Wir kommen

von Ronja von Rönne 
3,3 Sterne bei56 Bewertungen
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Angst vor dem Alleinsein und eine gnadenlose Passivität - versteckt unter dem hübschen Mäntelchen eines hippen Lifestyles. Grandios!

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Flach. Anstrengend. Überbewertet.

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Inhaltsangabe zu "Wir kommen"

„Ronja von Rönne wischt das Blau vom Himmel.“ Georg Diez, Der Spiegel

„Maja ist nicht tot. Wenn Maja gestorben wäre, hätte sie mir davor Bescheid gesagt. Solche Dinge haben wir immer abgesprochen.“

Wenn jemand stirbt, zieht man sich schwarze Kleider an und geht zur Beerdigung. Oder man flieht gemeinsam mit seinen drei Beziehungspartnern und einer Schildkröte ans Meer. Nora entscheidet sich für Letzteres. Als ob Polyamorie helfen würde. Als ob Flucht helfen würde. Als ob man den Dämonen der Vergangenheit so einfach entkommt.

„Wir kommen“ ist ein radikales Buch, rasend komisch in seiner Verzweiflung und poetisch in seiner Grausamkeit – von einer der wichtigsten Autorinnen ihrer Generation.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746633596
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:208 Seiten
Verlag:Aufbau TB
Erscheinungsdatum:04.12.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 04.03.2016 bei Aufbau audio erschienen.

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    Buchstabenliebhaberins avatar
    Buchstabenliebhaberinvor 13 Tagen
    Kurzmeinung: Angst vor dem Alleinsein und eine gnadenlose Passivität - versteckt unter dem hübschen Mäntelchen eines hippen Lifestyles. Grandios!
    Die Abgründe hinter den hübschen Fassaden

    Nora ist so passiv, dass es weh tut. Dass ich sie schütteln möchte. Ich mag solche Menschen nicht, die immer abwarten, was andere sagen, die ihr Fähnchen in den Wind hängen, die mitmachen, die reagieren. Die niemals agieren, vorangehen, eigene Entscheidungen treffen. Furchtbar!


    "Wir kommen" ist aus der Sicht von Nora geschrieben. Nora arbeitet beim Fernsehen, ist jung, erfolgreich, attraktiv. Sie ist etwas besonderes, denn sie lebt polyamor mit Karl, Jonas und Leonie. Eine Viererbeziehung. Allerdings nicht ihre Idee, Karl ist der Macher, die treibende Kraft und Kontrollinstanz dieser Beziehung. Die drei anderen trudeln mit. Aber irgendwie ist die Luft raus. Ein Aufenthalt im Haus am Meer soll frischen Wind in die angeschlagene Beziehung bringen.

    "Selbst das Strandhaus versprach nichts, als wir schließlich ankamen, sondern stierte uns nur ratlos an."(S.59)

    "Der Tag lag leer vor mir herum, nur notdürftig strukturiert von Grundbedürfnissen."(S.132)

    Parallel dazu erzählt Ronja von Rönne Szenen aus Noras Kindheit, ihre Freundschaft mit der wilden Maja, die Farbe und Action in ihr schon damals sehr ödes, stilles Leben bringt. Maja, Tochter einer alleinerziehenden Alkoholikerin, schlägt ständig böse über die Stränge und weiß genau, was sie will. Nora folgt ihr, dankbar, dass endlich jemand Leben in ihr Leben bringt.

    Später löst der Junge Karl Maja ab, bis Leonie in Karls junges Erwachsenenleben tritt. Karl beschließt allerdings, dass er beide Frauen behalten will, und die beiden ordnen sich unter. Für Nora wird der missmutige Jonas hinzugefügt, der aber lieber mit Leonie und ihrem Kind Emma-Lou seine Zeit verbringt. Kein idealer Zustand, aber besser als nichts, außerdem lässt sich diese Konstellation als außergewöhnlich und besonders verkaufen. Keine gewöhnliche, langweilige Zweierbeziehung, hurra. Und gegen die Langeweile wird eine große Party ausgerichtet, um sich und den anderen zu beweisen, wie toll man doch ist.

