja meldet sich nicht. Und Maja wird so dringend wie noch nie gebraucht von Nora. “Die nette Frau sah sehr besorgt aus, erklärte uns, dass das Klima sich bald ändern werde und dass wir schuld an allem wären und über kurz und lang auf diesem verwüsteten Planeten sterben würden. Eher über kurz. Ich kuschelte mich an Maja, und sie sagte: ‘Wir müssen halt in Zukunft die Bierdosen in den Glascontainer werfen und nicht auf die Straße, dann kriegen wir das mit dem Klimawandel schon in den Griff.’ Ich nickte.” Vielleicht funktioniert eine Party. Eine Party mit allen Personen die man kennt, das erfrischt das Leben, es kommt Bewegung in die bleierne Zeit. Aber auch eine Party ist mit Stereotypen besetzt, nicht mit Personen oder mit Leben. Da werden Menschen in interessante neue Schubladen gesteckt. “Die Frau sah aus wie jemand, der gern brunchen geht und seinen Laptop ‘Schlepptop’ nennt. Ihr Freund stand daneben und sah aus wie jemand, der Wortspiele wie ‘Schlepptop’ lustig findet.” Doch insgesamt verfliegt die Langeweile nicht und wer hat eigentlich Schuld? Insgesamt ist man doch so beladen mit Zeit und Ereignissen, dass man gar nicht anders reagieren kann. ” … und Jonas erklärte, dass alles okay sei, wir seien die Generation, die aufarbeitet, Epigenetik heiße das, wir seien die wohlbehütetste und depressivste von allen Generationen, wir verarbeiteten die Kriege unserer Großeltern, wir verarbeiteten abgeschossene Beine, verlorene Söhne, wir verarbeiteten Schützengräben. Wir müssten keinen Grund für unsere Traurigkeit haben, sie sei uns bleiern in die DNA gegossen, sagte Jonas.” Nora hat da aber eine andere Sicht der Dinge: “Natürlich war es nicht die Epigenetik. Natürlich ist es unsere neurotische Hyperreflexion, das ständige Hinterfragen der eigenen Rolle, die manische Beschäftigung mit uns selbst, die Zeit, die sich öde und unendlich vor uns ausbreitet und die vage Langeweile unserer sandigen Leben.” Hier brennt nichts mehr, Asche brennt nun mal nicht. Nora verliert sich in Gedanken, in Metaphern, kommt zu keinem Ziel, was ist nur mit dieser Generation los, wovon träumt sie, ist dies ein intellektueller Poproman? “Und am Ende stirbt einer. Klar. Wir sind doch kein verdammter Poproman.” Ich kenne den Blog von Ronja von Rönne nicht. Ich bin auch kein hochgestochener Literaturkritiker. Ich beurteile dieses Buch nicht nach ihrem Blog, oder Dingen die sie gesagt oder getan hat, wie ich es oft in Kommentaren zu dem Buch gelesen habe. Das Buch sollte unabhängig davon betrachtet werden! Ich lese Bücher, um unterhalten zu werden und mir einen Eindruck von der Gesellschaft zu machen in der diese AutorInnen leben und Bücher schreiben. Ich finde Ronja von Rönne ist ein beeindruckendes Buch gelungen das mit der Sprache spielt, Worten andere Bedeutungen gibt, die Zuordnungen der bekannten Begriffe durchwirbelt, unterhält und mich witzig von einer Sackgasse in die andere getrieben hat. Wobei so mancher Witz einem im Halse stecken bleibt. Klar, so manches klingt etwas glatt und gewollt, aber in dem Buch kommen diese Kommentare so angenehm in der Situation passend rüber, dass sie nicht einzeln betrachtet werden sollen. Wir kommen ist ein kluger Blick auf die neue Generation, die da kommt, gelungen. Und, das Buch nimmt sich selber nicht ganz ernst. Das hat mir am meisten gefallen. Ein Höhepunkt dieses Jahres und ein ganz großes Debüt von einer jungen Autorin, die ihren Weg sicher noch findet und mit einem großen Talent ausgestattet ist. Und am Ende führen alle Wege zur Kindheit, zu Maja.

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    rallus

    14. May 2016 um 11:45
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