Tomás Eloy Martínez Santa Evita

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Inhaltsangabe zu „Santa Evita“ von Tomás Eloy Martínez

Eva Perón alias Evita wurde zu Lebzeiten als argentinische Göttin und nach ihrem frühen Tod als Heilige der Armen gefeiert. Ihr Leben wurde zum Mythos, ihr einbalsamierter Körper zur Reliquie. Virtuos, erzählmächtig und ironisch verbindet Tomás Eloy Martínez in seinem Meisterwerk Biografie, Klatsch und Legende: ›Santa Evita‹ ist der Roman Argentiniens.

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  • Rezension zu "Santa Evita" von Tomás Eloy Martínez

    Santa Evita
    Herbert Fraunhoffer

    Herbert Fraunhoffer

    17. August 2010 um 15:20

    Evita Duarte Peron: sie spielte und spielt immer noch eine große Rolle im Leben der Argentinier und wird auch hierzulande immer wieder in Erinnerung gerufen, meist jedoch durch das weltbekannte und verklärende Musical von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice. Tomás Eloy Martínez hat sich in seinen Büchern viel mit den Peróns beschäftigt, sein Prinzip ist die geschickte Mischung von Dokumentation und Fiktion. In einem Interview sagte er einmal: “In einem Land wie Argentinien, dessen Geschichte seit dem 19. Jahrhundert mit Lügen geschrieben ist, musste ich mir einen eigenen Weg suchen, um der Vielschichtigkeit der Wahrheit gerecht zu werden. Journalismus und Literatur sind für mich das Gleiche. Den Unterschied markiert der Leser. Der Journalismus zwingt den Autor dazu, die Tatsachen so darzustellen, wie sie ihm erscheinen. Und der Leser vertraut dem Wahrheitsgehalt. Im Roman hat der Autor größere Freiheiten, aber der Leser weiß, dass er ihm nicht glauben darf.” Nach seinem Roman über General Perón “Der General findet keine Ruhe” („La novela de Perón“). Suhrkamp, Frankfurt/M. 1999, ISBN 3-518-41049-0, erschien 1995 “Santa Evita” (1997 deutsche Ausgabe: Suhrkamp, Frankfurt/M. ISBN 3-518-40843-7), der laut Deutschlandradio zum wohl meistgelesenen argentinischen Roman aller Zeiten geworden ist. Im Interview sagte T. E. Martinez zum Buch: “Ich habe mich ihr nicht mit Sympathie genähert, sondern mit großem Misstrauen. Als ich das Buch zu schreiben begann, wusste ich nicht genau, welche Haltung ich ihr gegenüber einnehmen sollte … Denn Eva vertritt meines Erachtens auch sehr negative menschliche Aspekte: Intoleranz, Fanatismus, Gewalt, quasi Faschismus. Andererseits empfand ich einen tiefen Respekt vor ihrer Aufrichtigkeit und ihrer Treue gegenüber einer Sache, die sie für gerecht hielt und die auch gerecht war.” Im Buch geht es um Evita, eigentlich um ihren balsamierten Leichnam und dessen aberwitzige, makabre Reise rund um die Welt und um die Jagd der unterschiedlichsten Menschen nach diesem Leichnam und ihren Gründen. Dass diese Jagd, nach zeitweise bis zu 4 Wachskopien der Leiche, viel Stoff für einen Roman hergibt steht ausser Frage. Schon die wahre Geschichte, die nach dem Tod Evitas, 1952, mit ihrer Einbalsamierung einsetzt ist so was von grotesk, dass sie allein schon Bücher füllt. Martinez hat sich der Geschichte sacht genähert, er zeichnet ein fast vollkommenes Bild von Evita, er zeigt in Rückblenden alle Aspekte ihres Lebens, von der unbekannten jugendlichen Radiosprecherin, die mit allen Mitteln nach oben möchte, bis zur mythischen, von der tödlichen Krankheit gezeichneten Präsidentengattin. Der Weg zur Heiligen, zur Santa Evita wird en Detail beschrieben. Seine eigene Beziehung zu ihr, die von Bewunderung bis Angst reicht, nimmt einen ebenso wichtigen Teil im Buch ein, wie seine Nachforschungen, Interviews mit Zeitgenossen und Evita nahe stehenden Personen, intensives Auseinandersetzen mit dem Romansubjekt führt zum zeitweisen Abbruch der Recherche. Zur Schwierigkeit, die er mit der Entstehung dieses Romans hatte, liest man etwa auf Seite 66: „Walter Benjamin folgend, dachte ich, wenn ein historisches Wesen erlöst worden ist, kann seine ganze Vergangenheit zitiert werden, sowohl die Verklärungen wie das Verborgene. Vielleicht deshalb konnte ich im Perón-Roman nur das Privateste von Perón erzählen und nicht seine öffentlichen Großtaten; immer wenn ich versuchte ihn als Ganzes zu fassen, zerbröselte mir der Text unter den Fingern. Mit Evita war es nicht so. Eva ist auch ein Vogel: Was man von vorn liest, ergibt denselben Sinn, wie wenn man es von hinten liest – Eva – Ave – Vogel. Was wollte ich mehr? Ich brauchte nur noch vorwärts zu gehen. Aber als ich das versuchte, lösten sich die Stränge meiner Stimmen und Notizen in nichts auf und vermoderten in den gelben Kisten, die ich von einem Exil ins andere mitschleppte.“ Es werden wichtige, wie gefährliche Menschen die zur lebenden, aber auch zur toten Evita in Beziehung stehen (besonders zu erwähnen ist Oberst Moori Koenig, ein Nachrichtenoffizier mit dem Auftrag den Leichnam zu beschützen, der sein ganzes Leben dieser Aufgabe opfert und die ihn in eine nekrophile Obsession führt) beleuchtet, ihre Motive und Hintergründe. Aber auch das Volk, die Anhänger, die “Hemdlosen” (die Descamidos) bekommt eine Stimme. Das ganze wird mit feiner Fiktion zu einem stimmigen Roman gemischt, der zwar für mich einige Längen hatte, aber trotzdem sehr lesenswert ist. Wenn man, wie ich, bisher eigentlich nur Ausschnitte aus Musical und Film kannte, ist die Lektüre eine tolle Einführung in die Welt Argentiniens vor und zur Zeit Peróns, sowie die Ergründung des Mythos Evita (ein ganzes Kapitel (8) befasst sich mit den Elementen, die diesen Mythos begründet haben). Manchmal wähnte ich mich in einem Geschichtsbuch, aber spannend und anziehend wie ein Krimi.

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