    Ronja von Rönne beschreibt das Innenleben von Nora auf eine fantastische Art und Weise. Als Paniktagebuch. Jede Nacht wird Nora von der Panik geweckt. Kein Grund für sie, nicht wie gewohnt weiterzumachen, etwas anderes hat sie nie kennen gelernt. Einfach abwarten, ob sich etwas von alleine ändert oder ein anderer die Richtung ändert. Das gesamte Buch wartet sie auf eine Nachricht von Maja - obwohl sie weiß, dass keine kommen wird? Oder doch?

    Ich mag es, wenn mir die Protagonistin so zutiefst unsympathisch ist. Wenn mir jemand Charaktere und deren Beweggründe (tolles Wort für passive Menschen!), die herrlich idiotisch und sich selbst in die Tasche lügend sind, so begreiflich machen kann. 


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    eulenmatzs avatar
    eulenmatzvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Hat mich nicht restlos überzeugt
    Mal wieder zwiegespalten

    INHALT:


    In Noras Heimatort gehört es sich, den Nachbarn zu grüßen, den Rasen zu mähen und am Ende des Lebens zu sterben. Dass sich plötzlich ausgerechnet Maja, Noras beste Freundin aus Kindheitstagen, an diese althergebrachten Regeln hält und einfach stirbt, kann Nora nicht glauben. Für eine Beerdigung hat Nora ohnehin keine Zeit: Nachts wecken sie Panikattacken, sie muss sich um eine Schildkröte kümmern und ihre einst so progressive Beziehung zu viert droht auseinanderzubrechen. Und dann fährt auch noch ihr Therapeut in Urlaub. Bis zu seiner Rückkehr soll Nora ihre Tage in einem Tagebuch dokumentieren. Also berichtet sie, wie sie sich mit Karl, Leonie, Jonas und einem schweigenden Kind ans Meer flüchtet, um das Verschworene zwischen ihnen zu retten. Doch statt hoffnungsvoller Zukunft drängt sich immer mehr Noras Vergangenheit in den Vordergrund. Es muss doch etwas geben, denken die vier, das sie wieder zusammenzuschweißen vermag, ein großes Fest etwa. Oder ein Mord.


    MEINUNG:


    Ich habe von Ronja von Rönne bereits Heute ist leider schlecht gelesen, wobei dies nicht ganz vergleichbar, denn Wir kommen ist ein Roman, dennoch erkennt man Ronja von Rönnes Erzählerstimme definitiv wieder. Schon bei erst genannter Veröffentlichung bin ich geschwankt zwischen „Super geschrieben. Mehr davon.“ und „Mhm, erreicht mich jetzt gar nicht. Habe ich Morgen schon wieder vergessen.“


    Der Einstieg in das Buch gelang mir recht leicht. Auch die Sprache faszinierte mich sofort und ich dachte, dass das hier etwas ganz Großes werden wird. Leider trat dann doch die Ernüchterung ein. Zunächst war für mich gar nicht so klar, ob Maja wirklich tot war. Nora verkaufte es mir in ihrer Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens als könnte es tatsächlich nicht passiert sein. Auf jeden Fall merkt man, dass Maja eine wichtige Person für Nora war. Immer wieder schwelgt Nora in Erinnerungen und lässt den Leser daran teilhaben.


    In der Gegenwart leidet Nora unter Panikattacken. Ihr Therapeut hat ihr aufgetragen diese zu Papier zu bringen. Das macht sie auch. Das Buch liest sicher daher wie ihr Tagebuch, da es auch in der Ich-Perspektive geschrieben ist. Und hätte Nora nicht schon genug Probleme, kommt noch diese Beziehung zu viert dazu, bei der sofort spürbar ist, dann hier etwas im Ungleichgewicht ist. Die Idee war zumindest mal etwas Neues. Nora war zuerst mit Karl zusammen, ihr Freund aus Kindheitstagen, der auch Maja kannte. Dann kam Leonie mit ihrer kleinen Tochter, die nicht spricht, dazu und Karl führte auch mit Leonie eine Beziehung. Dann gibt es noch Jonas, der scheinbar der Vater von Leonies Kind ist und in den Nora sich dann verliebt. Das Konstrukt ist mehr als schwierig und niemand scheint wirklich glücklich zu sein. In meinen Augen leider ein ziemlich verkorkster Haufen, der Nora nicht den nötigen Halt, Liebe und Geborgenheit bietet.


    Das wäre ja noch alles ok, wenn es irgendwie eine Handlung gegeben hätte. Für mich war die nicht so richtig erkennbar. Ging es um die Rettung der Vierer-Beziehung oder um den Umgang mit dem Abschied von Maja? Vielleicht etwas von Beidem. Dennoch verliert sich das Buch oft in Belanglosigkeiten und ist dann auch relativ abrupt zu Ende. Für mich mehr ein Tagebuch als ein Roman bzw. eine in sich abgeschlossene Handlung.


    FAZIT:

    Hier hat sich leider gezeigt, dass ein großes Sprach- und Schreibtalent wie Ronja von Rönne es definitiv ist, nicht immer ausreicht, um eine Geschichte mit nachvollziehbarer Handlung aufs Papier zu bringen. Trotzdem würde ich gerne noch etwas von ihr lesen wollen.


    Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

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    J
    JoDvor einem Jahr
    Es lohnt sich.

    Vorab: Das Buch hat mir sehr gefallen. Die Sprache ist einfach und eingängig und doch, so scheint es, sehr bewusst gewählt. Der Roman berührt, indem er dem Leser das Gefühl gibt, sich in der zwischen Zynismus, Selbstreflektion und tiefer Traurigkeit verhedderten Gedankenwelt eines anderen Menschen zu befinden. Die Protagonistin beschreibt ihr Leben wie das eines anderen und kreist dabei doch um Ergebnisse und Erkenntnisse herum. Sie drückt sich davor, das Erahnte auszusprechen, aus greifbarer Angst, es könnte sonst reale Wahrheit werden und nach Konsequenzen verlangen.


    Bedenkt man das Alter der Autorin, freut man sich darauf, was man potentiell noch zu lesen bekommen wird.

    Trotzdem: es stört etwas an dem Buch. Es ist ein Gefühl, das mich bei Christian Krachts „Faserland“ ebenso umgetrieben hat wie bei Martin Walsers „Ohne einander“. Ein Gefühl des „was hat das mit mir zu tun?“. Die Personen in „Wir kommen“ sind so egozentrisch und selbstfixiert, dass sie spontanes Kopfschütteln hervorrufen. Es geht den Protagonisten nur und ausschließlich um die eigene Selbstverwirklichung. Das Kind, das der Roman als stumme Randfigur führt, ist nichts als eine Projektionsfläche der eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Neurosen der Erwachsenen.
    Was ist die Botschaft dieser Überzeichnung von Egoismen. Das ist Die „Generation Y“?


    Auffällig ist, dass alle Charaktere in der Welt der Kunst und Kreativität ihr offenbar auskömmliches Einkommen finden. Auf der Party, auf die das Buch hinläuft, bestätigt und ironisiert die Autorin diesen Ansatz, indem sie gar „ehemalige Zukunftsforscher“ auftreten lässt. Die Gäste der Party sind dabei ebenso egomanisch wie die Protagonisten selbst.


    Damit lässt das Buch den im konventionellen Bürgertum sein Dasein fristenden Leser mit dem Gefühl zurück, die Welt der Kreativen, Künstler und Kulturschaffenden, also all jener, die nicht morgens um 08:00 in einem Büro sein müssen, sei durchsetzt von selbstfixierten Neurotikern und ganz viel Traurigkeit, die mühsam mit intellektuellem Glanz übermalt wird.


    Dies alles ist mitnichten Kritik an der Qualität des Buches, welches sich in jedem Fall zu lesen lohnt. Der Blick in die Erlebnis-Blase der kreativ-schaffenden ist kein schlechter. Gleichwohl darf man gespannt sein, in welchem Mikrokosmos das nächste Buch der Autorin spielt.

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    Linatosts avatar
    Linatostvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine Tagebuch, beschreibt den Versuch zu viert in einer Beziehung gegen die Welt und dabei nur sich selbst zu retten...
    Der Einblick in ein Panikattackentagebuch

    Ich mag die Idee des Buches sehr. Wir lesen das Tagebuch von Nora, in das Sie immer schreibt, wenn eine Panikattacke sie gerade überrollt. Sie ist seit ihrer frühen Jugend mit Karl zusammen. Sie beide verbindet das gemeinsame Aufwachsen und eine Freundschaft zu einem Wildfang namens Maja. Aber leider schien das nicht mehr für die Liebe zu reichen und statt sich zu trennen, brachte Karl neue Menschen in die Beziehung. Jetzt führen sie eine Beziehung zu viert, weil es besser als eine Beziehung zu zweit ist, weil dann wirklich immer irgendjemand für irgendjemanden da ist! Nur Leider passen diese vier so gar nicht zu einander und das einzige was eine Weile funktioniert ist, nicht allein sein zu müssen. Da hilft auch eine Strandurlaub und eine Party um zu zeigen wie toll sie sind nicht mehr.

    Auch wenn der nüchterne Schreibstil aus der Ich Perspektive mich wirklich begeistern konnte brauchte ich ein paar Seiten um rein zu kommen. Dann konnte mich dieses Buch aber durchaus faszinieren. Nora ist eine kluge, witzige Protagonistin. Völlig nüchtern erzählt Sie und von ihrem verbrachten Tagen und stellt dabei ihre Beobachtungen an.

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    BookLover00vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Generation Y und so ...
    Generationenroman der keiner sein will - eigentlich

    Ich bin Rönne-Fan! Ein schmaler Debütroman dem es an spritzigen ironischen aber trotzdem fesselnder Sätzen nicht fehlt. Als Mittzwanziger (Generation Y und so) hat mich das Thema gleich angesprochen, nicht aus dem Grund, dass die polyamoröse Liebesbeziehung eben nun mal zu meiner Generation passt, sondern weil ich mich mit den Charakteren identifizieren kann und der Leser in der Geschichte auf eine schöne Weise gefangen wird. Schreibstil ist einzigartig und es macht einfach Spaß dem Gedankenfluss von Ronja zu folgen! Ganz klare Leseempfehlung! 

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Roman wie ein extrem langer, depressiver Blogbeitrag, dessen Sinn weitestgehend hinter Geplänkel verborgen bleibt.
    Farblose Charaktere, alles vorhersehbar, schwieriger Stil: Ein Debut sinnfrei und depressiv

    "Wir kommen“ ist der Debütroman der Bloggerin und Journalistin Ronja von Rönne. Seit 2012 betreibt sie ihren Blog „Sudelheft“, seit 2015 ist sie als Journalistin für „Die Welt“ tätig.

    Zur Handlung

    Als Noras Therapeut in den Urlaub fährt, erhält sie die Aufgabe, diese Zeit in einem Tagebuch zu dokumentieren. So will sie die Gründe für ihre nächtlichen Panikattacken ergründen. Nach der Todesnachricht ihrer Schulfreundin Maja reagiert Nora mit Verleugnung und auch ihre früher so moderne Viererbeziehung steht auf der Kippe. Um deren Ende zu verhindern, fährt Nora mit Leonie, deren schweigsamer Tochter, Karl und Jonas in ein Haus am Meer. Als sie merken, dass diese Flucht allein ihre Viererbeziehung nicht rettet, planen sie ein großes Fest, um sich ihr Glück zu verdeutlichen.

    Beurteilung
    Das schlichte Cover weckte meine Neugierde: Wer kommt und wohin? Noras Tagebuch beginnt spannend und vielversprechend. Doch leider gelingt es Ronja von Rönne nicht, diese Spannung zu halten. Vor allem fehlten mir unvorhersehbare Wendungen.

    Sämtliche Figuren wirken deprimiert und unausstehlich, so dass ich mit niemanden mitfiebern kann. Der Umgang miteinander ist leiblos. Und da wundern sich die Figuren noch, dass ihre Viererbeziehung zum Scheitern verurteilt ist?! Probleme und andere wichtige Dinge werden totgeschwiegen. Selbst wer der Vater von Leonies Tochter ist, interessiert niemanden, denn dann hätte man ja tatsächlich etwas zu besprechen.

    Der Schreibstil will hipp und modern wie ein gewaltiger Blogbeitrag herüberkommen. Sicher gibt es Leser für diesen Stil. Ich empfand es mit der Zeit als anstrengend. Von Rönne sagt viel und philosophiert herum, ohne jedoch wirklich etwas auszusagen. Dabei gäbe es Potenzial in der Handlung.

    Positiv: von Rönne gelingt es, den heutigen Zeitgeist der hippen Gesellschaft einzufangen. Die Protagonisten feiern eine große Party, um daran erinnert zu werden, wie gut sie es in ihrer Viererbeziehung haben und wie glücklich sie doch sind. Außendarstellung vom Feinsten. Was wirklich wichtig ist, bleibt auf der Strecke. Egal, wie kaputt ihre Beziehung ist, der Schein wird immer gewahrt. Der Schluss ist ebenso vorhersehbar wie hoffnungslos.

    Fazit
    Ein Roman wie ein extrem langer, depressiver Blogbeitrag, dessen Sinn weitestgehend hinter Geplänkel verborgen bleibt.

    Danke an die Autorin der Rezension Sarina Wood
    www.sarina-wood.de

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    Arunika_Senaraths avatar
    Arunika_Senarathvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Einfach anders und deshalb interessant
    Gelungenes Debut

    Einfach anders und deshalb interessant

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    Sumsi1990s avatar
    Sumsi1990vor 2 Jahren
    Wir kommen


    Nora führt eine Viererbeziehung mit ihrem Exfreund Karl, Jonas und der jungen Mutter Leonie. Beruflich ist sie Schauspielerin und gehört einem eigenen, kreativen, offenen und psychisch labilen Teil der Jugendgesellschaft an. 


    Die Geschichte entführt uns in Noras Leben, das sicher bei einigen Lesern ein Unbehagen auslöst. Sie verhält sich verantwortungslos, ist unzufrieden, unorientiert und egoistisch! Im Fokus des Romans steht die Beziehung zu Noras Schulfreundin Maja, welche offensichtlich gestorben ist, auch wenn die Protagonistin dies nicht wahrhaben will. Deren Geschichte wird in einigen Rückblenden in die Schulzeit aufgearbeitet.


    Da das Verhältnis in der monogamen Beziehung der 4 Freunde in der Gegenwart nicht besonders rosig ist, entschließen sich diese alles stehen und liegen zu lassen, um gemeinsam Urlaub in Karls Strandhaus zu machen. Doch ist dieser Ausflug für den Zusammenhalt der vier schwierigen Menschen nicht förderlich...


    Das Buch ist leicht zu lesen und stellt vom Schreibstil her keine Herausforderung dar. Ich mag jedoch Romane, die einfach, aber mit Tiefgang sind. Ebenso bin ich sehr interessiert an anormalen Lebensformen und mag Kritik an unserer verzogenen Generation. Man sollte bei diesem Buch jedoch ein Händchen für "zwischen den Zeilen lesen" haben!


    Mir hat das Buch gut gefallen und ich froh es gelesen zu haben. Jedoch ist es für mich kein Roman, der mich noch lange beschäftigen wird und wohl auch schnell wieder vergessen sein wird! Außerdem war mir das Ende ein wenig zu kurz und zu viele Punkte sind schlussendlich offen geblieben!

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    solveigs avatar
    solveigvor 2 Jahren
    Locker, flott und pointiert

     

    Das Leben  -  ein Spiel, in dem jeder Mensch seine Rolle spielt?

    Heute hatten wir alle gut performt, unsere Rollen gefunden, die schon morgen wieder bröckeln würden…“   -  in diesem Statement von Nora, der Protagonistin, schwingt eine gehörige Portiuon von Ironie mit. „Wir“, das sind die Ich-Erzählerin Nora, ihr Partner Jonas und das befreundete Paar Leonie und Karl. Sie leben in einer offenen, progressiv scheinenden Vierer-Beziehung, die sich gegen die traditionelle Paarbeziehung richtet. Sehr offen und nicht ohne Humor schildert Nora in Tagebuchform ihr Bündnis, das den jungen Leuten ein Gefühl der Sicherheit verleiht. Es bedeutet für sie „…eine klassische Beziehung, nur eben verteilt auf vier Säulen, damit nicht alles sofort zusammenkracht, wenn einer schwächelt."  Dennoch, auf lange Sicht lassen sich „traditionelle“ Gefühle wie Liebe oder Eifersucht nicht unterdrücken, ebensowenig wie die Angst vor dem Altwerden. Locker, aber pointiert schreibt die junge Autorin Ronja von Rönne über das in jeder Generation wiederkehrende Gefühl, vieles anders machen zu wollen als die Eltern, um ihre Probleme zu lösen. Sie macht dem Leser klar: jung sein bedeutet nicht, sorgenfrei zu sein! Aber sie dramatisiert auch nicht.

    Noras gegenwärtiges Leben, erzählt in ihrem Tagebuch, wird von einer viel älteren, sicherlich  der wichtigsten und prägendsten Beziehung in ihrem Leben überblendet: die Kinder- und Jugendfreundschaft zu Maja, die ihr stets sagte, was sie tun sollte und Entscheidungen abnahm. Aber Maja ist gestorben, und Nora ist unfähig, ihre Entscheidungen selbst zu treffen. Und so läuft alles äußerlich scheinbar gut weiter, während es in ihrem Inneren brodelt. Bis schließlich doch etwas passiert…

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    Osillas avatar
    Osillavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Es handelt sich um einen Roman mit wenig Handlung aber viel Innendarstellung. Die Meinungen der Leser werden wohl stark auseinanderdriften.
    Ein Roman über die Gegenwart, über Chaos und psychische Instabilität.

    Wir […] stritten über Zeug, das uns beschäftigt, weil uns sonst wenig beschäftigt. (Seite 24)


    Wir kommen behandelt aktuelle Themen die wohl viele hier und da betreffen. Wo steht man im Leben? Wo will man hin? Ist man glücklich mit seinem Leben? Wie ändere ich etwas in meinem Leben, was mich unglücklich macht, aber doch mein Leben strukturiert? Es handelt sich um einen Roman mit wenig Handlung aber viel Innendarstellung. Die Meinungen der Leser werden wohl stark auseinanderdriften. Entweder man mag es, oder man mag es nicht.

    Ronja von Rönne (1992 geboren) lebt in Berlin und Grassau. Sie arbeitet als Redakteurin im Feuilleton der Welt und bloggt auf ihrer Seite, dem Sudelheft. Der Roman Wir kommen ist ihr Debüt.

    Nora ist die Hauptfigur von Wir kommen. Ihre Freundin Maja aus Kindheitstagen ist tot, doch das will und kann Nora nicht glauben. Da Nora nachts immer wieder Panikattacken hat, geht sie zum Therapeuten. Doch zu allem Unglück in ihrem Leben macht dieser nun Urlaub und rät ihr, ihre Gefühle in einem Tagebuch festzuhalten. Und genau diese Tagebucheinträge gestalten das Buch. Nora berichtet also über ihr Leben, welches keine besonderen Höhepunkte aufzuweisen scheint. Sie befindet sich mit Karl, Leonie und Jonas in einer Vierer-Beziehung, die keinen von ihnen glücklich zu machen scheint. Außerdem ist da noch Leonies Tochter, ein immerzu schweigendes Kind. Ihre Beziehung droht auseinander zu brechen und so beschließen sie, selbst eine Auszeit am Meer zu machen und flüchten regelrecht aus ihrem Alltag.

    Zunächst einmal muss ich zugeben, dass bei der Durchsicht des Verlagsprogramms bei mir erst einmal kein Interesse an diesem Werk geweckt wurde. Erst durch einen erneuten Hinweis in Form des Blogger Newsletters wurde ich auf dieses Buch aufmerksam. Genau genommen hat das Thema Mutismus mein Interesse an dem Buch geweckt. Ich bin selbst Mutter eines zeitweise schweigenden Kindes und da hat mich das Thema gleich interessiert. Vielleicht bin ich deshalb mit einer falschen Hoffnung in dieses Buch gestartet. Denn das schweigende Kind ist eigentlich nur Beiwerk einer Geschichte um das völlig chaotische und aus den Fugen geratene Leben vierer Personen. 

    Wir seien vier Egoisten, die sich vor lauter Angst aneinanderklammerten, obwohl wir uns eigentlich hassten. Es gebe kein Konzept, und es habe nie eins gegeben, denn Angst-vor-allein-Sein sei kein Konzept, sondern feige. (Seite 182)

    Die Melancholie in der Gruppe ist deutlich spürbar: „heute hatten wir alle gut performt, unsere Rollen gefunden, die schon Morgen wieder bröckeln würden“ (Seite 62). Nora ist zutiefst verzweifelt, sie kann und will ihr Leben nicht selbst bestimmen und so begibt sie sich immer wieder in die Abhängigkeit anderer. Zunächst in Majas, dann ins Karls. Außerdem flüchtet sie sich in Tagträume. Die Panikattacken in der Nacht scheinen auf ein tiefes Trauma hinzuweisen. Das Mädchen Emma-Lou, welches kaum spricht, scheint in Nora eine Stütze zu suchen. Doch Nora kann diese Stütze nicht sein, da sie selbst kurz vor dem Zusammenbruch steht. Merkwürdig ist hier die Position, die Nora einnimmt. Zum einen scheint sie zu spüren, dass der Mutismus des Mädchens krankhaft ist und empfindet Mitleid mir ihm, doch gleichzeitig ist sie nicht in der Lage ihre Meinung und ihre Gefühle darüber und über ihr eigenes Dasein zu äußern. Die Geschichte treibt vor sich hin. Die Protagonisten strampeln im seichten Gewässer „um zu retten, was schon kaputt schien“ (Seite 81) „und das letzte, was [Nora] wollte, war loslassen“ (Seite 68).
    Am Ende der Erzählung werden einige offene Fragen aufgelöst. Was hat es mit Maja und ihrem Tod auf sich? Wer ist der Vater von Emma-Lou? Eigentlich ist der Höhepunkt der Erzählung der Schluss und man fragt sich, ob nach dem ständigen Chaos wirklich so leicht eine heile Welt entstehen kann.

    Insgesamt war das Buch für mich eher mittelmäßig und ich konnte mich einfach nicht mitreißen lassen. Für mich ergab das Verhalten der Protagonisten keinen Sinn. Das Thema des mutistischen Kindes ist ein Beiwerk, das meines Erachtens zur Handlung nicht wirklich etwas beitrug. Auch, das Leonie keine Anstalten macht, ihrem Kind zu helfen, wirkt für mich unglaubwürdig. Mein Fazit, kann man lesen, muss man aber nicht. Schade, denn eigentlich ist die Geschichte dahinter wirklich vielversprechend.


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    Gespräche aus der Community zum Buch

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